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Bahnstreik versus Verkehrswende

Frage von Phantasia | 11.09.2021 um 16:43

Ausgerechnet in der aktuellen Zeit wo so viele Politiker von der Verkehrswende oder auch von der sogenannten Mobilitätswende sprechen veranstaltet GDL-Chef Claus Weselsky einen Bahnstreik nach dem anderen. Und das obwohl - wenn man die Verhandlungen zwischen der Deutschen Bahn und der GDL anschaut - nach vernünftigem Ermessen überhaupt kein Streik notwendig wäre.

Gleichzeitig wird der Streik mitgetragen von Politik und Medien, in denen eine Lesermeinung oder Zuschauermeinung nach der anderen veröffentlicht wird, alle in dem gleichen Tenor, dass ja so viel Verständnis für den Streik besteht. Schaut man sich aber  die Stimmung an den Bahnsteigen an, erhält man dagegen ein ganz anderes Bild.

Ich persönlich habe ehrlich gesagt überhaupt kein Verständnis für diesen Streik! Wenn man sich nun wirklich auf die Grünen verlassen hätte und hätte sein Auto abgeschafft, was wäre dann? Soll man dann einfach zu Hause bleiben? Wie erklärt man das seinem Arbeitgeber, seinen Patienten, wenn man im Krankenhaus arbeitet oder seinem Prüfer, wenn man nicht zur Prüfung erscheinen kann? Ist dieses Land wirklich auf einem Weg zu einer Lari-Fari-Kultur nach dem Motto "Wenn nicht heute, dann vielleicht morgen"? Das ist nicht das Land, in dem ich leben möchte.

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33 Stimmen

Wenn man die Verkehrswende wirklich ernst meint, dürfte es keinen Streik bei einem so wichtigen Infrastruktur-Betrieb wie der Bahn geben. Eine Verkehrswende kann nur dann funktionieren, wenn es echten Verlass auf Bahn und Co gibt. Das heißt, absolute Zuverlässigkeit und Planbarkeit.

In dem Moment wo diese nicht gegeben ist und ich sehe nicht nur diesen Streik als Beweis dafür, kann eine Verkehrswende nicht gelingen und die Menschen werden weiter auf ihr persönliches Auto angewiesen sein. Beziehungsweise nicht nur das, es wäre Wahnsinn in diesem Umfeld sein Auto abzuschaffen und sich auf die Bahn zu verlassen.
11.09.2021 um 20:48

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11 Stimme

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mein Auto während der Corona-Zeit nur selten benutzt habe (Stichwort Home Office und weniger Freizeitaktivitäten). Wir als Familie haben daher ernsthaft darüber nachgedacht, unser Auto abzuschaffen und stattdessen jedes Familienmitglied mit Fahrkarten für den öffentlich Nahverkehr auszustatten.

Zum Glück gab es jetzt aber diesen Streik! Das hat uns daran erinnert, wie wichtig es ist und wie viel Freiheit es bedeutet, ein eigenes Auto zu haben. Jeder in meiner Familie ist inzwischen davon überzeugt, dass die Bahn keine Alternative sein kann. Zumindest noch nicht.
11.09.2021 um 21:58

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Ich denke auch, dass bei einer ernst gemeinten Verkehrswende so einiges anders gemacht werden müsste. Alles zu privatisieren geht dann, meiner Meinung, nicht. Wenn dann würde der öffentliche Verkehr in öffentliche Hand gehören. Und die Fahrkarten müssten wirklich großzügig gefördert werden. Von staatlicher Seite und / oder auch von den Arbeitgebern aus. Außerdem müsste das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel deutlich verbessert und ausgebaut werden, damit es attraktiver wird. Und zuverlässiger fahren sollten Züge, Busse und Co auch.

Finanziell muss es sich auch lohnen. Für unsere Familie (2 Erwachsene, 1 Kind, 1 Hund) ist es sehr, sehr viel günstiger mit dem Auto zur ein paar hundert Kilometer entfernt fahrenden Familie zu fahren, als wenn wir den Zug nehmen würden.

Zugfahren wäre bequemer, aber es ist im Vergleich zum Autofahren absurd teuer. Finde das in Zeiten wie unseren auch grundfalsch.
04.11.2021 um 15:00

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11 Stimme

Spätestens nach den heutigen Corona-Beschlüssen (3G-Pflicht im öffentlichen Nahverkehr) kann niemand mehr in Deutschland behaupten dass ein kompletter Umstieg auf Bus und Bahn möglich ist oder man auf seinen privaten PKW verzichten könnte.

Früher hieß es noch, der ÖPNV wäre dazu verpflichtet, wirklich jeden zu befördern. Heute können Politiker offenbar von jetzt auf gleich beliebige Personengruppen von der Beförderung ausschließen.

Politiker mit Dienstwagen können es sich vermutlich nicht vorstellen, aber es gibt genug Menschen die darauf angewiesen sind von A nach B zu kommen oder Termine einzuhalten. Das ist de facto mit den neuen Regelung nicht mehr möglich: Mein nächstes Testzentrum ist zum Beispiel mehrere Kilometer entfernt. Soll ich jetzt mit dem Auto zum Testzentrum fahren um dann zurück zu kehren und den Bus zu nehmen? Da fahre ich doch lieber gleich mit dem Auto!

Die heutigen Beschlüsse haben mir einmal mehr gezeigt wie wichtig es ist, ein eigenes unabhängiges Verkehrsmittel zu haben das (noch) nicht vom Staat kontrolliert wird.
18.11.2021 um 20:38

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