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Ist eine Wahlbeteiligung von 90 % wirklich erstrebenswert?

Frage von Ernst Egon | 14.09.2017 um 12:59 Uhr

Wenn ich in diesen Tagen vor der Wahl durch Zeitungen und Zeitschriften blättere, fallen mir immer wieder Anzeigen von Kampagnen auf, die sich offenbar zum Ziel gemacht haben, eine möglichst hohe Wahlbeteiligung bei der nächsten Bundestagswahl anzustreben.

Die eine Kampagne wirbt für eine Beteiligung von 80 %, einige Seiten weiter die Werbung für die nächste Kampagne, die sich sogar 90 % wünscht. Hinzu kommen die fast schon mantraartig wiederholten Appelle der Medien nach dem Motto: Hauptsache du gehst überhaupt wählen, der Rest ist egal.

Ich frage mich nun, ob das wirklich sinnvoll ist, wenn jeder, der eigentlich niemals wählen würde, zur Wahlurne getrieben wird. Was meint ihr? Ich würde das Thema gerne einmal diskutieren.

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Cleopatra

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Um diese Frage zu beantworten, muss man als erstes überlegen, was das überhaupt für Leute sind, die durch derartige Kampagnen angesprochen werden sollen.

Meiner Ansicht nach gibt es einerseits die Gruppe der wirklich Politik-Interessierten, die das aktuelle Geschehen und die Politik nicht nur kurz vor der Wahl verfolgen, sondern das ganze Jahr über. Diesen Menschen traue ich zu, eine vernünftige Wahl zu treffen und wirklich die Partei zu wählen, die ihre Meinung auch repräsentiert.

Das andere Extrem sind Menschen, die sich überhaupt nicht für Politik interessieren und die insbesondere dadurch auffallen, dass sie manchmal nicht einmal die bekanntesten Politiker ihrer Partei zuordnen können.

Nun ist die Frage, an wen sich derartige Appelle der Medien richten sollen. Den wirklich Politik-Interessierten braucht niemand zu erzählen, dass sie wählen sollen, denn diese Leute gehen sowieso von sich aus wählen, wenn nicht wirklich etwas ernsthaftes dazwischenkommt.

Mit anderen Worten kann sich die Kampagne eigentlich nur an die richten, die eigentlich keine Ahnung von Politik haben oder an die Gruppe von Menschen zwischen den beiden Extremen, die noch unentschlossen sind.

Was aber soll passieren, wenn jemand wählen geht, der nicht einmal die Politiker und die Inhalte der einzelnen Parteien kennt? Das kann nur dazu führen, dass die betreffende Person mehr oder weniger aus einem Impuls heraus wählt und damit mit einer hohen Wahrscheinlichkeit einer Partei ihre Stimme schenkt, die im schlimmsten Fall das Gegenteil davon präsentiert, was sich die Person eigentlich an Politik wünscht.

Ich möchte den Medien natürlich nichts unterstellen, aber zu Ende gedacht werden durch solche Appelle gerade die Parteien unterstützt, die mit leeren Versprechen oder mit Rattenfänger-Methoden in den Wahlkampf ziehen. Daher wäre mir um einiges lieber, wenn die Wahlbeteiligung so niedrig wäre, dass wirklich nur die wählen, die Ahnung von Politik haben. Für alle anderen Menschen wäre eine Enthaltung die klügere Wahl anstatt ihre Stimme zu verschenken.
14.09.2017 um 14:52 Uhr

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