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Schreiben Psychiater, Psychologen, Psychotherapeuten auch gesund?

Frage von Divers | 27.02.2021 um 13:52

Ich wollte wissen ob diese Gruppe die Leute die zu ihnen kommen auch mal nicht als geistes- oder persönlichkeitsgestört kennzeichnen.

Und was sind dann dann für Leute, welcher ökonomischen Schicht gehören die meisten an?

Ich musste leider die Erfahrung machen, dass ich immer bei egal wem oder manchmal auch egal welcher, mit irgendeiner Diagnose vermerkt wurde. Manchmal wurde mir das mitgeteilt was ich hätte, manchmal nicht. So gut wie immer werden schnell Psychopharmaka oder Neuroleptika verschrieben.

Ich glaube nicht, dass die Erfahrungen die ich machen musste Einzelfälle sind, sondern Standard und ich denke, dass viele die mir ähnlich sind so abgefertigt und ihrem Leben/ im sozialen Aufstieg behindert werden.

Eigentlich wollte ich die Frage auf einem Forum oder einer Plattform stellen, wo es sehr wahrscheinlich ist mich mal mit Gleichgesinnten auszutauschen. So eine habe ich bis jetzt leider nicht gefunden.

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Grundsätzlich sollte das Ziel eines Psychotherapeuten, Psychiaters oder Psychologen natürlich darin bestehen, einen kranken Menschen gesund zu machen. Daher ist es prinzipiell natürlich nicht ausgeschlossen, dass ein Mensch nach einer entsprechenden Behandlung oder Genesung auch von dieser Berufsgruppe gesund geschrieben werden kann.

Auf der anderen Seite hast du natürlich recht, dass es hier einige Interessenkonflikte geben könnte. Eine Klinik oder ein niedergelassener Therapeut verdient natürlich nur so lange an einem Patienten, wie dieser krank ist und in Behandlung bleibt. Daher könnte durchaus das Interesse bestehen, diesen Zustand möglichst lange aufrecht zu erhalten.

Gleichzeitig sind die meisten Therapeuten aber auch extrem überlastet, sie könnten viel mehr Patienten aufnehmen, als sie Therapieplätze zur Verfügung haben. Dies sollte daher eher zu einem gegenteiligen Effekt führen, nicht endlos an dem gleichen Patienten herumzudoktern.

Dagegen spricht wiederum, dass Therapeuten ungerne ihrem Kollegen widersprechen. Wenn also ein Patient einmal eine Diagnose bekommen hat, ist es schwierig, diese Diagnose wieder loszuwerden. Jeder Therapeut, der das Gegenteil behauptet stellt sich damit ja direkt gegen seinen Kollegen. Daher werden Diagnosen gerne übernommen oder bestätigt. Wenn es sich dann natürlich um eine Diagnose handelt, bei der sich die Fachwelt einig ist, dass sie kaum zu behandeln ist, ist es natürlich noch schwerer aus dieser Diagnose wieder herauszukommen und eine Gesundschreibung zu erreichen.
28.02.2021 um 23:37

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Ich würde gerne mal wissen wo bei diesen Menschen (meistens sind es ja Männer) "Gesundheit" anfängt und wo sie aufhört.

Ich soll zum Beispiel gestört sein, weil ich nicht mehr zur Schule gegangen bin. Ich wollte mich den Hänseleien und dieser Heteronorm nicht aussetzen, aber ich war noch schulpflichtig und meine Mutter ist bloß eine alleinerziehende Hartz4erin, die auch nicht besonders feminin aussieht, handelt und Daheim nie gerne sauber machte. Es war dann eben wie bei denen in Hartz und Herzlich auf RTLII.

Und später hat man(n) mich gestört geschrieben, weil ich mich vegetarisch ernähre und keine Kinder will. Ich finde es unethisch Tiere auszubeuten. Die tun mir sehr leid - tat twam asi... ich sehe mich als die. Und Kinder will ich keine weil ich Fortpflanzung unethisch finde.

Ich habe Themen in den Gesprächen benannt, die gegen den Speziesismus, Pronatalismus und gegen die Heterosexismus, wie gegen die Misogynie der Norm gehen, die diese Männer und ich schätze auch die meisten Therapeutinnen dort vertreten.

Mir wurde dann zwar gesagt "dass sei meine Meinung" aber ich wusste da schon, dass die das gegen mich verwenden.

Ich weiß auch nicht wieso ich überhaupt was sagte. Ich wusste spätestens beim Dritten wie der Hase läuft, aber ich habe irgendwie sonst nichts in meinem Leben.

Mir fehlen Gleichgesinnte die mich verstehen und auch beschützen können wenn ich in solche oder vergleichbare Situationen gerate.

Letzten Endes finde ich es einfach schlimm, wie unethisch viele die arbeiten doch sind. Manchmal bin ich ganz froh Hart4erin zu sein und bis jetzt noch nie einen Finger krumm gemacht zu haben. Für so ein unethisches System will ich nicht arbeiten - habe aber leider auch keine Kraft das zu verbessern. So einzurichten, dass ich darin gern leben würde.

Mir bleibt nur ein experiementeller Weg: Entweder Transistion um zu schauen was geht (andere Mädchen gehen halt schwanger, aber das ist nix für mich) oder ich Trainiere wie eine Blöde oder erleide so einen tötlichverlaufenden Herzinfarkt oder bringe den Mut zum Suizid auf.

Das ist alles was ich in meinem Leben machen kann.
08.03.2021 um 12:22

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Sind es wirklich meistens Männer? In den Psychologiestudiengängen findet man doch inzwischen über 80 % Frauen, die meisten Männer haben doch nicht einmal die Noten für den NC, um in den Studiengang hineinzukommen.

Ansonsten bin ich ganz auf deiner Seite. Ich finde dass ein großes Problem bei Ärzten und Psychiatern darin besteht, dass ständig an der Norm gemessen wird. Ziel der Therapie soll ja oft sein, dass jemand wieder ein "normales" Leben führt, einen "normalen" Tagesablauf hin bekommt und so weiter.

Wenn man das aber als Messlatte oder als Vergleich nimmt, fällt automatisch jeder negativ auf, der ein anderes Leben führt. Hier wird gar nicht erst geschaut, wieso das so ist.

Ich finde hier machen es sich die Beurteiler nur einfach. Es ist der gestört, der von der Norm abweicht. Aber was ist die Norm? Die Norm könnte auch eine ganz andere sein, verrät aber nichts darüber, ob die Menschen, die dahinter stehen auch glücklich mit der Norm sind. Denkbar wären ja zum Beispiel auch Menschen, die darunter leiden, wie die Norm zu sein und anders sein wollen und letztendlich dann nur mit den gängigen Behandlungsmethoden entweder in ihr Unglück gedrängt werden oder erst unglücklich werden, weil man ihnen einredet, nicht normal zu sein.

Darf ich fragen, wieso du Fortpflanzung und ethisch findest? Jedes Lebewesen hat von der Natur aus doch die Fortpflanzung als zentrales Element.
08.03.2021 um 20:40

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Ich finde für deine Frage besonders den Vergleich zu Ärzten interessant.

Ärzte schreiben dich in der Regel ja auch nicht "gesund". Vielmehr bekommen Sie oftmals gar kein Feedback darüber, wie es ihren Patienten geht oder nach ihrer Behandlung ergangen ist, weil diese sich einfach nicht mehr melden und nicht mehr kommen, sobald sie genesen sind.

Ein Attest zum Beispiel wird ja in der Regel nur für einen bestimmten und begrenzten Zeitraum ausgestellt. Diese Vorgehensweise enthält entsprechend die Annahme, dass der Patient nach diesem Zeitraum wieder gesund sein wird (ohne jetzt explizit eine Gesundschreibung vorzunehmen). Stattdessen wird die Krankschreibung verlängert: Wenn es dem Patienten nach dem angenommenen Zeitraum immer noch nicht besser geht, wird das Attest verlängert, ansonsten ist der Patient halt wieder automatisch gesund (natürlich jetzt alles vereinfacht ausgedrückt, sicherlich gibt es auch noch Sonderfälle wie Langzeitbehandlungen, Krankenhausentlassungen nach Krankheiten etc., das würde ich jetzt aber der Einfachheit halber erst mal rauslassen).

Wenn man also diesen Vergleich auf dieser Ebene ziehen möchte, zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen körperlichen und psychischen Erkrankungen. Körperliche Erkrankungen werden quasi mit der Zeit immer wieder auf den Prüfstand gestellt und hinterfragt, die Tendenz ist also, dass langfristig eine Gesundung stattfindet.

Bei psychischen Erkrankungen dagegen scheint genau dieser Mechanismus zu fehlen. Ein klinisch erkrankter bekommt einmal das Label verpasst, und dann bleibt es. Es gibt kein Ablaufdatum wie bei einem Attest oder dergleichen. Ich finde ein Fehler des Systems. Gerade wenn man bedenkt, dass es bei psychischen Erkrankungen oftmals spontane Besserungen gibt.
01.03.2021 um 23:05

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"Naja ich glaube nicht an psychische Erkrankungen -wenn ausgeschlossen werden kann, dass kein Hirn oder anderer Organschaden, also was körperliches vorliegt, was zu psychosenartigen, unlogischen, destruktiven Verhalten führen kann.

Ich finde Therapeuten u. dgl. sind auch keine echten Ärzte, sondern irgendwie Ausselektierer, die das "krank" etikettieren, was eben arm, kinderlos oder alleinerziehend, alt, unfeminin, lesbisch wirkt oder ist, verwittwet, singel und auf jeden Fall anatomisch weiblich ist (zsm. sind diese "Indikationen" zu betrachten nicht einzeln und anatomisch weiblich ist der "Hauptindikator" meiner Erfahrung nach)

Es waren meistens auch weiße Männer die mich als irgendwie gestört etikettiert haben oder einmal eine Blondine mit Ring am Finger. Ich bin kein privilegiertes Mädchen und habe auch mal von einem Azubi-Therapeuten zu hören bekommen, ob ich "links sei". Auf meine Nachfrage warum, meinte der weil ich "so aussehe".

Also ich bin schon einmal eines: diskriminiert und die Psychiatrisierung sehe ich als ein reines Diskriminierungssystem an. Um "unwertes Leben" wie mich eben auszuselektieren. Im sozialen Aufstieg zu hindern.

In einem Buch war zitiert von Kristin Hersh (Throwing Muses)

>>Als Psychiologie-Studentin habe ich mal gelesen, dass es fur die Einschätzung, ob eine Frau eingewiesen werden soll, entscheident ist, ob ihr Haus sauber ist oder nicht. Und ich dachte mir: Na Klar! Dann hab ich mir ein Haus besorgt und kann mich nicht mal hinsetzen, wenn das Bett nicht gemacht ist. Und ich dachte: Wow, was versuchen wir hier alle zu reinigen? Wo ist der Schmutz? Jedenfalls nicht im Schlafzimmer!<<

Ich finde der Schmutz ist nicht in oder an den Frauen.

Als ich das Zitat las, hat mich das auch erinnert, dass die Therapeuten bei mir Hausbesuche machen wollten.

Ob die das überhaupt dürfen ist eine wichtige Frage.
08.03.2021 um 12:03

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Das was du hier schreibst geht ja auch in die Richtung "Norm" und von der Norm abweichen, wie ich es in meinem Kommentar oben ja schon erwähnt habe.

Im Endeffekt schauen diese Menschen nicht auf dich selber oder schauen die Welt aus deiner Perspektive an sondern gleichen dich mit der Norm ab. Dann kommen sie zu der Erkenntnis, dass du anders bist als andere, aber anstatt dies zunächst zu akzeptieren, bekommt genau das dann das Etikett "krank".

Wenn in diesem Sinne bewertet wird, ob ein Mensch psychisch krank ist oder nicht, kann dies aus meiner Sicht nur schief gehen und wird den Menschen dahinter nicht gerecht. Wieso kann nicht jemand aussehen wie er oder sie will, oder sich so kleiden? Wer definiert, dass ein Mensch nicht - platt gesagt - auch in einer vermüllten Umgebung leben darf? Wieso ist man dann direkt krank?

Die Sache mit der Wohnung geht in genau die gleiche Richtung. Vermutlich wollte die Therapeutin einfach nur ihr Klischee beziehungsweise das Bild, dass sie durch den Kopf gemacht hatte, damit bestätigen. Meiner Meinung nach dürfen sie das nicht ohne deine Zustimmung.

Auf der anderen Seite sagst du ja selber, dass du Probleme hast und allein die Tatsache, dass du nach Hilfe suchst, lässt die, die du dort ansteuerst, natürlich auch nach Gründen oder Behandlungsansätzen suchen. Aus deren Perspektive (auch wenn ich nicht dieser Meinung bin) liegt es da wahrscheinlich am nächsten, sich erst mal dein Erscheinungsbild und deine Wohnung und so weiter anzusehen.

Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass es auch andere Therapeuten gibt, die vielleicht selber - ohne jetzt ein treffendes Wort zu finden - eher "öko" sind. Wenn du bewusst so jemanden suchst, meinst du dann würdest du besser verstanden werden, weil dann vielleicht andere Dinge im Vordergrund stehen werden und nicht immer nur dann aussehen, deine Herkunft und so weiter?
08.03.2021 um 20:17

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