7 7 Stimmen

Salonlöwe auf Bleistiftabsätzen

Blog von Gast | 16.08.2016 um 23:08 Uhr

Servus, liebe Bleistiftabsatzschuhe=Suchtgemeinde!

Ich bin mindestens seit = wenn ich mich recht entsinn = meinem neunten Lebensjahr süchtig nach eleganten classischen Pömps auf superhohen extradünnen Nadelabsätzen. Nun bin ich wohl der "Senior" unter den masculinen high heels addicts und hab seit Jahrzehnten sehr viel Freude dran... und drauf. = In Museen, KUNSTausstellungen ~ meine VATERstadt WIEN ist damit gefüllt ~ , auf Feierlichkeiten geh ich meist auf hypereleganten, classischen, spitzen, zehenansätzefrei décolletierten Nadelabsatzpömps, meine Lieblings- und Optimalhöhe auf Größe 45 beträgt 125 bis 130 mm, ich kann den ganzen Tag respect. Abend locker, sicher, bequem, beschwingt, leichtfüßig drauf schreiten.

Ihr schreibts oft von 17, 18 Centi-Absätzen... mutmaßlich mit Plateau-Sohlen, die ich aber als arg schiach [häääßlich] und ebenso unbequem empfind wegen der dicken, antibiegsamen, starren Sohlen. Ich trag meine feinen Traumstöcklschuhe zum correcten Anzug, farblich abgestimmt mit der Crawatte.

Grad die schönsten und nettesten Damen finden meine exquisiten Nadelabsatzpömps hyperelegant wie aufregend! (Soll ich's betonieren: ich bin definitiv heterosexuell.) Hab auch die Figur dafür, groß und schlank. = Flache Schuhe trag ich seit Jahren nicht mehr, kann damit nicht laufen. Im Alltag geh ich oft auf acht bis zehn Centi hohen Blockabsätzen... fünf oder sechs Centi trag ich nur, wennst es aus Protokoll-Gründen uuunbedingt "flach" sein muß.

Die netten Damen sagen, daß mir die schönen, classischen Nadelabsatzpömps, die ich in aller Regel ohne Strümpfe trag, sehr gut stehn und daß ich beneidenswert elegant darauf laufen kann. Es ist tatsächlich ein himmlisch wonniges, freiheitliches Gefühl, auf den hyperlangen extradünnen Fersenstiften zu schreiten! Für mich gehört dies zu den großen Lebensfreuden und bin dankbar dafür.

Mit fröhlichen Klick-Klick-Grüßen

Löwe

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44 Stimmen

Hallo Löwe!

Herzlich Willkommen an unserem kleinen Stammtisch!

Neun Jahre finde ich schon ziemlich früh! Weißt du noch dein erstes Erlebnis mit High Heels oder wie du mit 9 deine Leidenschaft entdeckt hast?

Eine andere Frage wäre, wie du deine Leidenschaft mit deinem Beruf kombinierst. Oder ist das kein Problem?
17.08.2016 um 02:43 Uhr

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33 Stimmen

Servus, liebe needle heels addicts!

Heut zu quaestio eins, die aber eine quaestio duplex ist. Fang' ma an. In den späten Fünfzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, als ich grad Taflklaßler [Schulanfänger] geworden bin, waren die feinen spitzen, eleganten Nadelabsatzpömps, die 'de rigeur Schuhe', allgegenwärtig. {Wie 'archaisch' das klingt... grad hatt ich meinen Löwengeburtstag und i trau mi' net zu schreiben, den Wievielten... ich fühl mich wesentlich jünger... und das häufige freudige Gehn auf hyperschicken steilen, spitzen Nadelabsatzpömps ist eins der Geheimnisse der Ewigen Jugend.} Alle gutausschauenden Damen haben zarte Stöcklschuhe getragen, oft Modelle von Monsieur Roger Vivier, der die talons aiguilles créiert haben soll. Die dünnen Absätze waren fünf (die zierlichen Audrey Hepburn Pömps) bis zehn, maximal ölf Centi hoch... und sehr viele Damen haben sie disciplinvoll und conventionsmäßig überall 'vorgeführt'. == Hier muß ich etwas einschieben. In meiner Kleinbubnzeit hat mein Kinderarzt, der Onkl Medicinalrat, bei mir einen corrigierbaren Körperhaltungsfehler diagnosticiert und hat angeordnet, daß ich oft auf Zehen, mit hoch angehobenen Fersen gehn solle. Anfangs hab ich das teppert gefunden, doch später hatt ich Gefallen am eleganten hochfersigen Schreiten. == Ich hab mehrere attractive needle heels ladies gekannt... u.a. die schöne Tochter eines bekannten Baukünstlers, die nahezu schwebend immer und überall auf elfentraumhaften superspitzen zehenansätzfrei décolletierten Pömps auf cca zehn Centi hohen extradünnen Fersenstäbchen ging. Als kleiner Bub war ich von diesem aesthetischen Anblick fasciniert... und hab mir solche Schucherl gewünscht. Ich hab gedacht, daß dieses elegante Stöckln das gleiche sei wie das von mir verlangte gesunde = der Onkl Medicinalrat hat's gesagt, also mußt es so sein = hochfersige Gehn, nur bequem und erleichternd gestützt durch die langen, dünnen, schicken Ferstenstifte. Und überall hab ich Stöcklschuhe gesehn!! Also: was liegt näher, als daß ich mir ganz sehnlich feine hochhackige Nadelabsatzpömps gewünscht hab. Allabends hab ich die zuständigen HEILIGEN gebeten, sie mögen für mich ein Paar Traumstöcklschuhe herbeizaubern... Und eines Tags ist mein Flehn erhöht worden!!
Forts. f.
Löwe.
18.08.2016 um 15:17 Uhr

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22 Stimmen

Fortsetzung, wennst Euch interessiert. Der Schlußsatz des vorigen Berichts muß besser heißen: Und eines Tags ist mein Flehn ERHÖRT worden!! Und genau da mag ich jetzt fröhlich weiterstöckeln.

Ich war, wenn ich mich recht entsinn, neun Jahr jung, als eines Abends meine Eltern feiern gegangen sind; sie haben gemeint ich sei jetzt groß genug, um für einige Stunden allein im Haus zu bleiben = und haben meinem lieben Erziehfräulein Dienstschluß gewährt. == Hier muß ich wieder etwas einschieben. Wir sind seit vielen Generationen Spätlinge, heiraten in der hochreifen Jugend leicht reife Damen. ~ Dies gilt auch für mich: mein Sohn und ich sind 46 Jahr auseinander. ~ Alors... meine Mutter war 36, als sie mich geboren hat... und kurz darauf hat sie beschlossen, sogen. bequeme Schuhe zu tragen, so ähnliche, wie sie I.M. die Brit. Königin noch mit Neunzig bevorzugt; sie hat ihre hocheleganten Traumstöcklschucherl ausrangiert... also hab ich meine Mutter immer nur auf Bequemschuhen gesehn. == Allora... ich mit neun Jahren allein im Haus hab angefangen, die Kästen zu inspiciern. In einem selten betretenen kleinen Stüberl, genannt (so gesprochen:) die Gardrobstubn, waren nur plafondhohe weiße Kästen, gefüllt mit ausgemustertem resp. wenig benütztem Hausrat. Und hier fängt meine Große Stöcklschuhe-Freude an: Auf einem Einlegbrett hab ich eine collectio von féenmärchentraumhaft schönen, zierlichen Modell-Nadelabsatzpömps erblickt!! Die hocheleganten Stöckl aus der Frühjugend meiner Mutter, in Größe 37 (aufgrund der damals modischen Füßchen-Eitelkeit eine Nummer zu klein). Selbst- und weltvergessen hab ich mir das wunderschönste Paar an meine formschönen schlanken Füßlis gestreift... himmlisch elegant geschnittene carmesinrote, sehr spitze, schmale, zehenansätzefrei décolletierte Elfenträumchenpömps mit schick-frecher Mascherl-Verzierung über den Spitzen, auf steilen, dünnen Nadelabsätzen!!

Forts.f.
Mit fröhlichen Klick-Klick-Grüßen
Löwe.
19.08.2016 um 01:53 Uhr

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44 Stimmen

Klar sind wir an einer Fortsetzung interessiert... Was für eine Frage.

Und ab diesem Zeitpunkt an hast du dann öfters heimlich die Kiste geöffnet? Wurdest du nie von deiner Mutter erwischt??
19.08.2016 um 22:37 Uhr

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22 Stimmen

Liebe needle heels addicts!

Es freut mich sehr, daß Euch der Bericht interessiert. Also: nächste Fortsetzung. Ich kann noch lang fortschreiben, denn in einem halben Jahrhundert hab ich sehr viel Schönes auf hoch=eleganten Traum=Stöcklschuhen erlebt... mög's so bleiben nochmal so lang!!

{Vorher schnell zur Zwischenquaestio "von (...) Mutter erwischt": Hierzu ist es net gekommen. Meine Eltern waren zwar (wenn nötig gewesen:) strenge, aber stets fröhliche, vornehme, freidenkerische Menschen. Weiters: ich hab mir rasch was einfallen lassen... wir Löwen sind ideenreich, wie man sagt. Doch hierauf komm ich zurück im nun folgenden Capitel. Forts. folgt in wenigen Minuten.}
20.08.2016 um 01:52 Uhr

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22 Stimmen

Fortsetzung.

Ich mit neun Jahren vor dem weißen Kasten... und hab mir die himmlischen Nadelabsatzpömps angestreift... und zunächst war ich betrübt, denn selbst diese filigranhaften 37-er Traumstöckl waren noch zwei Nummern zu groß für mich. Aber ich hab mir zu helfen gewußt und hab die schmalen Spitzen zur Hälfte mit Watte gefüllt. Abermals hab ich meine schlanken Füßchen elegant in die feinen federleichten Stöckl=Juwelen gleiten lassen... und jetzt haben die Elfenpömps gepaßt. Erst war die Freude an der Aesthetik da: Die aufregenden, zauberhaften Traumstöcklschuhe haben himmlisch gut ausgeschaut an meinen formschönen, schlanken Füßchen... und umgekehrt auch: meine gewölbten, biegsamen Füßchen haben himmlisch gut ausgeschaut auf den exquisiten, eleganten Nadelabsatzpömps... Ich war im hochfersigen Gehn absolut routiniert (Ihr entsinnts Euch: der Onkl Medicinalrat... übrigens: der Körperhaltunsgfehler war vollständig weg... aber ich hab mich so sehr an das hochhackige Laufen gewöhnt, daß die Flachtreter für mich zur Qual geworden sind) = also mußt ich keine Secunde lang das Stöckln üben. Bin sogleich fröhlich wie wonnig drauflosgelöwt auf den wunderbaren Nadelabsatzpömps, bin zwei Stunden lang im Haus hin und hergestöcklt. Es war ganz so, wie ich mir die Sache vorgestellt hatte: Die hohen, dünnen Nadelabsätze waren absolut phantastisch bequem!! Wohlige, willkommene Stützen für die Fersen meiner im Zehengang voll geübten Füße... Ich bin mehrmals zum großen Spiegel im Foyer gegangen und hab mir die Elfentraumpömps resp. meine hoch bestöcklten Füßlis vorgeführt... ja, ich hab mir mich selbst vorgeführt auf meinen [meinen!!] wunderschönen, eleganten Bleistiftabsatzschuhen... Spätestens seit jenem Abend bin ich absolut süchtig nach spitzen, zehenansätzefreien, steilhackigen exquisiten Nadelabsatzpömps.

Forts. f. = Mit fröhlichen Klick-Klick-Grüßen
Löwe.
20.08.2016 um 02:42 Uhr

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22 Stimmen

Fortsetzung = kurz, weiteres folgt.

Es war ~ und bleibt ~ ein unbeschreiblich gutes, aufregendes Gefühl, auf den bezaubernd feschen Stöcklschucherln, auf den steilen, extradünnen Nadelabsätzen zu schreiten... ich hab die Traumpömps erst dann eiligst in den Kasten zurückgestellt, als ich am Hausportal das Scheppern von Schlüssel und Klinke vernommen hab. Es versteht sich von selbst, daß ich von jenem Abend an jede Occasio ergriffen hab, den hohen weißen Kasten aufzumachen und ein Paar zarte Bleistiftabsatzpömps an meine Füßchen zu streifen, um mich darauf möglichst langzeitig zu promenieren. Durch alle Stuben, alle Stiegen hinunter und hinauf...

Fortsetzung folgt.
Löwe.
20.08.2016 um 14:48 Uhr

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11 Stimme

Hast du dann immer nur die Schuhe aus der Kiste getragen oder dir irgendwann auch noch andere besorgt?

Und äußert sich deine Leidenschaft nur in dem Tragen von hohen Schuhen oder auch im Tragen anderer Kleidung für Damen?
20.08.2016 um 15:05 Uhr

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00 Stimmen

Fortsetzung / siebter Abschnitt.

Zuvor war ich sehr=sehr ungern allein im großen Haus, doch nun hab ich selbst eifrig angeregt, daß meine feierfreudigen, stets hocheleganten Eltern wieder mal in die Staatsoper oder auf ein privates Hausfest gehn sollten. Was meine Eltern über diesen meinen Sinneswandel wohl gedacht haben mochten, hab ich nie erfahren. Ich kann mich dessen entsinnen, daß ich meiner Mutter ein kurzes Brieferl geschrieben hab, in welchem ich ihr viel Freude wünsch bei künftigen gesellschaftlichen Activitäten. Vater und Mutter haben es erfreut aufgenommen, daß ich nun bereitwillig abends allein bleib im Haus... sie sind dann tatsächlich häufiger ausgegangen = und ich hatt Freude über Freude am Schreiten auf den feschen leidenschaftlich gemochten Elfen=Nadelabsatzpömps.
Ich hatt außer den carmesinfärbigen Stöcklträumchen ein zweites Paar Lieblings=Schucherl auf extradünnen Nadelabsatzen, ganz zauberhaft wunderschön und ausgefallen... Hierüber später.

Mit fröhlichen Klick=Klick=Grüßen
Löwe.
20.08.2016 um 15:14 Uhr

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Schnell zu den beiden Zwischenquaestiones, außerhalb des Protokolls.
I. Die Traumstöcklschuherl aus dem Kasten, Größe 37, haben mir nur bis zu meinem ölften Lebensjahr gepaßt. Nachher mußt ich mich anderweitig umschaun. Das ist chronologisch noch lang hin.
II. Meine Leidenschaft beschränkt sich auf feine Nadelabsatzpömps = ich bin ein needle heels addict. Damenkleidung rühr ich net an, sie steht den schönen Damen viel besser als uns Mannsbildern. Meine eleganten Bleistiftbsatzschuhe, die ich recht häufig in der Öffentlichkeit anhab, sind für mich keine "Damenschuhe", vielmehr meine eigenen. Grad die nettesten und feschsten Damen sagen, daß mir meine dream high heels zum Anzug mit Crawatte sehr gut stehn und daß ich beneidenswert gut, elfenhaft, drauf laufen kann.

Mit fröhlichen Klick=Klick=Grüßen
Löwe.
20.08.2016 um 16:00 Uhr

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22 Stimmen

Fortsetzung / Abschnitt acht, wenn Ihr es lesen wollts. Ich schreib gern meine = bisherigen = talons aiguilles mémoires, aber ich mag Euch selbstredend net langweilen.

Ich hab also die schöne Freude oft genossen... und bin auf den (in sensu duplice) zauberhaften federleichten wonnevoll bequemen Nadelabsatzpömps leichtfüßig, beschwingt, sicher umhergestöcklt. Als ich dann Ende zehn resp. Anfang elf Jahr jung war, haben mir die filigranhaften 37=er Elfenpömps perfect gepaßt, ganz wie maßgefertigt. In meiner kindlichen Unbedarftheit hab ich mir ausgemalt, daß ich als Erwachsener immer auf hohen, schicken Nadelabsatzpömps gehn werde. {Meine sorgsamen Eltern hatten mich abgeschirmt von der derben Aggression der Entern Gründ, das sind, für nicht-WIENer, die Außenbezirke; ich hab als Kind nur Frieden, Cultur und Fröhlichkeit gekannt.} Ich hatt ein zweites Lieblingspaar aus dem weißen Kasten: zarte helllöwenfarbige superschlanke Modell-Pömps mit schmaler Carré-Spitze und rechteckiger, mit dem weit zehenansätzefreien Ausschnitt abschließender Zierlasche sowie mit ganz frecher fünf Millimeter Lochungsmuster (außer im vordersten Teil der Spitzen, in den Fersenkappen und den Zierlaschen), die ganze Märchenhaftigkeit auf acht Centi hohen extradünnen Stricknadelabsätzen. Diese federleichten Fußjuwelen gehören zu den schönsten Schuhen, die ich je gesehn hab. Und sie sind mir elfentraumhaft gut gestanden!! = Allmählich hab ich die Heimlichtuerei nicht eingesehen... und es wurde Zeit dafür, daß ich mir was einfallen laß; ich hab die HEILIGEN um Beistand gebeten. Wieder ist mein Flehn ERHÖRT worden... diesmal in Gestalt einer Einladung in eine gepflegte Kindercarnevalsfeier sowie eines Buchs mit großen Bildern von hocheleganten altfranzösischen Hofcavalieren drin.

Fortsetzung folgt.
Löwe
momentan auf schwarzen Wildleder-Traumpömps auf zwölf Centi hohen Franzosenabsätzen... präcis zum Thema passend.
20.08.2016 um 18:00 Uhr

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22 Stimmen

Fortsetzung / Abschnitt neun.

Ich war im ölften Lebensjahr und hab mich löwenhaft gefreut auf meinen ersten Juniorencarnevals-Nachmittag... Hab Tage zuvor angefangen, mich vorzubereiten. Wir hatten im großen Haus einen Fundus von Carnevalscostümen. Teils aus dem Fundus, teils im Eigenbau hab ich die elegante Kleidung eines französischen Baroque-Chevalier zusammengestellt: Dreispitz, justaucorps, weiße Weste, Halsjabot, Degen, Kniehosen, weiße Strümpfe...
und dann kam die interessante Sache mit den stilvollen Schuhen...

Fortsetzung folgt.
20.08.2016 um 20:37 Uhr

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22 Stimmen

Fortsetzung / Abschnitt zehn; pardonnez=moi, vorhin bin ich beim Schreiben unterbrochen worden.

Allora... stilvolles hochhackiges Schuhwerk. Ich hab die elegante Hofcavalier=Kleidung angezogen, dazu in Ermangelung der Stöckelschuhe ein Paar bewußt schleißige Schlapfen, hab das Buch gegriffen und bin, mit dem Dreispitz in der Hand, zu meiner Mutter ins Damenzimmer gegangen. Sie hat grad gelesen... Ich hab ihr ein schönes Bild im Buch vorgezeigt: Da war ein sehr eleganter Baroque-Chevalier dargestellt, so ähnlich gekleidet wie ich selbst grad, doch er hatte schicke Schuhe an mit riesigen Mascherln und auf ansehnlich hohen roten Pfennigabsätzen. "Ich brauch, bitte, solch hochhackige Schuhe für den Carneval zu meinem Costume." Meine Mutter hat erwidert: "Speciell solche haben wir nicht". Darauf ich: "Haben wir denn irgendwelche Stöcklschuhe... in Größe 37..." Als ich dies Zahlwort ausgesprochen hab, ist meiner Mutter plötzlich ein Gedanke aufgegangen...: "Ja... aber... das sind richtige Stöcklschuhe... ob sie was für Dich sind..." Ich hab meine Mutter flehentlich angesehn... und, jö schau, sie hat mich gleich in die Gardrobstubn geführt, zum weißen Kasten der Freuden... Meine himmelsfreudige Erregung ~ oh wie mein Herz geschlagen hat! ~ verbergend hab ich nach den helllöwenfarbigen Elfchenträumen von Nadelabsatzpömps gegriffen. Wir haben sie ins Damenzimmer mitgenommen. Ich ließ meine weißbestrumpften schlanken Füßchen in die märchenhaften steilhackigen Elfenfußjuwelen gleiten, hab mir den Dreispitz aufgesetzt und hab meine Kleidung und vor allem "meine" zarten dream high heels meiner Mutter geschickt vorgeführt, im Zimmer elegant umherschreitend. "Du siehst wunderbar aus in den Sachen!", commentierte meine Mutter, ist aufgestanden und hat mich umarmt. "Mein hübscher Bub... die Fräuleins werden hingerissen sein, wenn sie Dich sehn! ... Und... Du kannst richtig gut laufen auf Nadelabsätzen! Das hast Du von mir... weißt, als ich ledig war, hab ich immer hohe Stöcklschuhe getragen... die Absätze konnten für mich net hoch genug sein! Ich wollt meine etwas stämmigen Beine schöner erscheinen lassen..."

Fortsetzung folgt.
Löwe
auf sehr eleganten Zwölferpömps im Franzosenstil.
20.08.2016 um 21:27 Uhr

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00 Stimmen

Fortsetzung geht net, nach mehreren Proben.
Der Rechner nimmt den Text net an, wegen "Groß- und Kleinschreibung"... mehr als lächerlich, eher ärgerlich. Ich als gestandener Schriftsteller und Liguist werd wohl schreiben können.
L.
21.08.2016 um 15:38 Uhr

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22 Stimmen

LINGUIST (net Liguist)... i schrääb z'schnöö. Der Empfänger=Rechner möge doch, bitte, so eingestellt werden, daß dies Großkleinschreib=commando net mehr erscheint... und schon gar net unbegründeterweis. Seitelange Texte hab ich hier schon dreimal (!) geschrieben, bis der Rechner sie geschluckt hat. Hat er etwa was gegen WIENer Mundartwörter...Was der Bauer net kennt... L.
21.08.2016 um 15:45 Uhr

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11 Stimme

Fortsetzung / Folge ölf. Probiern wir es mit einem Kurztext.

"Wart mal...", sagte meine Mutter, die grad in fröhlichster Laune war. "Ich zeig Dir ein Bild." Sie ist zu ihrer Lieblingscommode gegangen, hat eine Weile gesucht unter Seidentüchern, Göldbörsln und ähnlichem... und dann hatte sie die kleine Photographie. Wir haben uns niedergesetzt und uns das Bild angeschaut: Die Darstellung einer attractiven jungen Dame der Gesellschaft im exquisiten Schneidercostume... an den Füßchen ein Paar kinostarhaft elegante schwarze Pömps auf hyperextrasteilen Pfennigabsätzen. "So hab ich ausgeschaut vor Deiner Zeit", sagte meine Mutter heiter. "Und wie Du siehst, trag ich schicke Pömps auf turmhohen Absätzen... ich hatte immer solche an, bis zu Deiner Geburt. Ich hab steile Hacken geliebt! " Wir lächelten uns zu.
21.08.2016 um 17:05 Uhr

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Mandy

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22 Stimmen

Naja, ist doch eigentlich ganz einfach. Erster Buchstabe des Textes groß, nach jedem Punkt groß. Wenn du natürlich jetzt immer "..." schreibst und danach klein weiter ist es ja kein Wunder dass es nicht klappt, egal wie viel Wiener Mundart du verwendest. Also ich hatte noch nie Probleme hier...

Und die Langversion würde ich natürlich auch gerne lesen...
21.08.2016 um 19:24 Uhr

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Servus, liebe high heels addicts!

Fortsetzung Folge zwölf. Zuerst Dank an Fräulein Collegin Mandy für die wertvollen Hinweise. Muß wohl meine individuelle SchreibKUNST etwas einschränken... elektronikconform. Modern times... Ich schreib gern weiter, wenn Ihr meinen langen Bericht gern lests. Allora, da ist die Weiterführung des vorigen Kurztexts.
Ab nun kurzpassagenweis abgesandt, damit net seitenweiser Text nausgwurfn und noamoi und noamoi geschrieben werden muß.

"Konnten Sie darauf gut laufen, Mutter?", hab ich gefragt. {Jetzt wunderts Euch net... in unsern conservativen altösterreichischen Gesellschaftslöwen=Familien war es üblich, daß die Kinder die Eltern und alle Seniores gesiezt haben, während alle erwachsenen Herren aus dieser Schicht sofort auf Du waren, selbst wenn sie sich nur flüchtig gekannt haben; das zweite gibt es noch, wenn auch net mehr durchgehend, das erste gibt es fast gar net mehr... mein moderner Sohn hat diese Tradition ins Familienmuseum gestellt.}
21.08.2016 um 20:37 Uhr

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33 Stimmen

Schnöö was zwischendurch. Einige von Euch lesen meinen Bericht offenbar gern. Meine zweite Frau [i bin net geschieden, meine selige erste Frau ist früh verstorben] und ich sind ein Schriftsteller-Paar unter dem gemeinsamen Künstlernamen Ingoline von Loewenburg. Buchtitel darf ich hier wohl net nennen... obschon ich als (unter anderem:) Jurist keine Rechtsvorschrift kenn, die die Nennung von KUNSTwerktiteln restringiert. Namen von Künstlern dürfen aber ganz gewiß immer und überall genannt werden, also hier auch. Wenn ich [vergebts die hochgestochene Analogie] hier Leonardo da Vinci schreib, dann ist das keine Reclame zugunsten eines Besuchs im Louvre. Alors... wir schreiben großstädtisch humorig=gesellschaftskritisch... auch über Nadelabsatzpömps. L.
21.08.2016 um 21:29 Uhr

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Folge dreizehn, direct an zwölf anschließend.

"Ich konnte SEHR gut darauf laufen!", erwiderte meine Mutter, mit dem Ton der Begeisterung und vielleicht mit etwas Wehmut in ihrer Stimme. "Allerdings hab ich mir die Füße arg verdorben, denn ich hab immer eine Nummer zu kleine Stöcklschucherl getragen... aus Eitelkeit, weißt..." Wir lächelten wieder. Dann hat meine Mutter gemahnt: "Trag nie zu kurze Schuhe! Du hast schöne, schmale Füßchen, die hast Du auch von mir... ich hatt auch mal solche..." Dann haben wir eine halbe Stunde heiter über Nadelabsatzpömps conversiert; Damen tun dies sehr gern = und wir needle heels addicts ebenso. == Vorgreifend: meine Mutter ist in guter Gesundheit 86 geworden... und wir haben ein halbes Jahrhundert lang immer und wieder mal fröhlich=sachcompetent über schöne nadelhackige Schuhe, wie meine Mutter die schicken high heels genannt hat, geredet. Zwei lebenslustige needle heels addicts. ==

Die causa Bleistiftabsatzpömps für meine Chevalier Kleidung war nun himmlisch beglückend gelöst. Und ich hab mich riesig und junglöwenhaft gefreut auf den Juniorencarnevals-Nachmittag, gewiß wegen des freien, öffentlichen Gehns auf meinen herzigen Elfenträumchen von zauberhaften Nadelabsatzpömps... und auch wegen des erwarteten Wiederschauns mit einer sehr schönen gleichaltrigen kleinen Fräulein, die ich schon lang gekannt hab...

Fortsetzung folgt.
Löwe
auf knuffeeleganten schwarzen Pömps im Frazosenstil auf zwölf Centi hohen Louis quinze Absätzen.
21.08.2016 um 22:33 Uhr

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22 Stimmen

Folge vierzehn. So langsam wird a neichs Bucherl drausse. [Vorsicht, net "Büchl", das bedeutet was anderes in WIEN.]
Eine kleine correctura: im vorigen Text soll es in der vorletzten Zeile richtig FRANZOSENSTIL heißen. 

Der Tag des Juniorencarnevals war da! Ich hab mich sehr sorgfältig angezogen als Baroque Chevalier, hab mir freudig und wonnig die liebreizenden helllöwenfarbigen Traum=Nadelabsatzpömps an die Füße gestreift und dann Abmarschbereitschaft gemeldet. Meine Erziehfreiln [das Fräulein heißt WIENerisch: die Freil(l)n, der articulus femininus ist gewiß logisch, denn es geht net um die Verkleinerungsendung sondern um die Weiblichkeit der Freillns] hat den Auftrag erhalten, mich aus Sicherheitsgründen zu escortieren und dann am Abend wieder abzuholen. Meine liebe Freiln... Jahrgang 1898, in WIEN war dies das Jahr vieler technischer Innovationen... und der Ermordung I.M. der Kaiserin Elisabeth; Fräulein Anna Litschauer=Loidolt war die cultivierte Tochter einer Musicus=Familie, ihr Cousin, der berühmte Capellmeister Franz Litschauer hat das WIENer Kammerorchester gegründet. = Meine Mutter hat mich in Freiln Annas Obhut übergeben. "Willst net die Schuhe wechseln?", haben die Damen gefragt. "Ich möcht sie gern anbehalten, es ist ja net weit", erwiderte ich. Der Saal war wirklich nah, nur drei Gassenecken weiter... leider, denn ich wär gern länger gestöcklt auf meinen wunderbaren, zarten, schweberisch bequemen Nadelabsatzpömps.

Commandier ab, aus techn, Gründen.
22.08.2016 um 14:37 Uhr

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Folge fünfzehn. Allmählich braucht das Ganze einen Titel.

Lange Wege auf high heels! Das geht mir auch jetzt noch, ein gutes halbes Jahrhundert weiter, genau so: Wenn ich mit Flachlingen (das sind für mich Absätze von fünf bis sieben Centi) unterwegs bin, zieht sich die Strecke arg und fad hin... aber wenn ich auf Zwölfern oder Dreizehnern fröhlich auf dem Pflaster schreit, dann hab ich stets das Empfinden, daß ich zu schnell am Ziel angekommen bin.
DAS ist für mich löwenprivat die berühmte "Relativität der Zeit".

"Ich möcht meine Stöcklschuhe gern etwas einlaufen", hab ich geflunkert. "Und a wengerl üben, hm?", fragte meine Mutter. "Ja", hab ich eine zweite Flunkerei intoniert. Ich hab nämlich weder Einlaufen noch Übung benötigt, aber das braucht keiner zu wissen.

Ich commandier los; mein Sohn besucht mich grad in der Cantzley.
L.
22.08.2016 um 15:09 Uhr

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22 Stimmen

Folge sechzehn. (Bin i z´schnöö...)

"Na schön", sagte meine Mutter. "Ich seh, Du kannst es gut. Und... Du gehst sowieso sehr gern Fersen hoch = auf Zehenspitzen. Übrigens... der Onkl Medicinalrat hatte recht: Du hast jetzt eine schöne grade Haltung, acht immer drauf, daß Du sie behältst." "Das stimmt", dacht ich ergänzend, "aber ich kann nur noch hochhackig gehn." Die causa war zweischneidig; die lustlose Maschikseitn der Sache war, daß ich zu oft die ungeliebten, unbequemen, für mich antiphysiologisch gewordenen Flachstampfer anziehn mußte, in denen meine ganze Rückansicht von den Fersen bis zum Genick weh getan hat. Doch die Freude, bei jeder passenden Gelegenheit auf den wonnebringenden, aufregenden Nadelabsatzpömps zu schweben hat deutlich überwogen. = "Sei aber vorsichtig auf den Nadelhacken", hat meine Mutter schließlich gemahnt. ("High Heels" hat zu jener Zeit niemand gesagt; selbst die Engländer haben von court shoes geredet, kurz: courts, was also net nur Justiz, präciser die Gesamtheit der Gerichtshöfe bedeutet.) = Meine Freilln hat auch gemahnt: "Sei vorsichtig auf diesen herzigen escarpins!". Ein schönes, elegantes Wort für meine Elfchentraum=High Courts (Hohes Gericht = der Leserschaft = , beachtet den Wortscherz!).
Und wir haben, Winterröcke angezogen, uns auf den Weg gemacht.

Fortsetzung folgt.
Löwe.
22.08.2016 um 15:49 Uhr

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11 Stimme

Folge siebzehn.

Es war, dem HIMMEL sei Dank, ein zwar kühler, aber trockner Spätwinter, die Gassen waren aper. (Der garstige, glitschige Winterniederschlag gehört, wie es alle needle heels addicts wissen, zu den ärgsten Feinden von feinen Stöcklschuhen... und von deren Trägern.) Wir haben unterwegs viele Carnevalisten gesichtet. Für mich was es das erste Mal, daß ich auf dem öffentlichen Pflaster auf Nadelabsätzen gegangen bin... und eine bis dahin kaum beachtete Freude ist dazugekommen. Meine allerersten Lieblings- Stöcklschuhe, die carmesinfarbenen mit den frechen Mascherln, hatten Hartlederfleckn als Standflächen der neun Centi langen Bleistiftabsätze... aber die acht Centi hohen hyperdünnen Stricknadelabsätze der helllöwenfärbigen Elfenträumchen, die ich grad anhatte, waren mit metallenen Auftrittstiften beschlagen. Zum aufregend und nahezu übersinnlich guten Laufgefühl auf den schwebhaften langen Fersennadeln hat sich der akustische Genuß des hellen Klick=Klick zugesellt. (Alle schreiben "Klick=Klick"... Ich selbst auch, obschon sich die metallenen Absatzspitzen beim rhythmischen Schreiten eher wie "Küp=Küp" anhören.)
23.08.2016 um 00:38 Uhr

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11 Stimme

Folge achtzehn.

Ich bin auf dem Pflaster geschickt und routiniert geschritten auf meinen hohen Fersenstäbchen... denn ich hatte im Freien, wenn auch im Privatbereich, hinlänglich Stöckl=Erfahrung. Wir hatten nämlich am Rand der Großstadt eine schöne Sommerresidenz mit einem weitläufigen, wunderschönen Privatpark, in dem meine Mutter himmlisch duftende Rosen gezüchtet hat. {Erst meine sel. erste Frau hat das Anwesen verkauft um die Jahrtausendwende herum, was dann auf Umwegen sehr traurige Folgen hatte... aber das ist eine andere lange Gschicht, bleiben wir bloß heiter.} Im kleinen Salon des Sommerhauses war ein großer antiker Kasten mit stilisiert=floraler Folklore=Bemalung {das Möbelstück ist auch jetzt in unserm Besitz}. Oben ist viel Kleidung an der Stange gehangen, doch darunter war ein lang net aufgeräumtes Chaos, absolut atypisch für meine äußerst ordentliche Mutter. Diesen Haufen = wohl einer zarten Hoffnung nachgehend = hab ich eines Tags durchkramt... und... jö schau! Ein paar vergessene sommerliche "Füßevorführer" sind mir in die Hände geglitten, Größe 37, folglich aus der Frühjugend meiner Mutter, der einstigen Stiftabsätze- Königin. Im Princip waren das Badeschlapferl oder Strandschucherl, aber WAS für welche!! Circa ein Centi starke glänzend lackierte Holzsohlen, ganz zehenfrei, als Oberteil jeweils ein Lederstreifen in hellblau und weiß, in der Mitte elegant geknotet, und diese feschen Dingelchen auf gut neun Centi hohen, sehr dünnen, mattsilbrig schimmernden Stahlstiftabsätzen. Hyperschick... ähnliche hat die schöne Sophia Loren in einigen Kinostreifen als betörende Hausschuhe getragen. == Solche "Füßchenvorführer" sieht man heut fast net mehr... leider. Als mein Vater und ich 1980 herum in Cannes waren ~ mein VATER hatte viel Göld, das er auch gern und großzügig ausgegeben hat, es war eine herrliche Freude, mit ihm mondäne Reisen zu machen, während meine Mutter lieber bei ihren Rosen verblieben ist ~ hab ich auf der eleganten Strandpromenade oft Schönheiten auf solchen Klack=Klack=Summer=Needle=Heels gesehen, die ihre schönen gepflegten Elfenfüßlis stolz vorgeführt haben. Welch schöne Zeiten... == Nun, wann immer meine Eltern Besuche in der Nachbarschaft gemacht haben, und ich allein in Haus und Park verblieben bin, hab ich mir schnell die aufregend schicken luftigen Stöcklträume angestreift und unsern Privatpark durchwandert, die unterschiedlichen Bodenarten mit System probierend... und gut meisternd. Da waren Gebüsch, viel Wiese, Terrassen mit Stufen, Schotterwege, Zementwege und ein halbes Dutzend Stiegen. Ich war also "geländetauglich" auf steilen Stiftabsätzen... das städtische Pflaster war ganz simpel dagegen.
23.08.2016 um 01:26 Uhr

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11 Stimme

Folge neunzehn.

Meine Freilln Anna und ich waren nun da, im Carnevalsfestsaal... viel zu gach [schnell]. Es waren noch net viele Jungnarren anwesend, wir waren bewußt zeitig gekommen. Meine Freilln hat bei der Fest=Protectorin, einer Seniorin aus der guten Gesellschaft = allerdings mit einem arg losen Mundwerk = erfragt, wann die Feier definitiv zu Ende sei, um mich dann abzuholen, und ist dann friedlich gegangen. = Der Saal hat sich allmählich gefüllt. Ich bin selbstbewußt hin und hergelöwt auf meinen traumhaft schönen, federleichten Stricknadelabsatzpömps, diese mit Fleiß vorführend, die Wirkung erwartend. Erst die Buben... einer hat angefangen zu stänkern: Du hast Fraaauenschuuuhe aaan... Da ist aber ein zweiter dazugekommen, ein guter Sportcamerad, und hat gesagt: "Ich find`s normal (sic!!), daß auch Buben hochhackige Schuhe tragen". Die Kritik ist verstummt... und ich bin ewig dankbar für diese Schützenhilfe. = Doch dann die Freillns!! Meine liebe MUTTER hatte völlig recht, sie waren hingerissen! [== Hier will ich was anmerken,
wegen der Wichtigmacher, die überall Giftschlangen zischen hören. Ich betonier: die jungen Damen und ich waren circa gleichaltrig; ich bericht hier über meine DAMALIGEN Eindrücke wie Empfindungen, die mir wegen ihrer hocherfreulichen Art unvergeßlich bleiben. ==] Grad die schönsten, fröhlichsten, aufgeschlossensten Fräuleins sind regelrecht GEFLOGEN auf meine hypereleganten zierlich feinen Nadelabsatzpömps! Alle paar Minuten wollte eine Cameradin meine Traumstöcklschuhe "mal kurz anprobieren". Ich hab es allen mit Freuden gewährt... Inzwischen hat eine Dame am Flügel Platz genommen, eine sehr distinguierte silberhaarige Seniorin, die von allen Tante Babi genannt worden ist... wie sie anders geheißen hat, weiß ich net. Sie hat kunstvoll und schmissig musiciert, ihren Vortrag hie und da mit improvisierten Stilnachempfindungen auflockernd: ein Chinesisches Lied, ein Neger=Spiritual ("political correctness" hin oder her, sie hat es selbst so bezeichnet). Und auf einmal ist die junge Dame im Saal erschienen, auf die ich heimlich gewartet hatte: die bezaubernd schöne Freilln Andrea, eine mit mir jahrgangsgleiche Cameradin aus dem privaten Sprachcursus. Sie ist als Blumenelfe gekommen, vollständig in Weiß, mit einer zarten Blumenkrone auf dem Kopf und einem Blumencollier um den Hals. Sie hat hinreißend, hinreißend ausgeschaut!! Und ich bin auf meinen traumhaften, hypereleganten Nadelabsatzpömps zu ihr hingeschritten, um sie höflich zu grüßen, eine im Kino gesehne grande révérence producierend, den Dreispitz galant geschwenkt.
23.08.2016 um 02:18 Uhr

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11 Stimme

Folge zwanzig. Ich schreib gern weiter, wenn Ihr Freude dran habts.

Die schöne, verwöhnte Freilln Andrea, ganz Nachwuchs=Dame, hat meine stilvolle révérence höflich, aber kühl erwidert... und hat sich sogleich zu ihren Freundinnen gesellt. = Liebe Leserschaft... das alles ist etwas mehr als in halbes Jahrhundert her. Zu jener Zeit waren die Töchter vornehmer Häuser schon sehr früh soignierte Nachwuchs=Damen. Sie haben Klavierunterreicht, Tanz- und Anstandsunterweisung, Fremdsprachencursus erhalten ~ Andrea und ich haben uns auch vom Private English Course gekannt, ungewöhnlich zu jener Zeit, in der eher Französisch gebüfflt wurde ~ , haben Tennis geschlagen und waren stets sorgfältig gekleidet. [Zwischenbemerkung: Freilln Andrea hat cca acht Jahr später, nach der Matura, haute couture gelernt.] Ich, der Baroque=Chevalier, bin also da gestanden auf meinen wunderschönen Nadelabsatzpömps, die die Blumenelfe Andrea keines Blicks gewürdigt hatte... und hab gedacht: des woar´s mit d´Freid; bin doch nix so Ungewöhnliches. Ja, in der Tat... es war noch ein langer Bub als Baroque=Chevalier gekommen, seine Kleidung war aufwendiger als meine halbwegs improvisierte, er hatte sie entweder aus dem Verleih, oder sie wurde für ihn ad occasionem maßgeschneidert... bei verwöhnten Reicheleutekindern durchaus vorstellbar. Er hatte auch elegante Stöcklschuhe an: feine weiße Pömps, doch vorn breiter geschnitten und auf cca fünf Centi hohen Prinzeß=Absätzen; er hat seine Kleidung und auch seine schicken Schuhe etwas prätenciös vorgeführt, wobei er einige Male verstohlen neidisch auf meine Traumpömps geschielt hat. Aber das hat mich alles net tangiert, ich hab eher darauf geachtet, wo Andrea sich grad aufhält. = Der Abend mußte weitergehn... Kleine Aufführungen von den Gästen waren erwünscht, und ich hab schon immer gern gezaubert, und hab nun beschlossen, etwas von meiner KUNST zu präsentieren, gar auf meinen hierzu passenden ZAUBERhaften, schweberischen Nadelabsatzpömps. [Ich zauber auch jetzt noch gern, hab manch eigene Routinen créiert.... hab aber kaum die Gelegenheit dazu.]

Fortsetzung folgt gleich.
Löwe.
Momentan hab ich ein Paar hypertraumhafte Schuhe an, blütenweiß mit schwarzen Fersenkappen, die außenseitlich mit kunstvoll gebogten weißen Lederstreifen verziert sind, besonders spitz, weit décolletiert, WUNDERSCHÖN geschnitten im URCLASSISCHEN Roger Vivier Stil,, mit frechen rechteckigen Seidenmascherln über den Vorderblättern, mit kecken länglichen Öffnungen hinten an den Fersen... und dieser Elfentraum auf 125 mm hohen, supraelegant geschweiften hyperextrafeinen Nadelabsätzen [diese berückende Form sieht man heut fast net mehr], die unterhälftig wirklich so dünn sind, wie altmodische hölzerne Stricknadeln. FREUDE!!
24.08.2016 um 21:07 Uhr

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11 Stimme

Folge einundzwanzig.


Ich hatt einige Werkzeuge für close up Zauberei in den großen Seitentaschen meines seidenen Hofcavaliersrocks, unter anderem ein Packerl Karten. Hiermit hab ich zunächst das Kartenrauschen vorgeführt, mit dem netten Nebeneffect, daß ich vorher jeweils die Anzahl der von Hand zu Hand schnellenden Karten angekündigt hab. [Für Fachleute: cf. im ausgezeichneten Compendium von Professor Jochen Zmeck.] Dies Abrauschenlassen hab ich recht gut beherrscht, es ist weitaus net so leicht, wie es ausschaut, ich hatt es lang üben müssen = ganz im Gegensatz zum professionellen Gehn auf superhohen Nadelabsätzen, denn mit diesem TALENTUM bin ich gewiß zur Welt gekommen. Meine kleine Vorführung, die zauberfachsprachlich ein sogenannter Ziergriff ist = und daher beliebig repetierbar, wovon ja bei Zauberroutinen mit verborgenen Mechanismen und Techniken dringendst abzuraten ist = wurde von den Junggästen immer und wieder verlangt. Ein Camerad wollt es auch probiern, nur das Rauschen, ohne Zahlvoraussage. Ich hab eingewilligt, unter der condicio, daß der ´Kollege´die Karten vom Boden aufsammelt, wenn er sie net auffangen kann. Er war denn einverstanden... hat angesetzt... und die Karten sind cca zwei Meter weit in alle Richtungen geflattert. Brav hat der Camerad die Blattl aufgesammelt... und ein kleines lachendes Publicum hat sich vor mir allmählich aufgebaut. Und da hab ich auf einmal Freilln Andrea gesehn; sie hat amüsiert gelächelt, weniger über meine KUNST, eher über die Ungeübtheit des ad hoc Kollegen. Ich hab gesagt, ich brauch etwas Erfrischung, Zauber=Fortsetzung folgt. Das Publicum ist auseinandergestoben... aber Andrea ist geblieben und laangsaam zu mir geschlendert. "Hör a mal heer." Sie hat jeden Gedanken mit dieser Floskel eingeleitet. "Hör a mal heer, L. Deine Schuuuhe sind tiiierisch klaaaß!" Wenn sie freudig erregt war, hat sie die Vokale gedeeehnt. [Tierisch klaß war eine oft benützte superlativische Redewendung bei Jugendlichen... das lateinische "super" und das altgriechische "mega" waren noch lang=lang net im dies=sinnigen Gebrauch.] "Deine Schuhe sind auch sehr fesch", hab ich erwidert, mit einem Anflug von bubenhafter Verlegenheit. Sie waren in der Tat fesch: blütenweiße zarte Pömps mit schmaler Carré=Spitze und sehr weitem Ausschnitt, so ähnlich geformt wie meine Träumchen=Nadelabsatzpömps, nur auf cca drei Centi hohen niedlichen Prinzeß=Absatzerln. Die schöne Andrea hat nun weitergeredet. "Hör a mal heeer... leihst Du mir Deine uuurschicken Eeelfen=Stöööcklschuhe für... hm... nnno... für a kurze Zeeeit..." Die junge Dame ist zwischen Überlegenheit und Verlegenheit geschwankt. Ich hab schnell erwidert, selbst beeindruckt von meiner eigenen Courage und Schlagfertigkeit. "Weil Du die urschicke Blumen=Elfe bist, leih ich sie Dir sehr gern." Doch Freilln Andrea war unzufrieden. "Sag zu einer DAME net ´urschick´! Grad Du müßtest das wissen!", hat sie mich gerügt, von oben herab. Ich hab mich rasch corrigiert. "Lieblich...", hab ich gedeftet [kleinlaut] und errötend gesagt. "Das ist schon viel besser!", commentierte Andrea, immer noch arrogant. "Hör a mal heer... wenn Du was Nettes zu mir sagen willst, dann bitt im richtigen Ton." Ich hab die Debatte net fortgeführt = bei schönen Damen hat es meist eh ka Sinn net... pardonnez=moi, Mesdames = , vielmehr hab ich mir elegant meine steilhackigen Elfentraumpömps abgestreift und sie der kritischen jungen Nachwuchs=Dame willig und höflich lächelnd überlassen, worauf sie mir ihre niedlichen Blumenelfenschucherl hergeliehen hat. Andrea hat laaangsaaam, fast ceremoniell ihre schönen schlanken Elfchenfüßis in den hauchzarten weißen Strümpfen in meine aufregend schicken Nadelabsatzpömps gleiten lassen. Hat sich behutsam draufgestellt... ihre vorhin strenge Miene hat sich wie auf einen Zauberschlag verwandelt in der Ausdruck überirdischer Freude... und die hinreißende Freilln Andrea hat nahezu ekstatisch und mit leicht schrill ab und aufgleitender Stimme ausgerufen: "Ooooh! Was siiind diese Aaabsätze klaaaß!!"


Fortsetzung folgt.
L.
25.08.2016 um 00:24 Uhr

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44 Stimmen

Klar hören wir gerne wie es weiter geht.

Man merkt dass du Schriftsteller bist. :)
25.08.2016 um 18:47 Uhr

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00 Stimmen

DANK VÜÜMOIS... Ihr machts mir a Freid... wirklich von Herzen.
Hab momentan viel zu tun... mein etwas schwieriger Scheef ~ wir sind im KUNSTauctionswesen tätig, machen aber auch andere "Schrägheiten", zumal wir beide mehrere akademische Abschlüsse haben, die uns zu vielem befähigen ~ peitscht etwas. Schwierig = weil der Scheef ein strenger Zack=Zack=Preiß ist, während ich ein fröhlicher, commoder WIENer bin ("dddiese Ossstvölllkerrr!" schimpft der Direttore oft...), und das schrammt sich manchmal.
Allerdings... wennst die Verhandlungsgegnerschaft eine schöne Dame ist, dann commandiert er immer Euern Löwe hin. Womit ich durtn anfang, könnts Ihr Euch denken: mit´m Fachgespräch über schicke dream high heels, worauf die Damen stets eingehn. Allora:
I löw mi scho dur´h... doch meine Frau tut sich schwer mit´m Boß.

I hoff, daß i heint die Zeit zur Fortsetzung nausschindn kann. Mit den fröhlichsten Küp=Küp=Grüßen Euer long needle heels addict
Löwe.
25.08.2016 um 19:07 Uhr

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22 Stimmen

Folge zweiundzwanzig.

Offenbar eine FREUDE für Andrea = auch deutlich hörbar = und auch für mich... denn das mir geltende starke Interesse der nettesten und feschsten Nachwuchsdamen, die zu Anfang der Feier meine wunderschönen hellöwenfärbigen Nadelabsatzpömps "mal kurz anprobieren" wollten, hat merklich, wenn auch net vollständig nachgelassen. Die Freillns haben sich ihren Freundinnen gewidmet und haben mir nur mehr hie und da zugelächelt, mit ihren Händen bewundernde Zeichen telegraphierend in Richtung meiner feschen, eleganten Bleistiftabsatzschuhe. Nun... ich konnt gewiß net den ganzen Abend "Junglöwe im Korb" sein, selbst auf meinen feinen Elfchentraum=Zauberschuhen net... und Zaubernummern vorführen konnt ich auch net ununterbrochen. Daher war ich Andrea dankbar für die Abwechslung. Die schöne Jungdame hatte offensichtlich das erstemal richtig steilhackige Schuhe an... denn sie hat sich auf meinen zarten Stöcklträumchen übervorsichtig, ungeschickt und staksig bewegt. = Wohlgemerkt, ich mich auch auf Freilln Andreas feschen, aber flachen Schucherln, die plötzliche Umstellung nach stundenlangem hochfersigem Schreiten ist mir schwer gefallen. = Die Mutter der schönen Nachwuchsdame war nämlich absolut keine Freundin von hohen Absätzen. Die sehr lange, sehr schlanke, aristokratische Dame ~ die mich übrigens SEHR gern gemocht und fast schon als künftigen Schwiegersohn verbucht hat ~ hat die ländliche Eleganz {mitten in der Großstadt} gepflegt, auf erlesenen, dennoch platten Landtrachtenschuhen. Zahlreiche vornehme Herrschaften, oft enteignete oder sonst wie ehemalige Gutsherren und deren Gemahlinnen hatten zu jener Zeit diesen Stil prakticiert... die andere "Fraction" unsrer Schicht, die eher stadtcentrumgemäß und decent=hochelegant gekleideten Herrschaften haben die Großstadt=Lodenträger leicht ironisch
"Grabn=Förster" genannt, nach der berühmten Flanierstrecke GRABEN in unserm WIEN. Es gibt auch typisch WIENerische Witze hierüber... längst net mehr erzählt, denn sie sind net mehr actuell. = Die fesche Blumenelfe Andrea war trotz ihrer Ungeübtheit auf hohen Hacken hellauf und nachhaltig begeistert von meinen wirklich wunderschönen Bleistiftabsatzschuhen und hat mir diese nach immerhin (!) circa vierzig Minuten mit einem traurigen Gesicht zurückgegeben. "Hör a mal heer... gaaanz sakrisch uuur=klaaaß! Ich beneeeid Dich um diese Schuuuhe... Trägst Du sie oooft?" Jetzt hatte sie mich am Wickl... und ich hab mich damit durchgeflunkert, daß meine Mutter es mir erlaubt, diese Traumstöcklpömps für feierliche Anlässe anzuziehn, wenn costümhafte, alte Zeiten citierende Festkleidung verlangt wird. "Oooh... ich beneeeid Dich", hat die Jungdame weitergeschwärmt. "Weißt, meine Mutter ist absolut geeegen Stöcklschuhe... sie ist ja sehr lang, deswegen ist es verständlich... aber mir erlaubt sie auch keine Hochhackigen, und ich möcht sooo geeern sooolche..." Wir haben noch eine Weile conversiert über den Zauber der Bleistiftabsätze. = Doch auch dieser schöne Nachmittag ist zu Ende gegangen, obschon ich ihn gern ins endlose ausgedehnt hätte. Meine Erziehfreilln hat mich pünktlich, wie sie immer war, abgeholt. Von der fröhlichen Feier und dem Erlebten berauscht bin ich neben Freilln Anna gestöcklt auf meinen Elfchentraum=Nadelabsatzpömps, das leichtfüßige Laufgefühl drauf bewußt genießend. Daheim angekommen, hat es sogleich Nachtmahl gegeben. Mein Vater hat mich erstmalig gesehen in meiner Baroque Chevalier Kleidung. "Sehr elegant bist, mein Bub! Steht Dir gut! Und diese Schuhe... net ganz stilconform, aber eine nette, ausgefallene Idee." Ich hab meine Adjustierung den ganzen Abend anbehalten... nur um weiterhin das aufregende, elegante Schreiten auf meinen Bleistiftabsatzschuhen genießen zu können. Doch die Stunde des Schlafengehns war da... und ich mußte die zauberkräftigen absolut féenmärchentraumhaften helllöwenfärbigen federleichten Nadelabsatzpömps sehr schweren Herzens abliefern. Mutter hat meine Regung registriert... "Du hast Dich ganz verliebt in diese nadelhackigen Schuhe", hat sie meine Bleistiftabsätze=Affinität kopfschüttelnd, jedoch lächelnd bedacht.

Fortsetzung folgt gleich.
26.08.2016 um 01:44 Uhr

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22 Stimmen

Folge dreiundzwanzig.

Die schöne Freilln Andrea, der ich zweimal die Woche im English Course begegnet bin, hat mir gegenüber ihre allbekannte Arroganz abgestreift und ist recht umgänglich geworden. {Schöne, classisch elegante hochhackige Nadelabsatzpömps sind wirkliche wie auch wirksame ZAUBERwerkzeuge... das hab ich, vorgreifend gesagt, in den vergangenen Jahrzehnten immer und wieder zu meiner Freude erlebt.} = Andrea ist das geworden, was die vielbesungene Erste Liebe genannt wird... sie hat mich auch gern gemocht, und ich hatte bestimmt das schönste Freundinchen meiner Jugendclasse.

Unsre Eltern hatten sich ganz flüchtig gekannt, gleichwohl waren jeweils die beiden Damen und die beiden Herren vom ersten Augenblick an auf Servus und Du, wie es halt üblich war in dieser Schicht, einander jedes Mal mit einer humorvollen Höflichkeit begegnend, stets einen (net drei, auch keinen halben) Schritt conventionellen Abstand wahrend, in gegenseitiger Ehrung und Anerkennung. {Eine sehr schöne Sitte, die leider immer dünner wird... zu jener Zeit hat noch gegolten, w e r man ist... und heut wird man nur noch nach der Dicke des Göldbörsls eingstuft.

Himmlische Güte, was ist aus der Guten Gesellschaft geworden!} =
Die Zuneigung zwischen meiner Blumenelfe und mir war nur von kurzer Dauer. Als wir beide Ende dreizehn waren, haben wir uns zerstritten, und zwar für immer, buchstäblich für immer! Wegen einer Sache, die ich als lächerlich und unwichtig eingeschätzt hab. Es ist um meine Aversion gegen Freilln Andreas selbst ausgeübten Lieblings=Sport Tennis gegangen. Sie hat so lang an dieser meiner Abneigung spöttisch umhergekepplt, daß wir unsre Freundschaft als "sinnlos und unkittbar" beendigt haben. {Seltsam... meine beiden Eltern waren auch große Tennis=Freunde, in ihrer Jugend auch activ; und wann immer Wimbledon oder German Open oder wia des olls haaßt, im Hauskino übertragen wurde, waren sie beide net ansprechbar. Und mich kann man jagen mit dem arg faden Schmarrn.} Was die schöne Andrea tangiert: Geblieben ist der sehr schöne Gedächtnisinhalt mit den bezaubernden Schucherln... Und geblieben ist eine Familien=Anekdote. Als die junge Dame und ich zwölf und dreizehn waren, hab ich das Domicilium ihrer Familie, das gastfreie Haus des Herrn Doktor v.K., ihres Vaters, im Schnitt einmal die Woche visitiert. Doch vorwiegend hab ich mit der Mutter meines Freundinchens, die ich Tante Lily nennen durfte, gepflegt conversiert, denn die Dame des Hauses hatte einen eigenwilligen, trocken=stichligen gar leicht sarkastischen, jedoch recht amüsanten, erfrischenden Humor. Eines Tags, nach vielen von mir celebrierten Visiten, ist der Hausherr, der sehr selten daheim war, in den Salon gekommen... Onkl Joschi = in WIEN heißen viele Joseph = , wie er es mir gestattet hatte, ihn zu nennen. "Sag a mal, mein lieber L. ...", hat er sich sogleich an mich gewandt. "WEM machst denn eigentlich den Hof... meiner Tochter = oder meiner Frau..." = Meine fröhliche Mutter hat diesen Sager gleich aus zwei Quellen zugetratscht bekommen: von Tante Lily und von mir. Und sie hat sich beide Male nahezu schräg und schief gelacht.

Fortsetzung folgt... wenn Ihr mögts.
Gestern auf später Nacht, nach dem Schreiben, bin ich auf meinen am Schluß von Folge zwanzig beschwärmten wunderschön eleganten weiß=schwarzen Großelfentraum=Bleistiftabsatzpömps eine Stunde in der Stadt umhergelöwt... federleicht schwebend auf meinen 125 mm hohen hyperextradünnen Stricknadelabsätzen. Ich hab stets das phantastisch aufregende Empfinden, daß meine spitzbeschuhten Fußballen und meine himmlischen langen Fersenstifte den Boden fast nicht berühren. Es ist gewiß so, für uns long needle heels addicts: Das ´elitäre´ Schreiten auf eleganten, sehr hochhackigen Féentraum= respective Féenkönigstraum= Nadelabsatzpömps {denken wir an BEIDE Geschlechter!!} gehört zu den schönsten, aufregendsten materiellen (im Gegensatz zu ideellen, die vielgeliebte pecunia ist net gemeint) und körperlich erfahrenen Gefühlen dieses irdischen Seins. Und auch zu den nachhaltigsten... denn ich hatte in meiner ersten Lebenshälfte sehr viele Freuden, von denen aber einige verblaßt oder entschwunden sind... aber meine FREUDE am Gehn auf hohen Nadelabsätzen bleibt... mit Hilfe des H E R R N hoffentlich für immer. L.
26.08.2016 um 03:01 Uhr

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22 Stimmen

Folge vierundzwanzig.


Ich nehm den chronologischen Gang, den ich um der schönen, aber etwas schwierigen Andrea willen um einige Monate vorgeschoben hab, in meinem Bericht wieder auf. Es hat mir gewiß leid getan um den Streit mit meinem sehr feschen Freundinchen... ich war auch wochenlang mürrisch... aber es war sinnlos mit uns beiden, sie hat ihren lapperten Tennis sicherlich mehr gemocht als mich... oder gar als die Stöcklschuhe (und dies will schon was heißen!). Ich wüßt auch net, warum ich Tennis mögen sollte; das ist doch absolut gar nix für schicke Stricknadelabsätze! Ich würd das hochhackige Umherhupfn auf der Schlacke noch durchhalten = wir long needle heels addicts bleiben immer jung und sportlich, denn das elegante, körperstreckende Schreiten auf den hohen, dünnen Fersenstiften hält die gesamte Musculatur frisch und elastisch... und geht mit einem seelischen, hochfreudigen Freiheitsgefühl wie auch mit einer sonnig=wonnigen Erregung einher = und dies dürfen wir getrost als psychosomatische Wohlbefindenseinheit bezeichnen. Aber die zarten, feinen, empfindlichen, federleichten Nadelabsatzpömps hingegen würden die Schlackenhupferei bestimmt net durchhalten, dafür sind sie ja net créiert. Also was soll´s... Andrea fort, ich bin darüber allmählich hinweggeglitten.

Ich hab schon berichtet, daß mir die bezaubernden Modell=Pömps in Größe 37 nur bis kurz vor meinem zwölften Geburtstag gepaßt haben. Da nun meine Eltern seit der Juniorencarnevalsfeier gewiß bescheid gewußt haben über meine Hochstöckl=Leidenschaft, hab ich es net mehr als nötig aufgefaßt, diese zu verbergen... es wär eh net mehr gegangen. Ich w o l l t e also, daß meine Eltern merken, daß ich ein needle heels addict bin. Demnach hab ich dreist die wunderschönen helllöwenfarbenen, zarten, nedelabsätzigen Pömps aus der Gardrobstubn auf den Inneboden meines Kleiderkastens in meiner eigenen Stube gestellt... und hab sie mir stets auch dann wonnig angestreift, wenn meine Eltern auch nur im andern Tractus des Hauses waren. Meine Mutter hat dies schnell registriert... und ist darüber commentarlos hinweggeglitten... schließlich war sie selbst eine high heels addict. = Und dann ist das arg Betrübliche eingetroffen... eines Tags, irgendwann im Fühsommer 1965, hab ich die himmlischen, herzigen, liebreizenden Stöcklschicherl net mehr an meine Füße bekommen. Ich war richtig niedergeschlagen. Doch aufgrund einer Folge von eigentümlichen Ereigissen ist mir von den zuständigen HEILIGEN eine = erst einmal = zweijährige Verlängerung gewährt worden. Dankbar hab ich die Hände gefaltet.

Fortsetzung folgt.
26.08.2016 um 23:47 Uhr

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22 Stimmen

Folge vierundzwanzig.


Ich nehm den chronologischen Gang, den ich um der schönen, aber etwas schwierigen Andrea willen um einige Monate vorgeschoben hab, in meinem Bericht wieder auf. Es hat mir gewiß leid getan um den Streit mit meinem sehr feschen Freundinchen... ich war auch wochenlang mürrisch... aber es war sinnlos mit uns beiden, sie hat ihren lapperten Tennis sicherlich mehr gemocht als mich... oder gar als die Stöcklschuhe (und dies will schon was heißen!). Ich wüßt auch net, warum ich Tennis mögen sollte; das ist doch absolut gar nix für schicke Stricknadelabsätze! Ich würd das hochhackige Umherhupfn auf der Schlacke noch durchhalten = wir long needle heels addicts bleiben immer jung und sportlich, denn das elegante, körperstreckende Schreiten auf den hohen, dünnen Fersenstiften hält die gesamte Musculatur frisch und elastisch... und geht mit einem seelischen, hochfreudigen Freiheitsgefühl wie auch mit einer sonnig=wonnigen Erregung einher = und dies dürfen wir getrost als psychosomatische Wohlbefindenseinheit bezeichnen. Aber die zarten, feinen, empfindlichen, federleichten Nadelabsatzpömps hingegen würden die Schlackenhupferei bestimmt net durchhalten, dafür sind sie ja net créiert. Also was soll´s... Andrea fort, ich bin darüber allmählich hinweggeglitten.

Ich hab schon berichtet, daß mir die bezaubernden Modell=Pömps in Größe 37 nur bis kurz vor meinem zwölften Geburtstag gepaßt haben. Da nun meine Eltern seit der Juniorencarnevalsfeier gewiß bescheid gewußt haben über meine Hochstöckl=Leidenschaft, hab ich es net mehr als nötig aufgefaßt, diese zu verbergen... es wär eh net mehr gegangen. Ich w o l l t e also, daß meine Eltern merken, daß ich ein needle heels addict bin. Demnach hab ich dreist die wunderschönen helllöwenfarbenen, zarten, nedelabsätzigen Pömps aus der Gardrobstubn auf den Inneboden meines Kleiderkastens in meiner eigenen Stube gestellt... und hab sie mir stets auch dann wonnig angestreift, wenn meine Eltern auch nur im andern Tractus des Hauses waren. Meine Mutter hat dies schnell registriert... und ist darüber commentarlos hinweggeglitten... schließlich war sie selbst eine high heels addict. = Und dann ist das arg Betrübliche eingetroffen... eines Tags, irgendwann im Fühsommer 1965, hab ich die himmlischen, herzigen, liebreizenden Stöcklschicherl net mehr an meine Füße bekommen. Ich war richtig niedergeschlagen. Doch aufgrund einer Folge von eigentümlichen Ereigissen ist mir von den zuständigen HEILIGEN eine = erst einmal = zweijährige Verlängerung gewährt worden. Dankbar hab ich die Hände gefaltet.

Fortsetzung folgt.
26.08.2016 um 23:47 Uhr

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11 Stimme

Folge fünfundzwanzig.


Meine gesellschaftlich sehr engagierten, feierfreudigen Eltern hatten eine gute Freundin, eine lebeslustige Seniorin, die reiche Witwe eines hochrangigen Diplomaten. Ihre Excellenz Frau Eleonora = in Österreich ist die Anrede mit Vornamen üblich = war eine im Princip gutausschauende und gewiß etwas auf´mascherlt [österr. für ´zuviel des Guten´ im Kleidungsbereich] elegante Dame, nur über alle vertretbaren Maße hinweg corpulent. Sie hatte zwei Häuser geführt, eins in WIEN, eins in Stambul, dem letzten Verwendungsort ihres Mannes. Frau Eleonora hat meine Eltern und mich für ein ganzes Monat nach Stambul als Logiergäste eingeladen, und wir sind dieser Invitation sehr gern gefolgt. = Im gastlichen Hause Ihrer Excellenz wurde ein sehr reges, tägliches gesellschaftliches Leben celebriert... wörtlich: celebriert. Hausfeste über Hausfeste... Die cultivierten Gäste konnten alle Englisch; wie gut, daß ich im Private English Course war, nun hatt ich doch etwas davon, trotz dem Winkewinke der Freilln Andrea, die eigentlich der Grund für mich gewesen war, den Course willig zu frequentieren.
Es waren meist auch andere Juniores anwesend, man hatte sich gut gekannt und hatte Vertrauen zueinander. Es hat stets riesig viel Gutes und (ich schreib es ungern, es trifft aber zu:) Teures zum Speisen und Trinken gegeben, und Frau Eleonora hat ´gschauflt´ wie ein Landarbeiter. = Eines Abends hat sie aus irgendeinem Grund ein Hausfest in Abendtoilette gegeben, zu Ehren einer prominenten Persönlichkeit, wenn ich mich recht entsinn. Die Dame des Hauses hat eine schwarze Abendrobe getragen, dazu sehr viele, wirklich sehr viele Juwelen aus glitzerndem Gold, mit großen, das Licht regenbogenfärbig dispergierenden Diamanten. Und an ihren Füßen hatte sie ein Paar schwarze Lackpömps, mit schwarzem Wildleder combiniert... ganz ungewöhnlich spitz (wie Ihre Excellenz wohl ihre gut gepolsterten Füßlis da hineingepfercht haben mag!), weit zehenansätzfrei décolletiert, auf ölf Centi hohen extradünnen Nadelabsätzen! Sie hat sich routiniert und leichtfüßig darauf bewegt, ihrer extremen Körperfülle zum Trotz. = Frau Eleonora war auch eine high heels addict, sie hat immer und überall sieben bis neun Centi hohe Hacken getragen und hat gar keine flachen Schuhe besessen. Das weiß ich deswegen, weil ich, eines Nachmittags im Haus für eine halbe Stunde allein gelassen, den umfangreichen Schuhkasten unsrer Gastgeberin inspiciert hab... schöne Stöcklschuhe interessieren mich immer; es waren suprahochelegante Pömps drin, meist mit schmalen Carréspitzen und großen Ziermascherln, in auffälligen, leuchtenden Farben: türkisgrün, clementinengelb, glitzergoldern... Aber auf maximal neun Centi hohen, eigenwillig gestalteten Absätzen mit einem langgestreckt=zwetschkenkernförmigen Querschnitt. Die absolut aufregenden schwarzen spitzen Stricknadelabsatzträume waren im Kasten net drin... Und nun hatte unsre Gastgeberin ebendiese an. Nach dem Hausfest hat meine Mutter entre nous en famille scharf gelästert: "Die alte Dame... und auch noch so gfüüd [gefüllt, österr. für sehr corpulent]... und dann diese Nadelhackenschuhe an ihren dicken Füßen... also hörts mal..." Ich bin mir sicher, daß meine liebe MUTTER bloß neidisch war. Das war auch daran zu merken, daß sie ihre Rüge gleich abgemildert hat. "Eleonora kann aber wirklich SEHR gut drauf laufen, das müssen wir ihr lassen."


Fortsetzung folgt.
L.
27.08.2016 um 00:48 Uhr

AntwortenPositiv Negativ
11 Stimme

Eine Anmerkung: Folge vierundzwanzig ist aus irgendeinem techn. Grund zweimal in unsem Buch. Und eine correctura: in genannter Folge, Zeile fünf von unten heißt es (net Stöcklschicherl, sondern:)
Stöcklschucherl. Ich schreib recht schnöö... daher padonnez=moi.


Folge sechsundzwanzig.


Einige Tag´ danach bin ich in den großen Salon des Hauses unsrer Gastgeberin gegangen, um im dort liegenden Türkischen Lexikon (wir sind, net zu vergessen, in Stambul) etwas nachzuschlagen. Weiß auch noch was: Das Wort siebzig. {Es heißt yetmis, mit einem diakritischen Hackerl untem dem s, das die Aussprache Jetmisch bewirkt. Sprachen haben mich auch stets hochgradig interessiert, etwa in dem Maß wie elegante Bleistiftabsatzpömps. Bin daher, unter anderem, Linguist auf hohen Nadelabsätzen geworden.} Meine MUTTER und die Hausherrin sind grad im Salon gesessen... und haben justament über Schuhe conversiert. Als ich dies vernommen hab, bin ich gaaanz langsam zum Lexikon gegangen und noooch laaangsaaamer nachgeschlagen. Türkisch ist ja net leicht für a jungn WIENer. Ihre Excellenz hatte ein Paar aufregend schicke Hausschuhe an ihren gepolsterten, jedoch sorgfältig gepflegten Füßen: luftige Pantoletten in glänzendem Gold = reiche Leute in Stambul haben eine Vorliebe für leuchtende helle Farben und für goldernen Schimmer = , als Oberteil jeweils zwei cca zwei Centi breite Lederrimen, die Füße ganz frei lassend, dies alles auf zehn bis ölf Centi hohen, mit Goldlackleder bezogenen Keilabsätzen ruhend, die von hinten gesehn ganz schmal waren = und so concipert, als wären mehrere Keile, jeweils mit den Spitzen zu den Fußballen hin, aufeinedergelegt worden. Ein KUNSTwerk von Absatzschuhen. Meine Mutter hingegen hatte ein paar zarte himmelblaue Pantoletten mit frechen kleinen Ziermascherln an, recht fesch, aber nur auf vier Centi hohen Keilabsätzen = auch in Stambul gekauft = , also nach meinen Begriffen Flachlinge. = Hinter meinem Rücken ~ ich hab mir schön Zeeeit gelassen mit dem Türkisch=Lexikon, nach dem motto: D´Bua soll si´ büdn [bilden]... ~ hat folgende Conversation stattgefunden. "Schöne Schuhe hast Du", sagte meine Mutter. "Dir würden sie auch gut stehn", erwiderte die Gastgeberin. Hierauf meine Mutter: "Ach, liebe Ellusch, die sind zu hoch für mich. Für sowas bin ich net mehr jung genug." Frau Eleonora hat scharf gekontert: "A geh Schmarrn ... erstens: ich bin jung... und Du bist jung, noch jünger als ich. Und zweitens: Keilabsätze sind niemals hoch". [Ihre Excellenz hatte ein loses Mundwerk und hat sogar oft genug und wenig damenhaft Kraftausdrücke benützt, obschon aus guter Familie; der berühmte österreichische Oekonom und Träger des (oft kritisierten) Nobel= Gedächtnis=Preises für Wirtschaft, Prof. Friedrich August v. Hayek, war ihr Cousin.] Mutter winkte ab... aber die Hausherrin hat net locker gelassen. "Zieh sie Dir doch mal an! Und geh zum Spiegel. Dann sixt sööbst, wie sakrisch gut sie Dir stehn! Na los!" Die Dame hat sich die sehr hochhackigen Goldschucherl mit den Händen abgestreift und sie meiner Mutter überlassen, die die schicken, luftigen Dingelchen umständlich an die schlanken, gepflegten Füße gefingert hat. Dann ist sie aufgestanden und sehr vorsichtig, steile Absätze net mehr gewohnt, zum großen Wandspiegel getripplt.


Fortsetzung folgt.
28.08.2016 um 00:27 Uhr

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11 Stimme

Folge siebenundzwanzig.


"Du hast recht, Ellusch", so meine Mutter vor dem Spiegel. "Die Schuhe sind wirklich sehr schick." Die Hausherrin hat gelächelt: "Siext... ich hab´s doch gesagt. Sie stehn Dir tierisch gut!" Frau Eleonora hatte recht: die suprahochhackigen Keil=Sommerschuhe standen meiner Mutter wirklich ausnehmend gut, viel besser als der Eigentümerin. Sie warn bloß a wengerl zu kurz = Frau Eleonora hatte trotz ihrer üppigen Körperfülle kleine Füßchen, deswegen konnt ich bei der Inspection ihres Schuhkastens keine ihrer schicken Stöcklpömps anziehn... ich hatt es probiert, aber grad so die Fußspitzen hineinbekommen = , aber wegen der vollen Zehenfreiheit ist sich das ausgegangen. "Behalt sie an bis heut Abend", so die Hausherrin. "Morgen früh kannst sie mir zurückgeben... ich mag die Schucherl nämlich shr gern. Aaaaber... meine liebe M. ... Morgen, gleich nach dem Frühstück gehn wir zwei in die Stadt und kaufen für Dich richtige Schuhe! Du mußt runter von diesen schiachn Tscherfln! Jemand wie Du..." = Am Abend haben meine Mutter und ich uns in den Garten gesetzt, in bequeme große bastgeflochtene Armlehnsessel mit vielen schrillfarbigen, blumengemusterten Polstern drin. Ich hab mit dem Thema angefangen... Etwas gschamig [verschämt], denn Eltern waren dereinst Respectspersonen (und zwar in sämtlichen socialen Schichten, bei Hacklers wie bei Fürstens) und haben es meist net gern gehört, wenn die Juniores zu ´Erwachsenenthemata´ Stellung genommen haben. "Die schönen Goldschuhe stehen Ihnen SEHR gut, Mutter!" Sie hatte die luftigen Hochhackigen noch an, lieber sitzend damit denn laufend darauf. Meine Mutter hat beruhigend gelächelt = denn sie hat meine Aufregung, wie auch stets jede Gemütsbewegung von mir, gemerkt. {Dies ist so geblieben bis zu ihrer seligen Wolkenfahrt mit 86, als ich im fünfzigsten Lebensjahr war... Für sie, meine wunderbare Mutter, bin ich immer ihr Klaans Lääwerl [Kleines Löwchen] geblieben, auch als ich ein Familienvater und ein gestandener Gelehrter und Künstler geworden bin.} Dann hat sie im sanften Ton gesprochen: "Dank Dir, mein Liebling. Wir beiden mögen doch schöne Schuhe... oder? Und die Frau Eleonora hat recht! Ich bin fuchzenn Johr jünger als sie... Und wenn sie hohe Stöckl tragen kann, dann kann ich das sicherlich auch noch. Muß mich nur wieder an die steilen Hacken gewöhnen." = Am nächsten Tag nach dem Frühstück sind die Damen tatsächlich in die Stadt gegangen um Schuhe zu kaufen. Nach einem halben Tag sind sie zurückgekehrt. Am Abend hat meine Mutter meinem Vater und mir ihre Neuerwerbungen freudig vorgeführt. Drei Paar. Ein Paar sehr elegante schwarze Pömps aus mesh=artigem Obermaterial, auf sieben Centi hohen Pfennigabsätzen in Schwarz=Lack. Ein Paar ungewöhnlich zarte füßefreie Sommersandalettchen aus wenigen schnürsenkldünnen Riemchen, mit schmalen Fersenslings und über den Zehenansätzen mit aus hellen Perlen zusammengestellten Zierblumen, ebenso auf acht Centi hohen Pfennigabsätzen. Als mein Vater diese Träumchen an den schönen Füßen meiner Mutter erblickt hat während der freudvollen Vorführung, hat er gemeint, das seien Schuhe für eine Haremsdame. Und dann meine Favoriten:
Ein Paar elfchentraumhaft wunderschöne hellöwenfärbige Sommerslings mit spitzen weißen Vorderblättern aus geflochtenem Leinen, auf gut neun Centi hohen dünnen Bleistiftabsätzen!! Und jetzt erst ist die Nachricht verkündigt worden die mein junges Herz zum Galoppieren gebracht hat: Meine Mutter hatte beschlossen, alle Paare in Größe 39 zu kaufen! "Hab mal eine Nummer zu klein getragen, und das war net gut", hat sie commentiert. "Und ab jetzt trag ich eine Nummer zu groß... ist bequemer für meine Füße, sie sind mit der Zeit etwas breiter und sehr empfindlich geworden..." Neununddreißig! Hurrraaa! = hab ich gedacht, den Freudenschrei hinunterschluckend. Genau meine Größe! Verlängeruuung!!


Fortsetzung folgt. L.
28.08.2016 um 01:40 Uhr

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Folge achtundzwanzig.


Im Haus der Frau Eleonora hatt ich keine Gelegenheit, durch die Gegend zu stöckln, denn entweder ich war unter Aufsicht = oder das Zimmer meiner Eltern, mit den schönen neuen Schuhen drin, war unter Aufsicht. Ich konnt mir die eleganten Hochhackigen nur ganz kurz und schnell anprobiern... und meine Freude war überschwenglich, denn all die drei Paar haben mir wie maßgefertigt gepaßt. Hab mich also, obschon ich die fremde Großstadt und die stete ausgelassene, auch iuniorenfreundliche Feierei in Gesellschaft genossen hab, aufgeregt gefreut auf die Rückkunft nach WIEN und auf das leichtfüßige, gestreckte Gehn auf den schönen hohen Stöcklschuhen. = Ich hatt im gastlichen Haus eine eigene kleine Stube. Lachhaft oder net... in den ersten Nächten hab ich vor lauter Federn [österreich. für Bammel oder Furcht] kaum geschlafen. Ich hab nämlich in Zeitabständen ein schrilles Pfeifen von draußen vernommen... das war schaurig... wie in einer Hochspannung und Gänsehaut erzeugen wollenden Criminalnovelle. Kurz darauf hat die Dame des Hauses die causa geklärt und die Gemüter calmiert... sic, in plurali, denn auch meine Mutter hat das Pfeifen für absonderlich und beunruhigend empfunden. "Was soll denn, meine liebe Ellusch, dieses regelmäßige gellende Pfeifen? Ich hab kaum ein Auge zugetan..." Da ist die Aufklärung gekommen: "Wißtst, in dieser Vorstadt wohnen nur Leute, die Göld und Werte im Haus haben. Und Diebe gibt es nun mal viele in Stambul. Daher wird die gesamte Vorstadt nachts bewacht, von Sicherheitskräften. Sie geben einander regelmäßig ein Zeichen mit dem Pfeifton, und das bedeutet: Alles ist in Ordnung". Also = das Pfeifen war net bedrohlich, vielmehr beruhigend. Gleichwohl hat es etwas gedauert, bis meine Mutter, die einen ungewöhnlich ´wachen´ Schlaf gehabt hat, und ich mich an diese Geräusche gewöhnt haben. Über Stambul wär noch vieles zu berichten, was aber mit dream high heels nix zu tun hat. So haben wir nach einem Monat die sehr lange Bahnreise nach WIEN angetreten; für so weite Strecken hat mein VATER immer Schlafwagen erster Classe gebucht. = Daheim... und meine Mutter hat die drei Paar Traum= Stöcklschuhe in Göße 39 beim Auspacken in den riesigen antiken Kleiderkasten im Empire=Salon gestellt. {Wir hatten eine sehr elegante Einrichtung... ich hab also nie begriffen, warum meine Mutter beim Domicilwechsel = hierzu kommen wir noch = grad die enorm schöne zartgrün=golderne Empire=Garnitur, original aus Napoleonischer Zeit, verkauft hat.} Ich hatt also wieder die Freude, bei jeder Gelegenheit auf hohen Stiftabsätzen zu gehn... Ich hab es nur in Abwesenheit meiner Eltern getan, denn meine Mutter, bei all ihrem Verständnis für meine Leidenschaft für Nadelabsätze, hätt es net gern gesehn, daß ich ihre neuen, von ihr selbst noch kaum getragenen Traumstöcklschuhe im Alltag ´zerlöw´. Am liebsten hab ich mir die helllöwenfärbigen Elfchenslings mit den weißleinern geflochtenen schmalen Spitzen an die Füße gestreift, wegen der neunundhalb Centi hohen dünnen, stäbchenartig graden Nadelabsätze. Diese waren bislang die höchsten, die ich angehabt hab... und ich konnt besser, beschwingter, leichtfüßiger darauf laufen als auf Siebenern oder Achtern. = Eines Tags ist meine Mutter mit einem Papier=Sackerl von einem Schuhegeschäft heimgekommen. "Schau mal her!", hat sie mich gerufen, "das sind meine neuen Hausschucherl, die werd ich daheim ab jetzt immer tragen... ich will meine Füße wieder gewöhnen an schicke hohe Bleistifabsätze! Hab in Stambul richtig Lust drauf bekommen..."


Fortsetzung folgt.
28.08.2016 um 04:08 Uhr

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Correctura: Bleistiftabsätze mit zwei t drin, in der Schlußzeile der vorigen Folge. Schreiben und lesen wir fröhlich weiter. Hoffentlich macht es Ihnen resp, Euch a Freid... auch wenn ich net dauernd über dream high heels bericht, vielmehr Gesellschaftskritisches und Historisches aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts einflecht. Ich selbst erkenn durch das Schreiben immer besser meine eigne erste Lebenshälfte und die´Alte Zeit´in der Großstadt.


Stambul! Konstantinûpolis, Byzántion... Die geschichtsträchtige Metropole hatte guten Einfluß auf Schuhewahl und Absätzehöhe meiner nunmehr achtundvierzigjährigen Mutter... und mir hat dies die Freude geschenkt, das Gehn auf den Elfenstöcklschuhen in Größe 39 zu genießen, bis ich circa dreizehneinhalb geworden bin. = Ich enstinn mich jetzt zwei lustiger kleiner Ereignisse in Verbindung mit meinen beiden Affinitäten: dream high heels und Sprachen. = Ein enger Freund unsrer Gastgeberin Frau Eleonora, ein in Stambul lebender WIENer und reicher Unternehmer, Herr Ingenieur Kaiser (ich weiß net, ob ich seinen Namen richtig buchstabier... wenn er sich Keyser oder noch anders geschrieben hat, mög er mir auf seiner Wolke vergeben), war mit seiner Frau oft zu Gast im Haus Ihrer Excellenz. Frau Kaiser war eine recht attractive, elegante, schlanke reifere Dame, bloß etwas hysterisch, unruhig und stimmungsabhängig. Ihr Mann hat sie deswegen Deniz genannt, oder gar WIENerisch "mei´Denizerl"; die Dame war stürmisch und unberechenbar wie das Meer, und Meer heißt auf Türkisch deniz. Herr Ingenieur Kaiser hat meinem VATER proponiert, daß wir zu fünfen, also meine Eltern, die Kaisers und ich, die Sammlungen im Topkapi Sarayi besuchen. [Der Ausdruck bedeutet Kanonentor=Palast und wird im Türkischen an beiden Wortenden mit dem flüchtigen i geschrieben, ohne die Punkterl drauf, was diese Maschin hier net schafft = dies nur wegen meiner bekannten linguistischen Genauigkeit.] Wir sind abgeholt worden, mit einem riesigen Cadillac, der von Herrn Ingenieur Kaisers Chauffeur, dem lustigen, höflichen Ömer gelenkt wurde. Als wir das imposante Portal des Palastes erblickt haben, hieß uns der Invitator aussteigen. Er hat dem Lenker noch Anweisungen gegeben, was eine Minute gedauert hat... und genau jetzt hab ich eine gutausschauende Dame um die dreißig erblickt, die auf ganz himmlischen spitzen schwarzen Pömps auf sicherlich zwölf Centi hohen [diese Steile war zu jener Zeit selten wie ungewöhnlich... nebenbei, für Absatzhöhen hatt ich schon immer ein recht präcises Augenmaß] extradünnen Stricknadelabsätzen leichtfüßig=elegant dahingeschwebt ist. Welt= und selbstvegessen, ästhetisch hypnotisiert, bin ich der Schönheit nachgegangen... bis ich die laute, rügende Stimme meines VATERS vernommen hab: "Holla, Bua! Wo gehst denn hin?!" "Verzeihung... war in Gedanken...", hab ich arg verwirrt entgegnet, wie aus einem Traum wachgeschüttlt. "A bissl sehr!", hat mein Vater bissig commentiert. Die attractive bayan auf ihren cin=haften Zauber=Nadelabsatzpömps (mich hatten sie sogleich in Trance verschoben!) war fort... und wir mußten auch noch in die andre Richtung. Gleichwohl: unvergeßlich.


Fortsetzung folgt. L.
28.08.2016 um 17:49 Uhr

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Ich fang wieder mit correcturae an. Hab vergessen, die vorige Folge zu numerieren: sie ist die neunundzwanzigste. Und wenn wir schon bei "vergessen" sind: In die Redewendung vorhin: "Welt= und selbstvergessen" gehört ein r wie rational, was Nadelabsätze ja sind. "Vernünftige Schuhe" für uns long needle heels addicts.


Folge dreißig.


Die zweite kleine Sache noch in Stambul, am Bahnhof beim Einsteigen, in Richtung WIEN. Vor dem Schlafwagen Erster Classe ist der Conducteur gestanden, in der braunen Adjustierung seines Unternehmens... wie M. Jean=Pierre Cassel in siner virtuosen Rolle als Schlafwagenconducteur im berühmten Kinostreifen "Mord im Orient Express". Mein Vater hat cursus auf ihn genommen, und der Conducteur wollte auf Englisch wissen, ob wir drei getrennt oder zusammen einzuquartieren seien. Mein VATER hat auf Anhieb auf Türkisch geantwortet: "beraber". Das bedeutet "zusammen".

Fortsetzung folgt gleich.
28.08.2016 um 22:01 Uhr

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Folge einunddreißig.


Das hat den Conducteur so beeindruckt, daß er uns persönlich escortiert und uns alles ehrerbietig wie minuciös vorgeführt hat. Das war sicherlich orientalische Höflichkeit... aber wohl auch orientalische Berechnung. Meinem Vater war dies gut bewußt, er hat in seiner gewohnten Generosität dem eifrigen Conducteur diskret eine größere Banknote zwischen die Finger gleiten lassen. Ab dann hat uns der Schlafwagenchef jeden Wunsch vom Gesicht abgelesen... Effendim hier, Effendim da. {Unsre Familie pflegt seit Jahrhunderten die Mehrsprachigkeit... mein Vater hat sich überall schnell in ein fremdes Idioma hineingehört. Mir geht es auch so, ich kann mich in fernen Ländern nach wenigen Tagen mit einem kleinen Necessitäten=Wortschatz durchschlagen. Mein Sohn hat dies unser Haus=talentum leider net geerbt; dafür ist er ein Leo Logicus, und als Maturant ist er Landbezirksmeister aller Classen in Mathematik. = Im Eisenbahnwagen hab ich im sehr weichen Bett gut geschlafen... und hab geträumt, daß ich beflügelt auf elfchenhaften Nadelabsatzpömps schweb, vom Pflaster und dann von einem Bergauf=Pfad abgehoben... meine besonders spitzen himmelblauen Traum=Schuhe hatten ungewöhnlich lange, dünne, silberne, stricknadelartige Fersenstäbchen. Ein Elfentraum...

Nun hat mir meine MUTTER in WIEN ihre frischerworbenen Hausschuhe fröhlich praesentiert. Es waren besonders zarte Pantoletten, die jeweils aus einer dünnen schwarzen Sohle und aus drei etwa ein Centi schmalen weißen, in Flechtoptik gestalteten Ballen=Riemchen bestanden; die Riemchen waren in der Mitte über den Zehenansätzen zusammengenäht und sind zu den Sohlen hin beidseitig auseinandergestrebt; und diese zierlichen, luftigen Füßchenvorführer hatten zehneinhalb Centi hohe Absätze (bei erster Gelegenheit hab ich sie gemessen, was meine Augenmaß= Schätzung bekräftigt hat), die in der Länge der unteren acht Centi jeweils einen sehr dünnen, graden, goldfarbenen Metallstift aufwiesen... Man hat diese Form auch mal "Cigarettenabsätze" oder Brasil=Absätze genannt. Meine Mutter hat ihre hyperschicken "Hausschuhe" zwischen den schlanken Fingern mehrmals erfreut hinundhergewendet... dann die zierlichen, federleichten, reizenden Pantoletten merklich sacht aufgeregt an ihre Füße gestreift. "Ich werd einige Tag´ meine Füße foltern", hat sie lächelnd gesagt, "und dann hab ich mich wieder gewöhnt an hohe Nadelhacken." Sie ist erst einmal sitzen geblieben. "Diese Schuhe stehn Ihnen SEHR gut, Mutter", sagte ich, auch diesmal etwas gschamig, "sind richtige Fußjuwelen". Diesen Begriff hatt ich = sinngemäß = in der Auslage eines Schuhegeschäfts im Centrum gelesen: "Schöne Schuhe sind die Juwelen schöner Füße" = ist da auf einem Pappschild in KUNSTvoller Schrift gestanden. Meine Mutter hat etwas gezwungen gelächelt. "Du bist lieb. Mein kleiner Schuhefreund. Dennoch denk ich, daß diese Absätze zu hoch sind... obwohl... ich mal excellent gut auf solchen gehn konnte... sogar noch auf höheren. Meine Freundinnen haben mich darum beneidet... und alle Männer haben sich nach mir ungedreht." Meine Mutter konnte, wenn sie in fröhlicher Stimmung war, sehr offen und freimütig reden. Sie ist dann aufgestanden und hat die ersten Schritte gewagt... anfangs sehr vorsichtig, als wären die Schucherl aus dünnem Glas... Doch langsam und allmählich sind ihre Stiftabsätze=Routine wie ihre Gehsicherheit auf den luftigen Steilhackigen zurückgekehrt. = Meine Mutter hat die feinen stiletto heels ab dann tatsächlich stets im Haus getragen, auch zum Kochen und Putzen, jahrelang, bis die reizenden Stöcklchen ganz verschlissen waren, ebenso wie die einst in Stambul erstandenen drei Traumpaare. Und dann ist sie ein zweites Mal zu ihren "Flachlingen" zurückgekehrt. = Was nun mich berührt... ich hab mich löwenhaft gefreut auf die erste Gelegenheit, mir diese herzigen, luftigen Füßchenvorführer an meine schlanken Füße zu streifen... und, allein im Haus, auf den Zehneinhalber= Metallstiftabsätzen alle Etagen und Stuben zu durchwandern. Es war ein himmlisch aufregendes Gefühl, auf den langen Nadeln zu schreiten! Allerdings haben die luftigen Riemchen=Pantoletten, die wenig Halt bieten, einen andern, vorsichtigeren Laufstil erfordert. Ich war = und bleib = der Auffassung, daß ich auf geschlossenen classischen spitzen Stöcklschuhen viel BESSER und lockerer lauf, und daß die bewährten Nadelabsatzpömps für uns Buben viel eleganter sind als Zehenfreilinge. Letztere mögen wir schönfüßigen Damen überlassen, die darauf ganz riesig bezaubernd ausschaun.
28.08.2016 um 23:38 Uhr

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22 Stimmen

Anmerkung. Nach dem Schreiben auf tiefer Nacht geh ich gern ein bisserl ´umherlöwn´, auf dem Biciklweg neben dem stockdunklen Eisenbahndamm, auf Traum=Pömps auf steilen Nadelabsätzen... um meine Gedanken zu sammeln und um in meinem Gedächtnis längst zuunterst gekehrte (wie wir in WIEN sagen: in Verstoß geratene) Ereignisse und Empfindungen ins geistig Greifbare zu holen. Die frische Nachtluft fördert dies... und wird vom leichten, jugendlich=schwebhaften Schreiten auf meinen Nadelabsätzen, die nebenher auch rhythmisch den Tactus für die Gedanken schlagen, beflügelt. = Gestern nacht bin ich denn auf einem Traum=Paar losgeschritten: Classische, spitze Pömps in feinem schwarzem Wildleder = gar auf Ledersohlen, was stets seltener wird = mit Fersenkappen in einer Farbe, die ´verkehrsrot´genannt wird; auf den Fersenkappen sind je ölf circa fünf Millimeter schmale schwarze Lacklederstreifen aufgenäht, direct über den oberen Absatzkanten zusammen, dann nach oben auseinanderstrebend; sowohl Fersenkappen wie auch Ausschnittkanten sind mit schwarzem Lackleder eingefaßt... Und all diese Eleganz auf 122 mm hohen Nadelabsätzen, die oberen Circa=Hälften im roten Wildleder wie die Fersenkappen, die längeren unteren Hälften in Gestalt von stricknadeldünnen goldfarbenen Metallstiften. FREUDE!!

Schreiben und lesen wir weiter. CONSTRUCTIVE, fröhliche künstlerische Anregungen nehm ich von Euch, benevolente Leserschaft, stets willig entgegen. Aber jetzt geh´es froh zur...


Folge zweiunddreißig.


Im drauffolgenden Herbst haben wir im Private English Course eine neue Cameradin bekommen: Julia. Zwölfjährig wie ich, sehr lang, auf elegante Weise schlank, mit anmutigen Bewegungen und einem schönen, Klugheit ausstrahlenden Charaktergesicht. Freilln Julia war niemals arrogant oder praepotent (wie manch andere schöne junge Dame... soll ich Namen nennen...) stets freundlich, fröhlich, hilfsbereit, niemals vorlaut oder quengelig, immer decent, höflich und maßhaltend. Eine junge DAME par excellence. Sie hatte [und hat hoffentlich immer noch] besonders schöne, lange, sorgsam gepflegte Féeen=Hände... und war ganz offensichtlich eine high heels addict!! All dies zusammen... kaum zu fassen. Gleich das erste Mal im Course hatte die sehr nette junge Schönheit an ihren langen, sehr schlanken Füßchen ein Paar auffallend schicke Elfchenschuhe: Zarte, schmale, zinnoberrote, besonders weit zehenansätzefrei décolletierte Pömps mit sanft gerundeten Vorderblättern, mit weißen Ledereinsätzen über den Zehenkappen, die je ein freches weißes dünnes Ziermascherl trugen; und diese extrafeinen Jungelfchentraum=Pömps auf sechs Centi hohen liebreizenden Pfennigabsätzchen!! = Ooooh... ich hatte nur Augen für Julia... ihr kluges Gesicht, ihre wunderschönen hyperlangen Beine, die sie decent, jedoch selbstbewußt geschwungen, wir können sagen: vorgeführt hat... und gewiß für ihre exquisiten Träumchenschuhe. Julia war nicht nur eine anmutige Schönheit, sie war auch, und zwar sofort, die beste Élèvin im Englischen, die Paradeschülerin des Herrn Professors. = Wer nun absolut neidisch war, wissen wir wohl: Freilln Andrea, die bisherige ´Princeß´. Julia hatte ihr, sowohl in Intelligenz wie auch im Aussehn, schlagartig und deutlich (wenn auch ohn´Absicht) ´die Schau gestohlen´. Und dann noch die auffällig schönen, nichtalltäglichen Stöcklschuhe!! In ´Signalfarbe´sozusagen, im unschuldigsten Sinn dieses Worts. Nach dem ersten Unterrichtsstunde im Course hat Freilln Andrea (mein ehemaliges Freundinchen, wenn ich sie so bezeichnen darf) die interessante Julia sogleich ´mit Beschlag belegt´. Unhöflich oder ungalant hin oder her... ich hab mich tactisch geschickt so placiert, daß ich in aller Unauffälligkeit einige Satzfragmente des Damenzwiegesprächs auffangen konnte. (Hatte genug Karl May gelesen und verschlungen... hab also gewußt, wie man Unterredungen gekonnt auskundschaftet.) Von Andrea war das bereits Bekannte gekommen: "Was sind Deine Schuuuhe klaaaß" und "Wie ich Dich beneeeid". Die Ärmste, wirklich... sie war sacrisch verwöhnt, aber Pömps auf hohen Absätzen dufte sie malgré tout l´amour net anziehn. Hierüber hat sie sogleich quengelnd, nahezu weinerlich, unsrer neuen Cameradin geklagt. "Meine Mutter erlaaaubt´s mir neeet..." Julia hat höflich und bedauernd geantwortet, als tät es ihr leid, daß sie etwas darf, was andere net dürfen. "Mir hat es meine Mutter erlaubt, an meinem zwölften Geburtstag. Sie selbst geht immer auf sehr hohen Hacken, sie ist etwas klein, ich bin jetzt schon länger als sie. Mein Vater ist sehr groß..." Die Conversation ist noch weitergegangen, aber mehr hab ich net mitbekommen, denn es war schon an der Grenze der Auffälligkeit, daß ich an den beiden Jungschönheiten vorbei mehrmals zum hellbraunen Bücherregal gegangen bin, um etwas nachzuschlagen. [Diese Methode wend ich auch jetzt noch an, wenn unser Familien=Interesse es erfordert... bei einem Büchernarr wie mir ist es nix Ungewöhnliches, dieses und jenes nachzulesen.]
Und... warum sollt ich net wissen, was mein ehemaliges... und womöglich mein küftiges Freundinchen miteinander bereden...



Fortsetzung folgt.

I löw jetzt los... zur nächtlicher Promenad´, auf ganz riesig unbeschreiblich schönen Großelfenpömps: Hawaii=Blau, ganz classisch schwungvoll geschnitten, mit kunstvoll gerafften sehr spitzen Zehenkappen, besonders weit zehenansätzefrei décolletiert, auf genau 130 mm steilen, richtig bleistiftdünnen Junglöwentraum=Nadelabsätzen!! Auf frische Gedanken... L.
29.08.2016 um 01:32 Uhr

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55 Stimmen

Immer wieder schön deinen Worten zu lauschen.. Einziges Problem: Sie sind so schnell vorbei.

Wie gerne tauche ich ein in deine Welt und genieße mit dir, wie zufrieden du mit dir und deiner Welt bist (wer ist das heutzutage schon noch).

Und ich muss zugeben, das eine oder andere Wort Wiener Mundart hat es inzwischen auch schon Dank dir in meinen Wortschatz geschafft...
29.08.2016 um 01:58 Uhr

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11 Stimme

Löwenherzlichen Dank für die höfliche, freudvolle Kritik. Allora... weltzufrieden und selbstzufrieden... würd das net zur geistigen Trägheit führen... Allerdings mach ich oft den Eindruck des auf lässige Art Zufriedenen, sogar auf mich selbst. Dies liegt an meiner angebornen löwenhaften Fröhlichkeit und gewiß auch daran, daß, mit Hilfe des HERRN, ich mein Erdendasein seit Jahrzehnten so einricht, daß ich möglichst viel F r e i h e i t hab und behalt.


Folge dreiunddreißig.


Mitte der Sechzigerjahr´ ist in der Herrenmode auf dem Schuhe= Sector eine Innovation aufgekommen: elegante Slippers auf oben ´üblich´ breiten, doch sich nach unten leicht verjüngenden Absätzen in cca sechs Centi Höhe. {Diese Moderichtung hat sich bis in die Siebziger hinein gehalten, da hatt´s auch schöne, sehr spitze Herren=Kurzstiefel gegeben, auf acht bis neun Centi hohen Cowboy=Boots=Absätzen. Ich hab mir als Student, wenn ich mich recht entsinn, fünf Paar gekauft; zwei hab ich noch und pfleg sie, die andern hab ich völlig verschlissen. Hätt mich für Jahrzehnte mit sochen Schuhen eindecken sollen... denn Ende der Siebzigerjahre sind sie aus Mode und Offerte complett verschwunden.} Meinem VATER hat diese Modeidee offenbar gefallen, denn er hat sich ein sehr elegantes schwarzes Paar gekauft... und hat es hie und da scherzhaft als "meine Nadelhackenschuhe" bezeichnet. Jö schau!
Mein Vater hatte auch was übrig für hohe Absätze. = Ich bin im Bekanntenkreis als Vaterssohn gegolten, denn ich hab meinen sehr fröhlichen, hochgelehrten Vater, gewiß zu seiner großen FREUDE, in Hunderten von Sachen, auch in flüchtigen Alltagsbagatellen, nachgeahmt. {Ich tu´s auch jetzt noch... möglicherweis mehr, denn je.} Da ich grad neue schwarze Schuhe benötigt hab für festliche Kleidung, hab ich die Bitte formuliert, daß ich das Modell gern hätte, welches mein Vater hat. In Juniorengrößen hat es sie net gegeben (allerdings waren zu jener Zeit die Kinderschuhe sicher net solche genearlgenormte Garstigkeiten wie jetzt: nahezu allesamt nachgemachte Turnhallentscherfl... soll ich sagen: pfujjj... oder soll i net...), also sind wir in die Herrenabteilung gegangen. Das Modell war da, aber ab erst Größe 40 (vor einem halben Jahrhundert waren die Menschen im Durchschnitt ´kürzer´ und hatten auch kleinere Füße). Ich hab das elegante Paar bekommen, eine Nummer zu groß, aber meine Füßchen sollten ja noch wachsen. Die Spitzen meiner Slippers hab ich mit Watte gefüllt... und hab das nunmehr all=öffentliche, sozusagen officielle Gehn auf immerhin sechs Centi hohen Hacken sehr freudig genossen. Für meine Begriffe strenggenommen Flachlinge, doch viel besser als die hypoplatten Stampfer = also Flachlinge der gehobenen Classe, in beiden Bedeutungen dieser Wendung. Eine willkommene Nebenwirkung hatten die Schuhe auch: ich war nun etwas größer, denn es hatte mich stark gestört, daß die schöne, liebe Julia, die ich seit dem kurz zurückliegenden Septemberanfang zweimal die Woche im Sprachcursus gesehn hab, länger war als ich. = Zum nächsten Private English Course bin ich selbstredend auf meinen hochhackigen Slippers gegangen und hab mich so placiert, daß Julia sie sehn konnte. Sie selbst hat wieder, wie recht oft, ihre zarten jungelfchentraumhaften rot=weißen Stöcklschucherl an ihren besonders schmalen Füßchen. Nach dem Unterricht hab ich sie angelächelt... Ich hab´s von meinem Vater gelernt: ein Cavalier muß die Damen decent anlächeln... und ein Cavalier muß in Gegenwart von Damen ein guter Zuhörer sein; denn bierernst dreinglotzende Mannsbilder, die immer ihre eigene Stimme hören wollen, werden von Damen kaum gewürdigt. = Julia hat mein Lächeln aufgefangen und erwidert. Sie hatte ein wunderschönes, eher angedeutetes Lächeln! Dann hat sie gesagt, als wenn sie in meinen Gedanken lesen könnte: "Schicke Schuhe hast Du, L.". Ich hab meine Courage zusammengekratzt: "Deine Schuhe sind auch sehr schön, Julia... und stehn Dir wunderbar gut. Gehst gern auf hohen Absätzen...?" Julia hat kurz angebunden erwidert: "Dank Dir. Fürs Lob für meine Pömps. Ich geh sehr gern hochhackig". Und hier hat sie das Thema abgeschnitten; sie hat es wohl als unschicklich empfunden, mit einem bislang nur flüchtig und sozusagen dienstlich gekannten Buben über Stöcklschuhe zu reden. Um aber höflich zu bleiben, was Julia gewiß stets war, hat sie unvermittelt angefangen, über die lange Aegyptenreise zu plaudern, die sie im Sommer mit ihren Eltern unternommen hatte. Die junge Dame war auch ein Sprach=Talentum, wie ich selsbt; im Kairo hatte sie sich in den gut zwei Monaten ganz viel Englisch und auch a bissl Arabisch spontan angeeignet. In unsern Cursus war sie demnach eine Fortgschrittene, zur Freude des Herrn Professors. = Nach wenigen Minuten hat sie um Verzeihung gebeten dafür, daß sie die conversatio abbricht: "Ich werd daheim pünktlich zur Jausn erwartet... meine Eltern dulden keine Verspätung".
30.08.2016 um 00:23 Uhr

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46 Stimmen

Zwischenbemerkung. Möglicherweis ist das eine oder andre Mitglied meiner verehrten, benevolenten Leserschaft verwundert darüber, daß ich nie über den Gegenstand ´Schule´ schreib, obschon ich Mitte der Sechzigerjahr´ des vorigen Centennariums nach üblicher Zeitrechnung in einem Classenraum die Holzbank schnitzen hätt müssen. Ich klär dies kurz auf. = Mein VATER war zu jener Zeit Universitätsdocent und hat zu vielen fröhlichen Collegen den gesellschaftlichen Contactus gepflegt. So hat er einige Gelehrte gebeten, seinem Sohn, also mir, gegen ein angemessenes Entgölt Hausunterricht zu geben. Ich hab demnach sechs Jahr lang guten und hochpräcisen individuellen Privat= Unterricht erhalten. {In Österreich war dies statthaft und ist es immer noch; da gibt es Unterrichtspflicht, aber keine Schulpflicht und schon gar keinen ´Schulzwang´, wie in Deutschen Landen.} Ich bin meinen namhaften Herren Professoren dankbar für all das, was sie mir geduldig und heiter vermittelt haben. Eine Öffentliche Lehranstalt hab ich dann ab 1969 frequentiert, infolge eines Ortswechsels... aber so weit sind wir no´net in der Chronologie.


Folge vierunddreißig.


Um die dreihundert Meter vom Haus, in dem der English Course regelmäßig stattgefunden hat, war, an einem Zierbrunnen und einem Großen Laden für Decorationsstoffe und Vereinsartikel vorbei, in einer engen, kurzen Gasse ein ganz kleines Geschäft; die Auslage links neben der etwas eingerückten Glastür war grad anderthalb Meter breit. Hier war die Werkstatt eines, wir dürfen ihn getrost so bezeichnen, Schuhmacherkünstlers. Der Meister war in seinem Fach ein Specialist, hatte einen exclusiven Kundinnenkreis und hat ausschließlich elfenmärchenhaft schöne, unbeschreiblich elegante Nadelabsatzpömps hergestellt, in den vier exquisitesten Formen: classique, d´Orsay, sling und die Zwischenstufe zwischen den ersten beiden (hierzu sag ich gleich was). Auch die zu Anfang dieses Berichts erwähnte sehr attractive Tochter eines bekannten Baukünstlers, Freilln Eva, mein erstes bewußtes ´Vorbild´ im gekonnten, leichtfüßgen Gehn auf sehr hohen Nadelabsätzen, war hier Kundschaft; ich hab sie einmal glückselig lächelnd, mir freundlich zunickend (feine Schuhe auf Bleistiftabsätzen bringen nun mal FREUDE) auf himmlisch eleganten silbrigweißen, extrem spitzen Slingpömps auf zehn Centi hohen besonders dünnen Nadelabsätzen aus dem kleinen Laden auf den Gehsteig schweben sehn. = Nach dem English Course hab ich nahezu jedesmal den Abstecher zu diesem Geschäft gemacht; Umweg deswegen, weil jene kurze Gasse, wo die Werkstatt war, vom Cursus aus gesehn in der Gegenrichtung zu unserm Domicilium gelegen ist. Aber... es hat sich gelohnt! Demnach war die Vorfreude jedesmal aufregend.


Fortsetzung folgt gleich.
30.08.2016 um 20:50 Uhr

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44 Stimmen

Folge fünfunddreißig.


Die kleine Auslage des Geschäfts war, ohne weitere Decoration, stets gefüllt mit etwa einem Dutzend sylphidenhaft wunderschönen Bleistiftabsatzpömps, grad in der Form, die ich aufregend elegant find. Zweimal die Woche, nach dem English Course, bin ich hierher gekommen und hab meine feine Adlernase minutenlang buchstäblich an die Glasscheibe gepreßt, um mich an den Träumchenschuhen sattzuschaun... so, daß auf der sorgsam geputzten Glasfläche jedesmal ein Fettfleck zurückgeblieben ist. Ein Modell ist mir ganz besonders gut gefallen: Ein Paar überaus spitze, sehr weit ausgeschnittene Pömps in marineblau gefärbtem Echsenleder auf ölf Centi hohen Stricknadelabsätzen. Diese aufregenden Schuhe waren von der Zwischenform zwischen classique und d´Orsay, das heißt, die Seiten, oder wie der Schuhmacher sagt, die Gelenke, waren offen, aber nicht ganz; die Fersenkappen und die Vorderblätter waren an den Stellen, wo bei geschlossenen Pömps die Seitenoberkanten sind, beidseitig mit je einem ein Centi schmalen Lederstreifen verbunden. Das schaut in etwa so aus [bitt ernsthaft um Vergebung für die seltsame Analogie bei so himmlisch schönen Schuhen!], als hätt jemand bis zu den Gelenkkanten hinunter in beide Seiten der Schuhe eine Öffnung in Form eines Würschtls hineingeschnitten, in den Maßen drei mal neun bis drei mal dreizehn Centi, je nach Schuhgröße. Diese Art Pömps haben einerseits, wie die classique=Ausführung, den sicheren Sitz an den Füßen = und anderseits, wie bei der d´Orsay= Gestaltung, kann ein guter Beobachter und Schuhefreund zwischen den Decksohlen und den Fußsohlenbögen hindurchblicken, gewiß vorausgesetzt, daß die Pömps von jemand mit elegant hochgewölbten Füßchen getragen werden. Wie gern hätt ich diese wunderbaren Traumschucherl gehabt! Nun... offen gesagt, am allerliebsten hätt ich sie ALLE gehabt. Feine, hyperelegante, spitze Elfenpömps mit zehenansätzefreiem Ausschnitt und auf sehr hohen, extradünnen Nadelabsätzen sind nun mal die RICHTIGEN Schuhe für mich. = Ich hab mir oft freudig ausgemalt, daß ich dereinst, wenn ich ´a Gööd´ hab, eine collectio von diesen Traumpaaren für mich in Auftrag geben werde.


Fortsetzung folgt gleich.
31.08.2016 um 00:54 Uhr

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22 Stimmen

Nach einem nächtlichen Kaffée (bitt stets hinten betonieren...) und einem erfrischenden Weiß=Gspritztn...

Folge sechsunddreißig.


Es war wieder English Course Day... und nach dem Unterricht bin ich, wie üblich, in die enge Gasse hinter dem Zierbrunnen zu meiner Lieblingsauslage geeilt. Sicherlich hab ich schon drei oder vier Minuten geglotzt... wenn net gar länger. {Es geht mir auch jetzt noch so, daß mir bei aesthetischen Hochfreuden jedes Zeitgefühl entgleitet.} Hab mir vorgestellt als im Grunde auf conservative Art modebewußter Nachwuchs=Gesellschaftslöwe, welchen Anzug, welches Hemd, welche Crawatte = selbstredend farblich abgestimmt = ich zu je welchem Paar Nadelabsatzpömps anziehn würde. [Ich hatt sehr viele schöne Anziehsachen... Nun gewiß, als Einzelsohn meiner sehr lieben, cultivierten, großzügigen Eltern war ich einerseits nach allen Regeln der KUNST verwöhnt, anderseits pecuniär bewußt streng kurz gehalten; weiters mußt ich im Haushalt mitarbeiten, mit den Grundbegriffen der KochKUNST, dem Knausern beim Einkaufen und generell mit dem umsichtigen Zusammenhalten des ´lieben Gööds´ vertraut werden... meine MUTTER pflegte zu sagen, zu Recht, wie ich dies erfahren mußte: "Wer weiß, wozu Du das noch sehr gut brauchen wirst!"} = Aus der Welt meiner eleganten Bekleidungsentwürfe in die nachmittägliche Gasse zurückversetzt hab ich registriert, daß jemand rechts neben mir steht, ebenso eifrig die wunderbaren Stöcklpömps anschauend. Ich hab sie schon an dem ganz zarten Lavendelduft erkannt... Julia... Wir hatten uns grad eine halbe Stunde zuvor gesehn, im Cursus. Nach dem Unterricht haben wir ein paar heitere, aber kurze Sätze gewechselt. Dann hat sich Julia entschuldigt und gesagt, sie müsse mit einer Cameradin etwas bereden. Zudem hab ich gedacht, daß sie es wieder eilig hab wegen der Jausn daheim, also wollt ich sie net lang aufhalten. Und nun war sie da... und ich war richtig aufgeregt, hab net gewußt, was ich sagen sollte. Doch Julia hat den Part des Conversationsführers sogleich übernommen.


Fortsetzung folgt gleich,
ich commandier los, denn der Rechner casperlt wieder.
31.08.2016 um 02:14 Uhr

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11 Stimme

Hol mir no´a Wääßgspritztn.

Folge siebenuddreißig.


"Ich mag diese Schuhe sehr gern!", hat die nette junge Dame die Conversation eröffnet, "magst Du sie auch...?" Ich wurde verlegen und hab gefühlt, wie ich erröt. Aber dann hab ich zu der reizenden Julia, die nun verbindlich gelächelt hat, Vertrauen gefaßt. "Ja. Ich find sie auch schön. Welches Paar magst Du am liebsten?", wollt ich dann wissen, auch um das Gespräch im Gang zu halten. "Schau", hat Julia in die eine Ecke der Auslage gewiesen, "das ganz schlichte Negerbraune. Siext, ganz herrlich schmal und spitz. Und himmlisch hohe Absätze! Wie hoch können sie wohl sein..." Für mein gutes Augenmaß für Schuhabsätze war das eine leichte Frage. "Ölf Centi", hab ich fachkundig erwidert. Darauf Julia charmant lachend: "L. ... Du bist mir verdächtig... Du bist verrückt nach hochhackigen Pömps... weißt... so wie ich auch..." Jetzt wurde sie auch ein wenig verlegen. "Also...", hab ich entgegnet, "ich find sie nun mal schön und elegant..." Und nun ist etwas geschehen, was ich bei der eher stillen, stets auf contenance bedachten Julia noch nie beobachtet hab: sie ist in Schwärmen geraten! "Die mag ich! Die mag ich! Und möcht sie so gern haben... so gern... Ich hab´s meiner Mutter gesagt, die hier Kundschaft ist und mehrere Paar wunderschöne spitze Schuhe auf ur=hohen Bleistiftabsätzen machen hat lassen. Aber sie hat gesagt, ich sei noch viel zu jung für Bleistiftabsätze... und auch zu lang dafür... weißt... meine Mutter ist recht klein und geht daher immer auf riesig hohen dünnen Absätzen. Meine Länge hab ich von meinem Vater, er ist sehr groß, fast ein Meter neunzig. Aber... das ist doch Unsinn, net? Ich bin net zu lang für schöne hohe Stöcklschuhe! Ich möcht sie so gern..." Julia ist so richtig in einen begeisterten Redeschwall geraten! Ich hab, wie von meinem Vater gelernt, geduldig zugehört... und diesmal (obwohl ich net der beste Lauscher bin) ist es mir völlig und freudig leicht gefallen, denn es ist um eins meiner Lieblingsthemata gegangen: Elegante hypersteile Nadelabsatzpömps. Als die schöne Julia Luft geholt hat, wollt ich etwas Entscheidendes wissen. "Könntest drauf laufen?" Julia hat ein nahezu beleidigtes Gesicht geschnitten. "Was heißt hier ´könntest´... ?! Ich KANN darauf laufen, und zwar SEHR GUT!" "Entschuldige", hab ich beinah flehentlich entgegnet, "sicher, ganz sicher doch...". Julia hat meine Furcht, sie zu verärgern, gemerkt und wurde wieder charmant=heiter. "Weißt", hat sie erklärt, "ich hab die Traumstöckl meiner Mutter, die ganz tollen aus dem Laden hier, sehr oft heimlich angezogen... ich konnt sofort so gut drauf laufen, als hätt ich nie flache Schuhe getragen. Himmlisch, Du, HIMMLISCH!" = Wem sagt sie das... hab ich insgeheim gedacht. = Julia hat weitergeredet. "Irgendwann konnt ich sie leider net mehr anziehn... meine Mutter hat Größe 36... und ich hab jetzt schon Größe 39." "Oh. Ich auch...", hab ich selbstvergessen gesagt, aber Julia hat so getan, als hätt sie das net gehört. An ihren eleganten schmalen Elfchenfüßen hatte sie auch diesmal die liebreizenden rot=weißen Pömps an. Oh wie gern hätt ich sie gebeten darum, daß ich ihre herzigen, zarten Stöcklchen kurz anprobieren darf! Aber ich hab mich net getraut. Nun gewiß... die knuffe=schicken Féeenschucherl hatten sechs Centi hohe Pfennigabsätzchen... und das waren für mich strenggnommen Flachlinge...
Aber es war J u l i a ...


Fortsetzung folgt.
31.08.2016 um 03:36 Uhr

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44 Stimmen

Folge... achtunddreißig, wenn i mi net verlöw.



"Welches Modell magst am besten...", wollte nun Julia wissen. "Das dunkelblaue. Aus Echsenleder. Auf den himlisch hohen Absätzen", hab ich geantwortet. "Ach, lustig", hat Julia gerufen. Genau d i e tollen Stöckl möcht ich auch am liebsten, neben den schlichten Negerbraunen!" {Das Wort Negerbraun war zu jener Zeit in aller Munde... und eine gängige Farbbezeichnung im Jargon der Schuhmacher. Und, was Echsenleder angeht: daraus hat niemand einen Aufreger gemacht. Wenn ich daran denk, wie heut an den Staatsgrenzen Schlangenlederschuhe beschlagnahmt werden!! Was für eine Welt... Meine Mutter hatte mal von einem befreundeten Ehepaar = der Herr war ein namhafter Mathematik=Professor, der Lösungsweg zu irgendeiner Hochstufen=Differentialgleichung ist nach ihm benannt; zu jener Zeit hatt er eine Gastprofessur in Algerien (wo es auch Schlangen gibt) als jenes Land noch französische Colonie gewesen... = eine gut zwei Meter lange Riesenschlangenhaut geschenkt bekommen. Unter anderem hat sie, 1963 herum, ein sehr elegantes Paar zehenfreie Slings auf mittelhohen Pfennigabsätzen daraus machen lassen; diese waren eindeutig ihre absoluten Lieblingsschuhe, sie hat sie noch mit über Achtzig bei feierlichen Anlässen getragen. Ich hab dies reizende Paar aufbewahrt, als Andenken an meine MUTTER und an unsre vielen lustigen Gespräche über schöne hohe Nadelhackenschuhe.}
"Ich muß jetzt gehn", hat Julia plötzlich gesagt. "Ich hatt heut etwas mehr Zeit, denn meine Eltern sind am Nachmittag ausgegangen. Aber so langsam kommen sie heim und regen sich auf, wenn sie net wissen, wo ich bin." Was mich angeht... ich war von der jungen Dame hochbegeistert, ich war aufgeregt, glücklich und bin im mindestens achten HIMMEL geschwebt! "Julia, darf ich Dich heimbegleiten...", hab ich couragiert gefragt, zuversichtlich nach so riesig viel unerwarteter FREUDE. "Jaa...", hat Julia langsam und erwägend erwidert. "Es ist net weit." Das hab ich selbstredend gewußt. Einmal, nach dem Cursus, bin ich der schönen Cameradin in diskretem Sicherheitsabstand nachgegangen, wie ein geschickter Privatdetectiv in einem Kinostück. "Wir können öfter mal zusammen Schuhe gucken kommen", hat Julia noch ergänzt. Wir sind fröhlich losgegangen... und ich hätt, trotz meiner eher ruhigen Art, vor FREUDE singen können.


Fortsetzung folgt.
I löw jetzt auch los... Luft holen... Und meine Füße verwöhnen und mich FREUEN... auf meinen absolute féeenkönigstraumhaften wunderschönen Pömps in Schwarz=Lack, über den hyperspitzen Vorderblättern mit eleganten Samtmascherln, die eine golderne Schmuck=Mittenzwinge haben, auf selbst für needle heels extradünnen Stricknadelabsätzen in 132 mm Höhe. Spanisches Productum nach meinem Entwurf. Die feinen zehenansätzefrei décolletierten Träumchenschuhe sind so himmlisch elegant geschnitten, daß meine schlanken, hochgewölbten Füße besonders schick darauf ausschaun, denn seitlich haben die exquisiten, federleichten Elfenpömps den ´shallow cut´, das heißt: meine hohen Sohlenbögen sind innenseitig sichtbar. FREUDE=FREUDE!!
31.08.2016 um 04:35 Uhr

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11 Stimme

Liebe Leserschaft!
Gestern nacht bin ich genau eine Stund umhergelöwt, auf der Bahndammpromenad´ angefangen. Hab über vieles nachgesonnen, KUNST und Cultur, Staat und Gesellschaft, attractive Frauen und elegante Stöcklschuhe... Hab auch an Euch, liebe, benevolente, gewiß kritische Leserschaft, gedacht... ich mag Euch gern weiterhin eine FREUDE bereiten. Manche meiner Ansichten sind einigen verehrten Lesern vielleicht wesensfremd... bitt um Nachsicht... Aufassungen sind oft unterschiedlich, aber das macht das Dasein farbig und lebendig. = Viele Gedanken hab ich gesammelt... auf meinen elfentraumhaften Nadelabsatzpömps schreitend... ganz leichtfüßig, beschwingt, federleicht, den Erdboden unter meinen spitzen Schuhvorderblättern, unter meinen aufregend langen, dünnen Fersenstäbchen ~ die ich längst als Körperteile empfind ~ fast net spürend, mich naherzu vom Pflaster beflügelt erhebend...
SCHWEBEN ~ SCHWEBEN...



Folge neununddreißig.


Die liebreizende Julia und ich haben uns ab da oft gesehn. Sie ist in die dritte Classe eines guten öffentlich=staatlichen Gymnasiums gegangen. Nach dem Unterricht hab ich sie, wenn ich es zeitlich einrichten konnt, mit ihrem freudigen Einverständnis abgeholt, in diskretem Abstand vom ehrwürdigen Gebäude auf sie wartend. Meist hab ich sie nur heimbegleitet, denn sie hatte strenge, fleißige, a wengerl zu ernste Eltern, die ihre Freizeit zwar net reglementiert, aber stets unter Controlle hatten. Wir sind stets zu Fuß gegangen und keine Öffis [österr. für Öffentl. Verkehrsmittel] benützt, damit unser fröhliches, freudiges Zusammensein länger dauerte. Nach unserm gemeinsam besuchten Private English Course sind wir, wenn Julia es mal infolge der Abwesenheit Ihrer Eltern net eilig hatte, meist zum kleinen Geschäft gegangen in der engen Gasse... um die himmlisch schönen Nadelabsatzpömps zu würdigen... glücklicherweis hat der Meister die von ihm gefertigten Paare in der Auslage oft gewechselt, vielleicht waren das Auftrags= Arbeiten die der Schuhmacherkünstler bis zur Abholung öffentlich zum Bewundern ausgestellt hatte. "Das sind keine (schlicht so:) ´Schuhe´, das sind Schätze! Das sind Juwelen!", haben Julia und ich einmütig festgehalten. Und ich hab mir vorgestellt, wie féeenhaft gut diese wunderschönen, schlanken Nadelabsatzpömps meinem herzliebsten Freundinchen stehn würden... und werden...


Fortsetzung folgt... i muaß wos hackln.
L.
31.08.2016 um 20:16 Uhr

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11 Stimme

Folge VIERZIG. Einen Kaffée drauffe.


Einmal hab ich, vor unsrer Lieblingsauslage, meiner lieben Julia gesagt (eher zum Scherz, aber insgeheim hab ich mir respective uns beiden das tatsächlich gewünscht), daß wir unsre erknauserten Gelder = Julia ist in pecuniariis noch kürzer gehalten worden als ich = zusammenwerfen und für uns beiden in der Werkstatt je ein Paar Elfchentraum=Nadelabsatzpömps bestellen sollten. (Wie teuer sie waren, haben wir net gewußt, denn in der Auslage waren aus Diskretionsgründen keine Preisschilder.) Julia hat säuerlich gelächelt: "Schön wär´s! Aber meine Mutter würde mich für mindestens eine Woche in die Kammer sperrn". "Ja... kennt Dich denn der Herr Meister? Wer würde Dich denn sonst an Deine Frau Mutter vernadern...", hab ich etwas verwundert gefragt. "Ja, leider", hat Julia erwidert. "Ich hab meine Mutter begleitet beim Abholen eines ganz wunderbaren Paars: Spitze sonnengelbe Pömps auf den üblichen steilen Nadelabsätzen, mit einem richtig süßen kleinen Ziermascherl vorn am Ausschnitt, und, stell Dir das mal vor!, zwischen Mascherl und Spitze, eher in Mascherl=Nähe, eine längliche Öffnung, die Mitte der Zehen sichtbar machend!! Ganz ur=süß, Du! Und die hätt ich auch so sehr gern... Meine Mutter sagt aber, erst wenn ich vierzehn bin. Und auch dann nur in Begleitung." Ich hab es als wunderbar beglückend empfunden, daß mein Freundinchen und ich so unbefangen über hyperschicke Stöcklschuhe reden konnten... nun... wir waren {und sind, was ich für Julia auch erhoff} beide long needle heels addicts. "Du bist ja bald vierzehn, Julia", hab ich sie getröstet. "Und als Begleitung... bin ich immer gern für Dich da." Julia hat gelächelt: "Lieb vor Dir, L. ..." = Es war erhebend schön, in Julias Gesellschaft zu sein. Ich hab mir oft, nahezu jeden Abend vor dem Einschlafen vorgestellt, daß ich diese bezaubernd schöne, ganz liebreizende, anmutige, fröhliche, belesene junge Dame und Stöcklschuhe=Collegin in gut zehn Jahren, wenn ich meinen Universitätsabschluß hab, heirate. Wir hatten ungewöhnlich viele Gemeinsamkeiten, sowohl was Affinitäten, Vorlieben, Freuden, Leidenschaften... wie auch was Aversionen anging. Meine Julia war auch eher ruhig, leis und maßhaltend, überlaute, schreiende ´Begeisterung´, die in großen Menschenmengen anzutreffen ist [ich nenn dies das Fußballplatz= Syndroma] war auch ihr wesensfremd, hat Freilln Andreas geliebtes Tennis ebenso fad und angeberisch gefunden... und hat KUNST, Cultur, Sprachen, Bücher, Fröhlichkeit, ein bestimmtes Maß an Dauer=Feierlichkeit... und net zuletzt die wunderbar eleganten nadelabsatzpömps genauso geschätzt wie ich. Auch in der Musik hatten wir den gleichen Geschmack. "Ich mag jede Art Musik", hat sie einmal gesagt, "aber nur, wenn sie schnell ist. Mozart, Beethoven undsoweiter sind ganz wunderbar... aber die faden, schleppenden langsamen Sätze könnte man eigentlich weglassen." Endlich jemand, der sich zu dieser Aussage traut, hab ich gedacht. Ich war auch dieser Ansicht... und hatt mehrmal Streit mit etwas praepotenten Musikfreunden, die gemeint haben, daß grad in den langsamen Sätzen die Melodie sei... die schnellen seien bloß Tschimm=Bumm, sowas könne jeder Anfänger componiern. = Die schöne Julia und ich hatten viel FREUDE an unsern gemeinsamen Affinitäten... und auch an unsrem freimütigen Vertraun zueinander.
31.08.2016 um 22:00 Uhr

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22 Stimmen

Folge einundvierzig.



Julia, circa fünf Monat´ "älter" als ich (in Verbindung mit schönen Damen schreib ich dies Wort stets ungern nieder) ist Ende März 1966 dreizehn geworden. Was sie sich von ihren Eltern gewünscht hat, das hat sie net bekommen: ´Richtige´ Nadelabsatzpömps auf zehn Centi hohen Fersenstiften. Gleichwohl hat sie ein sehr elegantes Paar damenhafte Schuhe bekommen, die ihr auch ausnehmend gut gestanden sind: Schwarze Audrey Hepburn Pömps mit sehr schmalen, langgezogenen Spitzen; auf den Vorderblättern war je eine Verzierung aus sechs kleinen schwarzen Lederknöpfen, in gleicher Weise angeordnet wie der Sechser auf der wertvollsten Seite eines Casino=Würfels; die erlesenen Pömps hatten immerhin sechs Centi hohe, sich elegant verjüngende und zur untern Hälfte schon richtig dünne Stiftabsätzchen. Ich war zur Geburtstagsfeier net geladen, hatte mein Geschenk, ein Buch über die Malerei der Renaissance, aber schon beim Abholen am Gymnasium an meine schöne Cameradin überreicht. Da sie diese KUNSTrichtung besonders liebt ~ wie ich selbst auch ~ , hat sie sich gehörig gefreut über die Gabe. = Nebenbei... in unsern Elternhäusern haben wir beide net viel geredet über unsre schöne Freundschaft; ich hatt (zu Unrecht!) befürchtet, meine Eltern würden sich über solche Jungliebe lustig machen... und Julias übervorsichtige Eltern haben unsre gegenseitige Zuneigung möglicherweis net gern gesehen. Gleichwohl: verheimlicht haben wir unsre Freundschaft vor unsern Eltern beide nicht. = Am nächsten Nachmittag hat mir Julia ihre schönen neuen Schuhe, die sie im English Course angehabt hat, reizend vorgeführt, ihre schlanken Elfenfüßchen nacheinander elegant vorgestreckend. "Wirklich sehr elegant", hab ich die Pömps und vor allem die Trägerin gewürdigt. "Stehn Dir auch absolute gut. So richtig DAMENhaft." "Danke, L. Lieb von Dir", hat Julia erwidert. "Aber... fast schon altdamenhaft...", hat sie etwas wehmütig hinzugefügt. "Julia... liebe... sie stehn Dir wirklich sehr=sehr gut! Und... in 364 Tagen bist vierzehn... und bekommst dann die schicksten Nadelabsätze", hab ich sie herzlich getröstet. Sie hat mich sogleich flüchtig umarmt... es war WUNDERSCHÖN.
01.09.2016 um 00:23 Uhr

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00 Stimmen

Folge zweiundvierzig.



Ich hab Julia niemals daheim besucht, außer einem einzigen Mal, ganz kurz, zum Osterfest (hierauf kommen wir noch zurück). Ihre Eltern waren sehr conservative, ernste Menschen, die den Sinn dieses irdischen Seins nicht in unsrer fröhlichen altösterreichischen Geselligkeit gesehn haben. Nun gewiß: Chacun à son goût. Da unsre Eltern einander niemals officiell vorgestellt worden sind, haben die beiden Ehepaare keinen gesellschaftlichen Contactus zueinander gepflegt. Und da Herr und Frau v.B. meine Eltern auf die conventionelle Weise net gekannt haben, wurde ich auch net ind das Haus von Julias Eltern eingeladen. Als mein VATER dies irgendwie vernommen hat, war er mit einem leicht spöttischen Lächeln der Ansicht, solch eingeengte Sitten seien net nur heut (1966) übertrieben sondern seien das schon immer gewesen. {Hier schieb ich besser was ein, bevor Mißverständnisse entstehn = und ich mit schlechter Kritik beworfen werd. Es geht hier net um sogenannten ´Dünkel´. Kann auch net, denn meine und Julias Eltern waren in etwa auf gleicher gesellschaftlicher Stufe. Herr v.B. war ein vielbeschäftigter, weitgereister Cultur=Ingenieur. Sondern. Erstens geht es hier um altmodische Conventionen, die heut höchstens noch in Fürstenhäusern prakticiert werden. = Vor einem halben Jahrhundert hatten sich die Menschen social nach oben ausgerichtet, während sie sich heut meist nach unten anpessen, "um ja nicht aufzufallen". = Zu den Fürstenhäusern kann ich irgendwann künftig, wennst Ihr´s lesen wollt, in Verbindung mit meiner sel. ersten Frau erzählen. Übermäßig conventionelle Menschen waren halt der Auffassung, daß ein officielles Miteinander=Bekanntgemachtwerden die stricte Voraussetzung zum gesellschaftlichen Verkehr sei. Und zweitens geht es hier um zwei Weltanschauungen. Meine unvergessenen Eltern waren stets freiheitlich, non=chalant, gewiß auch inconventionell, soweit die vornehme Gesellschaft dies verkraften konnte. Mein VATER pflegte zu sagen: "Jemand, der die Conventionen durchgängig beherrscht, der hat auch das Recht, sich über sie hinwegzusetzen". Ich seh das genauso. Julias Eltern hingegen waren strenge, conformistische, zu wenig fröhliche Menschen. Also... zwischen den beiden Ehepaaren wär nie eine heitere Freundschaft entstanden, die Herrschaften hätten sich beschränkt auf höfliches Grüßen. (...)

Muß loscommandiern, der Rechner casperlt.
01.09.2016 um 01:04 Uhr

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00 Stimmen

Folge dreiundvierzig.


(Correctura: es heißt weiter oben net "anpessen", sondern anpassen.)


(... Gedankenfortsetzung in {}=Klammern...)
Nun mögen einige Leser denken: So´n ekelhaftes Elitärdenken. Ich räum ein: zum selbigen hab ich mich schon immer offen wie auch öffentlich bekannt, seit meiner Frühjungend... ekelhaft hin oder her. Weit vorausgreifend kurz dies. Ich wollt in die active Politik gehn, die Abschlüsse dafür hab ich mehr als hinlänglich. Vor circa zehn Jahr hat mir jemand gesagt, die Politik könne und WERDE nix mit mir anfangen. Erstens, weil ich ein Elitärdenker bin. Nun, es ist was dran. Ich bin ka Freind net davon, was speciell in Deutschland unter ´Demokratie´ verstanden wird... mein heiter=kritischer VATER hat dieses schiefe System gar "contraselectio" genannt. Und zweitens (so hat jener Rügende gesprochen:) weil ich oft in aller Öffentlichkeit ~ und wie selbstverständlich ~ zum correcten Anzug hochhackige Bleistiftabsatzpömps anhab. Dies sehe "man" selbst bei Damen net gern... und bei Herren schon gar net. = In summa: Da ich mir weder meine politische Weltanschauung noch die Höhe wie die Form meiner Absätze von irgendjemand vorschreiben laß, bin ich ka leo politicus net geworden. Die mangelnde Flexibilität der Parteiobleute hat mich lang geärgert... aber jetzt ist mir die causa Blunzn und Powidl. Soweit der Einschub... und jetzt schlagts net auf mich ein, bittschee.} = Mein Vater und Herr v.B. sind sich niemals begegnet. Die beiden Mütter jedoch haben sich flüchtig kennengelernt bei irgendeinem Culturvortrag. Meine MUTTER hat mir hinterher berichtet: "Ich bin der Mutter Julias begegnet". Da ich selbst die Dame noch nie gesehn hab (sowieso nur einmal im Leben), hat mich interessiert, wie sie ist. Meine Mutter hat sie beschrieben. "Eigentlich eine hübsche Frau, wenn auch klein. Sehr elegant, trägt decente, teure Sachen. Und... was sie sympathisch macht: sie geht sehr geschickt auf extrahohen Nadelhacken. Ich denk, wenn sie ihre Schuhe auszieht, ist sie grad mal ein Meter fünfundfuchzig. Aaaber... was gar net zu ihren richtig schicken Stöcklpömps paßt: sie hat dauernd ein Gesicht gemacht, als hätt sie voll in eine Zitron´ gebissen..." Nun... es ist wohl begreiflich, daß ich, ganz im Gegensatz zu meinen einstigen regelmäßigen Visiten in Freilln Tennis=Andreas locker=gastlichem Elternhaus, nach diesem Vortrag meiner MUTTER es nicht ambitioniert hab, im Haus der Familie meiner schönen, lieben Julia zu verkehren.



Fortsetzung folgt... wieder mit fröhlicheren Sachen.
Viel FREUDE!
Und jetzt löw ich los... auf Großelfentraumnadelabsatzpömps, die modellgleich sind denen, auf welchen ich nach Folge zweiunddreißig heiter und leichtfüßig kühle Luft geatmet hab, nur in Zinnoberrot.
L.
01.09.2016 um 01:52 Uhr

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55 Stimmen

Du hast ja gefragt ob uns auch die Sache mit den Fürstenhäusern interessiert... Auf jeden Fall gerne, aber ich halte mich erstmal lieber zurück und lasse dir hier den Raum. Gespannt auf die nachste Folge...
01.09.2016 um 04:23 Uhr

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Folge vierundvierzig.


Wir waren beide etwas frühreif, Julia und ich, geistig wie auch im habitus = und wohl auch im Sprechstil, denn die zu jener Zeit bis zur Inflationierung benützten Modeausdrücke des Jugendjargons haben wir bewußt gemieden... wir haben etwa nie ´tierisch klaß´ gesagt. Wir haben gern Bücher gelesen = auch Fachbücher zwecks Weiterbildung =, gern Mozart gehört, gewiß stets die SCHNELLEN, fröhlichen Sätze, die presti und allegri, haben KUNSTsammlungen besucht (leider viel zu selten gemeinsam)... und haben uns bewußt wie Erwachsene gekleidet. Die Beatles, die in aller Munde waren (teils hell begeistert, teils scharf rügend), haben uns net beeidruckt [ich kann mich dessen entsinnen, wieviele Seniores sich darüber aufgeregt haben, daß die vier Künstler anno 1965 einen Orden bekommen haben, verbunden mit der Berechtigung, sich MBE, Member of the Order of the British Empire, zu schreiben... Nebenbei, die in jenem Jahr recht fleißig colportierte Nachricht, die vier hätten der Ritterschlag und damit den persönlichen Titel ´Sir´ empfangen, war eine tausendfache Zeitungsente. Nur Sir Paul McCartney ist diese Ehre zuteil geworden, aber erst zweiunddreißig Jahr später.] Dennoch waren wir weder fade Stubenhocker noch humorlose kleine Besserwisser, im Gegensatz zu den meisten geistig frühreifen, oder sagen wir´s offen, etwas altmodischen Jugendlichen; wir waren stets sehr fröhlich... aber auch sensibel. Unsre English Course Cameradin, Tennis=Andrea, hat deswegen mehrmals an uns herumgestichelt: "Ihr benehmts Euch wie Früherwachsene... net wie dreizehn, eher wie dreißig". Andrea war nur eifersüchtig... die Buben sind ihr scharenweis nachgelaufen, sie hat das stolz genossen und die Jüglinge oft barsch abgekanzelt; anderseits war sie darüber verstimmt, daß ich, der ich doch als interessanter Bub gegolten hab, sie nicht mehr umschwärmt hab. (Zu jener Zeit, als Andrea und ich Freunde waren, hat sie zu ihrer Mutter ~ Tante Lily für mich ~ gesagt: "Der hübscheste, klügste und eleganteste Bub unter allen ist L.". Das weiß ich daher, daß Tante Lily dies meiner Mutter, und meine Mutter selbiges dann mir weitergetrascht hat. Dieses erfreuliche Urteil Andreas macht ihre Eifersucht wohl begreiflich.) = {Jetzt, in meiner reiferen Jugend hab ich das Empfinden, daß ich infolge meiner einstigen Frühreife, als geistige Gegenströmung mehr KINDLICHES HERZ bewahrt hab, als die allermeisten Menschen, die doch den Altersclassenwechsel eher abrupt erlebt haben: "Bis jetzt war du Kind in Freiheit, ab nun bist Erwachsener in Zwängen. Dem HERRN sei Dank: ich bin ein sonniger Junglöwe geblieben.} = Julia und ich sind wieder mal vor unsrer Lieblingsauslage gestanden, um die bezaubernd schönen Nadelabsatzpömps=KUNSTwerke des Meisters zu würdigen.


Fortsetzung folgt.
01.09.2016 um 23:52 Uhr

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11 Stimme

Folge fünfundvierzig.


"Traumhaft!", haben wir synchron gerufen. Es war ein neues Paar in der Auslage, ein wenig ähnlich demjenigen, das meine Mutter in Stambul gekauft hatte: dem Paar aus helllöwenfärbigem Leder mit Vorderblättern als geflochtenem Leinen. Ich hab das Augenmerk meiner Julia hierauf gelenkt und ihr erzählt, wie gern und oft ich daheim auf diesen Elfentraumschuhen, die mir grad so noch passen, ´umherlöw´. "Lustig!", hat Julia quittiert, "so wie ich die ganz zierlichen, winzigen Stöcklschucherl meiner Mutter heimlich getragen hab! Sechsunddreißger... haben mir leider net lang gepaßt. Übrigens, L., meine Mutter sagt, es sei ´schwer´, auf solchen extrahohen Nadelabsätzen zu laufen... Obwohl sie sie eigentlich immer trägt = ich denk, wohl nur deswegen, weil sie so klein ist. Also... ich hab das von Anfang an net als ´schwer´ empfunden... im Gegenteil! Ich konnt sofort besser drauf laufen als mit Flachen." Ich hab Julia freudig recht gegeben: "Das empfind ich auch so. Es ist gar net ´schwer´. Federleicht sogar. Allerdings... Du mußt auf die Pflastersteinfugen achten". Das hab ich noch gut gewußt von meinem geschickten Gestöckl her, in Begleitung meines Erziehfräuleins ind Richtung Carnevals=Saal. "Das ist doch leicht", hat Julia erwidert, "mußt halt auf Zehen gehn, wo Fugen sind." "Ja, sicher", hab ich erklärt, "aber je kleiner die Füße und je höher und dünner die Absätze, desto schwerer ist es wohl." Julia hat mich leicht schelmisch angelächelt: "Du hast aber Erfahrung!" Von meinem ersten öffentlichen Gang auf Nadelabsätzen hatt ich Juila bereits erzählt. "Es wär sehr schön", hab ich nun mutig und voll Vertrauen zu meinem Herzensfreundinchen gesagt, "wenn wir mal zusammen auf hochhackigen Pömps ausgingen. Carneval etwa..." Ich hab nämlich ein TRAUMBILD gehegt... meine schöne Julia und ich, bereits als Erwachsene, in festlicher Kleidung... und wir beiden auf ganz wunderschönen, eleganten nadelabsätzigen Elfenpömps! In meiner Vorstellung haben wir unbeschreiblich gut zusammen ausgeschaut! Ich hab dies Traumbild sogar gezeichnet, auch die Collection der circa ein Dutzend zarten Schucherl meiner Cameradin, die ich an ihren Elfchenfüßen bereits bewundern durfte, hab ich mit dem Bleistift skizziert; ich konnte gut zeichnen, mein VATER hat diese meine Begabung gefördert und einen ihm bekannten namhaften Malerkünstler gebeten, mir Privatunterricht zu erteilen. {Jetzt kann ich´s noch sehr viel besser, ich hab auch privat Zeichnen studiert, nur zur FREUDE; kein Geringerer als Kai Diekmann, bis 2015 mächtiger Chefredakteur der Bild=Zeitung, hat angeregt, ich mög mich als Presse=Illustrator verdingen mit meinen gesellschaftskritischen Caricaturen = aber er selbst wollt mich net beschäftigen = und protegiert hat er mich auch net. Doch ohne nexûs ist eine solche Freie Mitarbeit net zu bekommen.} "Carneval...", hat Julia nachdenklich erwidert, "ich möcht auch zum Carneval. Gern mit Dir, L. Von mir aus auch gern auf extralangen Bleistiftabsätzen, wir beide... in eleganten Kostümen, zu denen die Hochhackigen gut passen..." Julia wurde noch nachdenklicher, offenbar ist ihr etwas Wichtiges eingefallen. "Du, L. ... ich will was Ernstes mit Dir bereden. Hab´s vor mir aufgeschoben. Aber... jetzt sofort..." Nun war ich neugierig; was konnte denn so ´ernst´sein...
02.09.2016 um 01:11 Uhr

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Folge sechsundvierzig.


"Also, L. ...", hat Julia mit officiöser Miene angesetzt. "Weißt... meine Eltern... sind lieb, aber etwas schwierig. {Mein Sohn, ein halbes Jahrhundert weiter in der Zeit, sagt gern: "Das haben Eltern so an sich"... mich sicherlich mitmeinend.} Und... ich hab meiner Mutter gesagt, daß ich hie und da mal gern mit Dir ausgehn möcht. Ins Kino, ins Museum, Gefrorenes essen und so... [´Gefrorenes´ war ein altmodisches, aber noch gebräuchliches Wort für Eiscrème]. Sie hat geantwortet, daß sie Dich noch nie gesehn hat. Allerdings... sie hat mir erzählt, daß sie Deine Mutter kurz gesprochen hat, ich hab vergessen, wo. Sie hat Euern Hausnamen auf der Gästeliste gelesen, hat sich erkundigt darüber, welche Dame so heißt... und dann Deine Mutter gefragt, ob sie einen Sohn L. hat." Ich hab nun sehr genau aufgepaßt. "Was sagt denn Deine Frau Mutter über meine Mutter..." Julia hat auf hyperdiskret geschaltet. "Eigentlich nix. Dame der Gesellschaft und so..." {Hier muß ich etwas in der Tat Wichtiges einflechten. Meine MUTTER war stets sehr fleißig, ordentlich, häuslich, arbeitsam... die Magna Mater Familias, die ihre Lieben beschützt und umhegt hat ~ hierin hat sie ihre Lebensaufgabe gesehn. Aber sie hat ihre Emsigkeit net vor sich hergetragen; nach außen hin war sie die stets lächelnde, reizende, freundliche, elegante Gesellschaftslöwin, im vornehmsten Sinne dieses Wortes... übrigens, eine gefeierte Gastgeberin, ich hab da viel von ihr gelernt. Allen, die meine Mutter nur von Feierlichkeiten her gekannt haben, war ihre andere Seite net bewußt, sie hatten sich von ihr ein oberflächliches Bild gemalt.} "Also, Julia, worauf willst hinaus"... ich war hochgradig neugierig darauf, wo dies nun hinführen mochte. "Hör zu, bitte, L. Bei meiner Mutter gibt´s einen Brauch. Jeden Ostermontag gibt sie ein Sektfrühstück, für alle Freunde und Bekannte, die ihr was Gutes wünschen wollen. Dazu gibt´s keine Einladung, alle Ostergratulanten werden gern gesehn ... aber nur kurz. Unser Haus ist nämlich net groß, vierzig Leute können da net auf einmal umherschwirrn. So viele kommen nämlich im Schnitt. Also. Ich hab meiner Mutter vorsichtig vorgeschlagen, daß ich Dir erzähl von ihrem Osterempfang... und sie hat zugestimmt." Insgeheim hab ich jetzt gedacht: Nnnno... knuffe=vornehm... aber dann, mich selbst corrigierend: eigentlich ein sehr schöner Christlicher Brauch. "Ja... soll ich nun hingehn, Julia...?" Meine Cameradin wurde nun streng. "Ja. Aber... bitte, laß Deine üblichen Schrägheiten." Meine üblichen Schrägheiten... ? MEINE ÜBLICHEN SCHRÄGHEITEN! Und "lassen" soll ich sie auch noch! "Julia... So kenn ich Dich gar net!" Meine junge Herzensdame hat mich nun kritisch=lächelnd angeschaut, mit leicht schräg gestelltem Kopf... wunderschön war sie! "L. ... nimm´s mir net übel, aber das weißt doch selbst. Du bist, sicher auf Deine liebenswerte Art, ein Excentriker. Fast schon, nur fast, ein enfant terrible, wie das so schön heißt. Und... für meine Mutter ist das nix. Für mich aber! Jedenfalls bist net langweilig... ganz im Gegensatz zu den meisten Buben halt..." {Weit vorgreifend: der Begriff "langweilig" sollte in Julias Dasein noch eine Relevante Bedeutung erhalten.} "Was wird also von mir erwartet?", wollt ich nun wissen, voll berechtigterweis. "Bleib net länger als eine Viertelstunde", hat mich Julia nun angewiesen. "Trink nur EIN Glasl Sekt... schon als Junior. Und insgesamt: Sei der geschliffene Cavalier, der Du bist." "Und ein Excentriker. Fast ein enfant terrible", hab ich leicht sarkastisch erwidert. "Ach L. ...", so Julia, "bitt Dich... Du weißt es selbst GANZ genau, daß Du beides bist. Beides zusammen und gleichzeitig. Cavalier und Excentriker. Und ich... also... ich mag Dich... recht gern... will aber keinen Ärger mit meiner Mutter." {Wieder vorgreifend. Schöne Damen haben seit Jahrzehnten eine schiefe Freude dran, meine Seele zu analysieren... welch ein Vorzug...} "Und..." Nun wurde Julia richtig strikt: "Red net über HOCHHACKIGE SCHUHE! Bleistiftabsätze, schicke Pömps... NIX! Verstanden? " Ich hab ein langes Gesicht gemacht: "Sonst noch Vorschriften?" Julia hat erwidert: "Das ist ernst gemeint! Eine Silbe über steile Hacken... und ich erschlag Dich mit d i e s e n beiden Stöcklabsätzen!" Julia hat vielsagend auf ihre eigenen ausnehmend eleganten, spitzen Audrey Hepburn Pömps geschaut... die unten recht dünnen Stiftabsätzchen hätten wohl das Durchlöchern meiner Schädeldecke geschafft. "Julia...!!" Meine Cameradin hat mich etwas calmiert: "Das war nur ein Scherz, L. Aber... halt Dich dran, was ich gesagt hab, VERSTANDEN?" Ich hab verstanden. Und Ostermontag war schon in wenigen Tagen.


Fortsetzung folgt.
I löw jetzt a wengerl umher auf meinen elfenkönigstraumhaft schönen Nadelabsatzschuhen, cf. Folge dreiundvierzig... und wünsch uns allen FRIEDEN. L.
02.09.2016 um 02:45 Uhr

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Folge siebenundvierzig.


Julia hat mir Karsamstag noch einige weitere Anweisungen erteilt. "Bring bitte nix mit. Blumen und so... Ist bei meiner Mutter net üblich. Ganz im Vertrauen, L. = meine Mutter sagt: Das ist riesig lieb gemeint, aber man hat nur zusätzliche Arbeit damit." Diesen Spruch hab ich gekannt... von meiner eigenen MUTTER. Als Rosenzüchterin hat sie Blumen über alle Maßen geliebt... und auch gern den Sager citiert: ´Wer Blumen liebt, ist kein böser Mensch´. Gleichwohl war selbst sie mit einem Ladenvoll mitgebrachter Schnittblumen, mit denen ihr die Gäste bei allen unsern Hausfesten sicherlich eine Freude gemacht haben, überfordert. Ich hatt also Verständnis für Julias Begründung: "Weißt, L., vierzig Vasen voll Blumen im kleinen Haus... wo willst sie denn hinstellen... und Pflege brauchen sie auch. Deswegen das Anliegen meiner Mutter. Aber... sie freut sich ganz besonders über KUNSTvoll gestaltete Gratulationskarten. Sie hat eine große Sammlung davon, einige von bekannten Malerkünstlern... und Malerkünstlerinnen. Sie schaut sich die Büüdl [Bildchen] immer wieder gern mal an. Du kannst doch zeichnen... Dein Werk wird in gute Gesellschaft kommen, in die Sammlung halt... Aaaber... L.! Mal keine STÖCKLSCHUHE!!" Womit wir wieder beim Thema waren. Schad... hab ich insgeheim gedacht. Zumal ich gern elegante Stöcklschuhe gezeichnet hab. {Ich tu´s auch jetzt noch. Als ich noch ´a Gööd´ hatte, hab ich für meine damalige Freundin wie auch für mich exquisite classische Bleistiftabsatzpömps entworfen und in Auftrag gegeben. Das Paar, beschrieben in der clausula nocturna, der ´Nachtklausl´ zur Folge 38, ist auch nach meinem Entwurf gestaltet.} = "Gut, Julia. Keine Stöcklschuhe", hab ich bestätigt. Widerwillig, denn ich war mir ganz sicher, daß eine Zeichnung von erlesenen, nur sehr maßvoll extravaganten, im Grunde classischen Nadelabsatzpömps Frau v.B., der notorischen, treuen Fersenstäbchenfreundin, eine nachhaltige FREUDE bereitet hätte. Vielleicht wär mein Entwurf sogar ihr Lieblings=Büüdl geworden in ihrer Gratulationskartensammlung.


Fortsetzung folgt.
02.09.2016 um 17:42 Uhr

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Folge achtundvierzig.


Ich hab für Frau v.B. keine Stöcklpömps gezeichnet. Vielmehr ein Christliches motivum mit Blumen. Allerdings... hab ich´s net ganz lassen können. Zwischen waagrechtem und senkrechtem Strich meiner Signatur L. hab ich, net größer als drei Millimeter, einen zeichnerisch stark vereinfachten Absatzschuh placiert: eine Art Wellenlinie, die bogige Sohle von der Seitenansicht her andeutend, zudem rechts unter dem ´Wellenberg´eine sanft gebogte Linie als stilisierten Nadelabsatz... und gleich darüber, mit dem ersten leicht überschneidend, den zweiten Stöcklschuh. Ob jemand hierauf aufmerksam geworden ist, weiß ich nicht. = Auch wenn´s kein schöner Gedanke ist: als berüchtigter Knauser [in WIEN dereinst´Schmutzian´ genannt, ein inzwischen vergessenes Wort; ´schmutzig´ heißt in der WIENer Mundart net nur ´unsauber´, vielmehr auch ´geizig´; das umsichtige Wirtschaften mit dem wenig Göld hab ich von meiner MUTTER gelernt] hab ich mich gefreut darüber, daß keine Ostergabe, die ´a Gööd´ kostet, erwartet wurde. = Doch ich selbst wurde offenbar mit Neugierde erwartet, denn die Dame des Hauses hat sofort meinen Namen gewußt. Meine Mutter hatte sie gut beschrieben: hübsch, klein, sehr elegant... und immer ernst dreinschauend, ihren dünn gezeichneten Mund etwas schief ziehend... ja... als hätt sie in der Tat in eine Zitron´ gebissen. Sie hat ein schönes Frühlingscostüm getragen, helllöwenfarbig, mit Hellblau abgesetzt. [Später hab ich gelernt, daß dies ´Chanel=costume´ heißt und recht teuer ist.] Und an den zierlichen Füßchen hatte sie ein Paar engelstraumhafte Schuhe: Himmelblaue extraspitze Slingpömps auf zehneinhalb Centi hohen Stricknadelabsätzen (bei Slings erscheinen die Stiftabsätze circa acht millimeter höher, da die runde Hinterkante der Schuhsohlen frei sichtbar ist)... für ihre Größe 36 ansehnlich (und wohl auch fühlbar) steil. Der Hausherr war nicht praesent, dafür aber Julia, in einem ganz reizenden hellblauen Kleid, dazu hatte sie zarte wollweiße Slingpömps an, mit sanft abgerundeten Vorderblättern und auf den für sie statthaften sechs Centi hohen, unten dünnen Stiftabsätzen... Wirklich wie ein FÉECHEN...


Fortsetzung folgt.
L.
03.09.2016 um 03:04 Uhr

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Folge neunundvierzig.


Im Tanz= und Anstandscursus hab ich gelernt (in einer berühmten WIENer Tanzschule), daß es eine Unhöflichkeit sei, die Einrichtung des Hauses zu wißbegierig zu beglotzn. Daher hab ich mich nur diskret umgeschaut. Das Haus war klein, aber erlesen und geschmackvoll eingerichtet: net zu üppig, net zu karg. Einige Ahnenportraits, gefällige Landschaften, KUNSTvolle Stillleben an den Wänden. Vitrinen, gefüllt mit Silber, Porzellan, Künstlerglas.
Elegante Perser=Teppiche überall. Im Princip wie bei uns daheim, mit dem Unterschied, daß in meinem Elternhaus in jedem größern Raum gesteckt volle Bücherregale gestanden sind. = Julia, die beim Servieren geholfen hat, ist mit einem Silbertablett, vollgestellt mit breiten, geschliffenen Sektschalen (die langen Sektflöten waren im damaligen WIEN weniger gebräuchlich) auf mich zugekommen. "Nur EIN Glasl!", hat sie mich ermahnt. {Schöne Damen sind nun mal autoritär, diese Erfahrung mach ich seit Jahrzehnten... aber ich sag dazu immer froh: ´Ich laß mich gern bevormunden von meinen Damen´} Es waren auch andere Juniores anwesend, Julias Verwandte. = Als notorischer Gourmet {der ich aber an Hummerscheren wie an Linsensuppe gleich viel FREUDE haben kann} hab ich nun Kurs genommen auf den buffet=Tisch. Auf großen Tabletts aus Silber und Porzellan waren kleine KUNSTvoll belegte Weißbrotscheiben {von der Art Gebäck, das zu meiner Kleinlöwerlzeit in WIEN Jour=Stangerl genannt worden ist... Oooh... als es noch im Schwange war, ´jours´, also Nachmittagshausfeste zu geben...}. Und... ich hatt mit meiner empfindlichen Löwennnas´ den herrlichen Duft bereits vernommen: auf einigen Scheiberln war Gansl=Leber drauf! Naa, ka Pastetn net... foie gras au naturel! FREUDEEE! Es war genug da... doch als ich das sechste Mal meine Hand nach einem weiteren Exemplar ausgestreckt hab, hat mir die wohl eigens zu diesem Behufe herbeischwebende hellblaue Fée Julia einen Blick zugeworfen, der mich nahezu erstochen hat.


Fortsetzung folgt gleich.
Commandier in kürzern Passagen los, denn dieser Rechner ist
schier unberechenbar... daher heißt er wohl auch Rechner. L.
04.09.2016 um 00:34 Uhr

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Folge FÜNFZIG. A Glasl Wääßspritztn drauffe!


Auf einmal hat ein baumlanger, schlanker Herr mit Adlernase und in ganz leicht gebückter Körperhaltung, Magister Ritter v.B., Aufmerksamkeit geheischt. Ich hab ihn flüchtig gekannt, denn er gehörte zum Bekanntenkreis meiner Eltern... daher hab ich gleich gedacht: Jetzt wird´s lustig. [Sein Hausname fängt mit demselben Buchstaben an wie der der Gastgeberin, lautet aber sonst deutlich anders.] Es ist still geworden, und der lange Cavalier hat eine Festrede geschwungen. Wirklich... GESCHWUNGEN! Sehr kurz, kaum drei Minuten. Und ungemein launig! Selbst die Dame des Hauses hat gelächelt... was ihr recht gut gestanden ist. Nicht nur WAS ~ es ist um die FREUDE eines Cavaliers an der Gesellschaft cultivierter Damen gegangen ~ , vielmehr auch WIE er vorgetragen hat! Eine sehr schwungvolle, für altösterreichische Relationen zu schnelle, gleichwohl sehr deutliche Sprechart, ein virtuoses rhetorisches ´Künstln´ mit den Höhen und Längen der Vocale. = Magister v.B. war bekannt und gefeiert für seine humorigen Damenreden, stets hat er sich was Lustiges einfallen lassen. Und... ich hab mir vorgenommen, auch ein launiger Festredner zu werden. Speciell in dieser Sache konnt ich meinen sonst stets nachgeahmten VATER weniger zum Vorbild nehmen... denn seine Festvorträge waren wegen seines mit Fleiß [österr. für ´in specieller Absicht´] gepflegten Inconventionalismus net von allen gern gehört. {Ein konktetes exemplum, Originalton mein VATER: "Liebe Freunde... über mich wird viel Frivoles getratscht... l e i d e r ist nur die Hälfte zutreffend". Commentar brauch´ma wohl net.} Also hab ich Ritter v.B. als Rednervorbild genommen... {und, schnell
vorgreifend: ich hab ihn lange Zeit nachgeahmt, bis ich zu meinem eigenen Stil gefunden hab... ohne Frivolität, gleichwohl mit literarischen Einschüben, die ich wiederum meinem VATER abgelauscht hab}. Ein anderer anwesender sehr fröhlicher Herr, Baron W., hat die Damenrede des langen Cavaliers sogleich lustig commentiert: "Bei B. hört man sogar die Beistriche und Punkte mit... und selbst die sind voll Humor". Wirklich eine eindrucksvolle Begabung. = Die schöne Julia hat mir nun ein Zeichen gegeben... ich hab verstanden, zumal ich die eingeräumte Conventions= Viertelstunde bereits merklich überschritten hab. Demnach hab ich mich ganz unauffällig verabschiedet... im Kopf eine doch schöne Erfahrung und im Magen zwanzig Deka Gansl=Leber reicher.


Fortsetzung folgt.
04.09.2016 um 01:31 Uhr

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Folge einundfünfzig.


"Deine Visite war ein ganz guter Erfolg!", hat mich Julia empfangen, als ich sie am Gymnasium abgeholt hab. "Ich hab Dir drei Dinge zu sagen." Nun war ich neugierig. "Erstens... meiner Mutter hat Deine Künstlerkarte gut gefallen... wie sie diese netten Dingerl nennt... manche von ihren sind´s wirklich... Jetzt mach net so´a Gschau, L., DEINE IST´S AUCH, wenn Du d a s hören willst." Ich hab gedacht: Weil Frau v.B. meine Stöcklschucherl=Signatur net bemerkt hat... oder vielleicht grad deswegen, w e i l sie... = Aber Julia hat weitergesprochen. "Zweitens... Du bist offenbar ein großer Gansl=Leber=Vertilger." Das m u ß t e ja kommen. "Und drittens: stell Dir vor! Meine Mutter erlaubt es mir ab sofort, mit Dir an freien Nachmittagen auszugehn. Nnnno... IST DAS NIX?!" Wir haben uns ganz sakrisch gefreut über diese Concession. "Hurraaa!", hab ich in aller Öffentlichkeit hemmunglos ausgerufen. "Hat einige Überredungsschwaden gekostet", hat Julia hinzugefügt. "Denn meine Mutter hat gesagt, Du seist ein netter Bub, aber etwas genießerisch... und... hm... etwas weltentrückt." "Genießerisch... ja. Aber... ich BIN NET WELTENTRÜCKT!!", hab ich protestiert. "Doch schließlich hab ich sie eingekocht", so Julia. "Du hast´s gut, L.
Du hast Traum=Eltern. Sie erlauben Dir alles." Ich hab sogleich widersprochen. "O nein! Sie erlauben mir vieles net. Und das ist manchmal... hm... net schee. Aber, ganz offen: Das sind wohl die Sachen, die ich meinem Buben auch net erlauben werd, wenn ich mal Vater bin. Doch meine Eltern lassen mir eine Menge FREIHEIT. Allerdings nur so lang wie ich das net ausnütz... also... solang wie sie mir vertrauen können." Julia ist plötzlich nachdenklich geworden. "A propos Visite... Sag mal, L. ... Wie ich gehört hab, besucht Du immer noch das Haus K." Auf diese Rüge war ich auch schon gefaßt. "Längst net mehr regelmäßig... seitdem ich DICH kenn", hab ich völlig zutreffenderweis erwidert. "Nur noch sehr gelegentlich, eher aus Höflichkeit. Um mit der wirklich netten, humorigen Tante Lily zu plaudern... und zu tratschen... Andrea ist mir unwichtig... oft ist sie auch net da, wenn ich den Besuch mach. Und weiters... Julia, ich hab vor Dir diese Visiten net verheimlicht." Julia hatte net ganz unrecht... Andrea war nun mal eine gewiß sehr schöne Cursus=Cameradin, wir haben hie und da ein paar nette Worte gewechselt, wenn sie mal bei guter Laune war. Wenn net, dann hat sie an mir herumgestichelt... ich sei ein Sportmuffl oder gar a Krischpindl [österr. in etwa für ´Hänfling´], was beides unzutreffend war = ich mocht nur Andreas Tennis net. Die Sticheleien sind mit der Zeit häufiger geworden... begreiflich, denn Andrea war eifersüchtig auf Julia, vielleicht weniger deswegen, weil es um mich gegangen ist, sondern eher, weil die reichlich eingebildete und (außer der Stöckelschuhe=Erlaubnis) verwöhnte Andrea sich selbst für viel attractiver gehalten hat als ihre Cameradin es war. Meine Visiten im Haus K. wurden stets seltener... und irgendwann, etwas später, ist es zum großen, irreparablen Streit gekommen (cf. unsre Folge 23, zweites Drittel), womit auch die Besuche eingestellt wurden. Bis zu jenem Streit hat meine MUTTER zweimal oder dreimal in einem flüchtigen Nebensatz, den ich stets geflissentlich überhört hab, mit bissigem Humor angemerkt: "Es schaut so aus, daß Du gleichzeitig zwei Fräuleins den Hof machst". {Hierauf kommen wir noch kurz zurück in einem etwas wehmütigen "Nachklappern".} = "Gehn wir lieber gleich Nadelabsatzpömps schaun!", hab ich vorgeschlagen. "Jetzt mußt net mehr auf die Minute pünktlich daheim sein." "Gut, aber nur kurz", hat Julia freudig eingewilligt. "Ich muß dann heim zum Mittagmahl."


Fortsetzung folgt.
FRIEDEN!
L.
04.09.2016 um 03:52 Uhr

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Folge zweiundfünfzig.


Eine viele Monate währende sehr schöne, freiheitliche Zeit mit Julia ist angebrochen. Wir haben die freien Nachmittage genützt zu gemeinsamen Culturfreuden, stets sorgfältig gekleidet und gepflegt. Allerdings mußt ich ein ansehnliches Quantum meines zusammengeknauserten Gölds in Anspruch nehmen... doch die FREUDE hat den Geiz besiegt. Hie und da waren wir im Bellaria Kino {worin es immer noch so ausschaut wie zu meiner Kleinlöwerlzeit} ... haben etwa den Streifen WIENer Blut gesehn, mit Künstlern wie Willy Fritsch, Hans Moser, Egon v. Jordan, Theo Lingen. In WIEN hatt ich meine Lieblings=Museen {es sind immer noch weitgehend dieselben}: Das MAK [Museum für Angewandte KUNST], die Schatzkammer, das Heeresgeschichtliche Museum, die Rüstkammer, das KUNSThistorische Museum und noch einige. Julia war hochgradig KUNSTinteressiert. In der unbeschreiblich wunderbaren KUNSTkammer, die nach meiner subjectiven und befangenen Ansicht die bedeutendste Sammlung der Welt birgt, haben wir jedesmal Stunden verbracht. = An einem warmen Frühsommertag ist Julia auf zarten, ganz füßefreien Sandaletten erschienen, bestehend aus wenigen ganz dünnen silberfarbenen Lederstreifen, auf den üblichen sechs Centi hohen Stiftabsätzchen. Bis dahin hatt ich meine Herzenscameradin immer auf geschlossenen Schuhen gesehen... und hab nun erfreut registriert, was für schöne Füßchen meine kleine Freundin hat... lang und ganz schmal, elegant hochgewölbt, schlanke lange Zehen, sorgsam gefeilte, ein klein bissl lang gelassene Fußnägel. Ich hab nun angeregt, daß wir ins Heeresgeschichtliche Museum gehn, in welchem ich mit meinem VATER schon mehrmals gewesen war, aber Julia hat gemeint, das sei nix für eine Dame. = Nebenbei... die zierlichen, feinen Silberträumchen von Féeenfüßchenvorführen hat Julia auch beim nächsten English Course angehabt... die Folge war, daß Freilln Andrea das übernächstemal auch ganz füßefreie, allerdings völlig platte Sandaletten getragen hat, um ihre doch schönen Füßchen zu präsentieren... gleichwohl war die gesamte Tennis=Jungdame keine Conncurrenz für meine lange, schlanke, stets decente Fée Julia. = Ein andermal waren wir im MAK. Meine Herzenscameradin hatte einen kurzen Rock an, weiters die gelben Spitzenstrümpfe an ihren langen Beinen, um die = das heißt: um ihre Beine u n d um diese extravaganten Strümpfe = ihre Cameradinnen sie ganz sakrisch beneidet haben (so sehr, daß eine Jungdame diesen Tatbestand sogar mir, einem Buben, wehmütig anvertraut hat!); wohlgemerkt: Julia hat sich stest äußerst decent gekleidet, hatte aber eine Vorliebe für auffällig gefärbte Strümpfe... denn sicherlich war sie stolz auf ihre sehr schönen langen Beine. Hierzu hatte sie ihre sehr spitzen schwarzen Audrey Hepburn Pömps an, die sie einst als´altdamenhaft´ bzeichnet hatte, obwohl die eleganten, schmalen Schucherl ihr ausnehmend gut gestanden sind. Wir sind durch die vielen großen Räume auf drei Etagen gewandert... Die Absätze von Julias Elfchenpömps haben hell und fröhlich geklickt auf dem Steinboden. In einem der Kellerräume haben wir uns niedergesetzt. Es war grad niemand im mit Porcellan und Künstlerglas gefüllten Saal. Auch der Kapplhirsch [in WIEN: Aufsichtsperson, Amtswalter] war außer Sichtweite. "Julia...", hab ich aufgeregt und mit Herzklopfen gesagt. "Es ist schön hier..." Wollte etwas anderes sagen, bin aber erst einmal in diese, hierorts allerdings mehr als zutreffende Floskel geflüchtet. Dann hab ich meine Courage zusammengekratzt. "Ich mag Dich sehr=sehr gern. Und... hm... darf ich mal ganz kurz Deine eleganten Stöcklschuhe anprobiern..." Julia hat mich kritisch aber ganz charmant angelächelt. "L. ... ich mag Dich auch gern. Und ... ich wart schon seit Monaten drauf, daß Du mich hierum bittest..."


Fortsetzung folgt.
06.09.2016 um 00:53 Uhr

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Folge dreiundfünfzig.


Julia hat sich damenhaft die kleinen Stöcklschuhe abgestreift und hat ihre erlesen spitzenbestrumpften, reizend schönen schmalen, elegant gestreckten Féeenfüßchen anmutig gekreuzt unter sich, genauer unter die Sitzfläche der Bank gezogen, ohne der Fußboden zu berühren... so anmutug halt, wie dies nur Julia konnte. Ich hab mich beeilt, meine Schuhe auszuziehn = wohlgemerkt, ich hatt daheim Kniestrümpfe aus besonders dünnem Stoff (den meine MUTTER, warum auch immer ´Flor´ genannt hat) angezogen, vorsorglich, denn ich hatt es vor, Julia heut mein Anliegen kundzutun. Dann hab ich mir die zierlichen spitzen Stöcklchen
angestreift... Nun gewiß, für meine Maßstäbe waren das Flacherl, aber es waren die feinen hochhackigen Pömps meiner liebsten Freundin... ihre ersten mit zwar net sehr hohen, aber dünnen Stiftabsätzchen. Ich hab einige Schritte darauf gemacht... das
helle Klicken der Fersenstäbchen genießend. "Gib sie mir jetzt, bitte, zurück", hat Julia ermahnt. "Die Aufsicht kann gleich kommen und macht a bleeds Gschau." Gehorsam hab ich mir die zarten Stöckl meiner Freundin abgestreift... und, da alles so gut gegangen ist, hab ich Courage gefaßt. "Julia... ganz wie im Kinostreifen Cinderella... und auf meiner Zeichnung für Dich... darf ich sie Dir anziehn..." Julia ist net viel Zeit zum Überlegen geblieben. "Ja... aber beeil Dich!" Sie hat mir ihre feinen, schönen, warmen Féeenfüßchen hochgewölbt und bewußt=anmutig gestreckt entgegengeschwungen... und, bevor der Kapplhirsch im Saal war, hab ich Julia die zierlichen spitzen Stöcklpömps angestreift... es war ein ganz wunderschönes, herzwärmendes Gefühl... (Den lieben
Kinostreifen von Walt Disney, Cinderella, haben wir beide genau gekannt, denn in unsrer Frühkindheit mehrmals gesehn. Julia und ich haben hie und da über das Stück gesprochen, zumal das für uns Wichtigste im Streifen war, daß es um Stöcklschuhe geht. Ich hab mal für Julia eine recht gute Zeichnung gefertigt, auf dem meine Cameradin Cinderella ist und ich der Großherzog bin = nebenbei: es ist net der Prinz, entgegen landläufiger Meinung, der den erhaltenen zweiten Glasstöckl der jungen Dame anstreift, vielmehr der hierzu delegierte Großherzog! = , der ich Julia einen hyperschicken Schuh auf suprahohem dünnem Stricknadelabsatz geschickt und liebevoll anstreif... Hierauf hab ich hingewiesen, als ich meine Freundin um die Stöcklschuheanprobe gebeten hab.)
Während ich mir meine Slippers angezogen hab, hat Julia erklärt: "Das sind meine Lieblingsschuhe. Bisher." Ich hab gelächelt: "Altdamenhaft hast Du sie mal genannt!" "Du Frechling!", hat Julia gekontert. "Weil ich mir halt Pömps auf viel höheren Absätzen gewünscht hab. Ich hab mich schon entschuldigt bei diesen süßen kleinen Stöcklschuhen, ich mag sie sehr gern. Aber... im März bin ich vierzehn... und dann hab ich endlich die Hochstöcklfreiheit!" Noch neun Monat´ also, hab ich, schnell nachrechnend, gedacht. "Aber auch dann nur in sicherer Begleitung, sagen meine Eltern", hat Julia weitergeredet. Ich war nun neugierig: "Bin i c h sicher genug...?" "Bis dahin wohl", hat Julia erwidert, "Du wächst noch ein ganzes Stück". Püfff... damit hat meine Herzenscameradin einen wunden Punkt angerührt. Sie war schon länger als ich... und das hat mich reichlich gestört. Ich hab mich hierüber mehrmals meiner MUTTER gegenüber beklagt. "Grad die schönsten Freillns sind größer als ich!!" Doch meine Mutter hat mich, wie stets, liebevoll getröstet. "Keine Sorge, mein Liebling. Wir sind alle groß in der Familie. Ich war die Längste unter meinen Classencameradinnen... sie haben mich gar ´Zollstock´ genannt. In Euerm Alter wachsen Mäderl schnöller als die Buam. Ein Jahr noch... und Du wirst auf die jungen Damen hinabschaun... aber nimm das jetzt NICHT ZWEIDEUTIG!"


Fortsetzung folgt.
07.09.2016 um 01:45 Uhr

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Folge vierundfünfzig.


Wir haben uns erhoben und uns wieder den KUNSTgegenständen zugewandt. "Du bist ein Cavalier", hat Julia erklärt. "Weißt, meine Mutter hat einen alten Farbstich in ihrer Sammlung. Mit dem Titel: Cavalier zieht ihrer Dame die Schuhe an... der Malerkünstler heißt Graf, mein ich. Du hast es genauso gemacht wir der Cavalier auf dem Bild. Dank, L. ... Du bist lieb..." Es war gut zu wissen für all meine Zukunft als Weltmann, was einen Cavalier, den die Damen mögen, ausmacht. Weiters hab ich gedacht, daß es sehr schön und auch sehr praktisch wär, überall in der Öffentlichkeit auf hohen Bleistiftabsätzen zu gehn... vor allem, wenn ich Julia begleit... um ihren Monat für Monat deutlicher werdenden Körperlängen= Vorsprung auf die wohl eleganteste Art wettzumachen...

In erhebenden FREUDEN an der KUNST und gewiß an Julias reizender Gesellschaft ist der Sommer verstrichen... der Herbst ebenso. Ich hab oft daran gedacht, daß ich mit dieser wunderbaren Dame für immer zusammen bleiben möcht. Ich hab regelmäßig von ihr respective von uns geträumt, in Wachträumen wie auch in Schlafträumen [die unliterarische Wortrepetition mög mir vergeben werden]... und davon, daß wir einen Hausstand gründen, heitere und gelehrte Gespräche führen, oft ausgehn, beide auf traumhaft schönen, elfenhaft exquisiten Bleistiftabsatzpömps... * * *
Der Winter ist eingebrochen... und damit die Carnevals=Saison. Julia hat mir Mitte Jänner eröffnet, daß ihr Gymnasium für Anfang Feber einen Carnevalsabend plant... eigentlich für die Schülerinnen über Vierzehn, aber da Julia im drauffolgenden Monat diese Grenze erreicht, hat die Frau Director die Ausnahme zugelassen. Die jungen Damen sollten, gemäß Vorschrift, ihre Begleitpersonen anmelden, Bruder, Cousin, Tanzcursuscamerad... nebst der schriftlichen Einwilligung eines Erziehungsberechtigten. Die Aufsicht würden die strengen Damen Professorinnen collectiv ausüben. "Ist´s erlaubt, daß i c h Dich begleit..." wollt ich ganz schnell wissen. Julia hat sanft gelächelt: "Ich hab´s schon vorgeschlagen. Denn es eilt, wegen der genauen Teilnehmerliste. Wer net drauf ist, wird net hineingelassen." Ich hab etwas befürchtet... "Ich bin erst in einem halben Jahr vierzehn". "Danach fragt keiner", hat Julia erwidert. "Und... Du siehst sowieso locker wie vierzehn aus. Wennst doch jemand danach fragt, was sehr unwahscheilich ist, sagst halt, du bist´s schon." Ich hab Carneval sehr gern gemocht, daher war diese Nachricht eine große FREUDE für mich. "Wir haben ein Thema", hat Julia weiter erklärt, "Ferne Länder. Ich denk, fremdländische Trachten sind gemeint". Wir haben hin und her überlegt... Eine der Ideen war: Spanisches Paar. Aber sowohl Julia wie ich sind blond und sehr hellhäutig, schaun also ganz und gar net südländisch aus mit unsern langen, schlanken Figuren und Gesichtern. Dann hatt ich den Einfall. "Königin und König des FÉEENLANDS!" Julia hat vor Freude applaudiert und nach einigem Sinnen lachend festgehalten: "Oooh! Dazu passen für uns beiden unsre heißgeliebten Stöcklschuhe!! Da ich kurz vor meinem vierzehnten Geburtstag bin, werd ich meine Mutter bitten, die Erlaubnis für sehr hohe Bleistiftabsätze um die paar Tag´ vorzuziehn... Und Du, L., hat kürzlich gesagt, daß Dir ein Paar gaaanz klaß Nadelabsatz=Slingpömps Deiner Mutter noch grad so passen... Ich will sehr schön sein... mit Dir...!" Meine zarten, feinen, herzwärmenden Gefühle für die liebste Julia haben sich in Secundenschnelle vervielfacht. Wie lang hab ich auf die Gelegenheit gewartet, mit meiner schönen Freundin auf sehr hohen, dünnen Stiftabsätzen feiern zu gehn!! Meine Zeichner= Phantasie hat sofort elegante Bilder créiert hinsichtlich unsrer Costümierung... und ich hab glückerfüllt gedacht: WIR WERDEN DAS TRAUMPAAR SEIN!! Ballkönigin und Ballkönig...
08.09.2016 um 02:19 Uhr

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Ich schreib sehr schnell... daher correcturae. Es heißt in der vorigen Folge 'unwahrscheinlich' (zwei Buchstaberl mehr), weiters: "... Und Du, L., hast kürzlich gesagt (...)".


Folge fünfundfünfzig.


Da wir in der Nähe einer Aida=Filiale waren {gegenwärtig gibt´s in Wien, soviel ich weiß, siebenundzwanzig Zweigstellen dieses sehr liebenswerten Instituts}, hab ich proponiert, daß wir hineingehn und ein Stück Mehlspeis nebst einem Schalerl Tschogladl consumieren. Julia hat freudig eingewilligt, und wir haben drin Platz genommen. Da meine Cameradin vorhin aus ihrem Gymnasium gekommen war, hatte sie Papier wie Füllhalter dabei, und ich hab sie um dieses Schreibwerkzeug gebeten.


Fortsetzung folgt... mein Sohn visitiert mich grad in der Cantzley.
L.
10.09.2016 um 22:53 Uhr

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Folge sechsundfünfzig.


Ich hatt in der Rocktasche grad passend eine kleine Schachtel Künstler=Farbstifte, die ich vorhin auf dem Weg zu Julias Gymnasium in der Papeterie um ein Paar Schillinge erstanden hatte. = Unsre Bestellungen wurden aufgenommen, und dann hab ich mich mit dem Zeichenwerkzeug ausgebreitet auf dem Kaffeehaustisch. Die Mitarbeiter des Hauses haben mich gekannt; meine MUTTER und ich warn oft dort, und ich bin jedes Mal mit Schinkenstangerl, Casino=Eier [das ist in WIEN ein singularis] und Marcipanerdbeer verwöhnt worden. {All dies gibt´s da nach wie vor und schmeckt genauso gut... in dem Institut bleibt die sogenannte ´Zeit´ für mich stehn. Mein Sohn und ich gehn gelegentlich hin, vorzugsweis in die Filiale am Eck Opernring = Operngasse und sitzen hinten gegenüber der Geschirrdurchreiche. Wenn ich die altvertrauten Sachen bestell, dann sag ich dabei: "Wir zaubern jetzt mei´ Klaanlöwerlzeit zaruck"... was auch stets zur FREUDE gelingt.} = Ich hab eine schöne Blaue Féeenkönigin gezeichnet. "Sag mal, Julia... hat eine Fée Flüagln..." "Naa", hat sie erwidert. "Das sind die Elferl. Féeen haben keine Flügln." Umso besser... das hat das Zeichnen leichter gemacht. Meine gemalte Fée hat nun eine Krone auf das Haupt, einen Zauberstab in die Hand bekommen... und an die schmalen, gewölbten Füßlis ein Paar spitze golderne Pömps mit weitem V=Ausschnitt auf suprasteilen Stricknadelabsätzen. Dann hab ich den Féeenkönig skizziert, dem Großherzog im Kinostreifen Cinderella nachempfunden. {Dem Großherzog. Seine eigenwillige, mannigfache menschliche Regungen bezeigende Gestalt hatte mich eher beeidruckt als die etwas farblose Figur des ´nur´verliebten Prinzen. Dies hat mutmaßlich einen zusätzlichen speciellen Grund. Der Großherzog benützt ein Monokel. Und... wir haben in unsrer Familie seit Generationen einen einseitigen Augenfehler, welchen wir halt mit einem eleganten Einglas ausgleichen, altmodisch hin, verrufen her. Mein VATER hatt ein solches Augenglas benützt, ich tu´s ebenso seit meinem sechzehnten Lebensjahr; im Moment, während ich schreib, hab ich´s auch auf. ~ Unser Sohn war erst wenige Monate auf dieser Wölt, als meine = sel. erste = Frau den Buben zum Augenarzt mitgenommen hat, mit einem bestimmten Anliegen. Der glatzköpfige, etwas militärisch strenge Doctor hat dann erklärt: "Der Bub hat gute Augen und hat keinen einseitigen Augenfehler!" Meine Frau hat hocherleichtert aufgeseufzt: "Dem HIMMEL sei Dank, ein Monoklträger weniger in der Familie". Es ist dabei geblieben... mein inzwischen erwachsener Sohn braucht keine Augencorrectura. Soll ich jetzt schreiben: Sic transeunt traditiones ... oder soll ich mich freun über fade ´modernitas´ ooooach...} = Meine Cameradin hat dann die Entwürfe begutachtet. "Sehr schön, sehr elegant, L.! Wir schaun sehr gut aus! So werden wir's machen. Ich denk nur... der Rock ist zu lang und unten zu breit. Das ist mehr ein Höfisches Abendkleid als ein Féeerlkleid." Nun gewiß... meine zeichnerische Darstellung der Dame war beeinflußt vom berühmten Gemälde, das Julia und ich von unsern Museumsvisiten her gut gekannt haben: Ball bei Hofe von Wilhelm Gause. Dies Bild hat eine heitere Besonderheit. Seine Majestät Kaiser Franz Joseph I. ist gleich unter der Gürtellinine perspectivisch verdeckt vom rechten Spitzenärmel einer Dame... und der Kaiser schaut aus, als hätt er das ganz kurze Spitzenröckl einer Ballettkünstlerin an... wir haben viel=viel hierüber gelacht! Majestät und Herr College Gause mögen mir im Ewigen Reich humorvoll vergeben.


Fortsetzung folgt.
11.09.2016 um 17:21 Uhr

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Folge siebenundfünfzig.


Meine Féeenkönigs=Darstellung hatte im Vergleich mit dem Kino= Großherzog eine wichtige Differenz. Die von mir gezeichnete Gestalt hatte königsblaue Kniehosen, weiße Kniestrümpfe... und die Träumchen=Nadelabsatzslingpömps an, die ich bei meiner MUTTER auszuleihen beabsichtigt hab. Aber ein Einglas an der ´Notleine´ (das ist: am schwarzen Sicherheitsschnürl) hat er gehabt, halt wie der Großherzog. "Willst wirklich ein Monokl tragen?", wollte Julia wissen. "Ja! hab´s schon eingeübt. Vor einem Jahr, als ich in einer privaten Carnevals=Hausfeier den Jolly Joker dargestellt hab. {In antiken Kartenpackerln gibt es diese fröhliche Figur in gewürfelter Jacke, mit Mascherl, Girardi=Hut, Blume im Knopfloch und halt Monokl.} Mein VATER hat mehrere davon, er hat mir so´n Augenglas geliehen... und ich hab´s stillschweigend behalten." Julia hat sich die Skizzen weiter angeschaut. "Urklaß Schuhe hast uns beiden gezeichnet!! Deine... sind das die von Deiner Mutter..." Ich hab bejaht... und wollte gleich was wissen. "Julia... Du hast selbst vorgeschlagen, daß wir beiden auf schicken Stöcklschuhen gehn. Magst, wenn ich auf hohen Stiftabsätzen lauf?" Meine schöne, präcise Julia hat dazu tendiert, im Stil ´erstens=zweitens´ zu antworten. "Weißt, L. ... Du hast selbst oft gesagt, daß Du nadelabsätzige Schuhe magst und daß Du sehr gern und gut drauf laufst. Also... ich wollt Dir... und uns beiden... eine FREUDE machen. Zweitens. Dir stehn sie wirklich sehr gut. Hab´s doch gesehn im MAK. Die meisten Buben würden lächerlich ausschaun auf hohen Hacken... aber Du kannst sie tragen... Dir stehn sie wirklich gut. Freu Dich! Und... hm... drittens... weißt... wennst ich auf ganz hohen Nadelabsätzen geh, was ich ja vorhab... und Du mit Flachlingen [dies abschätzige Wort hat sie von mir gelernt] gehst... hm... dann bin ich einen Kopf länger als Du..." Ich war schon wieder ´angfressn´. "Stört Dich denn das..." hab ich etwas scharf und a wengerl traurig gefragt. "Mich weniger", hat Julia geantwortet, "obwohl das beim Tanzen schwierig werden kann... sondern eher Dich! Wie ich Dich kenn! Also, L.: gleich hohe Absätze, gleiche Länge." Das war sehr höflich von meiner lieben Cameradin, denn sie war auch ohne Absätze etwas länger als ich.
13.09.2016 um 02:59 Uhr

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Folge achtundfünfzig.


Ich hab rechtzeitig angefangen, meine Féeenkönigs=Adjustierung herzustellen. Die hellblaue Kniehose hab ich aus dem Canevals= Fundus des Hauses geholt. Ebenso eine weiße, hochgeschlossene Kellnerjacke, deren Ärmel ich ein wenig gekürzt hab. Meine MUTTER hatte mir nämlich nebst andern Geheimnissen der knausrigen Haushaltsführung auch einige Grundbegriffe der SchneiderKUNST beigebracht. {Die hocheleganten Kleider und Kostüme meiner Mutter wurden nach ihren Entwürfen gefertigt. Meine Mutter hatte eine Hausschneiderin, Frau Adelheid, eine sehr zierliche, gut ausschauende Vierzigerin. Sie hat offenbar als Größencorrectur immer sehr hochhackige Stöcklschuhe getragen... ihre Lieblingsschuhe waren ein Paar silbergraue, schwungvoll geschnittene Pömps auf knapp zehn Centi hohen Bleistiftabsätzen, die für ihre kleinen Füßchen der Nummer 36 recht steil waren. Frau Adelheid konnte darauf laufen wie eine Elfe. Wenn sie meine Mutter bei uns daheim aufgesucht hat, zwecks Entwürfesichtung oder Anprobe, hat sie ihre feschen Schucherl im Vestibül ausgezogen und ist auf Strümpfen, gleichwohl hochfersig im Zehengang, mit meiner Mutter ins Damenzimmer gegangen. = Als ich grad ein neunjähriger Bub war, haben mir die feinen Pömps gepaßt; ich hab mich stets gefreut auf die Besuche der sehr lustigen Frau Adelheid, hab drauf gewartet, bis die Damen sich zurückziehn, hab atemlos meine kleinen Füßlis in die winzigen Stiftabsatzpömps gleiten lassen... und bin fröhlich hin und hergestöcklt, während die Damen im andern tractus des Hauses lang beschäftigt waren...} Die weiße Kellnerjacke hab ich zur Festuniform umgestaltet. Aus dicken goldfarbenen Stoffresten und aus Überbleibseln von goldernen Vorhangfransenstreifen hab ich recht ansehnliche Épaulettes gebaut und diese an der Jackenschultern mit einigen Stichen befestigt. Es war auch ein zehn Centi breiter bischofsvioletter Seidenstreifen im Carnevalsstoffe=Fundus; ich hab ihn zum Ordensgroßkreuz=Hüftband gestaltet und hab an der Masche ein aus Blech herausgeschnittenes Kreuz aus Ehrenzeichen befestigt. Bei der Anprobe vor dem Spiegel hat dies alles recht gut ausgeschaut. Das Band hab ich von der rechten Schulter zur linken Hüfte hin angelegt, denn ich war der Auffassung, daß der Kino= Großherzog sein Ordensband verkehrtherum trägt. {Im Princip hatt ich recht... allerdings gibt es einige ganz wenige Ordens= Hüftbänder, die halt ´andersherum´getragen werden, wie etwa der Dänische Elefantenorden, das wohl juwelierküstlerisch aufwendigste Ehrenzeichen der Welt.} Dann hab ich die Krone gefertigt. In einen langen, circa fünfzehn Centi breiten PVC= Streifen, den ich vor längerer Zeit in der Werkzeugkammer gesichtet und vorsorglich sichergestellt hatte, hab ich mit einer kleinen Blechschere die Kronenblätter [oft ungenau ´Zackn´ genannt] hineingeschnitten, hab das Gebilde mit Goldfolie überzogen, dann zur Kopfbedeckung rundumgebogen und in dieser Form festgeheftet. Ein Paar weiße Strümpfe hab ich dreist aus einer Schachtel ´abschnööt´ [stibitzt], in der meine MUTTER ihre ausgemusterten Strümpfe gehortet hat. Das Monokl meines VATERS war auch griffbereit... und ich war, abgesehn von einigen Kleinigkeiten, beinah fertig. Beinah... denn... soll ich nun sagen... das Wichtigste hat noch gefehlt.
16.09.2016 um 00:03 Uhr

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11 Stimme

Folge neunundfünfzig.


Ich hab mich seelisch gesammelt, die zuständigen HEILIGEN um Beistand gebeten, meine in der Aida gezeichneten Entwürfe gegriffen... und hab mich ins Damenzimmer zu meiner MUTTER begeben, wohl ahnend, daß es net leicht sein wird... "Mutter... Sie wissen´s schon... ich begleit Julia Samstag in den Carneval ihres Gymnasiums. Wollen Sie meine Entwürfe sehn... Wir sind Königin und König des Féeenlands." Meine Mutter hat grad sehr präcis Staub gewedlt, ein paar Minuten Unterbrechung sind ihr zupaß gekommen. "Féeenland... das klingt lieb. Zeig mal!" Wir haben uns niedergesetzt. "Hm... schick... sehr schick! Aber... Stöcklschuhe...? Auch für den König? Ja, paßt denn das..." Mutig hab ich erwidert: "Es ist Carneval, Mutter! Und weiters... wissen Sie, im Féeenland geht jeder, also Fée=Dame und Fée=Herr, immer auf hohen Nadelabsätzen..." Meine Mutter, in ihrem Herzen immer noch high heels addict, hat ein wenig befremdet, aber doch nachsichtig gelächelt. "Denkst...?" "Ja", hab ich entgegnet. "Und Sie, Mutter, sind die OBERSTE FÉE!" Jetzt mußte sie lachen... und ich hab nach der occasio gegriffen. "Leihen Sie mir, bitte, Ihre schönen geflochtenen nadelhackigen Schuhe mit den Fersenriemerln...?"
Meine Mutter wurde plötzlich streng. "Nein. Das will ich net. Ich hab sie selbst erst ganz selten getragen... sind fast wie neu... Nein!" Jetzt mußt ich meine Trumpfkarten hervorzaubern. "Aber... ich begleit Julia... und wir haben uns geeinigt, daß wir beiden auf sehr hohen Absätzen gehn. Schaut doch so gut aus... sagt Julia..." Meine Mutter wurde wieder lockerer. "Ach jö! Deine schöne Julia... Du hast Dich wohl a bissl verliebt in sie!" Ich bin errötet. "Nnnein... also... jaaa... kann sein, Mutter..." "Aber Du brauchst Dich doch net zu schämen!", hat meine Mutter gerufen, wieder lächelnd. "Junge Liebe... das ist doch SO SCHÖN!!" Nun hat sie angefangen, lang über ihre Kleinfräuleinzeit als Lycealistin zu erzählen. Von ihren Freundinnen, von einigen netten Buben, von ihrem geheimen Tagebuch... und davon, wie sie Jugend=Carneval gefeiert haben, in eleganter, meist selbst gestalteter Abendkleidung den WIENer Hofball oder gar den höchstvornehmen Ball bei Hofe nachstellend. Meine vier Großeltern, Herrschaften der Gesellschaft, waren im alten WIEN der franzjosephinischen Zeit aufgewachsen, daher waren in ihren Häusern die Vorstellungen Höfischer Feste noch lang nach 1918 recht lebendig, was auch ihre Kinder erfaßt hat. = Meine Mutter hat ihre heitere, auch etwas wehmütige Erzählung von der FRIEDLICHEN Alten Zeit geschlossen... {wehmütig auch deswegen, weil ihre Familie nach dem II. Weltkrieg ihr gesamtes Vermögen einschließlich Landguts eingebüßt hat}. Nun war i c h wieder am Zug. "Julia wird auf sehr hohen Stiftabsätzen gehn. Und wenn ich flach stampf, dann ist sie viel größer als ich. Stört beim Tanzen..." Mutter hat nun genau zugehört. "Beim Tanzen... ja... wohl auch... Aber, mein lieber Bub, vor allem stört´s DICH! Kenn Di´ scheene Moschk... [Das ist eine lustige, nunmehr vergessene WIENer Redewendung, meist im rügenden Sinn.] Hast schon oft darüber geklagt, daß grad die feschsten Mäderl länger sind als Du..." Ich hab meine Mutter nun flehentlich angeschaut. "Na sei´s. Ich seh die Notwendigkeit ein. Ich leih Dir meine nadelhackigen Schuhe her. Ich weiß, daß Du darauf gut laufst... und ich weiß auch, daß Du sie oft tragst! Denkst, ich seh das net... Mein kleiner Schuhenarr... Und ich hoff, Du kannst auf meine Stöckl aufpassen." Ich, im mindestens Achten HIMMEL, hab eifrig genickt. Meine Mutter hat weitergesprochen. "Aaaber... NUR unter einer Condicion. Du trägst sie NUR im Gebäude. Nicht auf dem Weg, nicht auf der Gasse!!" Freudig=freudig hab ich in die Bedingung eingewilligt. Bin in meine Stube gegangen, hab mich bei den HEILIGEN bedankt und ausgelassen Hurrraaaaaaaaaa! gerufen.


Fortsetzung folgt.
16.09.2016 um 01:20 Uhr

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11 Stimme

Folge sechzig.

Der Nachmittag der Carnevalsfeier war da. Meine Mutter, die zeit ihres irdischen Lebens, selbst in schwierigsten Umständen, ihre Zusagen eingehalten hatte, hat mir ihre traumhaft eleganten Nadelabsatzpömps lächelnd hergeliehen. Sorgfältig hab ich mich angekleidet, hab die correcte Lage des Ehrenzeichen=Hüftbands mehrmals überprüft, Königskrone und Traumstöcklschuhe in ein Stoffsackerl gesteckt, ein Paar dicke Gassenschuhe und meinen Wintermantel angezogen, dann hab ich mich bei meiner Mutter abgemeldet. "Viel=viel Freude!", hat mich meine Mutter umarmt. "Viel Glück auf den Zauberschuhen! Grüß Julia unbekannterweis. Übrigens... ich hab Euch beiden mal in der Stadt gesehn... Ihr schauts wirklich sehr fesch aus zusammen... und verstehts Euch offenbar sehr gut... Das ist schön! Und... paß GUT auf meine Schuhe auf!!" Ich hab meine Fellmütze aufgesetzt, bin = mit dem nicht verwirklichten Wunsch, die bezaubernden Nadelabsatzpömps doch für den Weg anzuziehn = losmarschiert... und hab schlag pünktlich an der Haustür der Eltern meiner Cameradin geklingelt. Es hat etwas gedauert, bis das Portal aufgegangen ist. Julia hat selbst aufgemacht, sie stand im Vestibül im schönen fellbesetzten Mantel, mit einem Diadem auf dem Kopf, in dem Steinl glitzerten. "Komm, bitte, kurz herein", hat sie mich aufgefordert. Sie hat gemerkt, daß ich ihre Krone anschau, und hat gelächelt. "Fesch, net? Schaut ganz aus wie Platin und Diamanten. Ist aber aus dem

Carnevals=Fachgeschäft. Trotzdem schöne Arbeit." Ich hab unter den Saum ihres langen Mantels geblickt; Julias Beine steckten in weißen Wollstrümpfen, an ihren Füßchen hatte sie ein Paar spitze helllöwenfärbige Kurzstiefel mit Fellstulp, auf sechs Centi hohen Cuba=Absätzen. "Ich muß Dir was geben", hat sie nun gesagt. "Meine Mutter... hm... also, meine Eltern sind grad net da, sind eingeladen beim Scheef meines Vaters. Weißt... nun, schau mal her." Sie hat nach einem Stoffsackerl gegriffen und hat einen Schuh herausgeholt. Und ich hab auch gegriffen... nach LUFT!! Eine verstandzerreißend zauberhafte Féeenköniginnentraumsandalette in Mattgold für den rechten Elfchenfuß, bestehend aus einer dünnen Sohle, einem circa zweiundhalb Centi breiten, volle Zehenfreiheit gewährenden Ballenriemen mit Glitzersteinln drauf, einem dünnen Fersensling mit kleiner Längenstellschnalle... und dieser TRAUM auf zehn Centi hohen elegant geschweiften besonders dünnen Nadelabsätzen!! "Bruada ums Eck!!", hab ich gerufen. "Wo hast Du DIESE Juwelen her?" "Du wirst es net fassen", hat Julia verschmitzt lächelnd erwidert. "Vom Flohmarkt. Leicht gebraucht... für ganz wenig Göld." Julia hat das himmlische rechte Sylphidenschucherl freudig hin und hergewendet zwischen ihren schönen schlanken Fingern. "Und jetzt wird´s ernst", hat sie hinzugesetzt.
20.09.2016 um 02:50 Uhr

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Folge einundsechzig.

Am WIENer Samstagsflohmarkt hat es oft schöne gebrauchte Stöcklschuhe gegeben {es gibt sie auch jetzt noch}; hie und da konnte man eine gute Occasion ´erbeuten´ für ein Paar Schillinge. Ich hatte dort oft nach schicken hochhackigen Pömps geschaut. Einmal hab ich ein ausnehmend fesches Paar entdeckt, in meiner Größe 39: sehr spitze und besonders schmale Pömps in einer Farbe zwischen Zinnoberrot und Bordeaux, nennen wir´s Carmesin. Sehr weit décolletiert, wie ich´s am liebsten mag. Der gesamte Oberteil war aus schachbrettartig geflochtenen circa sieben Centi breiten Lederstreifen gestaltet, phantastisch schick, wenn auch offenbar viel getragen, auf acht Centi hohen sehr dünnen Stiftabsätzen. Hab sie schnell anprobiert, als grad net alle Leute dorthin geglotzt haben (wenn auch ein grauhaariger, gymnasialprofessorenhaft ausschauender Wichtigmacher rügend und finster seinen Kopf geschüttelt hat)... und mir überlegt, die paar Schillinge dafür auszugeben. Aber mein nächster Gedanke war, daß die feschen Schucherl mir in wenigen Monaten net mehr passen werden... und meine bekannte Knauserei hat obsiegt. = Julia hat nun ein ernstes Gesicht gemacht. "Ich hatt a bissl Streit mit meiner Mutter. Hab zwar diese himmlischen Abendschuhe gleich nach dem Kauf ins Sackerl gesteckt... aber meine Mutter hat Controlle gemacht, die Schuhe gefunden und hat gesagt, daß ich für diese feinen Stöckl wirklich noch zu jung sei. Solche tragen erwachsene Damen zum Großen Abendkleid... und die Stanl drauf seien eh zu ´frivol´... Ich hab erwidert, daß im Carneval doch oft Glitzermurrn getragen werden, und daß ich doch die Féeenkönigin bin. Féeen tragen doch alle solche Schuhe. Und außerdem bin ich den ganzen Abend mit Dir zusammen, Du wirst schon auf mich achten." Ich hab dies eifrig und freudig bejaht. "Also, L. Ich hab meine Mutter schließlich eingekocht, sie hat mir diese Schuhträumchen gestattet... hat Dir aber geschrieben, und das soll ich Dir jetzt geben." Ich hab das Brieferl entgegengenommen und die paar Zeilen gelesen. Da ist, in sogenannten ´Haberschreckbuchstaben´, in der spitzen, engen, scharfwinkligen Schrift, die von vornehmen Damen zu jener Zeit noch gepflegt worden ist (und tatsächlich an die Hinterbeine eines Haberschrecks, zu Deutsch=Deutsch: Grashüpfers gemahnt) folgendes gestanden. "Lieber L.! Bitte achten Sie auf meine Tochter, bleiben Sie stets in ihrer Nähe. Ich vertrau Ihnen. Wünsch Euch beiden sehr viel Freude im Carneval. Sein Sie herzlich gegrüßt."

Unterschrift, Datum. Etwas distanciert, aber sehr höflich... und gesiezt hat mich die Dame auch... ganz ungewöhnlich für mich.

"Selbstverständlich acht ich auf Dich, Julia", hab ich bestätigt. "Aber ... das ist doch übervorsichtig... wennst ich´s recht verstanden hab, werden zwanzig Professorinnen von Dir anwesend sein..." "Beides stimmt!", hat Julia entgegnet. "Meine Mutter ist immer so. Besorgt halt. Und... wir werden von meinen Professorinnen umzinglt sein! Hoffentlich gibt´s ka Brösl net mit ihnen wegen unsrer Kleidung... die halt net so direct eine Landtracht ist..." "Ja, hoffentlich", hab ich erwidert, "und auch deswegen net, weil ich dreizehn bin." Julia hat uns gleich calmiert: "Wird schon gut gehn." Sie hat wunderschön gelächelt, in Erwartung eines fröhlichen, festlichen Frühabends. "Wir wer´n uns scho´ dur´hfechtn bei Deinen strengen Professorinnen", hab ich entgegnet, bewußt zweideutig. [Fechten heißt WIENerisch auch bitten und flehn, gar betteln.] = Aber es ist besser, sehr viel BESSER gekommen.

Fortsetzung folgt.
24.09.2016 um 22:49 Uhr

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Folge zweiundsechzig.

Wir sind zu Fuß gegangen zu Julias Gymnasium und haben es entgegen unserm Sehnen discipliniert durchgehalten, auf dem Weg die Flachlinge anzulassen. Für Julia war das auch viel besser, denn auf ihren ganz und gar luftigen Elfentraumsandalettchen, die eher ein Hauch denn ein Paar Fußbekleidung waren, hätt sie sich schnell verkühlt. Carneval ist nun mal im Winter. = Wir waren zeitig im Gebäude... unter den ersten. {Auch jetzt geh ich gern 'verfrüht´ zu Ereignissen, bei denen ich zum festlichen Anzug oder Smoking Traum=Nadelabsatzpömps anhab, denn ich will das elegante, leichtfüßige Schreiten auf meinen supralangen, extradünnen Fersenstiften möglichst ausgedehnt genießen.} "Und jetzt wechseln wir unsre Schuhe!", hab ich voll Freude und Erwartung angekündigt ... und nach dieser Einlaitung: "Darf ich Dir Deine anziehn... wie im MAK..." Julia hat mich nahezu entrüstet angeschaut. "Also... L. ... no hör a mal... Hier in der Öffentlichkeit! Das geht net. Aber... ein andermal. Doch wirklich nur, weil ich Dich mag. Sonst erlaub ich das niemandem! Meiner Mutter höchstens... aber net einmal meinem Vater! ... Aber lassen wir das jetzt. Ich muß schnell irgendwohin... weißt... um mir die Wollstrümpfe auszuziehn."

Julia ist gach nach ´Irgendwohin´ geeilt. Ich hab den Wintermantel ausgezogen, hab mich am kurzen Wandstück nahe der Garderobe niedergelassen auf einem weinrot gepolsterten Sessel und hab mir wonnig aufgeregt meine wunderschönen bleistiftabsätzigen hellen Slingpömps an meine weißbestrumpften Füße gestreift. Die feinen Traumschuhe haben mir wirklich grad noch so gepaßt, daß sie net gedrückt haben. Meine an der Fußmatte sorgsam entschmutzten Gassenschuhe hab ich ins Sackerl gesteckt, hab mir die Féeen= königskrone auf den Kopf gesetzt und hab auf meine schöne Freundin und Féeen=Königin gewartet.

Fortsetzung folgt.
29.09.2016 um 02:52 Uhr

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Ehemalige

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Sehr vereherter Herr Löwe,

Ihre Lebensgeschichte und die Leidenschaft für Nadelabsätze haben Sie mit großen Verlaub super geschrieben.

Und es hat meine Leidenschaft für das Stöckeln noch größer werden lassen. Es gibt fast keine Park- und Museums-Böden, die ich auslasse. Das Klick-Klack meiner sehr hohen Stöckelschuhe ist für mich wie eine schöne Oper.

Habe die Seiten mit viel Freude lesen dürfen und wünsche Ihnen noch einen sehr charmanten Tag..

Sehr Liebe Grüße!
05.10.2016 um 15:52 Uhr

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Hannes73

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In der Tat, es macht auch mir sehr viel Spaß, diese Geschichte zu lesen. Nur zu gerne möchte man mit dem Protagonisten tauschen... Bitte weiter so! Vielen Dank!
06.10.2016 um 21:47 Uhr

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Ehemalige

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Lieber Hannes,

warum tauschen? Ich denke Du hast auch ein sehr schönes Leben.. Deine Art zu Denken und zu Schreiben finde ich gut....

Dir noch eine charmante Nacht..
07.10.2016 um 02:11 Uhr

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Verehrte, liebe Leserschaft!

Habts herzlichen Dank für die benevolente Kritik. Wir hatten frohe Famülien~Feierlichkeiten. Dann warn meine elegante Frau und ich eine Weile verreist. Daher die Zeitverschiebung. Wennst ich Euch weiterhin a Freid mach mit'm Bucherl, schreib in Kürze gern weiter.

Mit fröhlichen Grüßen auf hohen Absätzen

Löwe.
10.10.2016 um 21:13 Uhr

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Ehemalige

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22 Stimmen

Lieben Guten Morgen, verherter Herr Löwe,

es ist sehr schön zu hören dass Sie wieder im Lande sind. Und Ich hoffe dass Ihre Reise ein schönes Erlebnis war.

Ich freue mich sehr bald wieder was schönes und leidenschaftliches zu lesen zu bekommen. Ich wünsche Ihnen noch sehr lange charmante Stöckelwege.

Ein sehr charmanten Tag..

Liebe Grüße von hohen Stöckelabsätzen,

MadamStileto
11.10.2016 um 09:58 Uhr

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Benevolente Leserschaft!

Schreiben wir fröhlich weiter... Vorher eine correctura: Folge 61, Zeile neun: Es muß net sieben Centi, sondern logischerweis sieben Millimeter heißen. Aber jetzt wirklich, nach gut zwei Wochn:

Folge dreiundsechzig.

Die Tür aus dem "Irgendwohin" ist aufgegangen... Julia war da, ihre winterliche Oberbekleidung und das Stoffsackerl an einem angewinkelten Unterarm. Und... für mich war das eines meiner schönsten visuellen Erlebnisse!! Julia hat ein ärmelloses hellblaues Kleid getragen, dessen knapp über den Knieen abschließender Rockteil aus großen rosenblattförmigen Kunstseidenstücken in zarten Blautönen zusammengenäht war. Auf dem Kopf die Diadem=Krone, in der Hand einen glitzernden Zauberstab mit Sternspitze... und an den nymphenhaft schönen unbestrumpften Elfenfüßchen die verstandzerreißend feschen mattgoldernen Riemerlsandaletten mit den Glitzersteinln über den Zehenansätzen, auf den zehn Centi steilen Nadelabsätzen... Sie war wunderschön... märchenhaft bezaubernd phantastisch WUNDERSCHÖN!!!

Fortsetzung folgt.
15.10.2016 um 01:38 Uhr

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Folge vierundsechzig.

Wir haben unsre winterliche Oberbekleidung in der Garderobe abgegeben und sind eine Weile im Foyer umhergestöcklt. Julia ist geschickt wie unnachahmlich anmutig geschritten auf ihren nadelabätzigen, luftigen Füßchenvorführern... mein Freundinchen hatte wirklich [und hat hoffentlich immer noch...] Sylphidenfüßchen zum Vorführen!! Lang, schlank, märchenelfenhaft schön, gepflegt. Ich hab´s mir als schwierig vorgestellt, auf solchen Schucherln zu gehn... sie warn mehr ein Hauch denn Fußbekleidung, ganz frei und luftig, scheinbar nirgendswo ein fester Halt. [Ganz ähnlich gestaltet wie jetzt, anno MMXVI., das Modell Sophie von Giuseppe Zanotti, schauts mal im Netz, jedoch auf ganz dünnen, biegsamen Sohlen... und vor allem gewiß für viel=viel dünnere Göldbörsln!!] "Himmlisch, Deine Schucherl!", hab ich geschwärmt. "Kannst gut drauf laufen?" Julia hat rügend dreingeschaut. "Fangst schon wieder an? Ich kann SEHR gut drauf laufen! Müßtest so langsam wissen." "Ja... ich mein bloß...", hab ich mich verteidigt, "ich hab fast nur Erfahrung auf geschlossenen Pömps... auch auf diesen schicken Slings geh ich etwas vorsichtiger als auf den Classischen mit Fersenkappen. Ich dacht nur, es sei schwer mit diesen dünnen Riemerln, die die Füße kaum halten..." "Du großer Kapazunder!!",

[WIENerisch: expertus] commentierte Julia leicht bissig, aber anmutig lächelnd. "Nun gwiß... Du hast recht... auf geschlossenen Pömps gehst viel leichter und sicherer. Aber... ich KANN das nun mal, ich lauf gut auf diesen zarten Traumdingerln, auch wenn´s a wengerl schwer ist... ich hab die richtigen Füße dafür, hab einen guten Balance=Sinn und hab nun mal a Freud an diesen luftigen, federleichten Schucherln..." Ich sagte nun lächelnd, eher zum Scherz: "Wir haben die gleiche Größe... könnten auch die Schuhe tauschn..." Julia hat meinen halb als Spaß, halb als Wunschtraum gedachten ´Vorschlag´ aber ernst genommen. "Wir werden ´s auch tun! Später... Will nämlich Deine absolut HIMMLISCHEN Slingpömps UNBEDINGT anprobiern! Traumhaft elegant, dies feine Geflecht... und diese ur=dünnen Nadlabsätz!!" Freudig hab ich eingewilligt... und hab mich im voraus drauf gefreut, Julias Féeenköniginnenträumchen=Goldsandaletten kurz zu probiern. = Der Einlaßtisch ist grad fertig aufgebaut worden (wir waren früh da gewesen, unter der ersten Ankömmlingen), und wir haben Kurs drauf genommen... Ich hab verzaubert = meine Julia hatt eh einen Zauberstab dabei, er hat voll gewirkt!! = geschaut, wie elegant meine Königin schreitet auf ihren unbeschreiblich feschen nadlabsätzigen Füßchenjuwelen!
18.10.2016 um 00:56 Uhr

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11 Stimme

Folge fünfundsechzig.

{Hier mag ich etwas Mode=Zeithistorisches einflechten... wir sind Anfang 1967 in unsrer Gschicht. Möglicherweis haben einige von Euch, benevolente Leserschaft, gestaunt: Wieso denn grad diese laufschwierigen slings... Nun, WIENerisch xogt:´s wor a so. Zu jener Zeit haben Damen, die auf sich gehalten und auch vorweisbar schöne Füßchen gehabt haben, sowohl im Sommer wie auch zum hochfestlichen Abendkleid = dies zu jeder Jahreszeit = sehr gern füßefreilassende, drei bis vier Zehen=offene sling=back=Riemerl= Sandaletten getragen, wahlweis mit oder ohne Strümpfe. Solche haben als besonders elegant und gesellschaftsdamenhaft gegolten, was sie ganz gewiß auch sind. Die heut modernen, im Sommer oft präsenten hochhackigen Fesselriemenschuhe, ob offen, ob mit Zehenkappen, waren ´damals´ als vulgär verschrieen; eine richtige Dame hätt solche nie angezogen. Meine MUTTER hatte niemals solche Schuhe besessen und net im Alptraum dran gedacht, auf derartiger Fußbekleidung zu gehn. Die ´frivolen´ Fesselspangen hat man verächtlich ´Promenadenriemerl´ genannt; es wurde behauptet, daß sie eigens für die Grabnnimpferl [d.h. Graben= Nymphen, die Animierdamen auf Freierfang, um net Gassnmäderl schreiben zu müssen] créiert worden seien, maßen selbige oft stundenlang und auch häufig auf absatzpömpsräuberischem Fugenpflaster unterwegs sind und daher die Fesslspangerl, die die Stöcklschuhe fest an ihren Füßen halten, gut brauchen können. Ich will net mißverstanden werden... i hab nix gegen diesen aus sociologischer Sicht nützlichen Berufszweig = ich bericht bloß. Da fällt mir ein WIENer curiosum historicum ein. Die zu meiner Kleinlöwerlzeit noch verwahrloste Spittelberggasse, inzwischen ein KUNSTliebhaber=Grätzl mit schön gepflegten Barockbauten und Biedermeierhäusern, war jahrhundertelang verrufen... und die Wirkstätte der ´Spittelbergnimpfen´ oder ´Sonnenfels=Waberl´, die auch S.M. Kaiser Joseph II. öfters visitiert haben soll = der Aufklärungskaiser... do ham´ma´s. Als er mal kein Göld dabei hatte, was bei Monarchen durchaus üblich ist, hat ihn die resolute Wirtin des nach wie vor stehenden Hauses Zum Weißen Löwen nausgwurfn. Eine Türbogeninschrift gemahnt an dies Ereignis im Wirtshaus ´Löberl´, heute ´Witwe Bolte´: Durch dieses Thor im Bogen / kam Kaiser Joseph II. geflogen / 1778. = Es ist also ganz und gar begreiflich, daß meine distinguirte Julia am festlichen Abend luftige, gesellschaftsdamenhafte, elfchenhaft fesche sling= Sandaletten an ihren schönen Féeenfüßchen getragen hat.}

Fortsetzung folgt.
24.10.2016 um 02:29 Uhr

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33 Stimmen

Nachtrag zu 65. Ihr kennts ja meine Genauigkeit. = Die Thürbogeninschrift im (einstigen) Löberl [oder Leberl, d.h. WIENerisch Löwchen], S.M. Kaiser Joseph II. tangierend, wird von fröhlichen Darzöhlern und selbst in der Akademischen Fachliteratur in drei voneinander leicht abweichenden, jedoch bedeutungsgleichen Versionen angeführt. In den näxtn Tagen löw ich mal hin und les präcis ab, welche Buchstaben da genau stehn. Bericht folgt. Wennst wir schon bei Löberl / Löbl /Löwl / Löwchen sind: Die Benamsung der historieträchtigen Löwelbastei und auch der Löwelstraße an der WIENER Hofburg beruht auf einer volksetymologischen Deutung auf Grund der Klang=Ähnlichkeit: beide sind (leider) net nach uns Löwens, vielmehr nach dem Stadt=Guardia=Commandanten im frühen XVII. Jahrhundert, Hans Christoph Baron v. Löbl benannt.
24.10.2016 um 02:57 Uhr

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00 Stimmen

Folge sechsundsechzig.

Wenige Meter vor dem Einlaßtisch, der eine Art ´Sperre´ gebildet hat in der Zarge einer offenen Zweiflügeltür, hat mich Julia besorgt angeschaut: "Jetzt wird´s möglicherweis schwierig. Ob wir ohne weiteres hineingelassen werden..." Ich hab meine Féeenkönigin selbstbewußt angelächelt. "Es wird gar net schwierig. Ich seh´s!" "Woran denn", wollt Julia wissen. "Du wirst es gleich auch sehn!", hab ich geheimnisvoll erwidert... und sogleich wir sind schon am Empfangstisch gestanden. "Grüß GOTT, Tante Maria!", hab ich freudig gerufen. "Jö schau! Mein lieber L.! Lang net gesehn!", antwortete die Dame. Es war die immer fröhliche, stets freundliche Frau Professor v.L., eine angeheiratete Cousine soundsovielten Grades meiner MUTTER. [Zwei Anmerkungen schnell. Gwiß... L. bin ich; doch der Geburts=Hausname meiner MUTTER fangt auch mit diesem Buchstaben an, die wohlwollenden Leser mögen also net verwirrt sein. Weiters: Österreich=Kenner wissen selbstredend, daß aristokratische Prädikate und Titel seit 1919 in der Republik Österreich amtlich net mehr geführt werden dürfen. Gleichwohl wird an ihnen im privat~gesellschaftlichen Bereich festgehalten. Dies schreib ich, um kennerhafter Kritik zuvorzukommen.] Frau Professor L. [amtlich so] hat in die Einlaßlisten geschaut, dann wieder auf uns. "Mein lieber L.! Du begleitest also unsre Julia..." "Jawohl, Tante Maria", hab ich freudig entgegnet, denn [es war eine Freude für mich, der sehr netten und auch schönen Dame zu begegnen. Auch bei ihr hatt ich mal Privatunterricht, Musiktheorie, oder wie ´s zu jener Zeit genannt wurde, solfège. [Auch so ein schönes vergeßnes Wort... schauts mal im Internetz...]

Forts. f. gleich.
26.10.2016 um 02:13 Uhr

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00 Stimmen

Folge siebenundsechzig.

"Ihr schauts wunderbar aus!", hat Tante Maria gerufen, mit ihrer sehr schönen, volltönenden Mezzosopranstimme. Unsre Frau Professor war auch ausgebildete Opernsängerin, hatte aber nicht die von vielen Winden und Lüften abhängige Bühnencarrière eingeschlagen, dem HIMMEL sei Dank!, wie sie dies manchmal beteuert hat. "Und ur=schicke Schucherl habts! Himmlisch! Und Ihr könnts auch elegant drauf laufen, ich beobacht Euch schon eine Weile. Haltets mal schön durch... den ganzen Abend! Aaaber... sagts amol... welches Land vertretet Ihr denn? Also... nach einer typischen Nationaltracht schaut des net aus... Und... ich muß den Titel Eurer Adjustierung hier auf der Liste vermerken, für die Prämierung nachher, wißts..." Da alles so erfreulich gut gegangen ist, hab ich locker und selbstbewußt entgegnet: "Wir sind Königin und König des Féeenlands." Tante Maria hatte etwas Ähnliches erwartet und hat mit fröhlich gemimter Verwunderung gefragt: "Féeenland... wo liegt denn das..." "Da, wo Sie und wir sind, Tante Maria", hab ich leicht übermütig erwidert. Die nette Dame hat gelacht. "Mein kleiner Neffe... oppardoon, mein großer Neffe L.! Keck und charmant... Du schlagst ganz nach Deinem Vater!" Das war für mich ein Lob, denn ich hab in sehr vielen Sachen meinen VATER bewußt nachgeahmt. [Tu es auch jetzt noch... und es ist gewiß eine Gnade des HERRN, einen nachahmungswürdigen Vater zu haben. Ob ich selbst dies bei meinem Sohn erreich...] "Nun guating denn", hat Tante Maria weitergeredet mit ihrer schönen weitschallenden Stimme. "Ich schreib ´s hieher zu Euren Namen. Féeenland. Kö=nig ... und... Kö=ni=gin. So können ´s alle gut lesen. Is´ja powidl, wo das liegt. Es ist Carneval. Gehts nei´, gehts ´nei! Is´scho´ a Riesnschlangerl hinter Euch! Viel=viel FREUDE!! Bis später, Ihr Lieben... und tanzt viel!" = Fröhlich und erwartungsvoll haben meine wunderschöne Freundin und ich uns in den Festsaal begeben und haben die uns zugewiesenen Sitzplätze gesichert. Danach haben wir den ganzen Saal mitsamt allen Seitenräumen ´abgelöwt´ und isnpiciert, um unsre Hyper=Elfenträumchen von Nadelabsatzschuhen gemeinsam zu genießen. Galant hab ich Julia meinen rechten Arm gereicht, wie ich es im Tanz= und Anstands= Cursus gelernt hab, und sie hat sich anmutig lächelnd eingehakt.

Fortsetzung folgt.
26.10.2016 um 03:22 Uhr

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22 Stimmen

Folge achtundsechzig.

Der Saal hat sich allmählich gefüllt. Julia und ich haben uns umgeschaut, die Kleidungen begutachtend. Mehrere chinesische, spanische, ungarische Paare. Auch zwei oder drei russische, dann ein Indianer mit Squaw, weiters ein Holländerpaar, das sich in den Holzklotzschuhen komikerhaft schwerfällig bewegt hat. Einige türkische respective arabische Paare, offenbar den Illustrationen im schönen, weltweit unschlagbaren Geschichtensammelwerk Tausend und eine Nacht nachempfunden, diese Adjustierungen haben wir als besonders schick eingestuft. Und noch viel anderweitiges, mit weniger Aufwand gestaltet.= Vier Amateur=Künstler, die sich zu einer Saloncapelle zusammengetan haben, arrangierten sich auf dem hölzernen Podium; einen von ihnen hab ich vom gesellschaftlichen Verkehr unsrer Familie gekannt, er war Officier beim Bundesheer, ein sehr lustiger Mensch, der im privaten Kreis mit Elan und Begeisterung wie auch mit KUNSTfertigkeit oft Unterhaltungsmusik gemacht hat. Die Frau Directorin hat kurze feierliche Worte als Eröffnung gesprochen und das Commando zu Musik und Tanz gegeben. Es hat, womit denn sonst, mit WIENer Walzer angefangen. Wie in der Tanzschule gelernt, hab ich Julia cavaliermäßig aufgefordert. "Hoffentlich kannst net nur beim Camin anfangen!", hat meine Féeenkönigin lächelnd genickt... es war nämlich das erste Mal, daß wir zusammen tanzen wollten. [Der inzwischen vergessene Ausdruck ist wohl erklärungsbedürftig, er ist noch aus Kaisers Zeit. In altmodischen Tanzschulen wurde, auch noch zu meiner Frühjugend, der Saal mit einem, in aller Regel geschlossenen, Camin geheizt; dies Gebilde, meist in einem Eck stehend, war im großen Raum der einzige unverrückbare Einrichtungsgegenstand. Bei etwas complicierteren Tanzschritt= Folgen, die eine gesamte Wandlänge bewegungsKUNSTvoll ausfüllen sollten, hat der Herr Tanzprofessor oft dazu geraten, beim fest stehenden Camin zu beginnen und die Schrittfolge der Wandlänge anzugleichen, bis zur notwendigen Vierteldrehung beim nächsten Saal=Eck. Also... Franz, der junge Cavalier, geht zu seinem ersten Großen Fest. = Wenn ich ´s anmerken darf: für einen jungen Herrn ist dies möglicherweis noch aufregender, als für eine junge Dame... = Er hat den festen, mutigen Vorsatz, die seit langem verehrte schöne Tochter eines Freundes seines Vaters, Fräulein Leopoldine, aufzufordern. Gedacht, getan. Die junge Dame acceptiert freudig = daraus kann noch was werden = , und der Cavalier führt sie am Arm die Wand lang... und die Wand lang, in Richtung weitestes Eck. "Aber lieber Franz...!", wundert sich die Dame, "wo wolln S´ denn hin..." Darauf der Jungcavalier: "Bitt um Vergebung, verehrte Freilln Poldi... ICH KANN NUR BEIM CAMIN ANFANGEN!" = Diese lustige Wendung wurde in meiner heitern Frühjugend benützt für geistig unbewegliche, inflexible Leute, die alles nur nach dem eingeübten Schema tun konnten: ´Er kann halt nur beim Camin anfangen´.]
27.10.2016 um 00:43 Uhr

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00 Stimmen

Folge neunundsechzig

Julia und ich haben sämtliche eher ´ruhigen´ Tänze freudig absolviert, vor allem Langsamen Walzer, Tango, Rumba... uns geschickt und routiniert, nahzu schweberisch bewegend auf unsern elfentraumhaft eleganten Nadelabsatzschucherln. [Die benevolente Leserschaft mag sich entsinnen, siehe Folge vierzig, einen Kaffée drauffe: Julia und ich haben gewiß die schnelle Musik bevorzugt, gleichwohl waren wir = was mich angeht, ich bin ´s geblieben = beiden eher von gefaßtem, ruhigem, gemessenem Wesen, daher ist es verständlich, daß wir die langsamen Tänze präferiert haben... abgesehn davon, daß das Herumhupfn auf steilen Nadelabsätzen net sehr elegant ausschaut... ja, der feierlichen Würde solch himmlischer Schuhe wesensfremd ist.] In jenen Jahren hat es einen allgegenwärtigen Modetanz gegeben: Letkiss... Soviel ich weiß, als Salon=Umarbeitung eines finnischen Volkstanzes; in den Sälen meist als Ketten= Colonnen= oder Schlänglreigen, seltner als Ringlreigen aufgeführt. {Schlagts nach im Netz untem Stichwort: Tanzen mit dem Ehepaar Fern Letkiss. Es lohnt sich!! Da ist eine bewegte Streifen=Aufzeichnung aus 1965. Schauts Euch die ganze Vorführung an... und achtets auf Kleidung, auf Bewegungen, auf das obligate, für professionelle Tanzsportler pflichtmäßige Lächeln, das vor allem durch Herrn Professor Ernst Fern und seine attractive Ehefrau Helga, die den Reigen anführn, prakticiert wird, wobei die Dame hie und da etwas demonstrativ in die Camera hineinlächelt; schauts drauf, wie elegant und geschickt sich Frau Helga auf ihren drei=Zehen=offenen hyperschicken Sling= Sandaletterln, auf neun Centi hohen Stiftabsätzen bewegt. Und... niemand trägt die zu jener Zeit ´verrufenen´Fesslspangerl... hierüber haben wir uns schon ausgelassen in der Folge 65. Nebenbei... an warmen Sommertagen im Stadtcentrum waren oft Damen zu sehn, die sehr elegant und anmutig eine Ferse kurz nach hinten angewinkelt haben, um mit den Fingerspitzen den rutschenden sling bis zur Achillessehne hinaufzuziehn. Eleganz war wichtiger als lapperte, undamenhafte ´Bequemlichkeit´. (...)

Fortsetzung folgt gleich, auch techn. Gründen.
30.10.2016 um 00:15 Uhr

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11 Stimme

Folge SIEBZIG.

(Fortsetzung der {}=Klammern=Passage.) Achtets drauf, wer im Hintergrund das Salon~Orchester dirigiert: Es ist der bekannte Componist, Capellmeister und Producent Harald Banter, wie Gerd Ritt. v. Wysocki sich mit Künstlernamen nennt... soviel ich weiß, ist die von der üblichen Nummer abweichende KUNSTvolle Letkiss= Musik im zweiten Teil des Streifens sein Werk. Noch was als Auflockerung. Herrn Professor Fern, *1934, bin ich mal flüchtig persönlich begegnet. In meiner abenteuerlichen, wirklich~wirklich vielprobierten ersten Lebenshälfte war ich nämlich auch Tanzmeister=Gehilfe. Lang danach, daß ich dies gewesen bin, haben meine sel. erste Frau und ich, 1997, wenn ich mich recht entsinn [hab ein schlechtes Zeitgefühl und ein noch schlechteres Zeitgedächtnis, wie wohl alle fröhlichen, feierfreudigen Menschen], ein sehr elegantes Fest besucht in einer Rheinischen Großstadt... über die wir hier noch viel lesen werden, wennst Ihr wollts. Auf einmal sicht ich, wie recht oft, wieder einen Herrn, den ich kenn... Herrn Professor S., meinen einstigen Tanzmeister=Principal. Ich stell ihn meiner Frau vor: "Herr Professor S., ich war mal sein bescheidner Gehilfe... er ist der berühmteste Tanzmeister Europas". Darauf mein einstiger Lehrer, sehr selbstbewußt lächelnd: "Der Welt, bitte! Der Welt!"} = Meine stets decente, fröhliche, aber bedächtige Féeenkönigin hatte für Letkiss nur ein verschmähendes Lächeln übrig. [Wohl zu Recht, denn diese Hupferei ist nix für stricknadlabsätzige slings... die prononciert elegante Frau Professor Helga Fern mög die Ausnahme sein.] Wann immer die vier Künstler auf der Estrade die Pulicums=Lieblings=

nummer Letkiss angestimmt haben und kurz hierauf die Reigen= Colonnen [in leichter Ähnlichkeit zu ´Polonaise Blankenese´... wennst dies jemand von Euch noch kennt, wohl eher als den viel früher modisch gewesenen Letkiss... nur halt mehr hupf=activ] sich an uns vorbeiriesenschlängelt haben, hat Julia anmutig lächelnd, aber bissig bemerkt: "Da kommt der Affencircus". = Irgendwann haben die Musikanten eine Pause benötigt. Julia und ich hatten gleichzeitig den Einfall, zur ´Stöcklschuhe=Revue´ zu schreiten.
30.10.2016 um 01:09 Uhr

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Folge einundsiebzig.

Es steht außer Debatte, daß meine Freundin und ich die schönsten Nadlabsatzschuhe anhatten... gewiß unschlagbar... und auch noch als Traum=Paare ~ an Selbstbewußtsein hat ´s uns beiden net gefehlt ~ vom TRAUMPAAR getragen. Fast alle jungen Damen haben, unabhängig davon, ob zu ihrer Landtracht passend, also selbst die Indianerinnen, zierlieche spitze Pömps oder sling backs getragen auf sechs bis acht Centi hohen, nach unten hin dünnen Absatzerln [wie die Damen in der Letkiss=Aufzeichnung... die Traum=Silberslingsandaletten Frau Professors Ferns sind was besonderes]. Eine schöne Maturantin mit einem sehr langen, mehrgliedrigen Aristokratennamen ~ ich hab sie vom Sehn gekannt, ihre Familie hat direct neben K.'s = Ihr entsinnts Euch: Andrea = gewohnt ~ als Spanierin gewandet, hatte ein Paar erlesen elegante schwarze Lackpömps an, mit carré=Spitzen, auf neun Centi hohen Franzosen=Absätzen, die ihr ausnehmend gut gestanden sind. Aber... die Siegestrophäe für Absatzhöhen hat gewiß Freilln Henny verdient. Die sehr attractive, sehr große, cca einsachtzig lange Tochter eines Bauunternehmers hab ich aus der Nachbarschaft auch flüchtig gekannt. Trotz... oder grad wegen... ihrer Länge ist sie immer auf mittelhohen Absätzen gegangen, im Winter auf Kurzstiefeln, an warmen Tagen zehenfrei ihre schönen langen Füße, Größe 41, vorführend. Doch an diesem Abend hat sie sich selbst übertroffen. Ad marginem: Auf hohen Absätzen zu gehn ist die eleganteste Art, über sich selbst hinauszuwachsen. Sie war von ihrem Bruder begleitet, einem baumlangen, mageren Medicinstudenten, der einen schlichten schwarzen Anzug mit Crawatte getragen hat, dazu eine Baskenmütze und auf dem Rockaufschlag eine coquarde in den Farbringen des drapeau tricolore... wobei er mehrmals (in sensu duplice:) von oben herab verlautbart hat, dies sei die französische Nationaltracht. Freilln Henny hat ein knielanges Seidenkleid (vielleicht Kunstseide, waaß i net) angehabt, das aus drei waagrechten breiten Streifen bestanden ist, auch wieder blau=weiß=rot, wie die französische Flagge... also in allen Bedeutungen ein ´Fähnchen´. An ihren sehr schönen langen Beinen hatte sie ein Paar durchschimmernde schwarze Strümpfe mit Rücknaht... und an ihren langen, schmalen Füßen hat sie ein verstandzerreißend hyperfesches Paar Pömps getragen, aus spitzenartigem schwarzen Stoff... und dieser Elfentraum hatte ganze zwölf Centi steile extradünne Nadelabsätze = für Größe 41 hinlängich bequem = , auf denen die schöne Maturantin sich etwas vorsichtig, aber sehr geschickt und elegant bewegt hat. Zwölf Centi... selbst Julia und ich sind a wengerl neidlich geworden. "Sie ist net beliebt", hat Julia erklärt... gewiß net aus Neid, denn diese Kritik an Freilln Henny hab ich schon von mehreren Jugendlichen gehört; "sie hat auch keinen Freund und will auch keinen, niemand ist ihr gut genug... ich denk, sie weiß selbst net, was sie will. Jedenfalls bildet sie sich werweißwas ein auf ihr Ausschaun." Ich wollt erwidern, daß sie dies net ohne Grund tue... hab den Satz aber noch rechtzeitig abgebissen, maßen er meiner herzliebsten, wunderschönen Julia gegenüber sehr unhöflich gewesen wär. Julia hat weitergesprochen: "Diese Riesenabsätze tragt sie wohl auch, um die Buben abzuschrecken... auf diesen Fersenstäbchen ist sie sicher einsneunzig... allerdings... L.! Diese Schuhe sind himmlisch schick! Oh... ich hätt sie so gern..." Und ich hab lächelnd, jedoch zutreffenderweis entgegnet: "Ich auch!!" Wir haben gelacht... und wir haben noch sehr viel gelacht und sehr viel getanzt an jenem Abend. Und auf einmal, etwa zwei Stunden später, haben wir Freilln Henny erblickt, vom Buffet herkommend... zehn Centi kleiner. Sie hatte ihre hyperextrasteilen Elfentraumnadlabsatzpömps net mehr an, und ist auf feschen zehenansätzefrei décolletierten absatzlosen Schuhen mit frechen Mascherln über den schlanken Vorderblättern einherpromeniert. Ich hab sie das erstemal auf Flachlingen gesehn, die der langen Maturantin seltsamerweise auch gut gestanden sind.

Fortsetzung folgt.
30.10.2016 um 02:34 Uhr

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Technische Anmerkungen. Bitt um Vergebung für Buchstabenverschreibsel und versehentliche syntaktische Umstellungen {wenn sie net mundartlich begründet sind}... ich schreib sehr schnell und les zu flüchtig correctura. (Dies muß mal gründlich gemacht werden.) Weiters ist eine Fehlschaltung im Rechner. Den Apostroph, den ich oft als Verglassungszeichen in der Mundartschreibweise benütz, kann dies System net setzen, daher verwend ich stattdessen den accentus acutus als Ersatz.

Doch gelegentlich vergeß ich drauf, drück auf die Apostrophtaste... und dann kommt immer dies: ' ... Liegt net an mir, pardon.

L.
30.10.2016 um 21:44 Uhr

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Anna Meyer

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22 Stimmen

Hey zunächst einmal Kompliment für diese wunderbare Erzählung!

Dann sei mir dieser Hinweis erlaubt: Das was du ansprichst sind Einschränkungen wenn man als Gast schreibt. Als angemeldeter Nutzer kannst du deinen Text auch anders formatieren, du kannst genannten Apostroph ' schreiben und deine bereits abgefassten Beiträge editieren. Vielleicht solltest du dich einfach mal anmelden.
30.10.2016 um 22:52 Uhr

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Löwenherzlichen Dank für die sehr benevolente Kritik. Gfreit mi´ ur, daß ich der wohlwollenden Leserschaft a Freid mach. L.

Folge zweiundsiebzig.

Das Ergebnis der Stöcklschuhe=Revue war eindeutig. "DU hast die schönsten, elegantesten Schuhe, Julia!" Meine Herzenscameradin hat mich mit schräggestelltem Kopf leicht rügend angelächelt: "Weil die Henny S. ihre Extra=Traumpömps ausgezogen hat...?" Ich hab locker abgewunken: "Wen interessiert die Henny S. ... und sowieso... wie kommen die Stöckl der Henny S. zu DEINEN absoluten Féeenköniginnentraumschucherln... Dir stehn sie so gut wie sicherlich niemandem sonst im Universum!!" Das hab ich (selbst wenn ich circa zwei Stunden zuvor hie und da diskret auf die hypersteilen schwarzen Spitzenstoff=Nadlabsatzpömps der auffallend attractiven, überlangen Henny geblickt hatte) als völlig zutreffend empfunden, denn die himmlisch zarten, vier=Zehen= offenen goldernen stricknadlabsätzigen Riemerl=slings haben wunderbar ausgeschaut an den besonders schönen, gepflegten Sylphidenfüßchen meiner gewiß féeenköniginnenhaften Freundin. "Du bist lieb, L. Also halten wir ´s fest: WIR beiden haben die elegantesten Stöcklschuhe", hat Julia entgegnet. "Und jetzt", hat sie weitergesprochen, "leih mir mal, bitte, Deine Traumpömps her. Sie schaun einfach himmlisch, himmlisch aus!!". Wir sind zu dem Wandstück an der Garderobe zu den weinrot gepolsterten Sesseln geschlendert, haben uns niedergesetzt und selbst= wie weltvergessen unsre Traumschuhe getauscht. Julia ist begeistert aufgestanden, freudig wie hochelegant hinundhergestöcklt und sogleich ins Schwärmen geraten. "Oooh... wunderbar! Phantastisch bequem! Und dies urschicke Geflecht... und diese absolut dünnen klaß hohen Nadlabsätze!!... Kann ich sie eine Weile anbehalten..." Diesen Wunsch hat sie mit nahezu flehentlichen Tönen und Blicken ausgesprochen... wie ich das bei Julia noch net gesehn hab. "Aber selbstverständlich, Julia! Dafür hab ich ja so lang Deine..." Ich bin auch aufgestanden. Oh... es war gar net so einfach, auf den superlativisch zarten Riemerlsandaletten zu schreiten. "Ein tolles Gefühl!", hab ich vergnügt commentiert, "aber ´s ist a wengerl schwer, darauf zu gehn. Du bist eine richtige Stöcklkünstlerin, Julia!" "Weil Du Strümpf anhast", hat meine Cameradin erwidert, "deswegen findst das a bissl schwer; ohne Strümpf rutschen Deine Fersen net seitlich hinundher beim Gehn." Dies wollt ich in der Öffentlichkeit als würdiger König des Féeenlands lieber net probiern. Wir haben uns erneut auf die Tanzfläche begeben... Es ist grad der Langsame Walzer gekommen, vorzüglich für mich zur Gewöhnung an die neuartige Stöckltechnik... eine Herausforderung ... gleichwohl ein aufregendes Bewegungsgefühl! Meine Julia hat ´unsre´ eleganten Flechtwerk~Slingpömps hocherfreut genossen:

"Am liebsten würd ich sie behalten! Für immer! Und...", hat sie a bissl gedeftet [kleinlaut] hinzugefügt, "Du hast recht... diese sind bequemer... ´Deine´ ganz Fußfreien sind wirklich a wengerl schwierig..." "Am liebsten", hab ich von Herzen entgegnet, "würd ich sie Dir sofort schenken... Aber... meine MUTTER würd mir den Kopf abreißn..." "Das seh ich sogar ein", hat meine Königin lächelnd erwidert... und wir haben noch viel getanzt auf den wunderschönen féeentraumhaft eleganten Stricknadlabsatzslings voneinander.

Fortsetzung folgt.
31.10.2016 um 02:05 Uhr

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Folge dreiundsiebzig.

Der Abend ist dem Abschluß zugegangen. Auf einmal haben die vier Künstler aufgehört zu musiciern, sind aber sitzen geblieben. Drei Damen haben die Estrade betreten: Die Frau Directorin, eine elegante, streng=hagere, jedoch wohlwollend dreinschauende reifere Dame, weiters Frau Professor v.L., das ist meine liebe Tante Maria, schließlich eine mir net bekannte große Dame mit stattlicher Körperfülle. "Sie hat irgendein Ehrenamt in der Bezirks=Eltern= Conferenz oder wie das heißt. Präsidentin oder so...", hat Julia auf meine Neugierde hin erklärt. Die Frau Directorin hat einige kurze, feierliche Worte der Freude wie des Danks gesprochen, selbstredend auch an die Adreß der vier unermüdlichen Künstler, dann hat sie das Wort an Tante Maria übergeben, die mit ihrer sehr schönen, vollen, weitschallenden Sängerinnestimme verkündet hat: "Liebe Freunde, wir schreiten jetzt zur Costümprämierung". Julia und ich haben gach unsre Stöcklschuhe zurückgewechselt und sind auf unsern eigenen Stricknadlabsätzen in die Nähe des Podiums geeilt. Während der Ansprache der Frau Directorin haben vier Professorinnen einen langen, schmalen Tisch aufgebaut und hierauf viele Preise drapiert. Wie ich es nachträglich erfahren hab, hatten reiche Eltern der Feier=Participanten deutlich zu viele Preise gestiftet, möglicherweis in der = nachher tatsächlich erfüllten = Erwartung, daß ihre Namen bekanntgegeben werden. Für die drei bestplacierten Paare hätten sechs Preise genügt, aber es waren locker zweimal so viele.

Fortsetzung folgt... send ab aus Technik-Gründen.
31.10.2016 um 03:07 Uhr

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00 Stimmen

Folge vierundsiebzig.

"Den ersten Preis bekommt...", hat Tante Maria verkündet, vor der Nennung der Bezeichnung eine KUNSTpause machend: "... das Chinesische Paar." [Österreichisch ´Kinesisch´gesprochen.] Das war durchaus angemessen, denn die Kleidung der beiden, im Gelb mit schwarzen Ornamenten gehalten, war sehr aufwendig und stilvoll. Die Musiker haben einen Tusch intoniert, und es ist ein verdienter Applaus ertönt. Den zweiten Platz hat das arabische oder türkische Paar aus Tausendundeiner Nacht erlangt, auch sehr schön, mit viel wellig flatternder fröhlich=farbiger Seide. Die Drittplacierten waren Spanierin und Spanier in Landtracht. Julia und ich haben uns mit den Prämierten gefreut... der Tatsache bewußt, daß unsre eigene Kleidung dem Abend=Thema net conform war. Neben uns sind Henny S., nur noch auf Flachlingen, und ihr über ein Meter neunzig langer Bruder, die sogenannten ´Franzosn´, gestanden. Und sie haben indigniert gescholten. "Alles Bleedsinn! Alles Protection, wie immer! W i r tragen eine richtige National= Tracht! Die Placierten tragen entweder was aus dem Phantasiereich oder etwas völlig Veraltetes... welcher Kineser und welcher Türk zieht denn sowas Lächerliches an und lauft wia r a Klaun umher..." Laß sie doch schiiimpfn... hab ich gedacht... ´s gschieht ihnen recht in ihrer selbstgefälligen Arroganz... = Nun hat Tante Maria, die Sprecherin des Hohen Costümgerichts, erneut zum Reden angesetzt und einige kleine Trost=Preise vergeben. Dann wurde sie etwas feierlich. "Liebe Carnevals=Freunde! Wir haben noch einen Sonderpreis zu vergeben... und zwar an das eleganteste Paar, sozusagen an das TRAUMPAAR des Abends... etwas eigenwillig gekleidet für das Thema, dennoch ist unser Urteil begründet. Das TRAUMPAAR des Abends sind: Königin und König von Féeenland!"

... you could knock me down with a feather, wie der Brite sagt...

Fortsetzung folgt.
31.10.2016 um 03:37 Uhr

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Folge fünfundsiebzig.

Und... selbigen englischen Satz hab ich, nach den Verarbeitungs= Secunden, zu Julia gesprochen. Wir haben hie und da ein individuelles, lustig abgewandeltes Englisch = Lions´ English = miteinander geredet... schließlich haben wir uns im Private English Course freudig kennengelernt. "Me too...!", hat meine schöne Freundin erwidert, dann gleich lachend hinzugefügt: "allerdings... ist der Preis berechtigt, wie ich denk... Weißt, L., ich bin net frei von Eitelkeit." Auch das hatten wir gemeinsam; wir beiden haben, in steter Dankbarkeit vor dem SCHÖPFER, Freude gehabt am eigenen guten Ausschaun. Gleichwohl hab ich noch einmal, zur Sicherheit, gründlich um uns geblickt... ob denn net noch ein zweites Féeenkönigspaar anwesend sei. Die fröhliche Tante Maria, die uns schon vom Podium her gesichtet hatte, hat meine Regung gemerkt und gedeutet. "Nnno Ihr zwei Lieben... Julia und L. ... kommts doch gach herauf!", hat sie freudig gerufen, "auf Euern hübschen Stöcklschucherln!" Es war nun gewiß: wir warn gemeint. Also sind wir losmarschiert, die paar Meter zur kurzen Holzstiege, dann auf die Estrade hinauf. Hinter mir hab ich grad noch Henny S.´ entrüstetes organum vernommen: "Püff, Bernd... auch noch diiie beiden... auf ihren kleinen Schuuuhen!!" Ihr hagerer Bruder hat irgendwas geantwortet, aber das hab ich net mehr mitbekommen, sicherlich besser so. Meine liebe Tante Maria hat uns beiden locker in ihre weichen Arme geschlossen. "Gratulier!", hat sie in einer nur für uns bestimmten Lautstärke gesagt. "Dir Julia, und Dir, mein lieber L. Und märchenhaft, wie Ihr gehn könnst auf Euren klaß Schuhen!! Tun s´ denn net weh... nach all den Stunden... und dem vielen Tanzen..." Wir haben collectiv fröhlich verneint. "Wir sind zwei Stöckltalente, Tante Maria", hab ich dies bekräftigt. "Hier, Eure Preise", hat die nette Dame gesagt und uns je zwei Packerl überreicht. "Einen Applaus, bitt schön, für König und Königin von Féeenland!", hat sie noch laut in den Saal gerufen und uns dann lächelnd entlassen. Ich war vor Freude so aufgeregt, daß ich gaaanz vorsichtig die hölzernen Stufen der Podiumsstiege hinabgestöcklt bin, um net mit einem Nadlabsatz an einer Kante hängenzubleiben. Hatt meiner MUTTER ja versprochen, auf ihre sylphidentraumhaften suprahochhackigen Stiletto=Slingpömps aufzupassen... auf ihre... obschon ich sie nunmehr definitiv als ´meine´ empfunden hab. Wir sind seligkeitserfüllt in Richtung garderobe geschlendert... unterwegs wieder an dem Geschwister S. vorbei. "Äääh...", hat Bernd, Hennys Bruder, geknurrt. "da kommen die Protégééés...". Das hat gehässig geklungen... war aber möglicherweis net ganz von der Hand zu weisen, denn ich bin mir sicher, daß meine liebe Tante Maria stimmkräftig unsre Prämierung im Costümgericht durchgefochten hat. = An der garderobe haben wir unsre Preise ausgepackt. Julia hat eine große Schachtl Pralinés bekommen... und eine sehr schöne Brosche aus Massiv=Silber, in Form eines Schmetterlings. "Oh ist das schön!!", hat meine Cameradin, von schönen, eleganten Dingen stets begeistert (auch das hatten wir gemeinsam) gerufen, Sie hat sich die Brosche gleich angesteckt. Ich hab ein festliches Seidenmascherl (wie nennt man dies deutsch=deutsch... Querbinder, papillon... na, das ist eher französisch) in bordeaux zum Selbstknoten (also ohne irgendwelch rückwärtiges Gnack=Spangerl, was ein Cavalier ohnehin net tragt) bekommen, so eins hab ich mich schon lang gewünscht. Und einen professionellen Ingenieurs=Zirkelsatz im schwarzen Futteral. {Diesen hab ich noch, das Kastl liegt auf meinem Lesetisch in unsrer privaten Bibliotheca Leoniana.}

Fortsetzung folgt.
01.11.2016 um 00:42 Uhr

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Folge sechsundsiebzig.

Der Abend, dieser wunderschöne Abend mit Julia auf elfenhaften Stricknadlabsätzen, war zu Ende. Wir haben unsre Schuhe gewechselt, unsre warmen Wintersachen angezogen... und ich hab meine Herzenscameradin heimbegleitet. Unweit ihres Haustors, unter der Verdeckung eines dicken Baumstamms = denn ich wollt mich gegen Beobachter hinter Vorhängen absichern = hab ich meine schöne schlanke Königin ganz sanft in meine Arme geschlossen ~ wie beim Tanzen ~ und hauchzart flüchtig ihren schönen kleinen Mund geküßt... wennst diese allerleichteste Berührung als Busserl eingestuft werden kann... wie auch immer, es war HIMMELSSCHÖN!! Mein liebstes Freundinchen war etwas verwundert... hat sich aber net gewehrt. = Ich bin heimgegangen und hab die zauberhaften steil~nadlhackigen Slingpömps schweren Herzens meiner MUTTER zurückgegeben. Nach eingehender Prüfung der Stiftabsätze und der schmalen Spitzen hab ich ein freudvolles Lob bekommen. Meine MUTTER war nun wißbegierig: "Habts viel getanzt? Wie war ´s? Nnno erzähl!!" Und ich hab sehr lang und sehr freudig und sehr ausführlich berichtet...

****************************

Im Spätfrühling 1967 hab ich einen kräftigen, schnellen Wachstumsschub bekommen. Bis zu meinem Löwen~Geburtstag hab ich eine Körperlänge von 183 Centi erreicht... später bin ich noch vier Centi höher gewachsen. Die Vorhersage meiner MUTTER ist eingetroffen: ich war plötzlich ´der Lange Löwe´, mit dem richtigen Cavaliersmaß für die feschsten jungen Damen. Ich hatte viel Freud an meiner nunmehrigen Länge... allerdings hat mich ein Umstand betrübt: es paßten mir keine Bleistiftabsatzschuhe mehr. Meine Füße haben die Größe 44 erreicht ~ sind aber sehr schlank und sehr biegsam, und damit stöckl~affin geblieben. Demnach hab ich von vorn angefangen, die zuständigen HEILIGEN anzuflehn, diesmal um ein Paar Groß~Elfen~Traum~Stricknadlabsatzpömps, die in meiner Nummer in keinem Geschäft vorrätig warn.

Fortsetzung folgt.
01.11.2016 um 01:50 Uhr

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Folge siebenundsiebzig.

Meine bezaubernd schöne Freundin Julia hat ihre Erwachsenen= Körperlänge erreicht. Wir haben nun zusammen um Jahre ´reifer´ ausgeschaut als wir warn... dies ist sicherlich auch an unsrem gepflegten Kleidungstil gelegen. Diesen Umstand haben wir weidlich ausgenützt! An keiner Kino=Cassa hat man uns gefragt, ob wir schon sechzehn seien... daher haben wir non~chalant ´Erwachsenenstreifen´ angeschaut... ich entsinn mich des rührenden, traurigen, aber auch feierlichen, sehr KUNSTvollen Kinostücks ´Madame de...´ mit Vittorio de Sica (das ist einer meiner Lieblings~Mimen~Künstler), Danielle Darrieux, Charles Boyer {nebenbei bemerkt: in Letzgenannten war meine MUTTER jahrzehntelang fern~verliebt}, einer Dreiecks=Geschichte im Aristokratischen Milieu der Belle Époque. Auch in Caffeehäusern haben wir uns locker und stammgästehaft bewegt. = Einmal sind wir im Stadtpark der Tennis=Dame Andrea begegnet. Sie hat sofort zu lästern angefangen. "Jetzt schauts Ihr beidn wirklich aaaus wie Erwaaachsene... Ihr warts nie riiichtige Kinder... und Juuugendliche seids Ihr aa net... und weeerdets aa net mehr. Ihr habts ka Froooid net am Leeebn!" Also... Julia und ich haben dies ganz~ganz sicher net so empfunden... völlig und diametral im Gegenteil! = = =

Diese elegante, cultivierte, belesene, KUNSTliebende, feierfreudige, stets fröhliche, höfliche, decente, ruhige Schönheit und Nadlabsätze~Cameradin hätt ich circa fünfzehn Jahr später möglicherweis geheiratet... und wir würden viel Freude miteinander wie an unsern culturellen Gemeinsamkeiten haben. Ja... wenn die Geheminisvollen Geschicke im Großen Buch des Lebens dies net anderweitig vorgesehn hätten...

Fortsetzung folgt.
01.11.2016 um 02:57 Uhr

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Benevolente, liebe Leserschaft!

Ich schließ jetzt das KUNSThaus in dieser Kleinstadt (WIENerisch etwas praepotent: Gigritzpotschn) und geh fürs Monat November zaruck in meine Alte VATERstadt WIEN. Durtn hab ich net so´n einigermaßen guten Rechner wie hier in der Cantzley... daher weiß ich net, ob ich dasööbst weiterschreiben kann. Werd ´s probiern. Wennst ´s geht, guating... fois net, setz ich gern furt, wenn Ihr ´s wollts, Ende November. ~ DANK abermals für all Eure fröhliche, liebenswürdige, oft hülfreiche critique, für Eure Treue und Geduld. Muß nun Baggaasch fertigmachn gehn... und dann zum Bahnhof. Fortsetzung folgt. Gesegnetes Fest OMNIVM SANCTORVM! Euer L.
01.11.2016 um 22:20 Uhr

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Bin jetzt in meiner Alten VATERstadt WIEN.

Moi segn, ob ich mit diesem Rechner weiterschreiben kann.

L.
03.11.2016 um 22:34 Uhr

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Benevolente Leserschaft!

Hier die angekündigte Präcisierung der causa 'Inschrift' in Folge 65.

Ich war also drin im Löberl (Gutenberggasse 13), unter einem schrägen Vorwand, maßen i nix bestellten wollt... kann net immer a Gööd ausgebn. Hab schnöö buchstabengetreu abgelesen. Also... net "kam" (wie auch mal in der Fachliteratur citiert), sondern "ist".

= Duch dieses Thor im Bogen ist Kaiser Josef II. geflogen 1778. =

A so lest si' die Inschrift. Darunter no'amoi: Anno 1778.

Hab momentan sehr viel Gelöw und große Terminhäufung. Forts.f.

Mit fröhlichen Klick=Klick=Grüßen

L.
13.11.2016 um 01:10 Uhr

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Ooooh... Da ich nun seit cca zwei Wochn net weitergschrieben hab,

ist bei mir außer Gewohnheit geraten, daß diese ´reducierte´ Schaltung den Apostroph net freßt. Folglich: überall, wo das Zeichenhäxl ' steht, gehört ein (weiniger schräges) ´ .

L.
13.11.2016 um 01:15 Uhr

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Wohlwollende Leserschaft!

Bin wieder bei einem brauchbaren Rechner... Schreib bald weiter.

L.
24.11.2016 um 17:45 Uhr

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Sehr schön benewolter Herr Löwe!

Wir warten schon sehnsüchtig auf eine Fortsetzung. Was war denn los mit Ihrem Rechner?
24.11.2016 um 17:48 Uhr

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Liebe Leserschaft!

Jene Torbogeninschrift hat's in sich... Es heißt sicher net "Duch", vielmehr "Durch". Also steht da über dem historischen Eingang:

Durch dieses Thor im Bogen ist Kaiser Josef II. geflogen 1778.

(Und drunter noamoi das Jahr:) Anno 1778.

Hoffentlich hab i mi' net wiada verschriabn beim Spruch im Löberl. Das ist so ähnlich wie a Gschichtl im Deutschen Kaiserreich. Da war ein Zeitungsartikel, unter anderem darüber berichtend, daß der "Kornprinz" eine Veranstaltung besucht hat. Näxtntags war die correctura da: "Es war selbstverständlich nicht der ´Kornprinz´, vielmehr der Kronpilz anwesend..." Da war wohl der kleine Crampus der Druckereien am Werk. Fortsetzung folgt bald.

L.
26.11.2016 um 03:09 Uhr

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Benevolente Leserschaft!

Bin nun wieder im KUNSThaus in der Kleinstadt... nach mehreren traumhaft schönen Wochen in meiner Alten VATERstadt WIEN. Hab gwiß zehntausend KUNSTgegenstände gesehn. Eine Reihe von Sonderausstellungen wie ´Wege des Pointillismus´(Albertina) und ´Ist das Biedermeier?´(Unteres Belvedere)... hab diese besucht im eleganten Anzug mit Crawattl, auf großelfentraumhaft schönen classique~Nadlabsatzpömps auf 125 mm hohen extradünnen Fersenstiften; Einladungen zur KUNSTmesse WIKAM, Zugang zu Privatsammlungen... Wundervoll... Bin nun amoi a Großstädter.

Nun schreib ich unsren Bericht fröhlich weiter... auf d´Nacht.

Folge achtundsiebzig.

Julia und ich haben das restliche Jahr 1967 wie auch die erste Hälfte des Folgejahres freudvoll verbracht... Dreimal, viermal die Woche haben wir uns verabredet, sind in KUNSTsammlungen, Theater, Kinos gegangen, haben im Cafféehaus fröhliche Gespräche geführt und sehr viel dabei gelacht. Wir beide haben gern Menschen und kleine Alltagsereignisse beobachtet... im (gewiß net von jeder Arroganz freien) Bewußtsein, daß diese wie jene stets, wenn wir nur genau hinschaun, eine leicht amüsante Componente aufweisen. Meine parodistische Begabung (die wohl auch dafür ´verantwortlich´ ist, daß ich Sprachen leicht erlern, und zwar mit der richtigen Phonetik) hat bei meiner Freundin oft für Heiterkeit gesorgt... und wir haben viel gemeinsam gelacht. =

Zum AUFERSTEHUNGSFEST 1968 hat Julia das Langersehnte geschenkt bekommen. Ihre Mutter hat sie mitgenommen zu jenem Schuhekünstler in der engen Gasse... vor dessen Auslage meine schöne Cameradin und ich dereinst das erstemal gemeinsam Nadlabsatzpömps beäugt und freudig commentiert haben.

Fortsetzung folgt.
27.11.2016 um 23:07 Uhr

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Folge neunundsiebzig.

Es waren die himmlisch traumhaft schönen Schuhe in Dunkelblau, mit raffiniert~elegant offenen Seiten, besonders spitz und weit zehenansätzefrei décolletiert, auf extradünnen ölf Centi hohen berauschend geschweiften Nadlabsätzen... wie in unsrer Folge fünfunddreißig ausführlich beschrieben und in achtunddreißig nochmal kurz gestreift... bloß net aus Schlangenleder, vielmehr aus feinem, weichem Glattleder. Das war Julia auch lieber so, denn sie hatte eine Aversion gegen Schlangen... obschon wir beide in einem Chinesischen Schlangenjahr zur Welt gekommen sind. Gleich am näxtn Tag hat mir meine schöne Freundin ihre verstandzerreißend eleganten Elfchentraumpömps vorgeführt... sie sind ihr absolut unbeschreiblich gut gestanden!! Infolge der beidseitigen Gelenk= Offenheit der bezaubernden Schuhe konnt ich zwischen den Decksohlen und den féeenhaft hochgewölbten Füßchensohlen Julias hindurchschaun und hab jede ocassio ergriffen, dies zu tun. "Gehn wir ins MAK!", hab ich proponiert. "So viel Steinboden oder gar Marmorboden wie dort gibt´s net in vielen Museen..." Meine Julia hat wissend gelächelt. "Du magst das Klickklicken auf dem Stein, L! Was soll ich Dir sagen... ich auch! Das ist irgendwie... jetzt krieg keinen Schreck net, L. ... Du Lieber... Also: das ist irgendwie selbsterotisierend..." Ich hab dies Wort auf Julias Mund als befremdlich, höchst ungewöhnlich gefunden; sie hat es mit lockerem Selbstbewußtsein ausgesprochen, aber als sie gemerkt hat, daß ich es als überzogen empfunden hab (für mich war´s noch zu früh mit solchen Begriffen), ist sie rot geworden. Doch gleich haben wir wieder gelacht = Im MAK ist meine elegante Freundin höchst anmutig neben mir geschritten auf ihren Sylphidenpömps, die Metallspitzen ihrer Nadlabsätze haben hell und fröhlich geklungen auf dem antiken Marmorboden des wunderschönen Ferstel~Baukunstwerks.

Fortsetzung folgt.
03.12.2016 um 01:25 Uhr

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22 Stimmen

Folge achtzig. Darauf trinken wir gleich einen.

Diese absolut himmlischen Féeenköniginnenschuhe; und das heitere Absätzeklicken!! Ich hab meine Julia kosmisch beneidet um ihre Schuhe... Und noch mehr darum, daß sie auf ihnen schreitet!! Ich hatte keine Gelegenheit mehr, mit ihr gemeinsam fröhlich zu stöckln, denn an meine langen Füße der Nummer 44 haben keine Nadlabsatzpömps mehr gepaßt. Hab mir überlegt, zu ´unserm´ Schuhekünstler in jener engen Gasse zu gehn und mir das gleiche Paar wie Julias in meiner Größe zu bestellen. Aber inzwischen habe ich erfahren, daß die Pömps in jener Werkstatt erheblich teuer waren und meinen Börslinhalt preismäßig überschritten haben. Zudem, dies muß ich einräumen, hätt ich mich wohl, trotz meiner in vielen Sachen bezeigten Non~chalance [oder Kaltschnäuzigkeit, wennst Euch dies Wort lieber ist] net so recht getraut... der Stöckelschuhekünstler und wahrscheinlich noch mehr die allfällig anwesenden Kundschaften hätten teppert geglotzt beim Vernehmen meines Anliegens. "Julia... ich beneid Dich ganz unsäglich um Deine Träumchenschucherl..." Meine Elfenkönigin hat wieder anmutig gelächelt. "Kann ich mir denken, L. Und es Dir nachfühlen. Hab beinah ein schlechtes Gewissen... ich darf diese himmlischen Traumdingerl tragen... und Du... hm... Wenn ich nur wüßt, wie ich Dir helfen könnt... Nadlabsatzpömps in 44 gibt´s net... sonst könnten wir uns was einfallen lassen, Du armer Kerl mit Deinen ungewohnten Flachlingen." "Ja...", hab ich geknurrt. "Bin froh darüber, daß ich so lang geworden bin... aber ich bin jetzt dazu verdonnert, mit diesen Flachlingen zu stampfen wie eine Kreuzung aus Erpl und Brummbär... pfüüüh... ich schau mal nach zumindest mittlhohen Blockabsatzstiefeln... besser denn nix..."

Hab noch eine Weile umhergeschimpft über die Tscherfl, die die sogenannte Mode und die nahezu alles beherrschende conventio uns masculinen Menschen rigoros aufdictieren... und auch darüber, daß mir wegen dieser Flachtreter der Rücken weh tut... und ebenso über eine viel zu sehr eingeschränkte FREIHEIT des Individuums. Julia hat mich mitfühlend in ihre Arme geschlossen hinter einer der großen Säulen in der weiten Mittelhalle des Museums... das war sehr schön, und wir haben gleich über fröhliche Dinge geredet. = Ich hab meine liebste, bezaubernd schöne Freundin noch oft begleitet, hab an ihren sehr schönen, zarten Sylphidenfüßchen die phantastisch feschen Nadlabsatzjuwelen oft freudig beäugt... Und hab gedacht, es bleibe immer so, mit dem wichtigen Unterschied aber, daß ich in naher Zukunft auch auf eleganten, feinen Pömps, auf steilen, dünnen Fersenstäbchen neben Julia in den KUNST~ Sammlungen schreiten würd... Hab deswegen wieder mal meine zuständigen HEILIGEN angefleht und war mir sicher, daß sie mir beistehn. {Doch diesmal haben sie mich recht lang warten lassen... und die Art der Erfüllung ist ein bis heut ~ und hoffentlich noch recht lang ~ währendes jahrzehntelanges Riesenabenteuer.}

Eines kühlen Nachmittags, mehrere Monate nach unserm MAK~ Besuch, ist Julia ungewohnterweis auf braunen Trotteur=Pömps erschienen, auf mittelhohen Blockabsätzen... und mit einem sehr ernsten Gesichtsausdruck. "Gehn wir in die Aida, L." Sie hat a bissl heftig ein= und ausgeatmet. Ich hab geschwiegen, denn ich hab intuitiv etwas Unbestimmt=Bedrückendes empfunden.

Fortsetzung folgt.
03.12.2016 um 02:19 Uhr

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00 Stimmen

Fortsetzung folgt in Bälde.

Gfrei mi' scho' drauffe.

War kurzzeitig acut krank.

Hab momentan sehr viel auf dem Löwenhals hier im KUNSThaus.

Gesegnete Adventuszeit!

Euer

L.
13.12.2016 um 21:40 Uhr

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Benevolente Leserschaft!

Ich hatt sehr viel Gelöw in den Festwochen. Hab dann eine verschleifte influenza auscuriert, dann war das KUNSThaus eine Weile gesperrt, und ich bin an den Rechner net herangekommen. Aber jetzt schreiben wir. GESEGNETES JAHR MMXVII IN CHRISTO!

Folge einundachtzig.

Julia war wortkarg und hat an unserm gewohnten Tisch in der Aida etwas nervös mit dem Löffel gestochert im Maronireis mit Schlagobers, unsrer absoluten Lieblingssüßspeis, die es in den Aida=Häusern nur in den kühlen Monaten gibt. Ohne den Grund zu wissen hab ich gespürt, daß es jetzt net angemessen sei, eloquent draufloszuanekdotisieren... und hab geschwiegen, ins metallene Dessertschalerl guckend. "L. ... es ist so...", hat sie langsam und leis begonnen, "daß... wir uns bald net mehr sehn." Ich hab den Sinn ihrer Aussage erst einmal nicht verarbeitet... obschon ich derartiges geahnt hatte. "Mein Vater... Du weißt, er ist Culturingenieur... nun, er hat sich wieder um einen Auftrag bemüht irgendwo weit weit weg... in Afrika... und hat ihn bekommen. Für zwei Jahr´ erst einmal." Es war mir immer noch net recht bewußt, was das bedeutet, und hab meine schöne Freundin verständnislos angeglotzt. "Oh, L. ... Lieber L. ..."... Julias reizende, sonst immer fröhliche Augen wurden feucht. Ich konnt nichts sagen... hab beide Hände meiner Herzenscameradin erfaßt... hab dann unwillkürlich und langsam meinen Kopf geschüttelt. Nach einer Weile hab ich ein Lächeln versucht. "Reden wir net davon... nützen wir die Zeit, die noch bleibt, fröhlich, wie immer... Wann gehts Ihr..." "Zum Jahreswechsel", hat Julia erwidert; "Oh L. ... Du bist lieb..."

Fortsetzung folgt.
04.01.2017 um 01:04 Uhr

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Folge zweiundachtzig.

Julia und ich haben beschlossen, daß wir nicht über die uns bevorstehende Trennung reden. Es war Mitte September, also sind uns bis zum Jahreswechsel dreieinhalb Monate des fröhlichen Zusammenseins geblieben. Meine schöne Freundin und ich, beide vom heiteren Charakter, haben uns anfangs etwas schwergetan mit dem Verdrängen des Freudlosen, unsre Lächelmünder haben gewiß etwas gekünstelt gewirkt... doch langsam haben wir dieses bedrückende Gefühl abgestreift, mit dem Leitsatz: machen wir das Beste aus der Lage. Wir haben viele KUNSTausstellungen besucht ~ WIEN ist hierin unschlagbar, vor allem im Herbst... es sind so viele, daß wir KUNSTliebhaber der Offerte kaum nachkommen ~ . Julia ist, um mir und sicherlich auch sich selbst eine Freude bereitend, meist auf ihren märchenelfentraumhaft eleganten dunkelblauen Nadelabsatzpömps gekommen [sh. Folge neunundsiebzig] zu unsren Verabredungen. Der Herbst ist vorangeschritten, und als es deutlich kühl und regnerisch geworden ist, hat mein liebes Freundinchen Ihre Traumpömps in einem Stoffsackerl mitgebracht und hat an der Garderobe die Schuhe gewechselt. Ich hab ganz= ganz sehnlich gewünscht, daß ich das auch könnt... doch Nadlabsatzpömps in meiner Größe hab ich immer noch nirgends entdeckt... oder soll ich sagen: ausgeforscht... obschon ich extrig zu diesem Behufe jeden erdenklichen Flohmarkt aufgesucht und gründlich inspiciert hab. Wenn ich manchmal doch daran gedacht hab, daß meine Julia bald sehr=sehr weit von WIEN entfernt leben werde, dann hab ich mir gar paradoxerweis gewünscht, daß sie sogenannte ´sportliche´ Schuhe tragen mög... damit der Abschied net gar so schwer falle... aber das hab ich ihr net gesagt. Denn... offen gesagt, ich konnt mich net sattschaun daran, mit welch blumenelfenhafter, schweberischer Eleganz meine bezaubernde Herzenscameradin auf ihren verstandzerreißend schicken, supraspitzen Nadlabsatzpömps geschritten ist... hell und munter klickklickend auf dem Steinboden des Museums. Oft hab ich es benützt, daß mich ein KUNSTgegenstand im besonderen Maß attrahiert hat ~ es gibt unzählige solche in den sehr reichhaltigen Sammlungen ~, hab mich einige Meter von Julia entfernt... hab aber net nur das KUNSTobiectum, vielmehr auch die wunderschönen langen Beine und die phantastisch eleganten nadlabsätzigen Nymphenfüßchen meiner anmutigen Freundin wonnig beäugt.

Fortsetzung folgt.
05.01.2017 um 01:40 Uhr

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00 Stimmen

Folge dreiundachtzig.

Die Wochen sind schnell, zu schnell verstrichen. Im Spätherbst hab ich Julia in die Oper eingeladen... Keine Prosceniumsloge, keine erste Reihe, denn dies wär für mich ohne Bankraub kaum erschwinglich gewesen, aber auch kein Stehplatz... Zwei Sessel im Mittelfeld, von wo aus wir noch gut schaun konnten = um maßvolle Preise. Es gab eine meiner {seit einem halben Jahrhundert immer noch} beiden Lieblingsopern: Mozarts Zauberflöte. {Diese und Rossinis Barbiere di Siviglia sind gemäß meiner subiectiven Ansicht die beiden besten Opern aller Zeiten... und, was für mich und meinen Charakter wichtig ist: fröhlich... denn mit tragischem Zeug, wo die Liebenden abkratzn, kann man mich jagen.} Ich hab mich ganz festlich angezogen = leider immer noch nadlabsätzelos, denn kein Stöcklpömpsfabricant hatte an mich gedacht... Doch immerhin hab ich ein Paar schwarze slippers getragen auf sechs Centi messenden Blockabsätzen... gewiß besser als die affigen Erpl= Flachlinge = und hab meine Freundin abgeholt. Sie hat schicke braune Kurzstieferl getragen, auf Absätzen wie die meinigen. In der Hand hat sie munter ein Stoffsackerl geschwungen... in offensichtlicher Freude daran, daß sie die drin steckenden Traumelfchenpömps gleich an ihre schönen Füßchen streift. = Im Opernhaus haben wir unsre Mäntel abgegeben... Julia hat ins Sackerl gegriffen... und... statt der erwarteten dunkelblauen spitzen Zauberpömps ein Paar himmlisch~phantastisch schöne, feine Sandaletterl herausgeholt, in Mattsilber, mit Dreizehen= Freiheit, offenen Seiten und schicken Fersenslings. Die elegant gerafften Ballen=Oberteile waren so gestaltet, daß sie sich zur Mitte hin stark verengt haben, so, daß sie jeweils über dem Ansatz der zweiten Zehe nur cca anderthalb Centi breit warn, den Eindruck erweckend, daß die Lederstreifen mittlig um hundertachtzig Grad gewendet worden seien. Und... diese Elfenköniginnenträumchen auf stolzen 114 mm steilen elegant geschwungenen Nadlabsätzen, die dünner waren als handelsübliche Bleistifte!! {Woher ich die Höhe der Fersenstifte so genau weiß, sag ich später.} Meine Julia hat sich die wunderbaren Schucherl an ihre schönen, hauchdünn bestrumpften Füßchen gestreift, offenbar hoch erfreut. "Diese Traumdingerl hab ich grad in einem Gebrauchtkleiderladen gekauft... an der Josefstädter Straße", hat sie erklärt. "Hab sie dort vor Wochen schon gesehen in der Auslage... bin oft hingegangen, um sie mir anzuschaun... dann ist Deine Einladung gekommen, und ich hab gedacht... na, Du weißt schon... zum Glück warn sie heut nachmittag noch da! Leicht gebraucht, aber das macht nix. Sie passen absolut perfect. Und... spottbilllig hab ich sie bekommen!"
06.01.2017 um 02:23 Uhr

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11 Stimme

Folge vierundachtzig.

Meine zauberhafte Begleiterin hat das Stoffsackerl, nunmehr mit den Kurzstiefeln drin, der Garderobenfrau übergeben... und nun hat´s geheißen: Auf in das künstlerische Vergnügen! = Die Silbernen Soirée~Sandaletterl haben unbeschreiblich gut und elegant ausgeschaut an Julias gepflegten Elfchenfüßlis, sind ihr ausnehmend gut gestanden und haben perfect harmoniert mit dem königsblauen wadenlangen Abendkleid meiner schönen Freundin. Eines der elegantesten Schuhe~Paare, die ich jemals gesehn hab!! Wir haben sehr gut ausgeschaut zusammen... traumpaarhaft... und haben uns, da beide zur Selbstgefälligkeit tendierend, in fast jedem großem Wandspiegel diskret angeglotzt. Des öftern hat man sich nach uns umgedreht... uns gewiß älter und reifer haltend als wir warn. = Die Vorstellung war wunderbar, schwungvoll dirigiert, wenn ich mich recht entsinn, von Professor Wilhelm Loibner. [Pardon... vorhin hab ich mich verlöwt... es war doch net die Zauberflöte, es war der Barbiere di Siviglia! Mein Gedächtnis...] Am liebsten hätten wir nach dem Finale das phantastische, furiose Musikwerk noch einmal von vorn angehört und angeschaut! Figaros Eintritts=Cavatine... Großartig!! Aufregend!! Es war einer der schönsten Abende meiner Frühjugend... gefehlt zum irdischen Paradies hat wirklich nur ein Paar spitze Nadlabsatzpömps ~ für mich. = Glücklich und in künstlerischer Katharsis hab ich meine anmutige, elegante Herzenscameradin heimbegleitet... und hab nachher in meinem Zimmer lang von ihr ´wachgeträumt´...
06.01.2017 um 03:00 Uhr

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22 Stimmen

Folge fünfundachtzig.

Fünf Wochen... nur kurze fünf Wochen... und unser letzter gemeinsamer Nachmittag war da, zwischen CHRISTfest und Sanct Silvester 1968. Julia und ich haben uns nur kurz getroffen... denn wir wollten bewußt keine ´Große Abschiedsceremonie´ abhalten. Wir haben dies beide so empfunden, ohne es ausgesprochen zu haben. Wir sind noch einmal in die Aída gegangen, um ein Schalerl Schokolade zu trinken... das wonnevoll durchwärmende Getränk im sehr kühlen December. Wir haben net viel geredet... das Wortkargsein, das Beinah=Schweigen hat mehr gesagt als lange Erörterungen und Zurückdenk=Schwelgereien. Ich hab Julia eine kleine Schachtel überreicht, über die Tischplatte geschoben. Den Inhalt hatt ich wenige Tag´ zuvor erstanden, ein liebes kleines Löberl {Löwchen} aus Massiv~Silber, am Anhänger~Ring. Die nette Dame, die mich kannte, die Inhaberin eines kleinen Antiquitäten~ Geschäfts an der Burggasse, hat mir das liebe Löwli um einen symbolischen Preis überlassen, nachdem ich ihr darzööt [erzählt] hab, zu welcher Gelegenheit ich es brauch. {Solche Geschäfte gibt es an der Burggasse immer noch... wenn jemand hineingeht, ist er zunächst verschreckt von der Riesenfülle von Gegenständen im malerischen Hyperchaos... Gleichwohl kann dort der Sammler von KUNST und curiosa oft die eine oder andre occasio einheimsen. In manchem Laden werden, wie ich das nenn, fast täglich regelrechte ´Grätzl=Conferenzen´ abgehalten, Bekannte aus den nahe= gelegenen Häuserblocks treffen sich dort zum Tratsch... typisch WIENerisch.} Julia hat das Schachterl aufgemacht... "Oh L. ... das ist sehr lieb... das Löberl wird mich immer begleiten..." Dann hat meine Freundin ins Stoffsackerl, das sie dabei hatte, gegriffen und mir eine größere Schachtel überreicht, mit breitem blauem Seidenband, zum decorativen Ziermascherl geknotet, verschnürt. "Mach´s erst daheim auf, wenn Du allein bist", hat sie geheimnisvoll gewispert. = Ich hab Julia heimbegleitet... Wir haben uns umarmt nach der Art "Sag zum Abschied leise servus", so, als ob wir uns nächstentags wieder träfen... doch es war uns beiden bewußt, daß wir uns in diesem irdischen Sein, zumindest im Band der Herzenscameradschaft, nicht wiedersehn.

Fortsetzung folgt.
06.01.2017 um 17:20 Uhr

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22 Stimmen

Folge sechsundachtzig.

Ein wehmütiges Nachklappern... auf klickklickenden Nadlabsätzen.

Plötzlich bin ich ohne meine liebe, vertraute Freundin dagestanden, irgendwie ahnend, daß ich längere Zeit keine Herzenscameradin finden werd. = Daheim, in meiner Stube, hab ich aufgeregt das Paket aufgemacht. Es warn die wunderbar feschen Sandaletterl in Mattsilber drin, die Julia bei unserm letzten Opernbesuch getragen hat. Dabei ein kurzes Briefchen... mir alles Schöne fürs weitere wünschend... und mit dem Anliegen, daß wir einander besser net schreiben sollten, um die Trennung nicht noch schwerer zu machen, zumal es eine zeitlich greifbare Begegnung wohl net geben werde. = Die himmlischen Silberschucherl!! Ich hab sie aufbewahrt; heut, fast ein halbes Jahrhundert später, haben sie

Sammlerwert. In der Leoniana, unsrer imposanten Privatbibliothek, steht eine hölzerne Büchereileiter; auf ihren Stufen ist eine kleine ständige Stöckelschuhe~Ausstellung. Da sind die Lieblings~Slings meiner MUTTER, das Paar aus Riesenschlangenleder, das sie noch mit über Achtzig freudig getragen hat... ich hab über diese feschen Schucherl berichtet in Folge achtunddreißig. Da sind auch die niedlichen weißen Hochzeits~Nadlabsatzpömps meiner sel. ersten Frau. Da ist auch ein rasant elegantes schlichtes, schwarzes, spitzes Classique~Pömps~Paar auf 116 mm steilen extradünnen Nadlabsätzen, von einer lieben ´alten´ (bei Damen paßt dies Wort net gut) Freundin, einer bekannten Malerkünstlerin mit kleinen, zarten Füßchen, für die solch lange Fersenstäbchen riesig hoch sind; wir haben uns seit zweieinhalb bis drei Jahrzehnten net gesehen (mag jetzt net nachrechnen...], schreiben uns aber mit einiger Regelmäßigkeit; seit Jahren reg ich an, daß sie mich in WIEN visitieren mög, zum gemeinsamen Extrahochstöckeln in vielen KUNSTsammlungen und in der phantastisch eleganten Inneren Stadt ~ die fesche Dame, über die ich hier auch mal berichten könnte, ist gewillt, gleichwohl haben wir´s immer noch net verwirklicht. Und da sind auch die märchenhaften mattsilbernen luftigen Elfchenköniginnen~Slingsandaletterl, auf 114 cm steilen stricknadeldünnen Fersenstiften. Unsre gelehrten Besucher bitten mich hie und da, ihnen die Leoniana vorzuführen... sie achten brav auf die Bücher; zur Stöcklschuheausstellung hat noch keiner Stellung genommen.
07.01.2017 um 01:02 Uhr

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Folge siebenundachtzig.

[Chronologisch weit vorgeschoben.]

Ein einziges Mal haben Julia und ich uns wiedergesehn. Wir warn beide um die Dreißig; ich hatt zuvor in Bad AACHEN Linguistik studiert, Julia, wie ich es dann erfahren hab, hat das gleiche absolviert in WIEN. Es war ein Linguisten=congressus in München. Als ich die Teilnehmerliste überflogen hab, ist mir der Name sogleich aufgefallen: Frl. Mag. Julia v. B. Ich konnt es kaum fassen... Gründlich um mich schauend hab ich die lange, schlanke, hochelegante Gestalt meiner Frühjugendfreundin schnell gesichtet und bin, ganz seltsam aufgeregt, auf sie zugegangen. Sie mochte wohl meinen Namen auch gelesen haben, denn sie war kaum erstaunt, als sie meiner gewahr wurde. Da sind wir einander gegenübergestanden, nach gut zehn Jahren, und haben uns angelächelt. Am liebsten hätt ich Julia = ´meine´ Julia! = fest in die Arme geschlossen, unter manch Freudentränen... aber es ging irgendwie net. Sie war schöner denn je... die selbstbewußte, berufstätige Dame in ihrer reifen, attractivsten Jugend. Sie hat ein blaues, weiß abgesetztes Chanel=Costüm, dazu zartblaue feine Strümpfe getragen und hatte an ihren schmalen Elfenfüßchen ein Paar wunderschöne spitze blaue Pömps mit frechen weißen Ziermascherln über den Vorderblättern, auf suprahohen weißen Nadlabsätzen. Ich selbst hab einen grauen Zweireiher= Flanellanzug angehabt, dazu dunkelbraune, sehr elegante Pömps mit V=Ausschnitt, auf acht Centi hohen Stiftabsätzen, einige Jahre zuvor in Düsseldorf erworben. Am Abend, nach dem Dienstlichen Teil des congressus, sind Julia und ich speisen gegangen. "Den lieben silbernen Löwen hab ich selbstverständlich noch", hat sie leicht wehmütig berichtet, "er ist in der Vitrine, wird gepflegt und geputzt...". "Ich hab die schicken nadlabsätzigen Slings auch", hab ich erwidert, "sie haben einen Ehrenplatz in meiner Wohnung; auch die zartgrüne Schachtel mit den grünen Blümerln drauf hab ich aufbewahrt... und... Du hast phantastisch schöne Schuhe, wie immer!" "Deine gefallen mir auch... stehn Dir gut", hat Julia entgegnet, "kommst klar mit den Reactionen der Mitmenschen, die wohl net immer freundlich sind?" "Ja...", hab ich geantwortet. "Ich ignorier die blöden Bemerkungen, die doch schon mal kommen. Aber ich erhalt auch viel gute Würdigung, grad von den nettesten Damen." Julia hat gelächelt: "Zauberschuhe..." = Sie hat berichtet, daß sie verlobt sei. Sie war in einer Botschaft zu WIEN tätig als Sprachkundige = und seit einigen Jahren mit einem englischen Attaché, einem Cambridge=Absolventen aus vornehmer Familie verbandlt. Ich selbst konnt nur mit einer lockeren Verbindung aufwarten zu einer auffallend attractiven 180 Centi langen Rheinländerin, einer fröhlichen Regierungsoberinspectorin, mit Vorliebe für schicke Stöcklpömps. Heiraten wollten wir net, die gewiß sehr schöne Dame, wohlgemerkt etwas rechthaberisch und überempfindlich, war auch net meine oberste Wunschcandidatin. Julia und ich haben unsre Anschriften getauscht und haben vereinbart, einander gelegentlich zu schreiben. Ich hab meine Frühjugendfreundin in ihr Hôtel begleitet, wo wir an der Bar noch einen Martini [ohne Eisstücke, bittschee! die Verwässerung ist eine arge Unsitte...] als Drüberstrahrer [WIENerisch für Abschlußbecher] getrunken haben. Wir haben uns sanft umarmt... und ich bin zu Fuß den langen Weg in meine kleine Pension geschlendert, ganz seltsam, mit Worten kaum beschreibbar, aufgewühlt.
07.01.2017 um 02:06 Uhr

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Folge achtundachtzig.

Etwa zwei Monat´ später hab ich Julia eine lange Epistel geschrieben... in der Manier, wie ich Briefe zu gestalten pfleg: mit Füllhalter, schwungvoll~kalligraphisch, mit lustigen Illustrationen jeweils in einem unteren Eck des Bogens. Kurz darauf war die Antwort da... und das ist der schönste Brief, den ich je von einer Dame erhalten hab. ~ Abgesehn von meiner wunderbaren MUTTER; denn liebende Mütter sind immer eine Kategorie für sich. ~ Julia hat freimütig geschrieben über ihre schönen Gefühle für mich in unsrer Frühjugend... Weiters hat sie berichtet, daß sie all die ~ wie sie sich ausgedrückt hat ~ Hunderte von kleinen lustigen Briefchen aufbewahrt hat, die ich ihr (verbotenerweis, aber der Herr Professor hat mich niemals dabei erbleckt) im English Course während des Unterrichts geschrieben und diskret=verstohlen zugesteckt hab... [möglicherweis waren sie tatsächlich von dreistelliger Anzahl... ich weiß es net mehr], und daß sie diese kurzen Texte gelegentlich durchliest und jedesmal fröhlich lacht über all meine Schrägheiten, Wortverdrehungen, Persiflagen... Weiters, daß sie ganz schön eifersüchtig war, wenn ich hie und da die hübsche Tennis=Andrea doch mal angeschaut hab. Und noch anderes, sehr Schönes... Mein Herz hat vor Freude heftig geschlagen... Julia hat mich dereinst zärtlich... GELIEBT... so wie ich sie. Im Briefschluß hat sie angeregt, daß wir unsre Correspondenz fortführen. = Ich hab wieder einige Wochen gewartet, um net gleich aufdringlich zu wirken. In meinem zweiten Brief hab ich mich ebenso freimütig wie sie bekannt zu den beglückenden Empfindungen, die ich in jenen Frühjugendjahren für mein schönes, nadlabsätziges Freundinchen gehegt hab. Im Eck des Bogens hab ich die ganz niedlichen kleinen Stöcklschucherl zeichnerisch festgehalten, auf denen Julia erschienen war, als ich sie das erstemal gesehn hab im English Course: die herzig feschen rot=weißen Pömps auf schicken Absätzchen [sh. unsre Folge zweiunddreißig]. = Diesmal hat es etwas gedauert, bis Julia geantwortet hat. Sie hat sachlich berichtet, daß sie ihre Verlobung gelöst hat; der englische Diplomat ist nämlich im Lauf der Zeit (wörtlich) "unerträglich langweilig" geworden. Weiters hat sie dargelegt, daß ein gutausschauender Leitender Redacteur einer bekannten Tageszeitung seit langem beharrlich um sie wirbt... "Nun verdient er eine Chance", hat Julia erklärt. = Das war ein Stich in mein Löwenherz. ´Und ich? Was ist mit mir... Verdien ich denn keine Chance...´ hab ich wehmütig gedacht. ´Bin ich denn kein ernstzunehmender Candidat für Julia... Wohl net, als nachtactiver schräger Künstler, als ´Drahrer´ [WIENerisch, eher rügend], der die Hackn [Arbeit] gewiß net erfunden und fast nur Freude, Feier, Fröhlickeit im Kopf hat...´ Sicher... Julia hat im schönen WIEN gelebt, und ich hab seit 1969 im ebensoschönen, gleichwohl viel kleineren Bad AACHEN residiert, das sind tausend Kilometer, recht genau; und wir waren gesellschaftlich eingebunden in unsern jeweiligen Wohnort... aber ich wär gern nach WIEN zurückgekehrt.

Fortsetzung folgt.
08.01.2017 um 02:08 Uhr

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22 Stimmen

Folge neundundachtzig.

[Vorgreifend... ob Julia wirklich so gedacht hat, hab ich nie erfahren. Jedenfalls hab ich mit schönen Damen des öftern ähnliche Erfahrungen gemacht. Wirklich gute Frauen wie auch potentielle Schwiegermütter pflegen eine Absicherungsmentalität. Yvette, die attractive Rheinländerin, siehe Folge siebenundachtzig, hat mich hierüber decidiert aufgeklärt, als wir unsre mehrjährige Herzensliebelei in eine ewige Cameradschaft (die nach wie vor besteht) umgewandelt haben. "L... Du bist nett, Du bist höflich, bist elegant, siehst gut aus, bist hochgebildet und immer fröhlich... aber Du bist ein Nonconformist, Dir sind Job und Geld unwichtig, Du lebst nicht nach Regeln... und mit Dir fällt frau nur auf, überall. Mal angefangen mit Deinen heißgeliebten Bleistiftabsatzpömps! Sie stehn Dir sehr gut, Du bist, wie ich denk, der einzige Mann, der die Dinger wie selbstverständlich tragen kann... und wie gut Du drauf läufst... da wird jede Frau neidisch! Also, L. ... nimm´s mir nicht übel... die Frauen verlieben sich in Dich, weil Du was Extravagantes bist... und vergessen Dich nie, wie denn auch... Aber bis Dich eine heiraten will! Da wirst Du seeehr lang warten müssen..." Yvette hat recht behalten... ich war dreiundvierzig, als ich meine erste Frau geehelicht hab.} = = =

Julia war also vergeben. Ich hab ihr wieder geschrieben... aber hierauf hat sie niemals geantwortet. Irgendwann hab ich gehört, daß sie ihren sehr gut verdienenden Redactions=Ressortchef, Doktor T., tatsächlich geheiratet hat. Das ist nun gut dreißig Jahr´ her. Inzwischen ist das Internetz=Zeitalter ein= und ausgebrochen; ich schlag gelegentlich nach in der Suchmaschin´... aber keine Silbe von Julia, fast undenkbar in dieser gläsernen elektronischen Gegenwart... meine Frühjugend~Herzensdame ist verschwunden. Ein Stüberl in meinem Herzen gehört für immer ihr... und ich träum gelegentlich von ihr, schlafend oder wachend, etwas sehr Schönes, Beglückendes, Herzbewegendes... in WIEN, inmitten von KUNST, wir beiden elfenhaft schwebend auf zauberhaften suprahohen, extradünnen Nadlabsätzen...

Fortsetzung folgt.
08.01.2017 um 02:47 Uhr

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00 Stimmen

Folge NEUNZIG. A Wääßgspritztn drauffe. Ich hab grad ein Paar sehr schicke Schuhe im Fuchzigerjahr´stil an, in schwarz=weiß= Lack, mit langen, scharf=spitzen Vorderblättern, auf 131 mm hohen, gerade geformten (´flare=heels´ nennt man das wohl) dünnen schwarzen Bleistiftabsätzen. Eine berückende wie auch rückenstreckende Freude, darauf zu schreiten!! Drauß ist arger Winterniederschlag... aber das schreckt ´n needle heels addict net!

Wenn nicht Julias Vater die Trennung bewirkt hätte, dann wär es sicherlich m e i n VATER gewesen. Anno 1969 ist er einem akademischen Ruf in eine Rheinische Großstadt gefolgt. Hierüber präciser, wennst Ihr dies wünschts. So gestattet mir folgendes.

Benevolente Leserschaft! Ich dank Euch löwenherzlich dafür, daß Ihr mir die literarische Treue gehalten habts. Hiermit ist der Erste Teil dieses Bücherls fertig. Meine Kindheit, meine Frühjugend, sind abgeschlossen. Zehntausende von kleinen wie großen Abenteuer sind auf jene gefolgt... Ich kann darüber gern berichten, in einem Zweiten Teil, einem Dritten... weiß net, wieviel es werden können.

W e n n s t Ihr fröhlich weiterlesen wollts, schreib ich heiter fort.

GESEGNETES JAHR IN CHRISTO MMXVII!

Und... auf steilen Nadlabsätzen, p r o s i t !!

+++++++++++++++++++++++++++++++++++

Fortsetzung folgt... wenn gewünscht.
08.01.2017 um 03:12 Uhr

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33 Stimmen

Sehr geehrter Herr Löwe,

klar ist es gewünscht dass du weiter schreibst! Ich schau fast täglich rein um zu sehen ob es wieder eine Fortsetzung gibt! Ich liebe deine Geschichten!
08.01.2017 um 14:14 Uhr

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Ehemalige

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55 Stimmen

Sehr verherter Herr  Löwe,

Wir senden aus Paris sehr wundervolle Neu Jahrs Wünsche für 2017.

Das Sie Ihre Leidenschaft und die fortführung der sehr Liebevollen und auch wundervolle Gesichte weiter führen werden.

Wir wünschen Ihnen noch einen sehr Charmanten Wochenanfang und alles Herzliche für Sie.

Herzliche Stöckel Grüsse...
09.01.2017 um 08:51 Uhr

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22 Stimmen

Chère Madame,

Mesdames, Messieurs, mes Lecteures bienveillants!

Dank herzlich für die Ermunterung zum Weiterschreiben. Dies tue ich auch in Kürze freudig, muß nur vorher meine Gedanken ordnen. Ab nun wird´s schwieriger... und auch ~ humorig ~ gesellschaftskritisch, denn in der (sogenannten) Erwachsenenwelt gelten auf dem marmorbodigen (da macht´s so aufregend küp= küp...) Sector der steilhackigen Nadlabsatzpömps deutlich andere conventiones als im gutherzigen, behüteten Junioren=Carneval.

GESEGNETES JAHR!

Löwe.
09.01.2017 um 21:31 Uhr

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11 Stimme

In Kürze schreib ich weiter. Hab den Stoff in meinem Geist geordnet. Vorhin im Text, gleich in der Anrede, ist ein e zuviel; mes Lecteurs muß es sich lesen.

Löwe.
26.01.2017 um 01:58 Uhr

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11 Stimme

Folge einundneunzig.

Fangen wir nun fröhlich den ZWEITEN TEIL dieses Berichts an. Ich hab grad dieselben schwarzweißen Flare~Bleistiftabsatzpömps im Fuchzigerjahr´=Stil an wie in Folge neunzig... ohne Strümpfe, wie ich meine weit décolletierten Traum~Nadlabsatzschuhe am liebsten trag... in der frohen Erwartung, daß die zapfige Winterkälte nun überstanden ist. = Der ZWEITE TEIL dieses Bücherls bedarf einiger

Vorbemerkungen... Ihr mögt sie wohlwollend registrieren, ohn mich sogleich einen Wichtigmacher zu schelten.

Die hier nun nach und nach erscheinenden (wennst Ihr es wollts) vielen Folgen berichten über meine frühe und dann über meine immer noch andauernde reifere Erwachsenenzeit. All dies ist mit der unbefangenen, kindlichen, soll ich sagen: unschuldigen Sichtweise, die wir hier bislang gepflegt haben, nicht mehr zu beschreiben und zu würdigen. Der Erzählstil muß sich nun wandeln, wenn auch der leise HUMOR erhalten bleibt... oder sogar vermehrt wird. Die Geschichte wird nun fortgeführt in Bad AACHEN, der sehr schönen Rheinländischen Stadt, die zwar mit ihren cca einviertelmillion Einwohnern net zu den Riesenorten zählt, aber mit ihrer Historie und Cultur, ihrem Flair und Parkett den berechtigten Anspruch hat, als Großstadt zu gelten. Von der Kaiserstadt WIEN in die Kaiserstadt AACHEN... für dreißig Jahr´.

In den drei Jahrzehnten hatt ich es mit Tausenden von Menschen aus sämtlichen Gesellschaftlichen Schichten zu tun bekommen. Über sehr viele Begegnungen werd ich hier berichten, vorwiegend in der höheren socialen Stufe (Ihr merkts: hab bewußt net ´Classe´ geschrieben)... und hiebei müssen wir einen Umstand beachten. Manche ´Tonangeber´ jener Zeit haben in Bad AACHEN auch jetzt noch eine Stimme. Daher werd ich allermeist die Klarnamen net nennen. Aachener wissen so oder so, wer gemeint ist... und den Lesern aus anderen Orten kann das Erkennen blunzn sein. {Blunzn ist WIENerisch, powidl kann man auch sagen... manch Viennismen werd ich beibehalten, doch einige Aquisgranismen, Wörter aus der Oecher Platt, der Mundart AACHENs, werden auch durchklingen.} Wegen mancher Passage im Buch, welches ich zwischen unsern Folgen zwölf und dreizehn decent gestreift hab ~ es berichtet über die Geschicke einer schönen Dame und Nadlabsätzeliebhaberin in Bad AACHEN ~ hat es auch leichten Aerger gegeben... manche Persönlichkeit hat gemeint [gwiß... zu Recht...], sich im Buch trotz codierten Namens erkannt zu haben, was der Verbreitung des Werks eher abträglich war. Doch nun auf in die Löwen~Abenteuer!

Fortsetzung folgt.
31.01.2017 um 02:41 Uhr

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Folge zweiundneunzig.

Mein VATER, ein fröhlicher Universalgelehrter Alten Schlags, war eine Abenteurerseele. Hierzu kommt, daß er als großzügiger, freiheitlich denkender Grand Seigneur kleingewürfelte Streitigkeiten um den Bart Kaiser Franz Josephs sehr schwer ertragen konnte... Und solche waren in seiner Universität grad im Schwange. Er war daher oft verstimmt... Und als meine MUTTER gafragt hat, worum sich denn die Herren Professoren streiten, da hat er abwinkend erwidert: "´N´ Kiniglschaas... Mehr ist das net". [Für Non-Austriaken: der hörbare Darmwind eines Kaninchens.] Wenige Tag drauf hat mein VATER wieder gelächelt und am Morgen nach dem Frühstück ~ wie immer, mit Eiern und Tee ~ gesagt: "Searvuss... i geh wiada in des Kiniglschaas-Institut". Zum Dienst also. {Diesem schrägen Begriff respective einer Abwandlung hierzu werden wir noch begegnen.} Doch der Streit war weitergegangen; und mein VATER hat die FREIHEIT gesucht. Irgendwo hat er gelesen, daß in seinem Akademischen Fach jemand gesucht wird als Langzeit-Gastprofessor in irgendeinem arabischen Staat [die Bezeichnung weiß ich net mehr] = und nun war er enstchlossen, diesem Ruf zu folgen. Aber meine MUTTER hat sich ur=resolut, wie sollen wir´s nennen, quergestellt. "Bei den Arabern ist eine Frau nur ein Mensch sechster Classe!", hat sie argumentiert. [Das ist zum Teil auch jetzt noch so... Lests nach im Magazin für Politische Cultur titels Cicero... aber wir sind erst 1969...] Kurzum, sie hat sich geweigert, mitzugehn... und sie hat gesiegt, mein VATER hat das Vorhaben fallen lassen. Doch wenige Wochen hierauf ist die Kunde eingetroffen, daß in einer Rheinischen Großstadt eine Lehrstuhlvertretung verlangt wird. = Mein VATER hat mutmaßlich alle für ihn relevanten Ausschreibungen akribisch gelesen. = Meine MUTTER hat es wieder mit Gegenargumenten ad hominem probiert: "Einen Baum kann man net einfach so umpflanzen" und ähnlichem... aber diesmal hat sich mein VATER durchgesetzt. Er hat gesagt, er braucht eine neue Umgebung, neue Beschäftigung, andere Menschen, andere Freunde... sonst wird er trübsinnig und gemütskrank vom Gleichmaß und vom Gewohnten. {In speciali dies angehend bin ich meinem VATER net ähnlich... bin ein notorischer Gewohnheitslöwe.} = Im Frühsommer 1969 war es dann tatsächlich so weit. Ich muß einbekennen, daß mich, fünfzehnjährigen Buben ~ net weit entfernt von meinem sommerlichen sechzehnten Löwen~Geburtstag ~ das Abenteuer auch gereizt hat; ich war innerlich aufgeregt und voller Erwartungen... ohne konkret zu wissen, was ich mir erhofft hab. Möglicherweis hab ich mich auch gelangweilt und hab = verzeihts mir den sacrisch hochtrabenden Ausdruck = nach einem Sinn gesucht, seitdem meine schöne, hochhackige, immer fröhliche - hier muß ich schon sagen: ´einstige´- Herzenscameradin Julia geographisch net mehr erreichbar war. Demnach ist es mir net unangemessen schwer gefallen, vom lieben WIEN, der Stadt aller Städte, Abschied zu nehmen. {Ad marginem: viele Erwachsene hatten und haben ein zwiegesichtiges Verhältnis zu ihrer, unsrer, Vaterstadt WIEN... hörts Euch mal den Cabaret=Künstler Severin Groebner an... oder lests Jörg Mauthe... die causa ist schwer zu expliciern... ich probier´s ein andermal.} So ist die Colonne der riesigen Möbelwagen, gesteckt voll mit unserm Hausrat, losgerollt... und meine Eltern wie ich hinterher, im Wagen meines VATERS, einem blauen Ford=Consul...

Fortsetzung folgt.
05.02.2017 um 23:29 Uhr

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Folge dreiundneunzig.

Mein VATER hat seine akademische Lehrtätigkeit in der rheinischen Großstadt aufgenommen... hat sich aber mit seiner Familie nicht dort, sondern in der benachbarten Kaiserstadt AACHEN wohnlich

niedergelassen. Der Grund hierfür war die Aesthetik... wir haben die gemütliche Stadt am Dreiländereck als schön und einladend empfunden. Als dann zwei Semester später der Lehrauftrag beendigt war, hat mein VATER beschlossen, für immer in AACHEN residieren zu bleiben, hat sich selbständig gemacht und hat damit viel Göld verdient. Vorgreifend: In der ehrwürdigen Stadt Carls des Großen hat er, ebenso Carl mit Vornamen, zwanzig Jahr' später, gewiß viel zu früh, sein irdisches Leben friedlich und urplötzlich beschlossen, ohne jemals gefährlich krank gewesen zu sein. Ein schönes, fröhliches Leben... und auch, wenn das so gesagt werden kann und darf, ein ´schöner´ Abschluß ohne Leiden und Siechtum.

Mit der schönen, fröhlichen Stadt Bad AACHEN hab ich mich schnell angefreundet. Denn: Die österreichische und die rheinländische Mentalität haben Gemeinsamkeiten; die Heiterkeit, die Feierfreude, das relativ hohe Niveau von Toleranz wie Acceptanz = und eine gewisse Non=Chalance. "Vür nemme nüüß esue jenau", sagt der Aachener... weiters auch: "Jeck, loß Jeck elang" und "Mer moß jönne könne". Drei Maximen, die, von allen Menschen befolgt, ganz gewiß eine bessere Welt zeitigen würden. [Diejenigen unter meiner wohlwollenden Leserschaft, die bislang einige WIENer Ausdrücke aufgegriffen haben, werden demnächst auch mit der Oecher Platt ein kleinwenig vertraut werden. Wandlungsfähig...] Und noch etwas: Sowohl die WIENer wie auch die AACHENer haben die Arbeit ganz gewiß net erfunden. = Es hat mir nahezu alles gut gefallen in der Neuen Heimat = allerdings mit einer riesig großen Ausnahme. Ich mußte in ein öffentliches Gymnasium - denn Privatunterricht ist in den deutschen Landen grundsätzlich net statthaft, er ist gar ausdrücklich unerwünscht. In Österreich gibt es Unterrichtspflicht, seit 1774, durch Kaiserin Maria Theresia generell eingeführt; der ´Besuch´ einer Schule (a scheena B'suach! kann mir durchaus was Fröhlicheres vurstöön...) ist aber keine Vorschrift; man darf auch als ´Externer´ die obligatorischen examina aufsuchen und bestehn. In Deutschland gilt aber die Schulpflicht, präciser: die Schulbesuchspflicht, sogar in verschäfter Form: es gibt den Schulzwang, das heißt: vorsätzlich Zuwiderhandelnde dürfen obrigkeitlich, durch Vertreter der Executive, allfällig mit brachialer Gewalt in die Lehranstalt geschleift werden. [Diese Form gibt es meines Wissens nur in Deutschland und in der Slowakei... und ich bin dagegen, wie auch gegen JEDE Art von Z w a n g . Man kann hiervon halten, was man mag... und einige meiner Leser werden möglicherweis schimpfen... gleichwohl will ich ganz offen sein.] Ich bin also feierlich angemeldet worden in der guten Elite=Anstalt Couvengymnasium, der Kaderschmiede künftiger Ingenieure und Architekten... nota bene: bin aber doch Geistesgelehrter und Künstler geworden. Ich hatte bereits Erfahrung mit der öffentlichen Schule, denn als klaaner Bua hatt ich die vier Volksschulclassen in einer solchen absolviert; erst danach hatte mein VATER mich sechs Jahr lang privat, gewiß ganz und gar excellent, unterrichten lassen. Was mich am ´Besuch´ der Öffi=Schule am allerstärksten gestört, sagen wir es WIENerisch: aungfäult hat, das war das ungewohnte und tief verabscheute Frühaufstehnmüssen. Und nun war ich Obersecundaner... drei Jahr lang rigoros dazu verdonnert... oder soll ich gar sagen: verurteilt...

Fortsetzung folgt.
11.02.2017 um 00:11 Uhr

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Wollt weiterschreiben... aber die Maschin hat den schon fertigen Text weggekniept. Diese Rechner reagiern auf die zartesten Berührungen.
16.02.2017 um 19:12 Uhr

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Oh nein, das ist wirklich schade..

Der schöne Text...

Schade Schade...
16.02.2017 um 20:40 Uhr

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11 Stimme

Folge vierundneunzig. (Ob der Text schön ist... Kritik=Sache.)

Meine neuen Cameraden, fröhliche, aufgeschlossene rheinische Buben, haben mich schnell aufgenommen in ihre Gemeinschaft. Das Rheinland und seine Bewohner haben eine große, einladende Assimilationskraft. Will net unhöflich sein, aber im Gegensatz zu den etwas verschlossenen Hanseaten und den unter sich bleiben wollenden Menschen in bayrischen Kleinortschaften. Unsere Anstalt, das Couvengymnasium, war 1969 eine reine Bubenschule. (Anno 1818 gegründet als Baugewerkschule... tatsächlich... näxtes Jahr ist Zweihunderter=iubilaeum!... und öfters umbenannt, zuvorletzt in 'Hindenburgschule', doch ab 1945 war der greise Feldmarschall und Reichspräsident politisch net mehr conform; doch auf geschichtsphilosophische Geistesathletik laß ich mich jetzt net eini.) Angemerkt: Die ausgezeichnete Elite=Lehranstalt hat erst anno 1977 die Pforten für junge Damen aufgemacht, und da hatt ich längst meine Matura. Also: keine liebe, schöne Cameradin auf Nadlabsätzen in Sicht. Und noch etwas, zum Leidwesen aller needle heels addicts: superhohe, extradünne Bleistiftabsätze waren grad absolut unmodern und waren in keinem Schuhgeschäft vorrätig... und dies viele Jahre lang!!, hierauf kommen wir noch zurück. = Meine Cameraden haben oft gelacht über altösterreichische Worte und Ausdrücke, die sie zunächst net verstanden hatten... etwa wenn ich Plafoon, Mistschaufl, Topfn, Kaisersemml, Paradeiser, Greißler, Ribisl, Nachtmahl, Gretzl und ähnliches gesagt hab, wie nun mal gewohnt... und vom Herrn Classenvorstand gesprochen und diesen wie seine Collegen anständig, wie ´s si´ gheert ~ wir WIENer haben a Gheertsi ~ mit Herr Professor tituliert und angeredet hab. [Studienrat wie auch Oberstudienrat sind in Österreich sogenannte Berufstitel, die der Herr Bundespräsident ad honorem verleiht. Soviel ich weiß, gibt es zweiundzwanzig diverse Berufstitel... und kann mir denken, wieviele Titel=Begehrende in der zweihundertundzwei Tage währenden bundespräsidentenstaden Zeit darauf gewartet haben, daß das höchste, verleihungsfreudige Staatsamt endlich besetz ist.]

Fortsetzung folgt.
19.02.2017 um 00:49 Uhr

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11 Stimme

Folge fünfundneunzig.

(Das vorletzte Wort der vorigen Folge braucht noch ein t...: besetzt.)

Der mit dem Ortswechsel verbundene Mundartwechsel hatte noch viele fröhliche kleine Ereignisse zur Folge. Mein allererster Schultag im Couvengymnasium ist auch unter diesem Zeichen gestanden. Die Lehranstalt war recht weit von unserm ersten, provisorischen domicilium in AACHEN, ich mußt eine sehr lange Strecke mit der Straßenbahn Nummer zwölf gehn (in Deutschland sagt man ´fahren´). Den Schüler-Fahrausweis hatt ich noch net, daher war es mir bewußt, daß ich eine Fahrkarte kaufen werd müssen. Meine Eltern waren früh aufgestanden und hatten die Wohnung vor mir verlassen. Ich hab nach Kleingöld geforscht, aber keinen Groschen gefunden. Mein VATER hatte mir eine frische Hunderterbanknote gegeben, für notwendige dienstliche Beschaffungen und kleine Zwischenmahlzeiten. Also, faute-de-mineur, hab ich mich mit dem Großen Göld auf den Weg zur Tramstation gemacht. Eingestiegen,

der Conducteur ist gekommen, hat sich geweigert, die Banknote anzunehmen und hat mich rigoros nauscommandiert. Das fangt ja gut an, hab ich gedacht. (Der Conducteur heißt in Deutschland aus linguistisch winkligen Gründen ´Schaffner´, obschon er nix erschafft... höxtns anschafft = österreichisch: anordnet = , daß ich den conductus verlaß... uti figura docet.) Also: ich mußt wechseln gehn, was zur frühen Morgendstund net leicht war und etwas gedauert hat. Daher hab ich erst die übernächste Tram besteigen können. Zwanzig Minuten Verspätung... der Unterricht hatte bereits angefangen. Und... auch das noch!! im weiten Foyer des Gymnasiums bin ich schnurstracks in die Arme des ur=gestrengen, aber gutherzigen Herrn Oberstudiendiectors Doctor Speitkamp gelaufen, den ich wenige Tag zuvor beim Anmeldungs= und Vorstellungsgespräch kennengelernt hatte, und zwar, dies ist ernst gemeint, zur gegenseitigen Sympathie, die mir bis zur Matura noch mehrmals nützlich war. "L. = L. ...!", hat er mich kopfschüttelnd gerügt. "Gleich am ersten Tag kommen Sie zu spät... Das macht keinen guten Eindruck!" "Bitte, entschuldigen Sie, Herr Director", hab ich höflich erwidert. "Ich hatt nur einen Hunderter... in der Tram... und... der Conducteur konnt drauf net herausgeben." Der Herr Director, ein hocheleganter gentleman alten Schlags, hat mich einige Secunden angeschaut... mit langem, nachdenklichem Gesicht... Er mußte die causa verarbeiten, denn diese Begründung für ein Spätkommen hatte er wohl noch nie vernommen. Doch irgendwie war er beeindruckt und erheitert zugleich... Und eine weitere Secunde später wußt ich auch, wodurch. "Ach... DER CONDUCTEUR...!", hat er gerufen mit gemimter Verwunderung = und ist ohne weitere Worte seines Wegs gegangen; und ich hab mich in meinen Classenraum begeben. Guating gegangen...

Fortsetzung folgt.
19.02.2017 um 20:20 Uhr

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11 Stimme

Folge sechsundneunzig.

Es ist noch lustiger gekommen im Zusammenhang mit dem Mundartwechsel. Meine benevolente, fröhliche Leserschaft kennt bestimmt die ´Rheinische Fleischwurst´in ihren leicht unterschiedlichen Ausführungen. Etwas ähnliches [ich betonier: ähnliches, net gleiches... um allen Rügen fachcompetenter Fleischhauermeister zuvorzukommen] gibt's in WIEN: die Extrawurst. [Ja, wirklich, diese gibt´s auch zum Verspeisen, net bloß als Redensart, gern scheiberlweis in Essig und Öl mit Zwiefln serviert und genossen.] Eine Unterart hiervon heißt in WIEN ´Pariser Wurst', da ist mehr Musklfleisch und weniger Speck drin. = Also... meine MUTTER, nunmehr einundfuchzig Jahr jung, attractiv und elegant wie eh und je, niemals mit Flachlingen, stets auf feinen mittelhochhackigen Stöcklschuhen (von den hypersteilen Absätzen hatt sie sich längst für immer verabschiedet) geht in Bad AACHEN zum Fleischhauer. Und... verlangt, wie gewohnt, zehn Deka Pariser. Die Maßeinheit hat der Gesell hinter dem Pudl [Tresen, österr.] wohl noch verstanden, die Warenbezeichnung aber eindeutig net... und hat kopfschüttelnd erwidert: "Nee, jute Frou, do send Se heei verkiehrt!"

Fortsetzung folgt.
20.02.2017 um 16:35 Uhr

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44 Stimmen

Folge siebenundneunzig.

Es hat etwas gedauert... bis die Oecher [Aachener, auf dortiger Mundart] und wir uns gänzlich verstanden haben. Wir haben eine große, baulich grad fertiggestellte Wohnung in Kaiserplatznähe bezogen. {Wir residiern stets lieber im Centrum, denn wenn man am Stadtrand wohnt. muß man für jedes fröhliche Ereignis und auch jede Winzigkeit kilometerweit fahren. Nix für uns, mit unsrer Altösterreichischen Commodität.} Gleich im Nachbarhaus war am Parterre eine kleine Bäckerei. [In Aachens Centrum hat es 1970 herum überall Bäckerläden gegeben... allein in unserm Grätzl vier oder fünf.] Meine MUTTER ist gleich am ersten Tag nach unserm Wohnungswechsel hineingegangen. "Fünf Sseemmln, Freill'n, bitt schön...", hat sie mit ihrem etwas breiten WIENer Zungenschlag gesagt, den die Bäckersgehilfin aber net verstanden hat. Gleichwohl hatte sie eine Mutmaßung und hat freundlich gefragt: "Brötchen?" Jajaaa... aaaber... sie hat dies Wort leis und flüchtig ausgesprochen, zudem hat sie das r [diesen sehr vielseitig phonetisierbaren Laut... ich kenn etwa zwanzig Formungsvarianten] auf die Rheinische Weise intoniert, als fast bis zum Nichtvernehmbarsein verriebenen [wie wir Linguisten sagen:] fricativus uvularis... während wir in WIEN den Consonanten als vibrativus alveolaris sprechen, das heißt, als je nach Buchstabenlage mehr oder weniger fröhlich ´gerollten´ Zungenspitzenlaut; und weiters: die Gehilfin hat das ch gut Aachenerisch als munteres Schee intoniert... und das ganze hat dann wir "B(h)ü´sch(ü)n?" geklungen. Darauf MUTTER: "Naa... net Büschün! Sseemmln, bittte..." Die Gehilfin: "Jaja! B(h)ü´sch(ü)n! B(h)ü´sch(ü)n!" und hat mit der Hand auf das so bezeichnete Gebäck hinter dem Glaspult gewiesen. MUTTER hat eine resignierende Handbewegung gemacht (in etwa: ´sinnlos mit Euch´) und dann resolut zugestimmt: "Guat. Büschün." Seitdem, also nunmehr seit Jahrzehnten, nennen wir in der Familie die Semmln oft scherzhaft ´Büschün´.

Da fällt mir was (möglicherweis) Lustiges ein, ganz entfernt ähnlich zu den vorigen drei Famülien~Anekdoterln, obschon die folgende mit Mundart nix zu tun hat. Jahre später haben die abenteurlichen Daseinsläufte eine entfernte, verwitwete Tante, M. Gräfin B., nebst ebenso verwitweter Tochter auch in Bad AACHEN seßhaft werden lassen. Die alte Aristokratin, vormals lange Zeit Grand Dame der WIENer Ersten Gesellschaft, aus hochvornehmem Geschlecht und mit in der Politik berühmten Vorfahren, war über achtzig, schon sehr stark sehbehindert und auch etwas vergeßlich... Irgendwann hat sie gehört, daß es sogenannte ´Zaubernadeln´gibt, auch, viel direkter, ´Blindennadeln´ genannt, und wollte solche erwerben. [Diese praktischen Werkzeugerl haben ein oben offenes, päciser: durch eine zur Nadelspitze hin gebogte Feder nach innen aufmachbares Oehr; all dies ist mit den Fingern erfühlbar, der Benützer kann den Zwirn oben auf den Hohlbogen legen und dann durch die Feder in die Spalte hineinstecken; ideal für handarbeitswillige Meschen, die schlecht sehn.] An der Corneliusstraße (inzwischen in Mefferdatisstraße umbenannt, obschon in AACHEN Straßennamenummodlungen sehr rar sind) gibt es ein ausgezeichnetes, alteingesessenes, im positiven Sinn altmodisches Haushaltswarengeschäft... Da gibt es immer noch Geräte wie aus Großmutters Zeiten, ohne Elektronik und sonstiges störanfälliges Gschisdigschasdi. Dorthin ist also unsre Tante M., das äußerst starke Augenglas auf der Nase, hingegangen... und hat sogleich an der Eingangstür eine junge Frau schemenhaft ausgemacht. Freundlich grüßend, aber die Bezeichnung ´Zaubernadel´ grad net im Gedächtnis, hat Tante M. angefangen zu erklären. "Wissn S´, Freill'n... eine Nadl... wo die Öffnung... wie soll ich´s sagn... die Spalte zwar so ist..."; hier hat sie eine Handbewegung gemacht, wie ein Karate=Handkantenschlag von oben nach unten, aber langsamer... "Aber... wissn S´, oben offen... nun, frei... zum Hineinsteckn des Fadns..." Ja, ja... Aber der Winkl war, daß die sehr schlecht sehende Alte Dame einige Meter, in Richtung Großkölnstraße, zu weit gegangen war. Das Geschäft ist praktisch an der Ecke der berüchtigten Antoniusstraße, an welcher auf beiden Seiten Bordell neben Bordell steht. Und Tante M. hat gleich vor dem ersten solchen Gebäude eine Hure angeredet, diese für die Verkäuferin haltend. [Die Animierfrauen haben sich selbst so bezeichnet, haben gar von ´Hurenehre´ gesprochen... ich hab mich Jahre später mit einer Lustarbeiterin locker angefreundet, auf der hochhackigen Basis unserer Vorliebe für feine Nadlabsatzpömps.] Also... Die Animierfrau hört eine Weile zu und entgegnet dann: "Hör mal... Die Öffnung? Du meinst die Spalte? Muß so sein?" Und macht die gleiche Handbwegung, wie zuvor Tante M. "Und... dann... oben offen?" Die greise, sehbehinderte Gräfin bestätigt freudig: "Ja! Ja... genau." Die Hure weiter: "Und, Du meinst, frei? Zum Hineinstecken, hm?" Tante M. fühlt sich verstanden und bestätigt immer heftiger: "Ja! Exakt!" Hierauf die Sexarbeiterin: "Komm, alte Schachtel, leck mich am Arsch! Zieh Leine! Verdufte, aber schnell! Verarschen kann ich mich auch selbst, weißt Du!" Die vornehme Greisin mit zweimal Neunerkrone, das heißt geborene und verheiratete Gräfin, hat die Welt net mehr verstanden... Hat dann schockiert erzählt: "Mir! MIR! Hat sie so was gesagt! ICH soll sie am... öööh... also wißts... dieser Sittenverfall in Deutschland... es gibt ka Aaunstand mehr net..." Es hat eine ganze Weile gedauert, bis Tante M. begriffen hat, daß sie vor dem (arg) verkehrten Gebäude gestanden war. Und noch lang, selbstredend immer in Abwesenheit der Alten Dame, haben wir öfters mal hierüber löwenherzhaft gelacht.

Fortsetzung folgt.
21.02.2017 um 13:58 Uhr

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00 Stimmen

Pardonnez-moi, Mesdames et Messieurs... die causa mit dem Apostroph. Ich denk manchmal net daran, daß diese Schaltung des net kann. Also: im obigen Text muß statt des Zeichencolossus stets ein Apostroph stehn. In speciali bei der WIENer Anrede Freill´n.
21.02.2017 um 14:09 Uhr

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22 Stimmen

Folge achtundneunzig

[Etwas AACHENer Stadtgeschichte zur Auflockerung. In der vorigen Folge hab ich die berüchtigte Antoniusstraße gestreift... und diese ist in der Alten Kaiserstadt eine Besonderheit. Angefangen damit, daß sie mitten im Centrum ist... hierzu gleich mehr. ´De Antüen´ ist eine der ältesten Gassen Aachens, zur Römerzeit haben dort auch schon Menschen gewohnt... und bereits im Hochmittelalter hat sie amtlich ´Hurengasse´ geheißen, woraus auf die jahrhundertelange Nutzung als Lustquartier geschlossen werden kann. Zu Anfang des XIX. Jahrhunderts wollten die Stadtbürger keine Straße haben, die Hurengasse heißt... Daher wurde selbige in ´Mistgasse´ umbenannt... Womit aber, nach meiner Auffassung, den Animier-demoiselles arg Unrecht getan worden ist; als Huren bezeichnen sie sich selbst (zumindest haben sie es noch getan, als ich Jungstudent war... Auch Zugeuner haben sich selbst stolz Zigeuner genannt, ich hab mal einen Zigeuner-Stammes-König kennengelernt, daher weiß ich das... Aber heut gibt´s kiloweis Wörter, die ´man´net mehr sagen darf, weil sie irgendwelchen politischen Wichtigmachern, die an der ´Volksvertretung´ sehr viel Göld verdienen, net ins Conceptum passen... es ist kaum faßbar, daß es das Gericht Zigeunerschnitzl noch geben darf...), aber als Mist der Gesellschaft sehn sie sich bestimmt net, und zwar mit Berechtigung und Begründung. Der neue Name war den Aachenern jedoch auch net schön genug... So ist die Gasse anno 1872 mittels Magistratsbeschlusses und gar mit Zustimmung des (leider... denn weder Österreicher noch Rheinländer sind Preußenfreunde... Ich als beides denn gar zum Quadrat net) zuständigen Königs Wilhelm I. v. Preußen erneut umbenannt worden, diesmal in Antoniusstraße; nach Sanctus Antonius von Padua, der unter anderem der Schutzpatron der Prostituierten ist. Die Straße, sowohl vom Dahmengraben, von dem hocheleganten Fußgeherbereich und Adreß teurer Geschäfte, wie auch von der Flaniermeile Großkölnstraße nur wenige Meter entfernt, ist seit Menschengedenken, auch gegenwärtig, ein stadtpolitischer Streitgegenstand, sie ist nun mal zu sehr im repräsentativen Centrum, in dem auch distinguierte alte Damen und auch kleine Kinder verkehren. Ich entsinn mich, wie ich mal von zwei circa siebenjährigen Mädls, die nach dem Schulbesuch wohl einen kurzen Spaziergang unternommen haben, gefragt worden bin als offensichtlich vertrauenswürdiger gentleman: "Was sind denn das für Frauen... und warum dürfen wir grad in diese eine Straße nicht hineingehn..." Ich war recht verlegen wegen der Antwort, hab irgendwas Ausweichendes und Beruhigendes gesagt. = Also: die umstrittene Gasse trägt den Namen eines beliebten römisch~katholischen Volksheiligen... Und dies reicht noch net, denn gleich an der Einmündung von der ehemals Corneliusstraße, nunmehr Mefferdatisstraße her, trägt das linke Eckhaus mit dem absgeschrägten Winkel ~ an welchem einst Tante M. einige Meter zu weit gehend vorbeigeschritten ist (sh. vorige Folge) ~ an der Fensterfüllung in cca zehn Fuß Höhe das kunstvoll reliefierte Wappen von Papst Pius X. mit dem lieben geflügelten Sanctus~Marcus~LÖWEN und dem Unklaren Anker drin... das paßt, gemäß einiger sanfter Witzelei meines VATERS, nun wirklich wie... was auch worauf... oder wo hinein... brauch´ma net zu wissen. Gegenwärtig, anno MMXVII, herrscht, soweit ich weiß, stadtpolitischer Frieden wegen der conservatio der Gasse in ihrer jahrhundertealten Function. = Eine Besonderheit ist, daß das, nennen wir es so, ´milieu´ (was auf Französisch nix als Mitte bedeutet) sich voll und ganz auf die bewußte Straße beschränkt; die Oecher (d.h. Aachener) Passanten respectieren den dortigen Betrieb mittels diskreten Gradausschauens, also ohne hineinglotzerische Kopfwendung, wenn sie an einer der beiden Einmündungen vorbeimarschiern... und die Animierfrauen in ihrer Arbeits-Adjustierung verbleiben streng innerhalb der Gasse. So etwas gibt es anderswo kaum. = Auf die Antoniusstraße werden wir noch kurz zurückkommen... etwas später, ohne jegliche Frivolität... denn die Dezenz halten wir in diesem Buch fröhlich durch... im Stil des Herrn Collegen Guy de Maupassant.]

Fortsetzung folgt.
05.03.2017 um 20:04 Uhr

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00 Stimmen

Ich redigier das Bisherige; und schreib in Kürze weiter.

Net, daß ich über die gleichen Sachen mehrmals bericht.

GESEGNETE Woche!

L.
12.03.2017 um 20:18 Uhr

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11 Stimme

Folge neunundneunzig

Jahrelang hatt ich in Bad AACHEN keine Freundin... und auch keine Nadelabsatzpömps. Beide freudlose Umstände hatten ihre wenig schönen Gründe. Fangen wir an mit den jungen Damen. Nun ~ ich war verwöhnt. Für Julia, die stets decente, dauerhaft fröhliche und immer elegante hochhackige Schönheit war schwer eine Nachfolgerin auch nur zu sichten = geschweig denn zu einer derart selten anzutreffenden, dazu noch grad im gelegenen Moment unvergebenen Dame eine gegenseitige Zuneigung aufzubaun. Ich hab Julia net nachgetrauert... gleichwohl ist sie zum Vergleichsmaß geworden (um net zu sagen: Maßstab, dies Wort wär net charmant einer bezaubernd schönen Dame gegenüber; meine ELTERN hätten wohl Etalon gesagt... Linguistencollegen mögen sich jetzt net daran stören, daß étalon auf Französisch a u c h Hengst bedeutet, was hier assolutamente net paßt, und mögen eher an das Meter=Etalon, das Mustermaß in Sèvres denken). Ich hab alle

Freill´ns an meiner einstigen Traumfreundin gemessen... und die Ähnlichkeit war meist net einmal ansatzweis präsent. {Das war um das Jahr 1970 ... Jetzt, Jahrzehnte danach, wag ich zu schreiben, daß Julia am meisten meiner seit nunmehr zwölf Jahren actuellen Lebenscameradin Fée ähnelt; ich schreib dies bewußt so herum, denn, sollte meine elegante Dame diese Zeilen lesen, würd ihr die Formulierung andersumher, nämlich daß s i e , die Unvergleichbare, jemandem ähnelt, sicherlich net convenieren.} Wer einmal Firnwein getrunken hat, rührt die Rabiatperl net mehr an... wie ein inzwischen vergeßnes Sprichwort aus dem alten Habsburgerreich weiß. Es tut mir leid, dies zu sagen, aber die Freill´ns meiner Jugendclasse schauten höchstens durchschnittlich aus, inclusive der Freundinnen meiner Cameraden, ich braucht also net einmal neidlich zu werden. Für KUNST und Cultur haben die Ladies auch kein nennenswertes Interesse bezeigt... und auf Stöcklschuhen geschritten sind sie auch net. {Da fällt mir was Lustiges ein... ich lach stets, wenn ich daran denk. Mein Bub und sein Spezi, der brave Fridolin, haben vor circa drei Jahren, anno 2014, schätz ich, als Fünfzehnjährige grad ihre üblichen computer games geschlagen... Ich muß hier einflechten, daß ich nunmehr zwanzig Jahr´, seit 1997, meine Hauptresidenz in einer Thüringischen Sehr=Kleinstadt hab, nennen wir sie Gunthersroda. Diese Verschlüsselung ist nötig, denn alle hiesigen Menschen, die auch nur am Rand was zu melden haben, kennen sich... und tratschen alles und jeden täglich durch. Auf Gunthersroda werden wir noch ausführlich zurückkommen, auch mal im rügenden Sinn... und verärgern wollen wir dabei niemanden; diesmal nur soviel, daß das bewußte Kleinstadterl = WIENerisch: Trippsdrül oder Gigritzpotschn = net grad der Ausstellungsort weiblicher Schönheit, geschweig denn mondäner oder gar nadelabsätziger Eleganz ist. Allora... Mein Bub und sein Camerad am Rechner... Fridolin sagt auf einmal, er hat einen Elektronik=Brieffreund in Skandinavien, Sören. Und führt meinem Sohn ein von Sören gesandtes Bild vor, das die Cameradinnen des jungen Dänen präsentiert. Die beiden Buben schaun begeistert... und Fridolin ruft: "Mensch, hat der Sören ein Glück... mit all diesen tollen Weibern... und wir hier mit diesen Häßlichkeiten!!"} Also... ich Bad AACHEN hab ich Ausschau über Ausschau gehalten... aber keine der jungen Damen hat meinen aesthetischen, culturellen und humorfreudigen Ansprüchen genügt. Daher... lange Jahre ohne Freundin...

Fortsetzung folgt.
17.03.2017 um 14:30 Uhr

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11 Stimme

Der vorletzte Satz in der vorigen Folge muß anfangen: Also... in Bad AACHEN hab ich (...); Manchmal schreib i z'schnöö... Und dann sind kleine correcturae nötig. L.
17.03.2017 um 18:57 Uhr

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Queen90

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11 Stimme

Folge 99! Sehr beeindruckend!

Das heißt, wir nähern uns der Jubiläumsfolge 100!

Ich bin gespannt wie es weiter geht!
18.03.2017 um 00:40 Uhr

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11 Stimme

Wir schreiben gleich fröhlich weiter.

Der Frühling ist da... Und damit die Zeit für Nadlabsatzpömps.

FREUDE nach Gatsch und Kühle.

L.
21.03.2017 um 13:17 Uhr

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13 Stimmen

FOLGE EINHUNDERT

An klaan´n Caffée drauffe... was anderes hab i net da.

Der zweite freudlose Umstand (cf. Anfang der vorigen Folge) hatte seinen Grund im rigorosen Modedictat. {Am Rand bemerkt... es ist für mich schwer faßbar, daß nahezu alle Frauen, aber auch viele Männer sich demselben sklavisch unterwerfen und kritiklos nur das tragen, was grad angesagt ist. Ich meinerseits hab mich nie um die Mode geschert, ich trag, woran ich Freude hab, im eher conservativen Stil mit individuellen Elementen, eine fröhliche synthesis aus Antiquiert und Extravagant, wie etwa das ensemble von Anzug=Klassiker und Nadlabsatzpömps=Klassikern... Schon als zwölfjähriger Bub bin ich von meiner kleinen Freundin Andrea, die benevolenten Leser mögen sich der verwöhnten, wenn auch stöcklstaden Tennis=Jungdame entsinnen, oft gerügt worden ob meiner altmodisch anmutenden Kleidungsrichtung... welche ich aber nebst freudiger Ergänzung durch traumhafte hyperhochhackige décolleté~Bleististabsatzschuhe beibehalten hab.} Nun, in den Anfangsjahren der Siebzigerdekade des vorigen Jahrhunderts hat es zum Schreien garstige Schuhe gegeben, richtig schiach, wie der WIENer sagt. Dicke, sich gar nach unten verbreitende stampfige Blockabsätze in mittlerer Höhe, breite, nahezu grad abgeschnittene Vorderblätter, plumpe Trotteurs, Hochfrontslippers = und dann noch die grauslichen plateau-Sohlen... all dies in einem Zuschnitt, der mit Eleganz nix gemeinsam hatte. Viele Frauen, ja sogar Damen, richtige Damen der gehobenen Kreise, haben selbst in den warmen Monaten weiße oder braune eckig geformte Langstiefel getragen... ich hab dabei oft gedacht: ´Wir sind hier doch net auf der Reeperbahn´ [nix für ungut...]. Das allein war schon schlimm genug, doch es war noch ärger gekommen: es hat in den Geschäften n u r solches Häßlichkeitsschuhwerk gegeben, jahrelang war buchstäblich nirgendswo auch nur ein einziges Paar Nadlabsatzpömps in classique~Form zu sehn!! Auch aus dem Gassenbild waren die feinen Stöcklschuhe vollständig verschwunden... Vor dem Einreißen dieser unästhetischen Moderichtung hatt ich die Damen kosmisch beneidet um ihre elfchenhaften needle heels = italienisch und französisch heißen diese wirklich nadelhaft: tacchi a spillo, talons aiguilles = , doch nun war nix da, worauf ich neidlich sein hätt können.

Fortsetzung folgt.
21.03.2017 um 17:46 Uhr

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11 Stimme

Folge einhundertundeins

Ich hab inzwischen den Maturanten-Jahrgang angefangen auf dem Couvengymnasium. {Hier will ich was Lustiges kurz zwischenflechten, in Verbindung damit, daß mein VATER einst sein Universitäts=Institut einige Tag lang als "Kiniglschaas" bezeichnet hatte, siehe Folge zweiundneunzig. Da ich ein Nachahmer meiner VATERS war (und wohl auch geblieben bin), hatt ich für meine nunmehrige Lehranstalt, net grad erfreut über die ungewohne Schulbesuchspflicht, einen analogen terminus créiert: Katzpiß = und hab das ehrwürdige Gymnasium consequent nur noch so genannt. Der Musterbegriff Kiniglschaas war in kürzester Zeit außer Gebrauch geraten, aber meine frische Wortschöpfung wurde allmählich durch meine ELTERN übernommen... Ja, auch mein SOHN, anno 2017 im Maturajahrgang, verwendet das Wort Katzpiß für seine Lehranstalten nunmehr im zwölften Jahr. Ein generationenübergreifender Fachausdruck... } = In jener Zeit ist ein unvergeßnes Ereignis geschehen, auf den ersten Blick zwar ärgerlich, aber in connexu mit einer lang danach erfolgten Begebenheit recht lustig, über das ich nun bericht. Wenn ich mich recht entsinn, hat es sich zugetragen um das Jahreswechsel 1971/1972 herum. Ich wollt mich als Jungerwachsener vertraut machen mit dem mir noch weitestgehend unbekannten Rheinischen Großstadt=Carneval, und zwar in seiner vereinsmäßig organisierten Form. In Bad AACHEN wird seit Kaisers Zeiten alljährlich um das Dreikönigsfest herum die Prinzenproclamation celebriert, die prunkvolle Inthronisierung des symbolischen Herrschers in der Narren-Session. [AACHEN, Oche gemäß Mundart, hat kein Dreäjesteen wie Kölle und auch kein Prinzenpaar wie Düsseldorf oder Bonn, AACHEN hat ´Seine Tollität Prinz Karneval´. Wie die Carnevalsprinzerei zu bewerten ist, das mag Geschmacksache bleiben... für mich ist das, wenn auch eine ehrwürdige Tradition, nix als ein pecuniäres Geschäft mit einem Stück prestige decoriert... und sicherlich Reclame für das Unternehmen, welches die Familie des jeweiligen Obernarren beistzt und führt. Aber... was ist heut frei von solchen Abhängigkeiten... nahezu alles ist ein ´Geschäft´, angefangen mit dem sogenannten ´Leistungssport´ oder gar ´Spitzensport´... was für ein Begriff!, ganz und gar vorbei am Sport=Gedanken, der, wie das Wort selbst auch, aufs spätlateinische´disporto´, ich zerstreu (mich), zurückgeht. Noch eine Bemerkung zur Rheinischen Canevalsgeschichte: Die Corps-Gesellschaften, deren Mitglieder im Carneval soldatische Uniformen tragen und militärische Dienstgrade führen, demzufolge auch keinen Präsidenten, vielmehr einen Commandanten aufweisen, haben ihre Ursprünge in AACHEN; die Verspottung des Militärs der grundverhaßten französischen Besatzungsmacht mittels Narren-Uniformen und verkehrtseitiger Salutierung ist in der Kaiserstadt seit cca 1800 nachgewiesen.]

Fortsetzung folgt.
22.03.2017 um 17:00 Uhr

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11 Stimme

Folge einhundertundzwei

Ich greif den Erzählfaden wieder auf, den ich vorhin um der AACHENer Carnevalsgeschichte willen beiseit gelegt hab. Das seltsame Ereignis um den Jahreswechsel 1971/1972 herum, bei der Prinzenproclamation im Neuen Kurhaus zu AACHEN, in dem damaligen Festsaal für Bälle und Carnevals-Prunksitzungen [nachmals, 1976 bis 2015, war das neoclassicistische Gebäude Sitz des Aachener Roulette-Casinos, gegenwärtig, anno 2017, dient es, soviel ich weiß, als provisorisches Flüchtlingswohnheim... mag man von dieser Nutzung des ehrwürdigen BauKUNSTwerks halten, was man will, hierzu nehm ich jetzt nicht Stellung, vielleicht ein andermal]. Also... ich, achtzehnjähriger Jungerwachsener, wollt mir die Sache anhörn und anschaun, als etwas ganz Neues für mich, zumal ich für Feierlichkeiten, Festkleidung und Fröhlichkeit (dreimal F) schon immer begeistert war. Hab rechtzeitig die Eintrittskarte ergattert... und mich am bewußten Abend im dunklen Anzug angemessen adjustiert in den Festsaal begeben. {Den Anzug hatt ich von meinem VATER noch in WIEN geschenkt bekommen, als ich die Erwachsenen~Körperlänge erreicht hatte... wunderbarer englischer Wollstoff ~ und das KUNSTwerk des Hausschneiders meines VATERS, eines zu jener Zeit bekannten Herren=tailleurs, der für die gehobenen socialen Schichten gearbeitet hatte und auch net zu teuer war. Die Jacke hab ich noch... keiner sieht ihr das knappe halbe Jahrhundert an.} Das carnevalistische Programm hat angefangen, ich hab Platz genommen auf dem mir zugewiesenen Sessel. Die langen Tischreihen waren rechtwinkling zur Bühnen-Vorderkante aufgestellt, alle Sitzenden mußten den Kopf um circa neunzig Grad wenden, um die Auffühung zu sehn. Net grad bequem. Für mich, von meinem Platz aus, hat es geheißen, stets nach links zu guckn... was ich eine gute Stunde lang artig getan hab. = Es war grad was Prunkvolles auf der Bühne im Gange, ich hab mich drauf concentriert... und zwischendurch meinen Durst löschen wollen... wobei ich aber versehentlich nach dem Weinglas gegriffen hab, welches eng neben dem meinigen gestanden ist auf der dicht überfüllten Tischplatte... Ich hab den Wein getrunken... und wenige Minuten danach eine schwere Hand auf meiner linken Schulter gefühlt. Um es kurz zu fassen... ich wurde nachdrücklich ins Foyer gebeten... oder eher commandiert, wo mir von drei oder gar vier gestrengen Männern im Smoking collectiv und ärgst vonobenherab vorgehalten wurde, daß ich ein fremdes Glas geleert hätt... Eingeräumt... inzwischen hatt ich den unbeabsichtigten Fehlgriff selbst gemerkt, hätt aber net gedacht, daß sich jemand um zwei Schluck Wein aufregen würde, zumal die noch fast volle Flasche daneben gestanden war. Jaaa... aber ich war im Rheinischen Carneval! Net bloß das... vielmehr gar in der Prunksitzung des hochberühmt=knuffesuperverbeugungswürdigen, nach Göld, Prestige und exorbitanter Wichtigkeit duftenden Aachener Karnevalvereins 1859, der doch alljährlich die riesig begehrte Auszeichnung Wider den tierischen Ernst verleiht. Aber... diese Eigenschaft wohl nur bei den Geehrten schätzt, während sich die Clubmitglieder offenbar gern durch allertierischsten Ernst hervortun... Der Rheinische Vereins-Carneval ist nun mal eine ganz und gar seriöse, hie und da fast schon steif-humorlose Angelegenheit. Doch fahrn wir fort... Die gestrengen Männer (ich schreib bewußt net: Herren... wer sich wegen ein paar Milliliter Wein aufregt, is' ka Heär net...) haben weitersermoniert, meine Verteidugungsrede völlig ignorierend; einer hat angeregt, die Polizei zu rufen und mich abführen zu lassen. Spätestens jetzt ist mir bewußt geworden, daß ich in Deutschland bin... Als Gegenanregung hab ich den Mister Importants angeboten, daß ich den ´Schaden´ begleich, und hab dem Wortführer selbstbewußt eine Zehn-Mark-Note [in den Frühsiebzigern eine menge Göld... ein Glasl frischgezapftes Bier hat am Ausschank des Kaufhof-Kellers vierzig Pfennige gekostet!] in die Hand gleiten lassen. "Gut, dann ist es in Ordnung", hat er ewidert, hat dann in sein Göldbösl gegriffen und... ja!! mir auf den Zehner präcis auf Heller und Pfennig herausgegeben, halt nur den Preis eines Glasl Weißweins einsteckend. Deutschland eben... Hiernach hat er noch mit einigem Wohlwollen hinzugefügt: "Wir bitten Sie, das Gebäude jetzt zu verlassen. Das Programm ist vorbei... Sie kennen wohl hier offenbar niemanden... und es ist auch in Ihrem Sinn, weitere Ärgernisse und Mißverständnisse zu vermeiden". Ich kenn wohl niemanden... meine WIENer Mundart war gewiß aufgefallen. Folgsam hab ich nun das ´Kennenlernen von jemand´aufgeschoben auf das nächstemal und bin eine bedeutsame Erfahrung reicher heimgegangen. {Und jetzt wird es lustig. Als Präsident eines Carneval=Clubs und mit einigen Würdenträgern des AKV, das ist, des Aachner Karnevalsvereins befreundet, war ich anno 2001 einer der Ehrengäste der Festsitzung Wider den tierischen Ernst. Der Geehrte war Guido Westerwelle, der Laudator war Edmund Stoiber... die Festreden beider Herren warn zum Erschlagen schlecht. Die Sitzung war, wie sie war... aber die VORFEIER und die NACHFEIER!! Exclusiv für die = auch im pecuniären Sinne = geladenen Ehrengäste, war hyper=trrrrrraumhaft! Ich wurde verwöhnt, culinarisch stundenlang mit den erlesensten Speisen versorgt, in jede Conversation auf Höxtprominenzstufe eingebunden... Und es war derselbe Verein, der mich dreißig Jahr zuvor sanft hinausgeworfen hatte... Meine [inzwischen sel.] Frau hat danach behauptet, ich hätt drei Jahrzehnte auf diese Genugtuung gewartet, respective: Was eine goldbestickte Präsidentenmütze alles bewirkt... Ein oder zwei Jahr´später, als ich abermals den ruhmreichen Club visitiert hab, war ich so frech, meinem geschätzten Freund, dem AKV-Würdenträger Christian M. sowie einigen weiteren Oecher Carnevals-Koryphäen vom einstigen Rauswurf meiner Löwigkeit humorig zu berichten, den nunmehrigen Sinneswandel und die actuelle heiter=zuvorkommende Behandlung hochfreudig betonend... betonierend, sagt man in WIEN scherzhaft. Aaaaber... die Herren Cameraden konnten darüber net lachen... naa, ganz und gar - net.}

Fortsetung folgt.
26.03.2017 um 23:16 Uhr

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11 Stimme

Folge einhundertunddrei

Im Spätfrühling 1972 hab ich in Bad AACHEN nach drei Unterrichtsjahren die Matura geschafft. Dies trotz Frühaufstehns und Anwesenheitszwangs gar sechsmal die Woche, denn wir hatten auch Samstags Unterricht. Es waren dennoch fröhliche Jahre, denn ich hatte lauter lustige, aufgeschlossene Cameraden, ganz im Zeichen Rheinischen Frohsinns. Wir warn neunzehn Buben in der Maturaclasse Oberprima/b, die Namensliste weiß ich immer noch auswendig. = Mein Zeugnis hat recht abenteuerlich ausgeschaut, denn alle Censuren sind darauf vertreten, vom gradlinigen Einser bis zum rundlichen Fünfer. Diesen letzteren hatt ich in meiner Anti-Paradedisciplin Physik bekommen = und auch nur gnadenweis. Meine Begabungen liegen eher in Geistesgelehrsamkeit und Linguistik, wie bei allen meinen VÄTERN, die im Alten Habsburgerreich Theologen, Juristen, Schriftsteller, Staatsdiener und Privatgelehrte waren; weiters bin ich ein guter Mathematicus = aber (ungewöhnlich oder net) ein zum Erschlagen schlechter Physiker. In ersterer Disciplin hab ich einen glatten Zweier erhalten, was in einem Mathematischen Specialgymnasium recht ansehnlich ist (den Einser in der Höheren Rechenkunst hat niemand in meiner Classe erreicht), aber in letzterer (in sensu duplice!) hatt ich nach der Abschlußclausur einen bauchigen Sechser bekommen. Mein väterlicher Freund, Herr Oberstudiendirector Doctor Speitkamp, selbst Mathematiker und Physiker {seht den Hinweis in Folge fünfundneunzig}, hat mir aber sehr großherzig geholfen, wofür ich ihm ewig dankbar bin. Mit und wegen der Sechser-Censur hätt ich den Jahrgang repetieren müssen... gleichwohl hat der Herr Director angeschafft (österr. für befohlen), daß meine regelmäßige Mitarbeit im Unterricht (die, entre nous festgehalten, wennst net gar gedeftet eingeräumt, noch weniger als Zero war, denn ich hatt während der Physikstunden Caricaturen gezeichnet, zur Belustigung meiner Cameraden) mit einem Vierer bewertet werden solle... und so hat das Arithmetische Mittel des Clausurergebnisses und der Mitarbeitswürdigung die Censur Fünfer ergeben, womit ich die Matura löblich bestanden hab. Protection, gewiß... gleichwohl ist Protection lebensnotwendig; so seh ich das, und so lehrt es mich auch meine Lebenserfahrung. Der Herr Director, der mich wirklich gnadenweis durchgeschleift und mich vor der sogenannten Ehrenrunde bewahrt hat, war, wie man dies tratschmäßig und munkelhaft erzählt hatte, selbst ein Protégé gewesen... als, um einige Ecken herum, Neffe von Herrn Bundeskanzler Adenauer war er bereits mit sechsunddreißig Oberstudiendirector, der mit Abstand jüngste in der Bundesrepublik Deutschland. Ob dieses Gerücht zutrifft, weiß ich nicht... doch selbst wenn ja: Herr Direktor Speitkamp war ein ausgezeichneter Mann auf dem richtigen Posten. [Leider hat er kurz nach der Pensionierung sein irdisches Leben beschlossen... sein Andenken sei würdig bewahrt.] Generell bin ich ein offener Befürworter davon, daß wirklich gute Kräfte protegiert werden... leider ist aber mindesten die Hälfte der Protegés eine Ansammlung von Mittelmaß-Seppln. = Wie auch immer... ich hatte das Reifezeugnis in der Mappe... und damit die Große Freiheit.

Fortsetzung folgt.
06.04.2017 um 17:10 Uhr

AntwortenPositiv Negativ
11 Stimme

Folge einhundertundvier

Den miltärischen Präsenzdienst hab ich im Sommer 1974 auch überstanden. Es war eine recht fröhliche Zeit in guter Cameradschaft bei den Militär=Ingenieuren. Ich hab auch eine Menge gelernt auf dem technischen Sector (nicht bloß das, wie eine Bierflasche mit dem Schaft eines Messers in zwei Secunden aufgemacht wird), wißbegierig, denn ich hab, soweit ich zurückdenken kann, eine Affinität für Werkzeug und auch eine hinlängliche Geschicklichkeit in dessen Anwendung. Mit zwei Umständen hab ich mich gewiß schwer getan bei der Armee: dem Frühaufstehzwang und dem erpelhaft platten Schuhwerk. Gegen ersteres war ich als Rekrut zunächst machtlos, ich hatt aber die Option, mich zum Vorgesetzten ausbilden zu lassen, um als Officier etwas später zum Dienst zu kommen... aber dies hatt ich erst einmal auf die weitere Zukunft aufgeschoben. Wegen des letzteren bin ich beim Herrn Militärarzt vorstellig geworden, einem sehr fröhlichen, eleganten, reiferen Medicus, der mich voller Verständnis für meine Beschwer in die Ordination eines seiner civilen Collegen geschickt hat, nebst Dienstbefreiung für den Nachmittag. Der zweite Doctor, ein Orthopäde, hat an meinen Füßen und an meinem gesamten Körper hinundhergemessen, hat mich auf eine Specialwaage steigen lassen... und dann verlautbart, daß dies ein seltenes pathologisches Bild sei, er kenne es bei einigen Damen, die stets wie überall auf sehr hohen Absätzen gehn: contractio tendinis calcanei, kann angeboren, aber auch erworben sein... Nach der Nennung der Diagnosis hat mir der Medicus Fersenheb=Einlagen verschrieben. Dies hat mir im Dienst nun den zweiten freien Nachmittag beschert, denn mein Spieß, dem ich die ärztliche Verordnung präsentiert hab, hat mich sogleich in Civilkleidung in die Stadt commandiert, um dort den zuständigen Schuhmachermeister aufzusuchen. Nachdem ich mit der Vermessung und Bestellung fertig war, hab ich mich gar net diensteifrig in die Kaserne zurückbeeilt, hab vielmehr, in unauffälliger Civiladjustierung, gemütlich Platz genommen in einem Cafféehaus, Capuziner und Mehlspeis consumiert sowie ein Dutzend Kreuzworträtsel in den öffentlich zugänglichen Frauenzeitschriften gelöst. Summa summarum, mit den Einlagen drin waren die entsetzlichen Flachlinge im täglichen Gamaschendienst um einiges bequemer.

Fortsetzung folgt.

GESEGNETES AUFERSTEHUNGSFEST!
16.04.2017 um 21:24 Uhr

AntwortenPositiv Negativ
22 Stimmen

Folge einhundertundfünf

Wenn wir schon beim Thema Militär sind... dann greif ich zeitlich wieder etwas vor. Anno 1974 bin ich nach Ableistung meiner Präsenzdienst in das Civilistendasein entlassen worden [hab später ein heiteres Buch geschrieben über jene Zeit bei der Armee]. Gleichwohl hab ich mich, seht den kurzen Hinweis in der vorigen Folge, nach einigen Jahren zurückgemeldet, um in vielen Wehrübungen, sozusagen als Teilzeitsoldat, nun doch Reserveofficier zu werden. Himmlische Güte... wie oft hab ich dann in der Kaserne beim ungeliebten Aufstehn in der Morgendämmerung gedacht: "L, da hast Dir was Scheens eini´brockt..."; aber da ich absolut freiwillig dort war, hab ich diese Schattenseite, um net zu sagen: Dämmerseite, knurrend in Kauf genommen. Es waren viele Gründe, die mich zu dieser net grad federleichten Ausbildung, gar in = trotz Ferseneinlagen = flachen Stampfstiefeln, inspriert hatten. Die Tradition unsrer Familie, die Besserstellung in den Reihen der Soldaten [auf die Gefahr hin, daß dies arrogant oder gar feig klingt: ich hatt gedacht, als Officier würd ich eine allfällige militärische Auseinandersetzung wohl eher überstehn denn als Gemeiner und willenberaubter Canonenfutter-Mann, der von über Menschenleben gehenden machtgierigen Politikern und habsüchtigen Großindustriellen ins gegnerische Feuer genötigt wird... Wer denkt denn net so; jeder geistig gesunde Mensch paß auf sich auf, so gut er kann. Und: Ihr sehts, im Herzen bin ich ein Kriegsgegner und Pacifist]. Weiters: das bißchen Göld, das ich beim Militär verdient hab [es war eine ansehnliche Zeit zusamengekommen in den zwanzig Jahren, sämtliche, recht viele Wehrübungen und Urlaubsvertretungen in Commandobehörden zusammengerechnet... nun macht sich dies bemerkbar auf dem Beschäftigungszeiten=Klärungsbogen der Staatlichen Pensionsanstalt] ~ und noch etwas, was für Deutsche seltsam anmutet, gleichwohl der Altösterreichischen Seele durchaus conform ist. Es gibt einen alten austriakischen Sager; er könnt von mir sein, ist aber net, er stammt noch aus Zeiten Kaiser Franz Josephs I.: "Die einzige Daseinsberechtigung des Militärs ist: Wie sollten wir Cavaliere denn sonst zu unsern Festadjustierungen kommen". Grad die interessantesten Damen, ja, selbst die decidiertesten Gegnerinnen des Militärs unter ihnen, waren der Auffassung, daß ich im Gesellschaftsanzug respective Großen Gesellschaftsanzug des Heeres {in Österreich gibt es ihn auch in Weiß, schauts mal im Hauskino in den WIENer Opernball hinein, welcher stets am selben Tag ist, an dem in AACHEN wie auch Köln Fettdonnerstag mit Krawattlabschneiderln begangen wird} zum sofortigen indiearmeschließen ausschau. = In Bad AACHEN hab ich ein fröhliches Bühnenkünstlerpaar kennengelernt, ich nenn sie hier aus discretio Franz und Maria, er Österreicher, sie Rheinländerin. Wir sind gute Freunde geworden. {Franz ist später nach Österreich zurückgekehrt und ist dort momentan recht bekannt.} In AACHEN bin ich durch die Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts und auch danach bis 1996/1997 zu fast allen Premièren der Theater gegangen; in meiner wandlungsfähigen Vielgestaltigkeit respective gemäß meiner Freude an feierlicher Kleidung mal im correcten Abendanzug auf himmischen Traum~Nadlabsatzpömps, mal in der schnittigen Festuniform eines Reserveofficiers. Nach der Vorstellung sind die Bühnenkünstler meist ins Wirtshaus gegangen, um a paar Glasl zu leeren, und ich bin oft aufgefordert fordern, sie zu begleiten = denn ich hab auch zu den Künstlern gezählt als einigermaßen bekannter Schriftsteller und Gesellschaftslöwe... zudem war ich Vicepräsident des Westdeutschen Autorenverbandes, unter der Präsidentschaft des unvergessenen Mehrfachkünstlers Joachim Georg Görlich (*1931, +2009). Himmlische Güte... was bin ich denn alles gewesen in meiner ersten Lebenshälfte... DANKBAR bin ich für all die schönen Erfahrungen und Begegnungen. Die Bühnenkünstlerin Maria hat mich in beiden Feier=Gestalten gekannt: Im Smoking auf meinen hyperfeschen classischen Dreizehn~Centi~Nadlabsatzpömps wie auch in der Gesellschaftsmontur der Armee. Und jedesmal, wenn sie mich in letzterer erblickt hat, wurde sie heiter wie kritisch zugleich und hat folgenden Text aufgesagt: "Weißt, L., ich bin voll und ganz gegen das Militär; ich würd sie abschaffen, verbieten! Trotzdem mach ich eine Concession. Wenn DU eines Tags in Ausgehuniform auf superhohen Bleistiftabsatzpömps erscheinst, dann revidier ich meine Ansicht = dann mög das Militär von mir aus genehmigt sein, aber vorher net". Ojjöö... ich muß einräumen, benevolente Leserschaft, ich hab mich niemals hierzu getraut. Wer weiß, welchen völlig unnötigen Aufreger irgendein Zeitungskritzler daraus machen hätt können! Maßen ich in der Stadt net ganz unbekannt war. Wer von Euch entsinnt sich der traurig-berüchtigten causa um General Dr Günter Kießling anno 1983... hierüber schreib ich besser net, obschon ich es könnt. Schlagts nach im Internetz... das, was an die Öffentlichkeit gelangt ist. Ich bin beileib ka General net = gleichwohl hab ich mich stets verpflichtet gefühlt, das Militär vor Rufschädigung zu schützen, soweit es in meiner begrenzten Macht steht. Also... ich hab Gesellschaftsuniform und Stricknadlabsatzpömps net combiniert... und Maria ist bei ihrer Ansicht übers Militär geblieben, sei´s einer Dame gegönnt. Franz, Marias Lebenscamerad, hat in AACHEN eine eigene kleine Bühne gegründet: Das Theater K. Die Künstler= Collegen haben schwierige, jedoch spannende und nachdenkliche moderne Stücke virtuos wie emotionsbeladen aufgeführt, etwa Werke vom Nobelpreisträger Harold Pinter. Ich hab Franz gefragt, was denn ´K´ in der Bezeichnung des Theaters bedeute. Franz hat süffisant gelächelt, hat dann die Arme ausgebreitet und entgegnet: "KUNST... oder Kacke... Was Du willst". Einmal bin ich in österreichischer Landtracht, in Janker und Kniebundhosen zu einem Vortragsnachmittag ins Theater K gegangen, auf weit décolletierten Wildlederschuhen mit Zierspangen, jedoch ungewohnterweis auf kleinen Blockabsätzen. Franz hat meine Schuhe erblickt und sogleich commentiert: "In Deinen Verhältnissen sind das Bergschuhe!". Nacheinander sind die Zuschauer eingetroffen [wie Ihr wißts: ich komm gern früh, als einer der ersten, sieh Folge 62]... wir haben uns nahezu alle gekannt. Und Franz hat mich jedesmal frech vorgeführt:

"Schau mal unsern Freund L! In seinen Verhältnissen

sind das B e r g s c h u h e ... "

Fortsetzung folgt.
22.04.2017 um 19:40 Uhr

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11 Stimme

Folge einhundertundsechs

Ich greif die Chronologie dieses Berichts wieder auf. Nach dem Präsenzdienst war ich bei Militär anno 1974 abgerüstet und hab nun in Bad AACHEN meine universitären Studien der Linguistik angefangen... immer noch ohne Freundin und ohne Nadlabsätze. Oft hab ich gedacht, daß die schöne, hochhackige, stets fröhliche, vielseitig gebildete Julia und ich füreinander bestimmt gewesen seien... aber sogleich hab ich diese Ansicht als gläubiger Christ stets verjagt und mit einer bildhaften Handbewegung fortgewedelt, denn wären wir tatsächlich füreinander bestimmt, würden wir jetzt in einer heiteren, cultivierten, unterhaltsamen Ehe leben und uns auf steilen Nadlabsatzpömps des Daseins freuen. = Hie und da hab ich die eine oder andere Studiencollegin zum Caffeetrinken, Eiscrèmespeisen oder Nachtmahl ausgeführt... aber etwas Beständiges ist nicht daraus geworden, denn die Damen konnten mit meiner conservativen Grundeinstellung net viel anfangen, während ich, der verwöhnte Aesthet, meist der Auffassung war, daß die Colleginnen von meinem Schönheitsideal weit entfernt seien. Gleichwohl war da eine sehr attractive Jung=Gelehrte, Gabriele. Die lockere Bekanntschaft mit ihr hätt ich gern erweitert, aber einen ´Rückschlager´ hat es dabei gegeben. Sie hat sich hartneckig geweigert, ihre schönen, gepflegten Füßchen auf hohen Absätzen zu präsentieren, obschon ihr die dünnen, langen Fersenstäbchen ausnehmend gut gestanden wären. Sonst hat sie sich, weitgehend nach meinem Geschmack, eher conservativ und damenhaft gekleidet, stets im Frauenrock, außer daheim bei der Hausarbeit nie in Hosen (die ich für schönbeinige Damen eh verbieten würd... Marlene Dietrich hin oder her) was in den Siebzigern für unsre Jugendclasse eher atypisch war; an ihren hauchdünn bestrumpften feinen Elfenfüßchen hatte sie in den warmen Monaten gern zarte, schicke Riemchensandaletterl - aber leider immer Flachlinge. Wir warn zum Nachtmahl in einem Renommier=Restaurant, beide elegant=abendlich gekleidet. Die sehr attractive Gabriele im dunkelgrünen Schneidercostume und in feinen, ganz zierlichen zehenoffenen Riemchenslings, die ihre schönen Füße zur Geltung gebracht haben... aber, wie gewohnt, plattabsätzig. Nach dem soundsovielten Glasl Wein ist es aus mir herausgesprudelt... ich hab wieder einmal, und diesmal recht eindringlich angefangen, die Dame dazu zu bringen, steile Nadlabsatzschuhe zu tragen. Sie hat erwidert, sie könne auf hohen Absätzen net gehn. Ich hab entgegnet, ich würde es ihr liebend gern und höchsterfreut beibringen. Die Debatte ist eine Weile hin und hergegangen... und wurde geschlossen mit einem kategorischen Nein seitens Gabriele: sie würde unter keinen Umständen anfangen, auf hohen Stöcklschuhen zu gehn - unbequem, ungesund... und was auch immer. Und mit diesem Streitgespräch war auch unsere Freundschaft bei ihrer letzten Stunde angelangt. Wir haben noch a Glasl, WIENersich gesagt, einen Drüberstrahrer in allem FRIEDEN geleert, und ich hab Gabriele ohne viel Worte heim begleitet. Es hat mir leid getan um die schöne, im positiven Sinn altmodische junge Dame... aber angesichts so wenig Einsicht ihrerseits in die Freuden hoher Nadlabsätze wär es sowieso nix Nachhaltiges geworden... wir hätten wegen der Fersenstäbchen immerzu Streit bekommen. Und ich hab weitergträumt von einer hochhackigen, gebildeten, fröhlichen Schönheit, sowie von traumhaft eleganten Nadlabsatzpömps für mich selbst, auf denen ich meine attractive, soignierte Freundin begleiten sollte...

Fortsetzung folgt.
10.05.2017 um 17:39 Uhr

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11 Stimme

Folge einhundertundsieben

Als Absolvent eines Mathematischen Gymnasiums hab ich meine Affinität zu Logik, Rechenkunst und Geometrie behalten [beschäftige mich nach wie vor gern damit, auch in meiner reifern Jugend]. Hab daher in den mittleren Siebzigerjahren hie und da mit Freuden die für sämtliche Aachener Studenten offenen Mathematik=Vorlesungen des humorigen Professors Hellwig besucht. Daselbst bin ich eines milden Frühlingstags aufmerksam geworden auf eine junge Dame... eine wirkliche Traumfrau! Von der Gestalt her wie Julia: lang, sehr schlank, sehr elegant; die Gesichtszüge jedoch ganz anders, recht ähnlich dem Antlitz der bekannten Bühnenkünstlerin Jane Russell um 1945. Sie war sorgfältig gekleidet (ganz atypisch für jene Zeit... wie schön, daß es erfreuliche Ausnahmen gibt!!), weiße Bluse, sehr kurzer marineblauer Rock und durchschimmernde weiße Strümpfe, ihre absolut wunderschönen hyperlangen Beine aufreizend wie selbstbewußt zur Geltung bringend... und an den schmalen, hochgewölbten Füßchen ein Paar schwarze Lackpömps. Die schicken Schuhe hatten Carré=Vorderblätter, hierauf je eine elegante Lackleder=Verzierung in Gestalt eines liegenden Doppelkegels (die beiden Hälften mit den Spitzen einander berührend), weiters dünne, circa ein Centi starke plateau=Sohlen... und vor allem, zu meiner großen aesthetischen Freude, etwa zehn Centi hohe, relativ schlanke, geschweifte Blockabsätze. Diese Machart Schuhe waren grad modisch geworden und haben die garstigen, eher abschreckenden Schaftstiefel mit stampfig-breiten Klotzabsätzen allmählich verdrängt. Es wurde auch Zeit... oooh... Sicherlich noch weit entfernt von meiner Lieblingsform, den spitzen, zehenansätzefrei décolletierten steilhackigen Nadelabsatzpömps, gleichwohl ein deutlicher Fortschritt in Richtung Eleganz. = Ich wollt nun selbstredend wissen, wer diese eindrucksvolle Schönheit sei... Es ist nun mal oft so, daß grad die attractivsten Damen sich net auf Ja und Nein ansprechen lassen, gewiß begreiflich, denn sie werden sicherlich jeden Tag mehrmals mit Anbandlversuchen incommodiert. Demnach hab ich mich für einen Umweg entschieden. Ein Freund und Sportcamerad von mir, Jürgen G., angehender Mathematicus, mochte vielleicht, wenn die Dame halt auch die Rechenkunst studiert hat, ihren Namen wissen, also hab ich ihn diskret gefragt. Und tatsächlich... er hat sie gekannt von den gemeinsam besuchten Fachseminaren her. Jürgen hat verständig gelächelt und kurz geantwortet: "Astrid K. ... Klassefrau! Aber Vooorsicht, Löwe! Sie ist fest vergeben, ihr Freund ist Profi-Sportler und Reserveoffizier." Ich wollt es genauer wissen. "Meinst, ein Schlägertyp... wird er mich denn verhaun..." Jürgen hat eine indifferente Diplomatenmiene geschnitten: "Ich sag besser nichts".

Fortsetzung folgt.
31.05.2017 um 15:45 Uhr

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11 Stimme

Folge einhundertundacht

Mein Camerad Jürgen war, wie er es mir nach einem ausgiebigen Sport=Nachmittag bei einer Flasche Wein anvertraut hat, zuvor selbst (österreichisch:) winnich gewesen auf die schöne Astrid... bis er erkennen mußte, daß sie ihrem Freund voll und ganz hörig war und selbst einen so frauenblendend gut ausschauenden gentleman wie ihn, Jürgen, nicht beachtet hat. Daher war er recht genau unterrichtet über die Geschicke der jungen Dame... und nun, beim Glasl Wein, hat er mich eingeweiht in sein Privatgeheimdienst-Wissen. Astrid K., mit mir jahrgangsgleich {Himmlische Güte... demnach ist sie heuer, anno 2017, auch über sechzig... wie sie jetzt wohl ausschaut...}, hat Theologie, Mathematik und hauptfachmäßig Wirtschaft studiert.

{Ad marginem: sie war der erste Wirtschaft-studierende Mensch, den ich kennengelernt hab... ganz offen und die Naivität einbekennend gesagt, bis dahin, 1974, war es mir gar net so recht bewußt, daß man Wirtschaft ´studiert´. Die Mode-Disciplina war zu jener Zeit die Medicina gewesen, sehr viele junge Leute wollten Arzt werden, oft aus rein pecuniären Gründen, simpel gesagt: um schnell reich zu werden = und die Medicinischen Facultäten waren bestürmt und überlaufen. Und nun, vierzig Jahr´

danach, studieren Riesenmengen Jungakademiker Wirtschaft... oder ´Behwehäll´, wie das oft genannt wird. Was macht bloß die Gesellschaft mit den Divisionen von Betriebswirten... Viele von ihnen gründen eine kleine Einmannkanzlei als ´Unternehmensberater´ oder gar ´Vermögensberater´, ´Schuldnerberater´ und ähnlich Windiges... Meine wohlwollenden Leser merken gewiß meine Distance... ich hab auch erschlagend schlechte Erfahrung gemacht mit diesem Berufszweig, aber das ist in der Chronologie dieses Berichts noch sehr lang hin. = Was den Begriffskreis Wirtschaft angeht, bin ich vorbelastet, beeinflußt, vorurteilsbeladen für immer. In meinem hochcultivierten, soignierten, sehr fröhlichen, im vornehmen Sinn altmodischen Elternhaus, wo auf Anstand, Bildung, Aesthetik und Geselligkeit sehr großer Wert gelegt worden ist, war ´Kaufmann´ ein mildes Schimpfwort. Ähnlich wie Krämerseele, in Hamburg und Nürnberg Pfeffersack, in AACHEN Heringsbändiger, in WIEN Pudlhupfer (das Wort hat mit dem Wufti nix z´tuan, vielmehr mit pulpitum, Pult, verkleinert Pudl). Ich war beileib kein Musterschüler, und zwar deswegen, weil ich mich auf meine rasche Auffassungsgabe wie meine wißbegierige Gelehrsamkeit verlassen und daher nur minimalen Fleiß (welch unösterreichische Tugend) aufgewendet und bezeigt hab. Mein VATER hat mich häufig ermahnt: "Wenn Du net fleißig (!) lernst, kannst nur Kaufmann werden". Da ich mir diesen Satz recht oft anhören mußte, hab ich den Begriff Kaufmann in meinem Gehirn als etwas (vorsichtig ausgedrückt:) Unterstufiges vebucht. Nebenbei: mein VATER hatte den Fleiß auch net grad erfunden. = Wir hatten eines Tags Besuch; ich war zwölf Jahr´ jung, wenn ich mich recht entsinn, und in jenen Wochen war mein VATER grad unzufrieden mit meinem Fortschritt in der Ausbildung, maßen die Herren Professoren, die mir erstclassigen Privatunterricht erteilt hatten, meinen Eltern gegenüber zwar meine logische Denkweise gelobt, aber meine Faulheit gerügt haben. Meine Mutter hatte der Besucherin einen Gegenstand überlassen, weiß net mehr, was das war. Dieser sollte nun eingepackt werden. Ich hab mich hierzu hilfsbereit entboten, Packpapier, Spagat und Schere geholt, accurat ein recht manierliches Packerl gefertigt... und selbstbewußt auf ein kleines Anerkennungswort gewartet. Doch mein VATER hat mit einem schrägen Lächeln verlauten lassen: "Als angehender Kaufmann (!) mußt Du schön packen können". Ich hab mich niedergeschlagen gefühlt... = Die Jahr´ sind verflogen, wie man dies so klischeehaft behauptet; ich war ein gestandener Löwe~Mann um die Dreißig und hab meinem VATER im Caffeehaus, das wir sehr oft gemeinsam aufgesucht haben, jenes Pack-Gschichtl aus meiner Frühkindheit recapitulierend erzählt. Mein VATER hat aber net gelacht, viemehr eine nachdenkliche, nahezu selbstkritische Miene geschnitten, leicht den Kopf geschwenkt und mit einem verzögerten Anflug von einem Lächeln gesagt: "Mein armer Bub... mit so'an Bleedsinn hab ich Dich sekkiert... es tut mir leid".}

Fortsetzung folgt.
09.06.2017 um 12:32 Uhr

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11 Stimme

Folge einhundertundneun

Die schöne Astrid, wie mir mein Clubcamerad Jürgen [nebenbei: heute, anno 2017, Universitätsprofessor im Ingenieurfach und Unternehmensdirector] weiters anvertraut hat, war ihrem Freund nahezu sklavisch hörig... es war also nix zu machen. Jener junge Mann war ein sehr gutausschauender, kraftvoller Bursch, Oberliga-Sportler und Sohn eines bekannten Bundeswehr-Generals und Militär-Diplomaten, der sich, soweit es mit seinem Soldatenstand vereinbar war, auch parteipolitisch betätigt hat. Sichwort: "Bürger in Uniform", der bei Parteiereignissen streng Zivilkleidung anzulegen hatte... Seine cultivierte Excellenz General Graf Baudissin läßt grüßen von seiner Wolke. = Freund hin, Sportler her, Generalssohn überall... die junge Dame hatte mich durch ihre strahlende Attractivität und hochhackige Eleganz so nachhaltig beindruckt, daß ich einen Anbandlversuch beschlossen hab. Gleichwohl hab ich erst einmal net gewußt, wie ich selbigen geschickt anstellen sollte. Nun gewiß... mögen manche Leser meinen: man laß es seelenruhig ankommen auf eine strikte Abfuhr, zu verlieren hat man dabei nix. Das ist sicherlich richtig - trotzdem wollt ich mehr Erfolgsaussicht haben als die achtundneunzigprozentige Wahrscheinlicheit einer zugeknöpften Abweisung, wollt also nach einer Ansprechübung net so dastehn wie ein heiß abgebrühter Pinscherhund. Hab hin und her überlegt... doch dies hatte bald ein End, denn eines sonnigen Tags hab ich Hilfe erhalten - von einem guten Geist... oder möglicherweis einem neckischen oder gar einem maliciösen, dies erkennen wir erst in der kritischen Rückschau. = Meine Eltern und ich haben in der Nähe des Kaiserplatzes gewohnt, also mitten im Stadtcentrum. Ich war unterwegs auf der Wilhelmstraße in Richtung Hauptbahnhof... und da hab ich en passant vernommen, daß das eingezogene, erhöht über der Gehsteigfläche stehende Portal eines gepflegten Patricierhauses der Historismus=Bauzeit aufgeht... und eine zauberhaft schöne, elegante junge Dame die wenigen Stiegenstufen herunterkommt... ja, nahezu herunterschwebt.

Fortsetzung folgt.
21.06.2017 um 17:27 Uhr

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11 Stimme

Folge einhundertundzehn

Erst auf den zweiten Blick hab ich die Schönheit erkannt = was wohl daran liegt, daß ich zunächst auf ihre aufregend schönen langen Beine aufmerksam geworden bin = es war unsere Astrid. Wie immer, sehr sorgfältig gekleidet, diesmal noch eine Stufe eleganter als üblich. Marineblaues costume mit extrakurzem Rock, weiße Bluse, in der Hand ein zierlicher Regenschirm, wegen der Wärme keine Strümpfe an den nymphenhaften Beinen... und an den schmalen Füßen ein Paar schwarze Lacksandaletten, drei=zehen=offen, mit cca anderthalb Centi starken Plateausohlen (dies war zu jener Zeit ein allgegenwärtiges Mode=Detail, meist gar in Centimetern um einiges dicker, was net mein Geschmack ist... aber mit jenen neunzig Millimetern konnt ich mich grad noch anfreunden), durch an den Achillessehnen gekreuzte zarte Fesselriemchen an den Füßen festgehalten, auf gut zwölf Centi steilen relativ schlanken Blockabsätzen. Ich hab aus circa sechs Metern Distance registriert, daß die Dame schöne, gepflegte Füßchen hat... und hab ihr höflich zugenickt, aber sie hat in eine andere Richtung geschaut und mich nicht bemerkt. Ich war in Direction Bahnhof unterwegs - die schöne Astrid hingegen ist aus dem Hauseingang nach links geschwenkt, Richtung Kaiserplatz. Ich bin stehngeblieben... niemand kann es mir verdenken... und hab der auf immerhin (nach Subtraction der Sohlenstärke) gefühlten knapp ölf Centi hohen Hacken leichtfüßig schwingenden Elfe so lang nachgeschaut, wie sie hinter dem Eckhaus an der Einmündung in den großen belebten Platz entschwunden war. Rasch bin ich einige Schritt zurückgegangen, dann die Stufen zum eleganten Hausportal empor. Und... auf dem Schild neben der obersten Klingeltaste war zu lesen: A. K. (Vorname damenhaft=diskret abgekürzt, Familienname im Klartext). Gut! Nun hab ich Namen und Anschrift der Schönheit gewußt... und hier muß ich etwas einflechten, bevor Mißverständnisse entstehn. Es gibt eine Sache, um derentwillen ich seit etwa viereinhalb Jahrzehnten geschätzt... wenn net gar a wengerl gefeiert werde: meine Gabe, decent~heitere Künstler~Briefe zu verfassen, mit lustigen, meist bloß andeutungsweis colorierten Federzeichnungen in einem untern Eck des Bogens, socialkritischen Karikaturen... und im beschwingt kalligraphierten Text mit Passagen, die das politische wie gesellschaftliche Tagesgeschehn mit leisem Humor aufs Korn nehmen. Bitt vieltausendfach um Vergebung für dies dicke Selbstlob... ich will die DANKBARKEIT vor dem HERRN für diese schöne Gabe ausdrücken; ich hab mittels ihrer vielen netten Menschen oftmals eine Freude bereitet und hab auch, wenn es notwendig war, auch manche Amtspersonen aufgeheitert und für meine Familie eingenommen. Mehrere schöne Damen, die sich im Streit von mir und aus unserer Freundschaft verabschiedet hatten, haben mir lange Jahre später bei einer sich ergebenden Begegnung bekundet, daß sie meine Briefe aufbewahrt haben und sich von diesen auch net trennen werden. Gewiß, liebe, wohlwollende Leserschaft... des geht nunter wia r a Sonnenöl... schöner und auch zutreffender gesagt: Es ist für das Löwenherz. Nach soviel Eigenwürdigung und Schwelg=Schwelg ist es dem Leser klar, was ich nun auf der Wilhelmstraße an jenem Tag beschlossen hab: ich schreib Astrid einen Künstlerbrief.

Fortsetzung folgt.
26.06.2017 um 21:25 Uhr

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11 Stimme

Folge einhundertundölf

Gedacht, beschlossen, ausgeführt. Hab für die attractive junge Dame eine KUNST~Epistula gefertigt, in schwungvoller Kalligraphie. {Nebenbei... ich führ den Füllfederhalter mit dem leichtestmöglichen Druck, locker aus dem Handgelenk... daher kann ich ohn Ermüdung auch ein Dutzend Bögen pausenfrei vollschreiben; das Ergebnis schaut in etwa, bloß etwas legerer, so aus wie die aus dem Buchstabenmusterbuch der Visitkartendruckermeister bekannte Current=Schreibart, die die Bezeichnung Künstlerschrift trägt.} Hab mich kurz vorgestellt, unter Hinweis darauf, wo wir uns gesehn haben... oder genauer, wo ich Astrid gesehn hab. Fortgesetzt mit einigen heiteren Anmerkungen zur Mathematik, zu den Vorlesungen Herrn Professor Hellwigs = und zum fröhlichen Studentendasein generell. All dies sehr höflich und zurückhaltend, hab die schöne Adressatin gar gesiezt, was in den mittleren Siebzigern des vorigen Jahrhunderts nur noch ganz vereinzelt üblich und höchstens einer solch glacéhandschuhewürdigen Angelegenheit conform war. Die rechten untern Ecken der Briefbogenseiten hab ich mit Illustrationen gefüllt... zwei Karikaturen, Herrn Professor Hellwig und mich selbst darstellend, dann das schicke Paar Stöcklsandaletten, auf denen Astrid die kurze Stiege hinunter sylphidenhaft auf die Wilhelmstraße geschwebt ist, weiters ein Paar steilhackige spitze Elfentraum~Nadlabsatzpömps in der Art, wie ich sie absolut gern mag und trag [der benevolente Leser entsinnt sich möglicherweis der kleinen Schuhekünstlerwerkstatt jenseits des Zierbrunnens... Folgen 34, 35, 37...; nach solchen Féeenkönigsschuhen bin ich definitiv süchtig, sie halten den Stöcklfreund auch ewig jung, sowohl die juwelenhaften Traumpömps wie auch die aufregende Sucht selbst; "die Stöcklfreundin" hab ich absichtlich net apostrophiert, denn schöne hochhackige Damen bleiben eh für immer jung und benötigen ka Hüüfsmittl net], mit dem bedauernden Bildcommentar, daß solch himmlische Schuhe gegenwärtig nirgends zu erwerben sind, obgleich die Füßejuwelen der stets stilvoll soignierten Astrid ausnehmend gut stünden. Hab dann die Bögen in ein elegantes seidenpapiergefüttertes Couvert gesteckt und den Brief persönlich auf der Wilhelmstraße in den Kasten der attractiven Empfängerin gleiten lassen. = Es ist leicht nachvollziehbar, daß ich ab jetzt täglich hochgradig aufgeregt ins Postkastl meines Elternhauses geschaut hab... drei Tag nix... eine Woche nix... und mein Herz hat beim jeden Aufsperren und Hineinglotzen geflattert wie nach sechs Schalern Kaffée... Und dann!! Nach zehn oder ölf Tagen... war die Antwort da!! Zartgelbes Couvert, schwungvolle Damenhandschrift. Oooh... wie wild mein Löwenherz geschlagen hat beim Aufmachen... Der Briefbogen selbst war von gleicher Farbe wie die Hülle, mit einer Blume links oben. Das war schon mal ein gutes Vorzeichen. Astrid hat sehr höflich und freundlich geschrieben, hat mich geduzt, wie unter Studenten üblich... und hat bekundet, daß ihr die decente, KUNSTvolle Art, wie ich ihre Bekanntschaft gesucht hab, gut gefällt, ganz im Gegensatz zu dümmlichen oder rüpelhaften Annäherungsversuchen, denen sie täglich ausgesetzt ist. Weiters hat sie geschrieben, daß wir nach der nächsten Sondervorlesung Herrn Professor Hellwigs gern in Freundschaft reden mögen.

Fortsetzung folgt.
10.07.2017 um 19:04 Uhr

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22 Stimmen

Folge einhundertundzwölf

Die abendliche Sondervorlesung Herrn Professor Hellwigs über Philosophische Mathematik war, wie immer, sehr gut besucht. Im großen, vielstufigen auditorium war nahezu kein Platz frei. Ich war zeitig genug da und hab mich in einer der vordersten Reihen so hingesetzt, daß ich den vom Zuhörer aus rechts vom Podium geöffneten Saaleingang gut beobachten konnte. {Ich sitz allermeistens vorn, wegen der nahen Sicht und der guten Hörbarkeit des Vorgeführten. Freunde, die mich lang kennen, bezeichnen in Vortragssälen den Sessel in der ersten Reihe vom Zuseher aus linksaußen als den Löwenplatz.} Auf einmal war Astrid da... wegen des beschränkten Blickfelds hab ich nur ihren Oberkörper gesehn. Ich hab ihr diskret zugewinkt... sie hat flüchtig gelächelt, mir zugenickt und eine schnelle Handbewegung im Sinn von "später, nachher" gemacht. Dann ist sie irgendwo im Mittelfeld der rechten Flanke des Saales entschwunden. = Die Vorlesung des humorigen, hochgelehrten Professors war lehrreich und unterhaltsam, wie immer. Gleich nach der anhaltenden Beifallskundgebung, dem Klopfen mit den Fingerknöcheln auf den Pulten, bin ich zur Tür gegangen, um auf Astrid zu warten. Sie ist schnell gekommen... war möglicherweis auch neugierig. Bezaubernd attractiv und elegant war sie... weiße Baumwollbluse mit decenter Weißstickerei, kurzer schwarzer Wollrock und dem sommerlichen Wetter conform keine Strümpfe an ihren verstandzerreißend schönen hyperlangen Beinen. An ihren zierlichen, gepflegten Elfenfüßchen hatte sie die luftigen schwarzen Lacksandaletten auf den suprahohen Blockabsätzen an, auf denen ich die aufregende Dame gut zwei Wochen zuvor in Kaiserplatznähe gesehen... respective die ich in meinem Brief an sie zeichnerisch festgehalten hab. Wir haben uns kurz vorgestellt, mehr der conventio zulieb, denn wir haben die Namen voneinander gewußt. Um dem regen Betrieb im Universitätsgebäude zu enfliehn hab ich proponiert, daß wir ein Glasl Wein trinken gehn; Astrid war einverstanden und hat das auch von Studenten cultivierte Wirtshaus Zum Goldenen Einhorn auf dem nahe gelegenen Markt vorgeschlagen. = Der Historische Marktplatz von Bad AACHEN ist gewiß einer der schönsten Plätze der Welt, mit dem riesigen Rathaus, dem Stadthus, wie de Oecher sätt [der Aachener sagt], dessen ältester Teil, der Granusturm Karls des Großen, anno 788 fertiggebaut wurde; dem Carolus Magnus Brunnen; dem prachtvollen Haus Löwenstein aus dem Jahr 1344, original erhalten, mit dem Heiligen Johannes von Nepomuk an der Eckkante (im Haus ist unter anderem das Carnevals-Museum des AKV... wie könnt es sonstens sein, vüür send een Oche, wir sind in AACHEN..., sehts unsre Folgen 101 und 102); der seit 1615 activen Karls=Apotheke mit dem metallenen Monogramm Caroli Magni und der wenig beachteten Gedenktafel für Samuel Hahnemann, den Begründer der Homoeopathie darauf... sowie mit weiteren baukünstlerischen Juwelen. Im Historischen Rathaus ist auch der geschichtsträchtige hochfestliche Weiße Saal, an dessen Wänden die barocken Portraits der sechs Gesandten der politischen Mächte hängen, die unter anderen Örtlichkeiten in diesem Raum anno 1748 den Aachener Frieden eingeleitet haben, mit dem der Österreichische Erbfolgekrieg beendigt war... da treffen sich die beiden Kaiserstädte AACHEN und WIEN wieder. Eines der Bildnisse mag ich hervorheben: es stellt The Right Honourable John Monagu, 4th Earl of Sandwich dar, den berühmten Staatsmann und Diplomaten, nach dem die allgegenwärtigen sandwiches benannt sind. [Ein schräger typisch English joke aus meiner Linguistikstudentenzeit: Why can´t you starve in a desert? = Because of all the sand-which-is there.] Für mich ist der wunderschöne Weiße Saal auch ein ewiger Gedächtnisinhalt, freudig und wehmütig zugleich: In diesem Festraum haben meine selige erste Frau und ich in aller Feierlichkeit geheiratet. In einem der vier Zimmerecken=Medaillons ist ein schöner golderner Löwe mit Sceptrum... ich hatt mich unter dat Lievje [Löwchen, in WIEN sagen wir Löberl, wie Ihr wißts] gestellt, meine junge Frau hat uns zwei Lievjere photographiert und eine collectio Exemplare machen lassen... das ist eines meiner Lieblingsbildnisse. Gegenüber dem Stadthus, dem Rathaus, steht ein ensemble hocheleganter barocker Baukunstwerke (mit einigen Lückenfüllungen aus dem XX. Jahrhundert); in einem dieser eindrucksvollen Gebäude ist das Wirtshaus zum Goldenen Einhorn... welches, nach soviel AACHENer Stadtgeschichte, Astrid und ich nun fröhlich angesteuert haben.

Fortsetzung folgt.
21.07.2017 um 14:11 Uhr

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44 Stimmen

Benevolente Leserschaft!

Seit Ende Juli bin ich wieder in unsrer VATERstadt WIEN, in dieser wunderschönen lieben Weltmetropole... und bleib hier für längere Zeit. Hab da nur einen schlechten Rechner, auf dem das Schreiben kaum machbar ist. Mein Sohn, der grad mit Cameraden unterwegs ist, hat mir für heint seinen professionellen Rechner hergeliehn. Also weiter im Bericht. L.

Folge einhundertunddreizehn

"Du kannst wunderbare Briefe schreiben!", hat Astrid die Conversation eröffnet. Ich war ihr dankbar hierfür, denn ich war ein bißchen verlegen und hatte hinundherüberlegt, womit ich das Gespräch anfangen sollte, und zwar so, daß es heiter, aber net plump, decent, aber net fad klingen mochte. Das ist gar net so einfach, denn Damen beurteilen einen Cavalier meist gemäß der ersten Gesprächsanbahnung. Ich hab nun den Inhalt meines Briefs weiterführend humorig commentiert... dann haben wir das Goldene Einhorn erreicht und dort in der Gaststube Platz genommen. "Mach Dir etwas aus dieser Begabung", hat Astrid proponiert. "Dein Brief hat mich zum Nachdenken angeregt... und viel gelacht hab ich auch, wie schon lang nicht mehr. Du sollst Schriftsteller werden." Sie war net die erste, die mir hierzu geraten hat; ich war erst vierzehn gewesen, als eine elegante Germanistik=Professorin, die eine anfangerhafte Humoreske von mir gelesen hatte, zum Urteil gelangt ist, daß ich Talent zum Schreiben hab. = Der Kellner hat unsere Weißweine gebracht. "Du kannst märchenhaft schöne Schuhe zeichnen!", hat Astrid fortgesetzt... und ich war auf soviel Anerkennung net gefaßt. "Du magst offensichtlich gern schicke Stöckelschuhe", hat sie hinzugefügt. Ich hab dies deutlich wie freudig bejaht. Die traumhaft schöne Dame hat nun den Faden der Gesprächsführung schwungvoll an sich gerissen. "Diese tollen spitzen Pömps auf den dünnen Bleistiftabsätzen, die Du mir gezeichnet hast... die würd ich mir sofort machen lassen, wenn ich viel Geld hätte. Diese absolut Klasse schöne Form gibt es leider seit vielen Jahren nicht mehr. Meine Lieblingsform!! Wenn Du auf hohen Absätzen gehn willst, dann gibt es momenten nur diese Plateau-Dinger auf Klotzabsätzen... ich freu mich, daß ich zumindest diese hier, die ich anhab, bekommen hab, mit drei weiteren ähnlichen Paaren zusammen, denn sie haben relativ dünne Plateausohlen und einigermaßen schlanke extrahohe Hacken. Weißt Du, L., als ich fünfzehn und sechzehn war, da hab ich drei Paar Stöckelschuhe gehabt genau in der Form, wie Du sie gezeichnet hast. Ich hab sie immer und überall getragen... so lang, bis sie ganz zerrissen und nicht mehr ausbesserbar waren. Ich war ganz traurig, als ich sie weggeworfen hab... und werd immer noch traurig, wenn ich daran denke. Ja... ich geh fast ausschließlich auf hohen Absätzen, seit meinem vierzehnten Lebensjahr. Ich hab meiner Mutter immer wieder gesagt, daß mir mit flachen Schuhen der Rücken wehtut, was sogar gestimmt hat. Also hat sie mir die heißgeliebten steilen Stöckel gestattet. Auch in der Schule hab ich sie täglich getragen; es war eigentlich unerwünscht, aber die Direktorin, die meine Eltern gekannt hat, hat es mir erlaubt, auf medicinischen Rat hin, wie es geheißen hat. Und... das kannst Du Dir denken, L.: die Turnstunden hab ich gehaßt wie die Giftschlangen. Da mußte ich nämlich die ekelhaften, unbequemen Folterwerkzeuge, Hallenschuhe genannt, anziehen. Es hat arg gezogen in meinen Waden, mein Rücken hat sich nach vorn gekrümmt, ich konnte mich nur schwer grade aufrichten. Ooooh wie ich mich gefreut hab, als ich mit dem Gymnasium fertig war! Nach der letzten Sportstunde hab ich die zutiefst verhaßten Turnschuhe ritualhaft zerschnitten und die Stücke feierlich in einen öffentlichen Abfallkübel katapultiert. Seitdem kommen keine flachen Schuhe an meine Füße!! Ich hab auch keine platten Treter... was sollt ich damit, ich würd sie eh nicht anziehen." Die Sprecherin ist richtig in verbale Begeisterungsfahrt gekommen. Ich hab mit gespannter Aufmerksamkeit zugehört... und konnte Astrids flachstapferfeindliche Ausführungen ganz und gar nachvollziehen, maßen ich all dies selbst so empfunden hab. Die schöne Dame hat meine hingebungsvolle thematische Anteilnahme registriert. "Du bist ein guter Zuhörer. Trotzdem weiß ich gar nicht, L., warum ich soviel Vertrauen zu Dir hab, daß ich mit Dir sofort über hochhackige Pömps rede... Soll ich sagen... endlich ein Mann, mit der ich über Stöckelschuhe und hohe Absätze reden kann!! Weißt Du... mit meinem Verlobten kann ich das nicht. Er ist ein toller Mann, aber es ist ihm Wurscht, was für Schuhe ich trage. Von ihm aus könnte ich meine Füße in zwei Pappschachteln stecken. Er hat weder die Augen noch den Sinn dafür. Doch Dir es ist offensichtlich bekannt, daß wir Frauen gern über schöne Schuhe reden... Weißt Du, L. ... Dein Brief und so... ich find Dich nett und höflich... und ich seh und fühle, daß Du viel für mich übrig hast... aber... ABER! ich bin verlobt. Ich sag das, damit wir uns nicht mißverstehen. Wir können gern gute Freunde sein. Mehr nicht. Kannst Du das akzeptieren?" Was blieb mir übrig, als dies freudig zu bejahen... obschon Astrid die richtige Freundin, Cameradin und Stöckelcollegin für mich gewesen wär.

Fortsetzung folgt.
16.08.2017 um 23:56 Uhr

AntwortenPositiv Negativ
22 Stimmen

Folge einhundertundvierzehn

Die strahlend schöne wie auch eloquente Astrid hat noch lang geredet, über ihr Elternhaus im Rheinland, ihre vielen Geschwister, ihre Lieblingsbücher... und dann wieder über elegante Füßebekleidung. "Lustig, L., daß ich grad mit einem Mann so gut über hochhackige Schuhe reden kann", hat sie abermals festgehalten. "Selbst mit meiner besten Freundin kann ich das nicht. Sie ist die tollste Cameradin, die Du Dir denken kannst... aber Schuhe sind ihr unwichtig, besser gesagt: nur praktische Füße-Verhüllung; sie trägt meistens häßliche flache Trotteurs und lacht über meine Vorliebe für superschicke Pömps und Sandalettchen auf extrahohen Absätzen..." "Ich lach mit Sicherheit nicht darüber", hab ich mich beeilt zu entgegnen. "Ich find es wunderbar, daß Du sie sehr magst und immer trägst". {In WIEN hätt ich gewiß "tragst" gesagt... Gleichwohl hatt ich mir allmählich die bundesdeutsche oder gar Rheinländische dictio angeeignet... und hab in kurzer Zeit die Mundart der Grenzstadt BAD AACHEN, Oecher Platt genannt, leidlich gelernt.} Um das aufregende Thema weiterzuflechten, hab ich mir wieder einmal, wie vor langer Zeit gegenüber Julia (sh. Folgen 37, 46), erlaubt, eine Frage zu stellen, obschon ich Julias einstige streng rügende Antworten gut im Gedächtnis bewahrt hab. "Kannst Du gut gehn auf diesen riesig hohen Absätzen, Astrid...?" Die schöne Dame hat aber, wider Erwarten, nicht zurechtweisend, vielmehr sachgerecht reagiert. "Jaaa... das heißt... ich knicke oft. Häufiger als auf den superdünnen Bleistiftabsätzen, die ich als Gymnasiastin getragen hab. Weißt Du... die stricknadeldünnen Hacken haben auch einen Nachteil, Du kannst darauf in den Pflasterfugen steckenbleiben, von denen es in AACHEN übermäßig viele gibt... Und oft ist dann der feine Lederüberzug auf den wunderbar schicken Absätzen beschädigt. Das sieht ungepflegt aus, und das Beziehenlassen ist arg teuer. Doch auch dann träum ich von solchen Pömps... oooh... hoffentlich gibt es sie bald wieder! Und... die solchen Absätze, wie ich sie auch jetzt anhab, diese etwas breiteren, knicken oftmals seitlich in die größeren Pflasterfugen hinein. Da können die Fesseln ein bißchen wehtun... aber das stört mich schon lang nicht mehr, ich hab mich daran gewöhnt." "Na, sei vorsichtig", hab ich lächelnd gemahnt. "Jedenfalls stehn Dir Deine Schuhe auf diesen Riesenabsätzen ganz wunderbar himmlisch gut... an Deinen schönen Füßchen." Astrid hat nachdenklich gelächelt. "Danke, L. Wenn Du für hochhackige Schuhe so viel übrig hast... dann darfst Du mich mal gern besuchen. Wir trinken ein Glas Wein... und ich führ Dir meine anderen Paare vor. Weißt, wo ich wohn. Zuoberst im kleinen Dach-Appertement. Meld Dich aber bitte vorher an. Und... auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhol: Gute Freunde, nicht mehr. Klar?" "Klar"... hab ich erwidert... und säuerlich geschluckt dabei.

Fortsetzung folgt.
12.09.2017 um 20:06 Uhr

AntwortenPositiv Negativ
33 Stimmen

Folge einhundertundvierzehn

Die strahlend schöne wie auch eloquente Astrid hat noch lang geredet, über ihr Elternhaus im Rheinland, ihre vielen Geschwister, ihre Lieblingsbücher... und dann wieder über elegante Füßebekleidung. "Lustig, L., daß ich grad mit einem Mann so gut über hochhackige Schuhe reden kann", hat sie abermals festgehalten. "Selbst mit meiner besten Freundin kann ich das nicht. Sie ist die tollste Cameradin, die Du Dir denken kannst... aber Schuhe sind ihr unwichtig, besser gesagt: nur praktische Füße-Verhüllung; sie trägt meistens häßliche flache Trotteurs und lacht über meine Vorliebe für superschicke Pömps und Sandalettchen auf extrahohen Absätzen..." "Ich lach mit Sicherheit nicht darüber", hab ich mich beeilt zu entgegnen. "Ich find es wunderbar, daß Du sie sehr magst und immer trägst". {In WIEN hätt ich gewiß "tragst" gesagt... Gleichwohl hatt ich mir allmählich die bundesdeutsche oder gar Rheinländische dictio angeeignet... und hab in kurzer Zeit die Mundart der Grenzstadt BAD AACHEN, Oecher Platt genannt, leidlich gelernt.} Um das aufregende Thema weiterzuflechten, hab ich mir wieder einmal, wie vor langer Zeit gegenüber Julia (sh. Folgen 37, 46), erlaubt, eine Frage zu stellen, obschon ich Julias einstige streng rügende Antworten gut im Gedächtnis bewahrt hab. "Kannst Du gut gehn auf diesen riesig hohen Absätzen, Astrid...?" Die schöne Dame hat aber, wider Erwarten, nicht zurechtweisend, vielmehr sachgerecht reagiert. "Jaaa... das heißt... ich knicke oft. Häufiger als auf den superdünnen Bleistiftabsätzen, die ich als Gymnasiastin getragen hab. Weißt Du... die stricknadeldünnen Hacken haben auch einen Nachteil, Du kannst darauf in den Pflasterfugen steckenbleiben, von denen es in AACHEN übermäßig viele gibt... Und oft ist dann der feine Lederüberzug auf den wunderbar schicken Absätzen beschädigt. Das sieht ungepflegt aus, und das Beziehenlassen ist arg teuer. Doch auch dann träum ich von solchen Pömps... oooh... hoffentlich gibt es sie bald wieder! Und... die solchen Absätze, wie ich sie auch jetzt anhab, diese etwas breiteren, knicken oftmals seitlich in die größeren Pflasterfugen hinein. Da können die Fesseln ein bißchen wehtun... aber das stört mich schon lang nicht mehr, ich hab mich daran gewöhnt." "Na, sei vorsichtig", hab ich lächelnd gemahnt. "Jedenfalls stehn Dir Deine Schuhe auf diesen Riesenabsätzen ganz wunderbar himmlisch gut... an Deinen schönen Füßchen." Astrid hat nachdenklich gelächelt. "Danke, L. Wenn Du für hochhackige Schuhe so viel übrig hast... dann darfst Du mich mal gern besuchen. Wir trinken ein Glas Wein... und ich führ Dir meine anderen Paare vor. Weißt, wo ich wohn. Zuoberst im kleinen Dach-Appertement. Meld Dich aber bitte vorher an. Und... auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhol: Gute Freunde, nicht mehr. Klar?" "Klar"... hab ich erwidert... und säuerlich geschluckt dabei.

Fortsetzung folgt.
12.09.2017 um 20:06 Uhr

AntwortenPositiv Negativ
44 Stimmen

Folge einhundertundvierzehn

Die strahlend schöne wie auch eloquente Astrid hat noch lang geredet, über ihr Elternhaus im Rheinland, ihre vielen Geschwister, ihre Lieblingsbücher... und dann wieder über elegante Füßebekleidung. "Lustig, L., daß ich grad mit einem Mann so gut über hochhackige Schuhe reden kann", hat sie abermals festgehalten. "Selbst mit meiner besten Freundin kann ich das nicht. Sie ist die tollste Cameradin, die Du Dir denken kannst... aber Schuhe sind ihr unwichtig, besser gesagt: nur praktische Füße-Verhüllung; sie trägt meistens häßliche flache Trotteurs und lacht über meine Vorliebe für superschicke Pömps und Sandalettchen auf extrahohen Absätzen..." "Ich lach mit Sicherheit nicht darüber", hab ich mich beeilt zu entgegnen. "Ich find es wunderbar, daß Du sie sehr magst und immer trägst". {In WIEN hätt ich gewiß "tragst" gesagt... Gleichwohl hatt ich mir allmählich die bundesdeutsche oder gar Rheinländische dictio angeeignet... und hab in kurzer Zeit die Mundart der Grenzstadt BAD AACHEN, Oecher Platt genannt, leidlich gelernt.} Um das aufregende Thema weiterzuflechten, hab ich mir wieder einmal, wie vor langer Zeit gegenüber Julia (sh. Folgen 37, 46), erlaubt, eine Frage zu stellen, obschon ich Julias einstige streng rügende Antworten gut im Gedächtnis bewahrt hab. "Kannst Du gut gehn auf diesen riesig hohen Absätzen, Astrid...?" Die schöne Dame hat aber, wider Erwarten, nicht zurechtweisend, vielmehr sachgerecht reagiert. "Jaaa... das heißt... ich knicke oft. Häufiger als auf den superdünnen Bleistiftabsätzen, die ich als Gymnasiastin getragen hab. Weißt Du... die stricknadeldünnen Hacken haben auch einen Nachteil, Du kannst darauf in den Pflasterfugen steckenbleiben, von denen es in AACHEN übermäßig viele gibt... Und oft ist dann der feine Lederüberzug auf den wunderbar schicken Absätzen beschädigt. Das sieht ungepflegt aus, und das Beziehenlassen ist arg teuer. Doch auch dann träum ich von solchen Pömps... oooh... hoffentlich gibt es sie bald wieder! Und... die solchen Absätze, wie ich sie auch jetzt anhab, diese etwas breiteren, knicken oftmals seitlich in die größeren Pflasterfugen hinein. Da können die Fesseln ein bißchen wehtun... aber das stört mich schon lang nicht mehr, ich hab mich daran gewöhnt." "Na, sei vorsichtig", hab ich lächelnd gemahnt. "Jedenfalls stehn Dir Deine Schuhe auf diesen Riesenabsätzen ganz wunderbar himmlisch gut... an Deinen schönen Füßchen." Astrid hat nachdenklich gelächelt. "Danke, L. Wenn Du für hochhackige Schuhe so viel übrig hast... dann darfst Du mich mal gern besuchen. Wir trinken ein Glas Wein... und ich führ Dir meine anderen Paare vor. Weißt, wo ich wohn. Zuoberst im kleinen Dach-Appertement. Meld Dich aber bitte vorher an. Und... auf die Gefahr hin, daß ich mich wiederhol: Gute Freunde, nicht mehr. Klar?" "Klar"... hab ich erwidert... und säuerlich geschluckt dabei.

Fortsetzung folgt.
12.09.2017 um 20:06 Uhr

AntwortenPositiv Negativ
44 Stimmen

Folge 114 ist hier gleich dreimal erschienen... liegt an der Technik.

I schreib sogleich weiter. Vüü Freid weitehin in Fröhlichkeit! L.
28.09.2017 um 16:11 Uhr

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66 Stimmen

Folge einhundertundfünfzehn

Nach langer Conversation sind wir aufgebrochen. Die ausnehmend elegante Astrid ist mit anmutigen, lockeren Bewegungen neben mir geschritten, mit elfenhafter Leichtigkeit auf ihren dreizehenoffenen Füßchenvorführern, auf gefühlten ölf Centi hohen Absätzen ihre extralangen engelswunderschönen Beine schwingend, nahezu schwebend... Wir sind die schöne Promenierstrecke Großkölnstraße, Komphausbadstraße, ein Stück Peterstraße und die in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts noch elegante Fußgehermeile Adalbertstraße gegangen in Richung Kaiserplatz. Zahlreiche Männer haben sich nach der auffallend attractiven, soignierten Astrid umgewendet = ich hab's genossen... =, was gewiß nur begreiflich ist, denn die langen Beine der aufregenden Dame im sehr kurzen Rock und auf steilen Hacken waren in höchster Stufe laufstegreif. Am Kaiserplatz sind wir rechts in die Wilhelmstraße eingebogen, und nach wenigen Metern war Astrid daheim... leider... denn ich hätt sie gern noch kilometerlang begleitet. "Darf ich Dich wirklich mal besuchen...", wollt ich, mit gehöriger Aufregung, wissen zum Abschied. "Ja", hat Astrid verhalten entgegnet, "ich hab es doch gesagt". "Könnten wir... gleich eine Zeit ausmachen...", hab ich unsicher gefragt, während mein Herz unruhig gehämmert hat. "Wart mal...", hat die Schönheit erwidert, "heut ist... Freitag. Also... nächste Woche Dienstag kannst mich gern besuchen, wir trinken ein Glas Wein. Nach dem letzten Seminar... ich bin recht genau fünf Uhr am Nachmittag da. Wir sehn uns hier vor dem Haus, bitte sei Schlag pünktlich, komm auch nicht zu früh... Du weißt, die Leute reden zu viel, es fällt auf, wenn hier jemand lang vor einem Eingang steht". = Oh Freunde... wie gern hätt ich die hochhackige Traumfrau Astrid jetzt fest in meine Arme geschlossen... dies war aber ausdrücklich nicht statthaft. Die hyperattractive extralangbeinige High=Heels=Elfe ist nun verschwunden hinter dem zuschwingenden Eingangstor. Und... ich hab vor mir selbst einräumen müssen, daß ich mich ganz sacrisch heftig in sie verknallt hab.

Fortsetzung folgt.
28.09.2017 um 17:11 Uhr

AntwortenPositiv Negativ
55 Stimmen

Ich seh grad beim schnöllen correctura=Lesen, daß ich mich in der Folge 110 vercalculiert hab... anderthalb Centi sind keine neunzig Millimeter, es sind nur fünfzehn Millimeter. Anderthalb Minuten sind gewiß neunzig Secunden, wenn i mi´ net verlöw... das war wohl der

Grund meines arithmetischen Verschreibsels. Pardonnez-moi. L.
10.10.2017 um 03:27 Uhr

AntwortenPositiv Negativ
77 Stimmen

Folge einhundertundsechzehn

Ich konnte den Dienstag kaum erwarten... Als die ersehnte Stunde schließlich ganz nahe war, hab ich mich, sorgfältig gekleidet und mit einer Flasche Qualitäts=Rheinwein in einem Stoffsackerl, vor das Portal des Hauses begeben, in dem die schöne Astrid gewohnt hat... Schlag pünktlich, wie sie befohlen hatte. Auch sie war auf die Minute pünktlich, von der Lothringerstraße aus kommend, während ich vom Kaiserplatz her genaht bin. Sie hat mir diskret lächelnd zugewinkt. Die attractive Dame war diesmal in Brauntönen gekleidet, die bezaubernd schönen langen Beine in hauchdünnen, durchschimmernden elfenbeinfärbigen Strümpfen... [Elfenbein ist ein seltsames Wort... üblicherweis hat es mit den lieblichen Märchenféeen nix zu tun und müßte logischerweis Elefantenzahn heißen... doch diesmal war der Begriff begründet, denn die Strümpfe haben in der Tat zwei verstandzerreißend wohlgeformte Elfen=Beine zart umschmeichelt.] An den schlanken Füßchen hatte Astrid eine Paar rehbraune Pömps eher classischen Schnitts = soweit mit dem damaligen Mode-Dictat vereinbar = , mit weit décolletierten spitzen Vorderblättern auf nur ein Centi hohen Plattformsohlen... und zu meiner großen Freude hatten die schicken Schucherl zwölfeinhalb Centi steile schlanke Blockabsätze, auf denen die aufregende Schönheit nahezu schweberisch geschritten ist. Wir haben uns diskret gegrüßt, und Astrid hat mit einer Handbewegung Eile geheischt. Das gläserne Haustor ist hinter und zugeschlagen... und wir sind in der eleganten Vorhalle eines gepflegten Historismus=Hauses gestanden. "Schön, daß Du da bist", hat Astrid begonnen. "Und dank Dir für das Pünktlichsein." Das alles hat recht förmlich geklungen. "Ich geh mal vor, ich wohn ganz oben in der Dachkammer. Ist billig, weißt Du." Die elegante Dame ist zum Stiegenabsatz geschritten, ich hinterher, ihre wunderschönen Beine im Augenschein. Astrid hat die vielen Stufen all die Étagen empor auf eine ungewöhnliche Art bewältigt. Net so, wie nahezu alle Stiftabsätzefreunde, meiner Löwigkeit inclusive, dies meistens tun, nämlich daß sie... respective daß wir nur die Vorderfüße aufsetzen, während wir die hoch bestöckelten Fersen frei schwingen lassen = so ist es am leichtsten, die Stiege hochzukraxln = , vielmehr ist meine aufregende Gastgeberin bei jedem Steigschritt mit der gesamten Schuhunterseite, also Vorderblatt und Absatz, auf die Stufe getreten. {Nebenbei: diese Art des Stiegenhochgehns nenn ich seitdem ´Astrid=Schritt´.} Oben in ihrer kleinen Stube angekommen hat sich Astrid ihre eleganten Stöckelschuhe abgestreift und ihre reizenden Füßchen in ein Paar zehenoffene Pantoletten gleiten lassen, mit hellblauem Oberteil und auf löwenfärbigen zehn Centi hohen Keilabsätzen. "Schicke Hausschucherl hast Du, Astrid". Mit dieser Einleitung hab ich ihr die Flasche Rheinwein übergeben. Nach einem Dankeswort und der Aufforderung zum Platznehmen hat meine attractive Gastgeberin sogleich unser Lieblingsthema angeschnitten. "Ja, Du hast recht, L. Das sind wirklich meine Hausschuhe. Schön luftig... und schön hochhackig. Denn einerseits will ich meine Füße immer in der hochfersigen Stellung halten = ich gefall mir so. Anderseits könnt ich mit flachen Tretern nicht richtig gehn. Diese süßen Hauschuhe halten meine Füße im Form. Aber... jetzt trinken wir doch etwas, bevor wir es vergessen vor lauter Stöckelschuheliebhaberei, die wir offenbar gemeinsam haben." Astrid ist circa zwei Meter vor mir niedergekauert, mich nebst einem Anflug von Lächeln beobachtend, hat mit der rechten Hand eine weiße, bodennahe Wandkastentür aufgemacht, mit dem gestreckten rechten Arm hineingegriffen, um etwas zuunterst und hinterst Liegendes herauszuholen... ihr schlanker Oberkörper hat sich nach rechts in Richtung Hohlraum geneigt... und um das Gleichgewicht in der Hockstellung zu halten, hat die junge Dame ihr bezaubernd schönes extralanges linkes Bein horizontal in die Gegenrichtung geschwungen, das feine Füßchen erotisch gestreckt. Ich bin rasch aufgestanden... und, durch den bisher letzten Satz der Gastgeberin encouragiert, hab mit den Fingerspitzen den hauchzart bestrumpften hochgewölbten Elfchenfuß auf dem niedlichen hohen Keilabsatzschuh = wedge mule, wie der Brite sagt = zärtlich berührt. Astrid ist nervös zusammengezuckt. "Bitte, laß das. Das darfst Du nicht! L.. bitte... ich weiß, daß Du etwas Schönes für mich empfindest. Und... ich find Dich auch nett. Aber ich hab einen festen Freund, und wir wollen bald heiraten. Halt Dich also zurück... und ich will das nicht nochmal sagen." Das ist streng geklungen. Doch nun hat die Dame das Gesuchte gefunden, eine Literflasche Muskateller, und hat den Wandkasten geschlossen. "Wir trinken erst mal diesen. Den von Dir halten wir in der Reserve. Ach, L. ... mach nicht so ein Gesicht. Nichts für ungut... War lieb gemeint von Dir... ich wollt nur klarstellen, daß es für uns beiden Grenzen gibt." "Leider...", hab ich mit einem bewußt überzogenen Cabaretlächeln erwidert... und Astrid mußte lachen. Sie hat zwei Gläser herbeigezaubert, und wir haben auf unsrere Stöckelschuheaffinität getrunken. "Ja, wirklich, L.", hat Astrid in ihrer gewohnten Eloquenz fortgesetzt, "es gibt kaum ein schöneres Gefühl auf der Welt, als auf superhohen Absätzen zu schreiten! Alle, die nicht hochhackig gehn können, mögen mir vergeben, aber ich seh das so, daß es sich schon wegen dieses wunderbaren Gefühls lohnt, in diesem irdischen Leben zu sein!" Ich war etwas verblüfft... dieser überschwengliche Sager ist aus dem Mund einer Studentin der Katholischen Theologie geglitten... Sollt ich jetzt sagen: Eine Bestätigung mehr für die Zauberkraft superhochhackiger Pömps... Und Astrid hat weitergeschwärmt. "Wirklich himmlisch, auf solchen Schuhen zu gehn!!... Allerdings kannst Du es Dir kaum vorstellen, wie oft ich mir dümmliche Kommentare anhören muß: Du mit Deinen blöden superhohen Absätzen immer und überall, sagen die Leute. Und: Ist das denn nicht schwer, so zu gehn... Tun Dir dir Füße nicht weh den ganzen Tag... Warum tust Du Dir das an... Wie kannst Du darauf laufen... ja, einige culturlose Typen sagen sogar ´damit´ statt ´darauf´, stell Dir das einmal vor, L.!" "Selbstverständlich heißt es doch´darauf´, hab ich schnell bestätigt, und Astrid hat mir freudig, quasi stöcklcollegial zugelächelt. "Nun tatsächlich, L.! Ein traumhaftes Laufgefühl... hochfersig, mit gestreckten Fesseln, nahezu schwebend, als hättest keinen oder fast keinen Bodencontact... und je höher beziehungsweise je dünner die Absätze, desto mehr empfindest Du das so." "Ich beneid Dich darum!!", ist es mir erregt aus dem Mund geglitten, denn die Begeisterung der jungen Dame hat sich auf mich ausgeweitet. Astrid hat leicht verdutzt innegehalten: "Wie meinst Du das?" "Na, ich beneid Dich um dies Gefühl", hab ich erklärt, "das Du grad als so schön und aufregend beschrieben hast. Ich möcht gern auch auf hohen Stiftabsätzen gehn, um dies, wie Du sagst, traumhafte Laufgefühl zu erfahren..." "Du...?!", hat mich die Dame unterbrochen "Du bist doch nicht etwa... ööh..." "Astrid!!", hab ich entsetzt gerufen. "Neeein!! Jetzt komm nicht auf verkehrte Gedanken... Du hast Vertrauen zu mir gefaßt... also erzähl ich Dir auch etwas von Stöcklschuhen... aber trinken wir erst einen Schluck." Astrid hat mir verhalten lächelnd zugeprostet, und ihr Gesicht hat Neugierde ausgestrahlt. Die fünf oder sechs Glasl Wein hatten gewiß meine Gedanken etwas gelockert... und ich war nun der Auffassung, daß ich mich dieser hyperattractiven, sehr netten, fröhlichen Stöcklcollegin gegenüber öffnen sollte... hab mich im Sessel zurückgelehnt und hab meiner schönen Gastgeberin in Kurzfassung berichtet über meine Affinität zu erlesenen Schuhen auf superhohen, extradünnen Bleistifthacken sowie über meine Erfahrungen und Empfindungen auf traumhaft eleganten classischen spitzen Nadlabsatzpömps, die ich doch zum correcten Anzug mit Crawatte am liebsten immer anziehn würde.

Fortsetzung folgt.
20.10.2017 um 00:43 Uhr

AntwortenPositiv Negativ
88 Stimmen

Folge einhundertundsiebzehn

Astrid hat sehr aufmerksam zugehört, ohne mich zu unterbrechen. Als ich dann meinen Bericht abgeschlossen hab, ist für einige Secunden eine Stille entstanden... dann hat Astrid charmant und ausgelassen aufgelacht. "L!! Du bist ja genauso stöckelschuhesüchtig wie ich es bin! Hab ich bei einem Mann noch nie erlebt... Allerdings... wie ich Dich mir so anschau, kann ich mir lebhaft vorstellen, daß Dir die schicken Dinger gut stehn. Hast die Figur dafür... und... wie soll ich es nennen... die eleganten, etwas ausgezirkelten Bewegungen. Und kleidest Dich immer sehr sorgfältig, was ja für das Gehn auf hochhackigen Schuhen ein Muß ist." Ich hab mich ganz riesig gefreut über diese verständnisvolle Reaction Astrids. "Ich wart ebenso wie Du darauf, daß die spitzen Pömps auf extradünnen Nadelabsätzen wieder Mode werden... doch in meiner Größe vierundvierzig werden sie auch dann schwer zu bekommen sein..." "Da hast wohl recht...", hat meine Gastgeberin erwidert, "Du wirst eine Weile suchen müssen. Mach das, wenn die Mode wiederkommt. Zu diesem schnittigen Anzug, den Du grad trägst, werden ein paar classische schwarze Pömps auf steilen Bleistiftabsätzen, im Stil der Sechzigerjahre, ganz toll aussehn! Mußt aber ganz feine schwarze Kniestrüpfe dazu anziehn. Blickdicht, sechzig DEN, das ist am besten für einen Mann." Astrid hat kurz innegehalten, dann etwas schräg gelächelt. "Lustig... hab mir grad vorgestellt, daß mein Verlobter auf Stöckelschuhen geht... einfach undenkbar... er ist der absolute Antityp für sowas. Sportsman halt. Doch schreiten wir zur Tat! Trinken wir noch einen und dann, wenn Du magst, führ ich Dir meine kleine Collection vor. Hab nicht viele Schuhe, denn ich bin sehr knapp bei Kasse. Nur sieben Paar. Wird also schnell gehn." "Ich würd sie mir gern anschaun", hab ich begeistert und mit ästhetischer Vorfreude entgegnet, "selbst wenn Du siebzig Paar hättest". Nach dem nächsten Glas Wein ist Astrid aufgestanden und zum weißen Kleiderkasten beim Fenster geschritten. "Komm doch mit, L.!" Auf dem Boden des nun offenen Kastens sind fünf Paar liebreizende hochhackige Schuhe gestanden, accurat aufgereiht. "Einige kennst schon", hat Astrid ausgesprochen, was ich grad gedacht hab. Da war das Paar schwarze Lackpömps mit den durch Lederapplicationen verzierten Carré=Vorderblättern und auf Zehner=Blockabsätzen, das waren die Schuhe, auf denen ich die schöne Astrid das erstemal gesehn hatte (sh. Folge 107), dann die aufregenden drei=Zehen=offenen schwarzen Lacksandaletten mit den fersenfrei über den Achillessehnen zu kreuzenden Fesselnriemchen auf gut zwölf Centi hohen Absätzen (sh. Folge 110), weiters ein ähnliches Paar in gleicher Farbe, ebenso seitlich offen und mit Fesselnriemchen, nur mit geschlossenen Vorderblättern und Fersenkappen, alle diese Paare mit relativ dünnen Plateau-Sohlen... und schließlich zwei Paar ganz zarte schwarze Riemchensandaletten mit Fersenslings, auf feinen, biegsamen Sohlen und zu meiner hohen aesthetischen Freude auf extradünnen, classisch geschweiften Nadlabsätzen; das eine Paar in Glattleder auf sieben Centi hohen Hacken, das andere in Wildleder, wobei die schmalen Riemchen der Vorderblätter jeweils in der Mitte durch eine im Licht funkelnde Straßkristallspange zusammengehalten wurden, auf Achter=Bleistiftabsätzen. Ich hab frech nach diesem letztere Paar gegriffen. "Die sind sehr elegant! Und ohne Plateaus und auf richtig dünnen Nadlabsätzen!", hab ich begeistert gerufen. "Ja", hat Astrid erwidert, "diese hab ich noch aus meiner Gymnasialzeit. Wirklich sehr schön... nur die Absätze sind für mich nicht hoch genug. Am liebsten geh ich auf gefühlten Elfern oder Elfeinhalbern. Das Paar, das Dir offenbar so gut gefällt, trag ich zum Abendkleid. Ich mein, zum langen Ballkleid passen keine Plateausohlen, das sieht billig aus... selbst wenn hochprominente Damen das vormachen wegen diesen blöden Mode. Dann lieber weniger steile Hacken." Ich hätt Astrid am liebsten fest in meine Arme geschlossen für diese conservativ=damenhafte Ansicht. "Führst Du sie mir mal vor... ich mein, an Deinen schönen Füßchen..." Astrid hat eine Weile überlegt und ist zu ihrem Sessel geschritten. "Ja... wenn Du magst... wirf sie mal her!" "Darf ich sie Dir anziehn..." Astrid hat eine strenge Miene geschnitten. "Fängst schon wieder an?! Gute Freunde... wie oft muß ich das wiederholen..." Ich hab geworfen... und die schöne Dame hat die Sandaletten geschickt aufgefangen und im Stehn mit aufregendst eleganten Körperbewegungen an ihre gepflegten Elfchenfüße gestreift. "Sie stehn Dir wunderbar, Astrid!" "Danke. Stell sie bitte zurück." Sie hat ihre Füßchen blitzschnell wieder in ihre keilabsätzigen Hausschuhe gleiten lassen und mir die Abendsandaletten zurückgeworfen; ich hab sie an ihren Platz gestellt und den Kasten accurat geschlossen. "Das sechste Paar hab ich an... und das siebte hab ich vorhin angehabt auf der Straße." Dieses siebente Paar Schuhe, die rehbraunen, nahezu classischen Pömps mit dünnen Plateausohlen und auf Zwölfeinhalber=Blockabsätzen, sind in der Ecke links neben der Tür gestanden. "Diese sind auch sehr schick... kommen unserer Lieblingsform am nächsten." "Ja", hat Astrid entgegnet, "ich mag sie auch sehr gern. Vor allem wegen der Höhe... gefühlte Elfeinhalb! Himmlisch, darauf zu schreiten! Du schwebst gradezu..." "Ich würd Dich gern auf solchen Schuhen durch das Stadtcentrum begleiten", hab ich nach Astrids erneuter Begeisterung Courage gefaßt. "Und noch lieber auf classischen hyperhochhackigen Nadlabsatzpömps... ich mein, daß wir beiden solche Schuhe anhaben..." Meine reizende Gastgeberin hat charmant gelacht. "Weißt Du was... ich würd sogar mitmachen. Schon aus guter Freundschaft. Wenn Du mich begleitest, kommt mit Sicherheit niemand auf dumme Gedanken. Du weißt ja: viele Menschen sind voll mit blöden Vorurteilen, bis zum Stehkragen. Was für ein Zeug auch mir manche Blödmänner nachrufen, wenn ich allein durch die Stadt stöckel. Zu zweit wär es schön und spannungsfrei... wir hätten beide unsre Freude dran." Zum Scherz hab ich meinen rechten Slipper abgestreift und die Spitze meines Fußes in den zarten rehbraunen Stöckelschuh gesteckt... wobei ich einen aufregenden Stromschlag empfunden hab. Astrid mußte wieder lachen. "Du hast schlanke, biegsame Füße. Wie eine Frau. ich würd Dir die Pömps sogar leihen... aber wir haben nicht die gleiche Größe." Wir haben beide herzhaft gelacht, dann wieder Platz genommen und fröhlich ein weiteres Glas geleert. "Da fällt mir was ein, Astrid. Auf Flohmärkten seh ich hie und da die Pömps=Classiker aus den Sechzigern... sicher gebraucht, aber ganz spitz, weit zehenansätzefrei décolletiert und auf richtigen hyperdünnen klaß=hohen Nadlabsätzen. Soll ich mal schauen für Dich..." "Würdest Du das wirklich tun...?", hat Astrid erfreut gefragt. "Weißt Du, ich geh nie auf Flohmärkte. War vor Jahren mal dort, hab mich aber recht unsicher gefühlt... das Gedränge... und ein paar Männer haben mich ganz dumm angequatscht, einer hat sogar die Drängelei vor einem Bücherstand genutzt, um mich zu berühren... ein ekliger alter Fettsack... es überläuft mich kalt, jetzt noch, wahahahaha..." "Ich schau für Dich", hab ich freudig bestätigt, mit dem Hintergedanken, auf diese Weise unsere Freundschaft enger zu flechten. "Größe achtunddreißig bis neununddreißig, schätz ich." "Ganz genau! Bravo, L.!" Astrid hat kurz applaudiert. = Die zweite Flasche Wein war dann auch leergetrunken... und ich hab mich zum Gehn gewandt. Wir haben einhellig festgehalten, daß es ein sehr schöner, heiterer Nachmittag gewesen ist. "Darf ich Dich wieder besuchen, Astrid...", hab ich zaghaft, nahezu flehentlich gefragt. Sie ist aufgestanden, ein kleinwenig nach Gleichgewicht suchend. "Nun, L. ... ich fürchte, ich hab einen kleinen Schwips... ooh... wenn nicht gar einen großen. Nicht schlimm... Aaaaber... ich kann dennoch sagen: Ja, Du darfst mich wieder besuchen. Gute Freunde, L. ..." Ich hab mich artig und brav verabschiedet, ganz und gar Guter Freund, ohne die Anheiterung ausnützenden Versuche. Aber mein Löwenherz hat aufgeregt geschlagen...

Fortsetzung folgt.
25.11.2017 um 04:11 Uhr

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Folge einhundertundachtzehn

In der Folgezeit hab ich die schöne, fröhliche Astrid etwa zwei= bis dreimal pro Monat besucht. Zusammen ausgegangen sind wir nicht, denn sie hatte befürchtet, daß wir jemandem begegnen, der sie wie auch ihren Verlobten kennt und diesem eifersüchtigen Sportsman Bericht erstattet, unsere gute Freundschaft verzerrt oder anzüglich auslegend. Hierfür hatt ich selbstredend Verständnis. = Einmal, als ich dabei war, im Stiegenhaus auf die Dachétage hinaufzukraxln, ist auf dem zweiten Stock die imposante, oberteilig mit kunstvoll geätztem Glas ausgestattete Flügeltür hälftig aufgegangen. Das schöne Historismus=Gebäude hatte auf jeder Étage, abgesehn vom Dachjuchee, nur eine große Wohnung. In der Öffnung ist ein sehr eleganter, eher kleiner, gepflegter alter Herr erschienen, im blauen Zweireiher, mit erlesener Seidencrawatte. Es war offenbar Monsieur Focquerous, der Hauseigentümer. Ich hatt diesen Namen schon mehrmals unten auf dem Klingelschild wie auch an der Wohnungstür gelesen... zudem war über dem Hausportal ein Stucco=Schild mit dem verschlungenen Monogramm B F, weiters hatte Astrid erzählt, daß der Besitzer selbst im Haus wohnt. "Nun, junger Herr, wo wollen Sie denn hin... verzeihn Sie, aber ich kenn Sie nicht", hat er gesprochen, langsam, ohne jegliche Rheinländische Mundartfärbung, wohl eher mit einem Anflug französischer Sprachmelodie. "Fräulein K. visitiern, Monsieur, wenn Sie erlauben. Sie ist eine Studiencollegin." Der zweite Satz war ein Gebot des Anstands. Monsieur Focquerous hat einige Secunden nachgedacht, mich dabei discret abtaxiert und schließlich zweideutig, nahezu verschwörerisch=mitwisserhaft gelächelt. "A.. soo... nun gut denn, gehn Sie nur hinauf... und versuchen Sie Ihr Glück..." Ich mußte auch lächeln... denn der Hausbesitzer war um die Achtzig... und wer weiß, wie er meinen Besuch aufgefaßt hat. "Merci, Monsieur", hab ich höflich erwidert, und im selbigen Moment ist hinter dem alten Herrn eine gebieterische Frauenstimme erschollen. "Wer ist denn da, Bernard? Mit wem redest Du?" Eine große, schlanke Dame ist hinter dem Eigentümer aufgetaucht, elegant, vornehm, länger als ihr Gemahl, auch im hochreifen Alter attractiv. "Il n´y a rien du tout, ma chère. Hab nur den Herrn gefragt, wo er hinwill." "Das ist richtig so!", hat die Dame erwidert und ihrerseits die Wohnungstür resolut geschlossen. Pfüüühh... Vor dem Hausherrn hab ich das Examen bestanden = vor der Dame, nun ich weiß es net... jedenfalls hat sie mich nicht hinauscomplimentiert. = Oben, bei Astrid angelangt, hab ich ihr nach der Übergabe der obligaten Flasche Weins kurz berichtet über jene Begegnung. Meine Gastgeberin hat silbern gelacht... "Ja! Er ist ein gaanz=gaanz netter alter Herr, manchmal leicht zweideutig... eine Art Überbleibsel aus einer Maupassant~Novelle... das sei ihm gegönnt mit seinen achtzig Jahren... seine Frau hat das Commando und wohl auch das Geld, obwohl das Haus von seiner Familie kommt und nicht von ihrer. Unbezahlbar heute, so ein kunstvolles, gepflegtes Gebäude mitten im Centrum..." Astrid und ich haben die Stadt, die Weltpolitik, die actuellen Kunstausstellungen durchgetratscht... und dabei immer wieder auf unser verbindendes Lieblingsthema zurückgekommen: die aufregend schönen Stöcklschuhe. "Oh Astrid, wie ich gern ich mit Dir in das Suermondt=Museum gehn würde... wir beiden auf spitzen Pömps auf hohen Nadlabsätzen!!" Das Museum war nur wenige Schritt vom Focquerous=Haus entfernt; es beherbergt auf mehreren Étagen eine Gemäldegalerie, eine riesige Fachbibliothek und noch vieles andere, weiters eine zu jener Zeit, unter dem umsichtigen Directorat des verdienstvollen Ernst Günther Grimme, noch öffentlich zugänglich gewesene Sammlung prunkvoller Kirchengerätschaft; und, was für uns Nadlabsätzefreunde relevant ist, hat an mehreren Stellen einen Marmorfußboden, auf welchem die langen, spitzen, metallbeschlagenen Fersenstäbchen hypnotisch wonnevoll aufregend klingen. "Ich weiß, L. Wär schön. Ist auch ganz in der Nähe, wir müßten nicht durch die Stadt. Aber... solche Schuhe besitzen wir beide nicht... leider." "Möglicherweis find ich welche für uns", hab ich erwidert und bin etwas wehmütig geworden. Für diese wunderschöne, liebreizende Dame, diese elegante, fröhliche Stöcklcollegin wär ich durch Feuer und Wasser gegangen, wie Prinz Tamino in Mozarts und Schikaneders Zauberflöte.

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Bestärkt durch die Vorstellung, Astrid auf steilen Nadlabsätzen durch die vielseitige Kunstsammlung auf der Wilhelmstraße zu begleiten, hab ich in den nächsten Wochen Ausschau gehalten nach classischen spitzen hochhackigen Pömps im Stil der Spätfünfziger respective Frühsechziger, in Nostalgie=Modegeschäften um den Marktplatz herum, in Zweite=Hand=Bekleidungsläden, auf Flohmärkten. Auf der Heinrichsallee hat es eine ständige Flohmarkthalle gegeben; es hat dort leicht antique=muffig geduftet, nach Gebrauchtmöbeln, Altkleidung, Lederzeug... ich bin jedesmal, wenn ich in der Nähe war, hineingegangen. Bin die lange Schneise zwischen Kredenzen, Buffets, spiegelbelegten Kleiderkästen, typisch deutsch-mittelschichtgemäßen Wohnstubenriesenvitrinen commod abgeschritten, aufgetrürmte Teller, Convolute von Trinkgläsern in allen Formen, Porcellanfiguren, altmodische Küchengeräte und noch manch anderes mit den Augen streifend... auf das Ziel rückwärtige Wandseite hin, wo eine Reihe von umrandeten Wühltischen gestanden war, überfüllt mit gebrauchten Schuhen aller Art. Wie oft ich jene durchforstet hab, das Unterste geduldig zuoberst kehrend! Meine treue Mühe ist eines Tags belohnt worden: auf einem der Tische lag obenauf, wohl frisch eingeliefert, ein Paar Pömps... Mit freudiger Erregung hab ich die Schuhe in die Hände genommen. Es waren rehbraune classische Pömps im Roger Vivier Stil, aus circa 1960, sehr schmal, extrem spitz, weit zehenansätzefrei décolletiert, die Vorderblätter mit je einem frechen schnürsenkeldünnen Ledermascherl decoriert... und... o welch überschwengliche Freude!!, auf ölf Centi hohen hyperextradünnen hinreißend elegant geschweiften Nadlabsätzen... Insgesamt, wenn auch gebraucht, in gutem, vorzeigbarem Zustand. Ich hab die eingeprägte Nummer auf den Ledersohlen abgelesen: Größe neununddreißig. Wegen des schmalen Zuschnitts wohl grad richtig für Astrid, die je nach Schuheform achtunddreißig oder neununddreißig benötigt hat. Achtzehn Mark laut Preisschilds, billig... obschon in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts dies Göld für ein Dreigängemenu in einem guten Mittelclassewirtshaus ausgereicht hatte. Ich hab das aufregend schicke Paar an der Cassa beharrlich auf vierzehn Mark hinuntergehandelt, mit den Hauptargumenten, daß diese Art Pömps gänzlich modefern seien respective daß ich, armer Student, meiner nostalgieliebenden Freundin eine Freude bereiten wollte. Die heitere, gefüllte Cassierin hat schließlich beides eingesehn und mir die zarten Stöckl für den gebotenen Preis überlassen. = Fiebernd hab ich auf meine nächste Visite bei Astrid gewartet... und als der ersehnte Nachmittag da war, hab ich ihr in ihrer kleinen Dachstube das gefällig verpackte Ehrenpräsent feierlich überreicht. Meine Gastgeberin hat das türkisgrüne Bandl mit merklicher Neugierde zerschnitten, das kleingeblümte Papier abgewickelt... und urplötzlich einen schrillen Freudenschrei ausgestoßen! "Aaaaaaaah! L.!! Die sind traaaum=haffft! Wirklich für mich...?" "Aber ja, Astrid. Net für meine Privatsammlung. Tut mir leid, daß sie leicht gebraucht sind... fabrikneu gibt es die Dinger zur Zeit net..." "Das stört nicht. L.", hat Astrid erwidert. "Die Pömps sind offenbar wenig getragen worden, meist wohl in Gebäuden, schau mal die Sohlen. Nur berieben, nicht zerkratzt. Was bin ich Dir schuldig..." "Ach, nix. Ist doch ein Geschenk. Mach Dir gern eine Freude damit." "Das geht nicht, L. Kann ich nicht annehmen. Erstens ist es unschicklich... wir sind nur gute Freunde. Und zweitens: Schuhe soll man nicht schenken. Aberglauben, weißt Du." "Nimmst so was ernst? Also gut... gib mir bitte zwei Pfennige, symbolisch. Soll eine grade Zahl sein, weil es ein Paar ist." "Aha, L.! Auch abergläubisch!", hat Astrid freudvoll lachend gerufen. "Zwei Pfennige, das ist zuwenig. Ich geb Dir zwei Groschen." Sie hat tatsächlich ihr Börsl geholt und mir die beiden Messingmünzen in die Hand gedrückt. "So. L. Nun ist es correct." Etwas unsicher hab ich zum Sprechen angehoben. "Darf ich sie dir anstreifen... Astrid..." Sie hat eine Weile überlegt, sich dann niedergesetzt und schließlich erwidert: "Ausnahmsweise. Wirklich ausnahmsweise, L." Das zweitemal hat sie das Wort besonders betont. "Zur Feier des Tages. Aber... Du darfst das jetzt nicht mißverstehn." Ich hab mich niedergehockerlt vor Astrid, die mir ihre schönen, schmalen, gepflegten Füßchen entgegengeschwungen hat. Hab ihr die schicken zehenfreien keilabsätzigen Hausschuhe abgestreift und hab ihre elegant gewölbten hauchdünn= weißbestrumpften Elfenfüßchen zärtlich in die hocherotischen Nadlabsatzpömps gleiten lassen. Wie ich mich dabei gefühlt hab... das ist net jugendfrei. Die Stöckl haben der schönen Dame gepaßt wie maßgefertigt. Astrid hat sich erhoben... die himmlischen Schuhe haben ihr unbeschreiblich gut gestanden! Sie hat nun die ersten Schritte darauf gemacht, ihre hochhackigen Nymphenfüßchen mit Tanzkunstbewegungen und halben Pirouetten vorführend... und dann ist ein weiterer Freudenschrei gefolgt. "Aaaaaah! Oh L.! Danke, danke, danke!! Sie sind wunderschön! Passen wie angegossen... sind himmlisch bequem... und... Du weißt... dieses Gefühl! Dieses unbeschreibliche Gefüüühl! Wie märchenhaft sie schwingen... diese stricknadeldünnen Aaabsääätzeee!" Als meine attractive Gastgeberin dies Wort so in die länge schleifend ausgesprochen hat, hab ich unwillkürlich an meine erste kleine Freundin Andrea gedacht [Sieh Schlußsatz Folge 21..]; irgendwie mit leichter Wehmut, schwer zu erklären, warum... der benevolente Leser mög es versuchen, dies nachzuvollziehn. Astrid hat noch eine ganze Weile geschwärmt von ihren neuen Schucherln und der Freude, die ich ihr gemacht hab. "Jetzt", hab ich bemerkt, "brauchen wir noch ein formgleiches Paar für mich, in vierundvierzig. Dann gehn wir zusammen auf unsern Nadlabsätzen ins Suermondt=Museum. Du ahnst es net, wie sehr ich mir... oder uns... das wünsch!! Und... wie sehr ich Dich um diese Traumpömps beneid... bis ich selbst solche besitz und trag... mit Dir zusammen." "Ich möcht es auch gern, L. Einmal, zweimal vielleicht. Zur Regel werden darf das nicht... Du weißt..." "Ja...", hab ich stöhnend entgegnet. "Ich weiß. Gute Freunde halt." "Eben", hat Astrid erwidert, hat sich, auf ihren Elfenköniginnenstöckln anmutige Bewegungen vorführend, niedergesetzt und unsere Weinglasl gefüllt.

Fortsetzung folgt.

GESEGNETES Jahr!
04.01.2018 um 04:40 Uhr

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Sehnsüchtig warte ich auf die Fortsetzung...

Flo
24.02.2018 um 22:44 Uhr

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Fortsetzung folgt in Kürz. Gfrei mi' aa scho' drauffe. War monatelang in WIEN, durtn hab i = vorerst = kan eigne Internetzverbindung net.

Bin ab heut für einige Wochn in unserm Famülienanwesn hinterm Berg... m i t Internetz. Bis gleich... Euer Löwe.
06.05.2018 um 22:24 Uhr

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1111 Stimmen

Sehr geehrter um nicht zu sagen verehrter Herr Löwe,

sehr erfreulich zu hören, dass es nun wieder weiter geht! Wie lange habe ich darauf gewartet!
06.05.2018 um 22:54 Uhr

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Einhundertundneunzehnte Folge

Beim nächsten Besuch hat Astrid feierlich bekanntgegeben, daß sie die Fahrerlaubnisprüfung bestanden hat. "Und zwar ganz speciell auf den himmlischen Stöckelschuhen, die ich von Dir bekommen hab. Kannst es Dir denken, L., ich war gleich zur ersten Fahrstunde auf superhohen Absätzen hingegangen, auf meinen zehenoffenen Lacksandaletten, gefühlte Elfeninhalb, wie Du weißt", hat sie angefangen, heiter zu berichten. "Herr Berger, der Fahrlehrer, hat gleich protestiert: ´Nicht mit diesen Schuhen, Fräulein K.! Die sind nicht fahrtauglich, für Anfängerinnen schon gar nicht. Es kann gefährlich werden... Mit solchen Absätzen können Sie nicht sicher genug den Contact zu den Pedalen halten´. Ich hab erwidert: Herr Berger, ich will auf hohen Stöckelschuhen fahren können, ich trag immer solche. Wenn Sie mich nicht unterrichten mögen, dann geh ich zur Concurrenz. Der Lehrer hat eine Weile überlegt, dann hat er eingewilligt. ´Haben sie denn zumindest welche mit ganz dünnen Sohlen´, wollte er noch wissen, ´da haben Sie ein besseres Gefühl für die Pedale´. Ich hab bejaht... und hab das nächstemal ´Deine´ angezogen, die mit den zarten, biegsamen Sohlen. Da hatte Herr Berger recht, darauf ist es wirklich besser, sicherer... als auf den starren Plateausohlen. Wie auch immer... Herr Berger hat sich arg schwer getan mit meinen Bleistiftabsätzen, hat die Haltung meiner hochhackigen Füße tausendmal corrigiert und hat fast jedesmal an meinen Schuhen herumgemeckert. Warum ich es mir extra und absichtlich so schwer machen muß undsoweiter. Kein Verständnis halt für die Freude an steilen Absätzen... Aber Du hast es doch, L. ..." "Jaja, durchaus", hab ich mich beeilt zu antworten. "Ich träume Tag und Nacht davon, mit Dir, Astrid, durch das Stadtcentrum zu gehn... oder Museen zu besuchen... wir beiden auf himmlisch=elfenhaften Nadlabsatzpömps... oooh... wenn ich nur ein Paar in vierundvierzig ergattern könnt..." "Du bist momentan der einzige, der meine Begeisterung für Bleistiftabsätze teilt", hat meine sylphidenhafte Gastgeberin entgegnet. "Stell Dir vor, L., meine Lieblingsfreundin Brigitte hat ganz unverständig auf die wunderschönen Schühchen reagiert, die ich von Dir hab... oh L. ... Du hast mir damit eine solche Freude gemacht... das kannst Du Dir kaum ausmalen!!... also, meine Freundin... sie hat wieder mit diesen dümmlichen Floskeln angefgangen... und nicht nur sie: ´Wie kannst Du darauf laufen´ und ´Es muß arg schwer sein, auf diesen dünnen Stricknadeln die Balance zu halten´ und ´Tun Dir die Füße nicht weh´ und ´Wie hältst Du das aus den ganzen Tag´ und ´Warum tust Du Dir das an´ und ´Ich würde mir frewillig niemals die Füße quälen auf solchen Folterwerkzeugen´ und ähnliches... wie oft hab ich mir diesen ausgemachten Blödsinn anhören müssen... manchmal sogar von Männern." "Ich denk", hab ich kundig erwidert, "speciell die Männer sind nur neidlich". "Die Frauen auch", hat Astrid ergänzt und ist dann auf das Vorthema zurückgekommen. "Übernächste Woche bekomm ich meinen ersten Wagen. Gebraucht... ein Geschenk meiner Eltern. Mein Bruder fährt ihn her. Ich für Dir das Wägelchen vor, wenn Du magst." = Wir haben noch eine Weile weiterconversiert und einige Glasl Weißwein getrunken. Die eloquente Astrid hat einige lustige Begebenheiten erzählt über ihre Professoren... und dann wieder über Ihre Fahrprüfung: "Also... neben mir mein Lehrer, hinter mir der Prüfer. Hin und hergeschickt, anhalten, anfahren, einparken undsofort. Dann waren wir fertig. Alle aussteigen. Ich hab mich kurz entfernt... und bin dann leise zurückgekommen... und hab die beiden Herren, die mir ihre Rücken zeigten, grad unwillkürlich bei diesen Sätzen belauscht: Du hast sie aber leicht bestehen lassen, Rudi, obwohl sie so gut nicht war, sagte der löbliche Herr Berger. Darauf der Prüfer... Ach, Horst... sie ist doch soo hüübsch..." Wir haben herzhaft gelacht; ich hab Astrid nochmal gratuliert, und wir haben uns auf übernächste Woche verabredet, zur Wagenvorführung.

Der Tag war schnell da... und das Fahrzeug war ein deutlich gebrauchter Volkswagen in der altmodischen ´Käfer´-Form. "Komm, L., setz Dich hinein. Wir fahren an den Stadtrand und machen einen Spaziergang. Da kennt uns keiner. Kannst gleich meine Fahrkünste würdigen... aber sei bitte nicht zu streng." Astrid hatte ihre hypertraumhaft eleganten rehbraunen Nadlabsatzpömps an... und ich war herzenserfreut darüber, daß ich ihr mit diesen aufregenden Stilettos offenbar eine große Wonne bereiten konnte. Sie hat den Wagen gestartet... und ich konnte meine Blicke nicht abwenden von ihren Elfenfüßchen auf den zauberhaften zarten Stöckelschuhen. Denn sie drückte die Pedale mit einer unnachahmlichen Eleganz... [vorgreifend:] ich hab bislang [2018] keine Dame sonst gesehn, die mit so anmutigen, nahezu tanzkünstlerischen Bewegungen ein Fahrzeug gelenkt hat. Bei jeder Pedalberührung hat sie ihr jeweils actives Füßchen erotisch gewölbt und gestreckt, ihre Fessel aufregend durchgedrückt... als hätte sie Dreizehnerabsätze an den schlanken Fersen. Sie hat selbstredend gemerkt, daß ich ihre nadlabsätzigen Nymphenfüßlis beobacht... und hatte das Commentar gleich parat: "Hierzu hat mir der brave, geplagte Herr Berger geraten: Wenn ich schon die Manie hab, stets auf solch steilen Absätzen zu fahren, dann soll ich meine Füße strecken und durchdrücken, damit die hohen Hacken nicht unter die Pedale gleiten und dort steckenbleiben. Ich denk, er hat recht. Ich hab mich voll und ganz gewöhnt an diese Füßebewegung." "Gut so", hab ich entgegnet. "Und es schaut auch absolut verstandzerreißend elegant aus." Tatsächlich... aus dem Abstand von nunmehr dreiundvierzig Jahren gedacht: Unvergeßlich elegant... unvergeßlich...

Fortsetzung folgt.
12.05.2018 um 04:23 Uhr

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Folge einhundertundzwanzig

In den Folgemonaten haben wir dies noch mehrmals ausgeführt... Astrid hat mich in ihren kleinen Wagen dirigiert, das Fahrzeug an den Stadtrand gelenkt und dort abgestellt = und wir haben einen Spaziergang unternommen in Bad AACHENs schönen, parkanlagenhaften Außenbezirken. Dort sind in aller Regel sehr wenig Passanten unterwegs; es sind keine Einkaufsgeschäfte da, die Menschen leben friedlich und beschaulich auf diversen, aber insgesamt hinlänglichen Wohlstandsstufen, in kleinen und mittleren Kastenhäusern wie etwa Im Gillesbachtal oder in eleganten, eindrucksvollen palazzi wie auf dem Preusweg. Gelegentlich bleibt ein Automobil am Fahrbahnrand stehn, jemand druckselt sich aus dem Führerverschlag, schließt das Fahrzeug sorgfältig ab und entschwindet rasch hinter der Pforte des nächststehenden Hauses. Hie und da erscheint eine Seniorin mit einem kleinen, nicht grad schönen Hund... oder ein betont sportlich gekleideter Herr mit einem großen Jagdwufti. Oft vergehn zehn Minuten, ohne daß ein einziger Mensch zu sichten sei... und alles duftet nach ´Hier ist die Welt in Ordnung´. = Wir haben die Spaziergänge mit fröhlicher Conversation gefüllt... und mit dem aufmerksamen Anschaun der Bauwerke, die mal stilvolle, mal seltsame, mal gar keine KUNSTelemente aufweisen. {Ganz nebenbei bemerkt: Das Familienwappen über dem mittleren Frontfenster der bel étage des Palais´ auf Preusweg Nummer 68 ist nach meinem Entwurf gefertigt worden... so hab ich auch meinen Beitrag zu der Fülle der KUNSTelemente; allerdings war dieser in Steinmetzarbeit hergestellte Schild zur Zeit der Promenaden mit Astrid noch lang nicht an jener Hauswand.} Meine attractive Begleiterin hat auch die Künstlerbriefe freudig würdigend commentiert, die ich ihr im Schnitt einmal die Woche geschrieben hab. Die aufregend schöne, elegante Astrid ist dabei gradezu geschwebt neben mir auf ihren sylphidenhaften spitzen Nadlabsatzpömps. Die ölf Centi hohen extradünnen Fersenstäbchen waren genau richtig für sie und haben ihr eine elfenmäßige Anmut wie eine bewegungskünstlerische Leichtigkeit verliehen. Stets hätt ich diese reizende, fröhliche Dame am liebsten heftig in die Arme geschlossen... doch die Ermahnung war irgendwie dauerhaft gegenwärtig: ´Gute Freunde... nicht mehr´.

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Es war ein Spätsommertag, als ich Astrid verabredungsgemäß in ihrer kleinen Dachstube auf der Wilhelmstraße visitiert hab. Sonst hatte sie in ihren vier = buchstäblich nur vier = Wänden stets ihre Hausschuhe getragen, jene schicken hellblauen dreizehenoffenen Pantoletten auf zehn centi hohen löwenfärbigen Keilabsätzen... aber diesmal hat sie mich auf ihren Elfchentraum=Nadlabsatzpömps empfangen, mit denen ich ihr Monate zuvor nachhaltige Freude bereitet hatte. "Setz Dich nieder, L.", hat sie mit einer ungewohnten, steifen Förmlichkeit gesagt. Ich hab wortlos gehorcht, eine für mich wenig erbauliche Wendung erfühlend. Auf dem niedrigen Tisch sind eine Flasche Weißwein und zwei Glasln gestanden; meine Gastgeberin hat uns beiden eingeschenkt: "Laß uns einen trinken." Dann hat sie mir, jetzt noch eine Nuance förmlicher, ein längliches weißes Couvert überreicht. "Mach bitte auf." Ich hab bereits vermutet, was das sein mochte... trotzdem hab den Text auf der Faltkarte mit herzzerdrückender Wehmut abgelesen. ´Harald F. und Astrid K. geben Nachricht von ihrer Verlobung´... undsofort. "Nun ist es officiell", hat die Dame commentiert. "Verlobung..." hab ich eher geknurrt denn gesagt, "wieso Verlobung, wieso jetzt... seitdem ich Dich kenn, Astrid, sagst Du, Du seist verlobt mit Deinem Sportprofessionisten... war das nur geflunkert, um mich auf Distance zu halten... oder in der Reserve... oder wie soll ich das verstehn..." "Pfui, schäm Dich! Reserve! Was unterstellst Du mir... ich müßte Dich jetzt... ach, lassen wir das...", hat Astrid ärgerlich erwidert. "Na dann warum erst heut die Nachricht", wollt ich wissen. "Schau, L. ... bis jetzt waren Harald und ich auch verlobt... mit der festen Absicht zu heiraten. Nur eben intern verlobt, zum Wissen der engen Freunde. Aber jetzt haben wir es schriftlich bekanntgegeben. Deswegen sagt ich ja grad: Nun ist es officiell. Verstehst..." "Ja. Dank für die Karte. Ich weiß, daß es eine Frechheit ist, aber am liebsten würd ich sie zerreißen. Verstehst mich wohl auch, Astrid, oder... Ich sag´s ganz offen: ich hab mich riesig in Dich verliebt." "Ich weiß, L. ...", hat die Schöne erwidert, mit einem Seufzer. "Ich mag Dich auch recht gern, und das macht die Sache nicht grad leicht. Aber... ich bin mit Harald verlobt... und ich liebe ihn... und werd ihn heiraten." "Gut, Astrid", hab ich mich mühsam zusammengerissen, "gratuliere. Ganz herzlich. Löwenherzlich. Wünsch Dir viel Glück. Und wir bleiben Freunde."

Astrids Gesicht hat sich verfinstert beim letzten Wort. "Da ist noch etwas, L. ... L i e b e r L. ... Wir... dürfen uns nicht mehr sehn." "Was... ??", ist es mir aus dem Mund geglitten, eher flüsternd als rufend. "Ja, L. Harald wünscht es nicht. Ich hab vor ihm nie verheimlicht, daß mich gelegentlich ein netter guter Freund besucht. Und auch dies noch: Harald hat mir berichtet, daß ein Mannschaftscamerad von ihm uns, also Dich und mich zusammen gesehn hat, in Richterich."

In jenem Vorort AACHENs waren wir tatsächlich mal, zum Promenieren. "Harald meint", hat Astrid weitergeredet, "es schickt sich nicht für eine verlobte Dame, mit fremden Männern spazierenzugehn. Eifersüchtig ist er nicht, dazu ist er viel zu selbstbewußt... aber er hat altmodische Moralvorstellungen." "Ungewöhnlich für einen Berufssportler", hab ich stichlig erwidert. "Werd nicht unverschämt, L.! Blödes Vorurteil", hat die Dame fauchend entgegnet... und dann ruhig weitergeredet. "L. ... bitte... ich bedauer es auch... wirklich... Trinken wir jetzt die Flasche leer... und dann muß ich Dich bitten... zu gehn... und nicht wiederzukommen. Bitte, wirklich b i t t e: schreib mir auch nicht mehr. Obschon Deine Briefe... WUNDERBAR sind... wahre KUNSTwerke... ich werd sie aufbewahren... für immer..." = Wir haben unsern Wein langsam consumiert, Glasl für Glasl, bis die Literbouteille [Budäun auf WIENerisch] leer war. "Mit niemand sonst konnt ich so gut über hochhackige Schuhe reden wie mit Dir", hat meine Gastgeberin zum Schluß bekräftigt. "Danke, daß Du heut Deine Zauberelfenpömps angezogen hast", hab ich entgegnet. "Für Dich...", hat sie leis erwidert. "Wir gehn also nicht zusammen ins Suermondt=Museum, beide auf himmlischen Nadlabsatzpömps, klick=klickend auf dem Marmorboden", hab ich bedauernd festgehalten, einen monatelangen Traum begrabend. Dann bin ich aufgestanden, Astrid hat sich auch erhoben. "Jetzt bitte keine großen Worte, L.", hat sie gemahnt. "Sag zum Abschied leise Servus", hab ich erwidert. Das bekannte Lied ist von Professor Peter Kreuder, geboren in Bad AACHEN, nach dem Krieg gewirkt in WIEN [da treffen sich die beiden schönen Kaiserstädte wieder] und in Salzburg. "Ja", hat Astrid geflüstert... ihre hinreißend schönen goldbraunen Rehaugen wurden feucht... die meinen auch. Ich hab sie umarmt... zärtlich und sanft, dabei gefühlvoll und leicht zugleich, ihr simultan Zuneigung und Freiheit gebend. ... "Servus, Astrid..." ... "Servus, L. ..."

Fortsetzung folgt.
19.05.2018 um 04:43 Uhr

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1416 Stimmen

Folge einhunderteinundzwanzig

Da bin ich also wieder gestanden... ohne Freundin und auch ohne Stöcklschuhe, einzeln und auf Flachlingen. Nun gewiß, die schöne Astrid war nicht im Alltagssinn meine Freundin, sie war eine gute Cameradin, redselig, stets fröhlich, gebildet, elegant, net drauf zu vergessen: trinkfest, seelenverwandt in causis Nadlabsatzpömps und traumhaft attractiv. Sie hat mir jetzt gefehlt. Vom anno 1975 anfangenden Wintersemester an war sie auch in den Mathematikvorlesungen net mehr zu sehn. Ich hab daher eine sehr nette, lebenslustige, immer gut aufgelegte Studiencollegin, Gerwine, gefragt, was denn aus Astrid K. geworden sei. In den vorigen zwei Semestern hatt ich die beiden Damen auf dem Campus mehrmals zusammen gesehn, in ein offenbar vetrauliches Gespräch vertieft, also hab ich gemutmaßt, sie könnt Auskunft geben. "Aha, L.!", hat sie silbern lachend und volltönend wie stets gerufen, "wir haben uns wohl verknallt, wa?" [Dieses ´wa´ erfüllt in Bad AACHEN die gleiche Funktion wie das ´göll?´ in WIEN und das ´nö?´ vielerorts... denken wir nur an Diether Krebs und seinen Schlager ´Ich bin der Martin, nö...´. Dazu fällt mir, der wandelnden Anekdotensammlung, was ein. Professor Klaus Hämmerle (1929-1994), war ein Badenser aus Freiburg im Breisgau. Anno 1975 wurde er zum Diöcesanbischof von Bad AACHEN ernannt und geweiht. Er war ein fröhlicher, leutseliger Geistlicher, eher ein Mann der leisen Töne, gleichwohl ein kraftvoller Kanzelredner. Als Badenser mußte er sich erst einmal vertraut machen mit den ~ da ich dreißig Jahr´ dort gelebt hab, darf ich sagen: unseren ~ in generali Rheinländischen, in speciali Oecher Gepflogenheiten. Über seine Fortschritte auf diesem Feld hat er einmal (sinngemäß) gesagt: "Wenn ich lang genug hier bin, schließ ich das Gebet eines Tages nicht mit Amen... sondern mit ´Amen, wa!´"] Ich wurde leicht verlegen, doch von Gerwine aus war das eine bloße quaestio rhetorica, auf die sie keine Antwort erwartet hatte und folglich weitergeredet hat. "Also, L. ... Astrid ist nicht mehr in AACHEN. Zur Erschütterung viiieler Männerherzen! Sie hat sich officiell verlobt und gleich die Universität gewechselt. Ist jetzt in Münster, soviel ich weiß... aber sicher bin ich mir nicht." Die fröhliche Gerwine war bereits verheiratet. Recht attractiv, leicht zur Körperfülle tendierend, mit einem Charaktergesicht in Richtung Linda Kozlowski, mit schönen, gepflegten Händen und auch schönen Füßchen, die sie gern auf zarten Riemchensandaletten, leider nur auf höchstens vier Centi messenden Blockabsätzen, vorgeführt hat. Wir sind uns oftmals begegnet auf eleganten Carnevalsbällen und anderen institutionellen Tanzabenden... und im schulterfreien Abendkleid mit sehr eng geschnittener Corsage hat sie hinreißend ausgeschaut. Wir haben viel, federleicht und lebhaft miteinander getanzt... und eines Abends hat die beschwingte Walzer=Elfe

offenherzig gesagt: "Weißt Du, L. ... wenn ich nicht verheiratet wär, würd ich was mit Dir anfangen". Nun gewiß... die interessanten Damen sind allermeistens vergeben... und dies ist auch verständlich.

Nun sei es mir wieder erlaubt, in der Chronologie vorzugreifen. Circa drei Jahr´ später haben mein Sportclubcamerad Jürgen G. [sh. Folgen 107 bis 109] und ich uns auf eine Flasche Wein getroffen. Nach unsern üblichen Themata Sport und Mathemátik sind wir, nach einigen Glasln Wein, auf die aufregende Damenwelt gekommen. Jürgen hat, woher, woher net, Tausende von interna gekannt, wie ein Verfassungsschutzbeamter... und war eine Art Tratschvetter. Daher hatt ich erhofft, Antwort darauf zu bekommen, was mich seit 1975 ganz leis im Hinterkopf beschäftigt hat. "Weißt Du vielleeeicht, Jürgen... was aus unserer einstigen gemeinsamen Flamme Astrid K. geworden ist..." Mein Camerad hat sofort, ohne viel nachzudenken, zum Berichten angesetzt. "Das ist eine Geschichte, L.! Sie ist glücklich verheiratet, hat ihr Studium gut abgeschlossen, lebt in Norddeutschland und ist in gesegneten Umständen... schon das zweite Mal." "Wo ist denn da die ´Geschichte´", wollt ich wissen, "sie hat mir vor Jahren gesagt, daß sie ihren Sportler heiratet... und genau damit hat sie unsere gute Freundschaft abrupt aufgekündigt". Jürgen hat schallend aufgelacht. "Ihren Sportler?! Den doch nicht!" Nun war ich hochgradig verblüfft. "Was?! Und die Verlobungskarte? Und der ganze Aufreger drumherum?" "Ja, L.! So ist es. Nix Verlobung. Aufgelöst. Den braven Harald hat sie nicht geheiratet! Er ist nämlich... ganz im Vertrauen, wa!, schön fremdgegangen." "Ach..."... ich war consterniert und hab eine Weile keine Worte gefunden. "Ach... der Mann mit den altmodischen Moralvorstellungen..." "Was meinst Du damit, L. ...", wollte mein Camerad wissen. "Ach, nix...", hab ich kurz entgegnet, und Jürgen hat schwungvoll weitererzählt. "Er konnte einer Schönheit aus der Damenabteilung seines Vereins nicht wiederstehn. Siehst, so ein Arsch von einem Macho. Wenn Astrid fremdgegangen wär... etwa mit mir... oder, sagen wir, mit Dir, L. ... übrigens, L., sie hat Dich richtig gemocht, unbegreiflich für mich... " "Nnnno, a so a fader Zipf bin i jo aa wiada net, liaba Jürgen", hab ich auf WIENerisch zwischengerufen, aber mein Camerad hat nur gelacht und wortreich weitergeredet. "Also... wenn s i e das getan hätte, mit mir... oder mir Dir... dann hätte der gute Harald sie windelweich geschlagen, windelweich!!, verstehst Du... und mich... respective Dich, L., hätt er mit leichter Hand erstochen. Aber... er hat offenbar gemeint, ihm, dem Großen Zampanò, sei das Fremdgehn erlaubt. Und jetzt kommt's, L.! Jemand hat es unserer schönen Astrid gesteckt. Ich weiß nicht wer... das heißt, ich ahn es... sag aber lieber nichts. Und Astrid ist, wie Du weißt, erzkatholisch. Treue ist für sie heilig. Sie hat die Verlobung sofort und rigoros gelöst." "Jürgen... das i s t wirklich a Gschicht! Aber... sag mal, lieber Freund... woher zum Kuckuck weißt Du denn das alles... und so genau..." "Also gut, L., ich verrat´s Dir. Die Brigitte... kannst Dich entsinnen... Astrids einstige Busenfreundin in AACHEN... das heißt, sie sind immer noch befreundet, aber aus der Ferne... also... sie ist meine liebe Cousine. Wir sehn uns häufig, sie erzählt mir alles, ich bin ihre Vertrauensperson, ich bin für sie so eine Art seelischer Mistkübel. War schon immer so, seit unserer Kindheit." "Ach so." Langsam hab ich die Zusammenhänge verstanden. Aber Jürgen war noch nicht fertig. "Ziemlich kurz nach der Lösung ihrer Verlobung hat sie in der Stadt, wo sie jetzt lebt, einen Doktor S. geheiratet. Gut katholisch, selbstverständlich. Und ist absolut glücklich wie zufrieden." {Jürgen und ich sind vom Haus aus Protestanten, wohlgemerkt... obschon ich mich viele Jahr´ nach dieser Tratschconferenz mit Jürgen der Katholisierenden Freikirche zugewandt hab... aber das ist eine sehr lange Gschicht, wir kommen später dazu.} Ich wurde nun etwas trübsinnig... Die liebe, fröhliche, elfenhafte Astrid, meine elegante Collegin in der Stöcklschuheliebhaberei oder gar Nadlabsätzesucht, hatte ihr Verlöbnis aufgekündigt... aber an mich hat sie net ´denkt... das ist mir irgendwie bekannt vorgekommen, siehe Folge 88... so langsam wurde dies Verhalten offensichtlich zur Gewohnheit in der holden Damenwelt...

Fortsetzung folgt.
30.05.2018 um 02:44 Uhr

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1515 Stimmen

Folge Einhundertundzweiundzwanzig

Die nächsten Jahre haben mir einigen Freuden gebracht... auf dem Damensector leider net, aber immerhin auf dem Stöcklschuhesector. [Zwischendurch erzähl ich aber schnell etwas zum nachsichtigen Lächeln. Ich bin mit Werkzeug ganz geschickt = auch wenn ich möglicherweis net so ausschau. Sehr viele Menschen meinen, ich säh aus wie ein weltentrückter Gelehrter... ja, ich säh net bloß so aus, ich s e i vielmehr einer. Nun... die Qualität eines Gelehrten darf ich wohl für mich in Anspruch nehmen, mit meinen vielen Akademischen Abschlüssen und meiner Affinität zu Büchern, KUNST, Cultur... aber weltentrückt bin ich ganz sicher net. Gleichwohl: Sobald ich nach einem instrumentum zum Montieren greif... selbst wenn es nur eine Flachzange ist (von einer Motórsäge gar net erst reden zu wollen)... wollen mir die sogenannten kernigen Männer (machos, Arbeiterkader, Fußball-Johnnies und wie wir sie auch bezeichnen mögen) das Werkzeug sofort aus der Hand reißen: ´Komm, L., das ist nix für Dich... gib schnell her, bevor Du einen Schaden anrichtest´. Ja... es gibt sogar überhebliche Oxn, die mir unterstellt haben, ich könnt die Tür eines Automobils von innen net aufmachen. Ich lach oft über dieses Vorurteil und hab solchen Clowns schon oft bewiesen, daß ich technische Aufgaben schneller lösen und mechanische Unzulänglichkeiten besser beheben kann als sie. Das heißt: ich kann gut mit Werkzeug umgehn, image hin oder her. Also hatt ich 1974 herum aus Holzklötzern und ausrangierten Lederkoppeln zoccoli=ähnliche hochhackige Schuhe gebaut und hab sie in meinem kleinen Studentenstüberl immer getragen, wenn sonst keiner präsent war... net daß ich meine Leidenschaft für hohe Absätze verbergen wollt; die Vermeidung von Zusehern nur deswegen, weil meine improvisierten Trittklötzer nun wirklich kaum vorführbar warn. Gleichwohl hatt ich eine Freude daran, meinen Füßen, meinem Rückgrat und meinem gesamten Körper = und als Stöcklsüchtiger gewiß auch meiner Seele = auf den hohen Hacken Erholung wie Auffrischung zu bereiten. Da ich nun nach sehr langer Zeit wieder allabendlich hochfersig geschritten bin und dies aufregende Gefühl, dies freiheitliche Schweben genossen hab, ist es verständlich, daß ich jetzt noch begeisterter, sehnlicher wie erwartungsvoller denn jemals zuvor davon geträumt hab, elfenkönigshaft schöne Nadlabsatzpömps in meiner Größe zu erwerben und auf diesen elegant und beschwingt in der Öffentlichkeit zu schreiten, eine bezaubernd attractive Dame auf modellgleichen Füßchenjuwelen begleitend.] = Es war die Zeit des Sommerschlußverkaufs anno 1976. Auf der Adalberstraße, der frequentierten, zu den Geschäftszeiten oft überbevölkerten Fußgehermeile und Einkaufspromenade in Bad AACHEN hat es auf beiden Seiten circa ein Dutzend Schuhegeschäfte respective Kaufhausabteilungen für Füßebekleidung gegeben [inzwischen sind es wohl weniger]. Vor den Portalen der Läden sind die sogenannten ´Wühltische´gestanden, großzügig wie chaotisch gefüllt mit jeweils einem Haufen von Schuhwerk. Da waren unmodern gewordene Paare, bei der Inventur aufgetauchte Magazin=Altbestände und auch die restliche Sommercollection für die heißen Tage, die wegen der bald eintreffenden Herbstlieferungen ´naus mußte´... all dies um stark reducierte Preise. Überall, bei jedem Bergl von Schleuderware=Schuhen bin ich stehngeblieben, auf lange Größen sowie auf hohe Absätze achtend. Es war aber nichts da für mich... alles zu kurz, zu flach oder meistens gar beides. Gleichwohl hab ich net lockergelassen und hab jeden Schuhehügel geduldig durchforscht. = Stadteinwärts gehend auf der rechten Gassenseite, bereits den imposanten, wegen des Elisenbrunnens feierlich anmutenden Friedrich=Wilhelm=Platz schauend, bin ich auf ein Paar Schuhe aufmerksam geworden, das auf dem Wühlhaufen obenauf gelegen war, und hab danach gegriffen. Lustige wie luftige [naa, i lispl net] Sommersandalen aus wollweißem Leder, mit V=förmigem Dreizehenausschnitt, offenen Seiten und schicken Fersenslings; die Vorderblätter der Schuhe waren jeweils aus einem Lederstreifen gestaltet, der oben in der Mitte fest zu einem Knoten respective zu einer Schleifn geschlungen war, in der Draufsicht einem schmetterlingförmigen Frack~Mascherl ähnlich ausschauend. Insgesamt aufregend fesch... und zwei specielle Umstände haben mein Löwenherz freudig, schnell wie kribblig schlagen lassen: Größe 43, jedoch eher wie 44 anmutend... und... rrrriiiiesig hohe, zu den Sohlen hin schlank werdende löwenfarbige Keilabsätze, stattliche dreizehn Centi steil!! Made in Greece war auf den Sohlenunterseiten zu lesen. Preis zwanzig Mark, das war erschwinglich. Nix wie hinein in den Laden damit. "Vorsicht", hat die attractive, reifere Verkäuferin gemahnt, "auch wenn Ihre Freundin offenbar auf großen Füßen lebt: dieses Paar fällt besonders groß aus". Ihre Worte waren ein Strauß=Walzer in meinen Ohren. "Schlußverkaufsware ist vom Austausch ausgeschlossen", hat sie noch pflichtgetreu und culant hinzugefügt, aber dies hab ich nur flüchtig vernommen... hab gezahlt, das Sackerl mit den feschen Schuhen drin entgegengenommen und bin flattrig=erregt heimgeeilt in mein kleines Studentenstüberl.

Fortsetzung folgt.
01.07.2018 um 04:43 Uhr

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1414 Stimmen

Folge einhundertunddreiundzwanzig

Daheim angekommen hab ich mich sofort niedergesetzt, hab Schuhe und Strümpfe ruckartig von den Füßen gerissen und mir meine neuen Made in Greece Sommersandalen angestreift. Die attractive Frau Q. hatte recht: die Größe war eher vierundvierzig denn dreiundvierzig. {Diese nette Fachverkäuferin um die Fünfzig hab ich in den Folgejahren hie und da im Geschäft visitiert... ihr meine grad neusten Nadlabsatzpömps an meinen schlanken Füßen vorführend... und wenn grad keine Kundschaft im Laden war, haben wir ausgiebig, freudig, fröhlich über steilabsätzige Traumschuhe conversiert.} Ich hab die feschen luftigen Schuhe mühelos anbekommen... und sie haben rasant aufregend gut ausgeschaut an meinen formschönen langen, hochgewölbten Füßen. Dann bin ich aufgestanden... und hab die wenigen Meterl Fußbodenfläche meiner kleinen Studentenstube weißnetwievielzigmal durchmessen. Zuvor hatt ich es gar net bedacht, daß die dreizehn Centi steilen Keilabsätze vielleicht zu hoch sein könnten... vielmehr bin ich sogleich locker auf den schönen Schuhen hinundhergeschritten, und erst nach mehreren Minuten ist es mir bewußt geworden, daß meine Hacken riesig hoch sind und... daß ich so gut, sicher, leichtfüßig, bequem darauf gehn kann, wie dereinst vor vielen Jahren auf den hergeliehenen Traumpömps. Hoohe Absätzee!! Hoohe Absätzee!!, hab ich begeistert und weltvergessen gerufen, ähnlich wie die schöne kleine Andrea vor langer=langer Zeit [cf. Folge 21]... und war absolut bestärkt darin, daß steile Hacken das Richtige für meine Füße, meinen ganzen Körper und auch meine stöcklsüchtige Seele sind. Plötzlich hab ich mich der vor vielen=vielen Jahr´ vernommenen Aussage Ihrer Excellenz Frau Eleonora enstinnt: "Keilabsätze sind niemals hoch" [sh. Folge 26]. ~ Von dieser Stund an hab ich mir in meinem Stüberl täglich meine superhochhackigen Schuhe angestreift... dreizehn Centi war bislang die steilste Absätzehöhe, die ich je an den Fersen gehabt hab, gleichwohl konnt ich so locker wie beschwingt darauf gehn und hab mich so himmlisch wohl darauf gefühlt, als wärn die circa zehn Jahr', während derer ich dazu verdonnert war, immer in den unbequemen wie auch ungeliebten Flachlingen zu schlurfen, net dazwischen gewesen. Jeden Nachmittag, jeden Abend hab ich erregt darauf gewartet, nach den Vorlesungen und seminaria heimzueilen und mir die feschen Hochhackigen anzustreifen. Manchmal hab ich mich noch extrig umgezogen dafür: Blickdichte weiße Kniestrümpfe, weiße Schlaghosen = die in den Siebzigern des vorigen Jahrhunderts modisch, eleganter gesagt: im Schwange warn... buchstablich, denn die Hosenbeine sind an der Unterschenkeln beim Gehn rhythmisch geschwungen =, dazu ein königsblaues oder löwenfärbiges Hemd mit weißer Crawatte... und hab mich mirsölbst präsentiert vor dem langen Wandspiegel. Eitelkeit hin, Sölbstgefälligkeit her... ich hatt das aesthetische Empfinden, daß ich aufregend gut ausschau in dieser Kleidung und auf den hypersteilen Absätzen, und hab mir vorgestellt, gewünscht, hab inständig ersehnt, eine attractive, fröhliche junge Dame und Stöcklcollegin in dieser Aufmachung durch die schöne Stadt Bad AACHEN zu begleiten. Oft hab ich davon geträumt, sommers zu den späten Abendstunden in dieser Adjustierung durch das belebte Studentenquartier, dann über den Historischen Marktplatz in das elegante Centrum zu schreiten, unterwegs oder in einem Bierlokal = von denen es in Bad AACHEN enorm viele gibt, wobei jedes sein Stammpublicum hat, in der Bandbreite vom kernigen Arbeiter über den disputierenden Studenten, den pecuniär armen Künstler, den wohlsituierten Mittelständler... bis zum verwöhnten Reicheleutejüngling in teurer Markenkleidung = eine schöne, cultivierte superhochhackige Freundin kennenzulernen, maßen ich aufgrund meiner Frühjugend~Erfahrungen angenommen hab {zu Recht, wie dies später oft bestätigt wurde}, daß grad die nettesten und feschsten Damen auf meine schicken steilhackigen Schuhe aufmerksam werden und diese fröhlich wie anerkennend würdigen. Ebensooft hab ich von hypereleganten Pömps in meiner absoluten Lieblingsform geträumt: sehr spitze Classiker, weit zehenansätzefrei décolletiert, auf himmlisch geschweiften extradünnen Nadlabsätzen in zwölf bis dreizehn Centi Höhe... und gewiß auch davon, daß ich eines Freudentags eine Handlung ausforsch oder erblick, die diese juwelenhaften Elfenkönigsschuhe in meiner Größe führt. Gewiß hatt ich viel Freud´ an = und auf = meinen knuffeschicken weißen dreizehenoffenen Sommersandalen auf löwenfärbigen Dreizehner=Keilhacken, gleichwohl ist Zehenfrei in der Öffentlichkeit net mein Stil, weiters schenken Keilsohlen nun mal net das himmlische, wonnevolle, schwebhaft~beflügelt schwingende Schreitgefühl wie lange dünne Stricknadlabsätze an den Fersen. Und die combinatio beider Féeenlandvisionen, also mit einer attractiven, cultivierten Freundin durch Bad AACHEN schlendern, wobei wir beidn auf zarten Elfentraumpömps auf hyperhohen, extradünnen Stiftabsätzen gehn, hat mich hie und da beinah in trance gezaubert. Ich hab schon erzählt [WIEN: darzööt, Bad AACHEN: verzällt], daß ich gut zeichnen kann [cf. Folge 110] respective daß ich mich dieser KUNST gern befleißige. Ich hab michsölbst mehrmals gezeichnet, in Schlaghosen oder Kniehosen, Abendjacke und Hemd mit Crawatte, elegant auf berückend schönen Pömps~Träumchen in meiner classischen Lieblingsform schreitend, auf berauschend~hinreißend hohen hyperdünnen Stilettoabsätzen ~ mal als Einzelgestalt, mal als galanter Begleiter einer aufregend schönen langen, schlanken Dame der Gesellschaft auf supersteil~nadlabsätzigen ganz zehenfreien Füßchenvorführer~Riemchenslings... [ich hab diese kleinen KUNSTwerke noch in unserm Hausarchivum]. =

Ich hab als studiosus auch regelmäßig Vorlesungen von Professoren der KUNSTgeschichte besucht, als Kenner, Liebhaber und Sammler von Gegenständen der Artes Pulchrae. Da war eine wöchentliche Vorlesung, die von zahlreichen Studenten sämtlicher Facultäten gern besucht wurde, möglicherweis weniger wegen des Inhalts [der Herr Docent, den ich gleich nenn, mög mir diese sehr studentische Hypóthesis nachsichtig vergeben], vielmehr wegen der jungakademikerconformen Zeit: zwanzig bis zweiundzwanzig Uhr. Es war die lectio des berühmten Professors Manfred Speidel über Japanische Gartenkunst. {Der Gelehrte Collega ist nunmehr, anno MMXVIII., achtzig, gleichwohl hält er unermüdlich als emeritus Vorträge über seine Liebe und specialitas: Japanische Architectur.} Oftmals war es am bewußten Wochentag so: wir warn fertig mit dem Tagespensum, haben im Studiencollegen=ensemble eine Weile conversiert... bis dann jemand proponiert hat: "Hörn wir uns noch Speidel an und danach gehn wir in die Gastwirtschaft". Da war eine griechische Localität in nächster Nähe, da hat es Riesenportionen mit Bergen von Salat [net meine Sache, wohlgemerkt... a Löberl is´ ka Kiniglhas net...] gegeben, um einladend kleine Preise. So richtig für uns studiosi mit flachem Börsl. An jenem Tag war es auch so... Es ist schnell Mitternacht geworden in Klein=Griechenland. Wir hatten üppig gespeist und reichlich Retsina getrunken. Draußen an der frischen Luft wollten wir einander das typisch OECHER ´Tschöö´ ~ die Rheinische Verschleifung von à DIEU, GOTT befohlen... etwa inhaltsgleich dem, was wir in WIEN gern beim Gehn intoniern: Pfüat di, das ist die mundartliche Kurzform von Behüt dich GOTT ~ zurufen, doch ein Camerad, etwas angeheitert, hat vorgeschlagen: "Gehn wir durch die Antoniusstraße". Nur zum Glotzn, selbstverständlich. {Der benevolente Leser mag sich entsinnen... diese frivole Gasse hab ich teils stadthistorisch, teils anekdotisch ausführlich commentiert, in den Folgen 97 und 98... vielleicht lestst die heitern Stuckerl abermals... und lachts freiheitlich.} Alle warn einverstanden... also sind wir, ein halbes Dutzend Studenten,

fröhlich losmarschiert, vom Templergraben = wo das centrum der Universität ist = in die nachts sehr interessante Pontstraße [Wirtshaus hinter Wirtshaus] eingebogen... bis zum Markt, dann über Büchel, Kleinkölnstraße und Nikolausstraße zum schleißigen, ärmlich anmutenden ´Hintereingang´ der Antoniusstraße. Langsam und schweigsam sind wir durchgeschritten, bis zur Corneliusstraße [ich denk, zu jener Zeit hieß sie noch so, heute Mefferdatisstraße], wo die ganze Frivolitas, das Duftgemix aus Armut und Prahlerei und auch die abgenützte, architektonisch sehr simple Sonderwelt wie auf einen Schlag mit dem Zauberstab unvermittelt aufhörn. Herausgebogen aus der [wie sie vor langer Zeit geheißen hat:] Hurengasse haben wir sogleich eine Dame im Abendkleid in Begleitung eines Herrn im weißen Smoking gesichtet... in Alt~AACHENer Feierlichkeit. = Während unsrer Promenade über die Antoniusstraße hab ich, wie könnt es viel anders sein, vor allem auf die Schuhe der Lustarbeiterinnen geachtet. Aber net nur... Es war mir eine Animierdame aufgefallen... sehr lang, sehr schlank, aufregende Figur, kluges Charaktergesicht, ihre extralangen Beine und ihre sehr schönen, gepflegten Füßchen, diese in zarten weißen Riemchensandaletten, vorführend. Eine richtige Schönheit! In einer andern Umgebung und in eleganter Kleidung hätt ich sie für eine gefeierte Dame der Gesellschaft gehalten. Traurig, hab ich gedacht... hat sie es denn nötig, grad hier zu arbeiten... Weiters hat eine mittelgroße, schlanke, reifere Frau, die mich freundlich, eher decent denn sich anbietend angelächelt hat, meine Blicke auf sich gezogen... An den schmalen Füßen hatte sie ein Paar berauschend schöne classische Pömps in meiner Lieblingsform, besonders spitz, sehr weit décolletiert, aus ziegelrotem Leder, doch auf schwarzen Absätzen... Und auf was für Absätzen!! Stricknadldünn, berückend geschweift, ölfeinhalb Centi hoch... Von diesen Elfchenschuhen hab ich in der folgenden Woche tagelang geträumt...

Fortsetzung folgt.
19.07.2018 um 03:46 Uhr

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1313 Stimmen

Folge einhundertundvierundzwanzig

Selbige aufregende Nadlabsatzpömps wollt ich gern abermals schaun, und zwar genauer und net nur gach im Vorbeigehn. Demzufolg hab ich einige Tage später beschlossen, die bewußte Gasse ohne Cameradenbegleitung zu durchschreiten und zu guckn, ob die steilbestöcklte Lustarbeiterin anwesend sei. = Hab die Mitternachtsstund abgewartet. Diesmal bin ich übern Elisenbrunnen und auf dem hocheleganten Dahmengraben gegangen, in den engen Bädersteig einbiegend, das große Kaufhaus Horten zu meiner rechten Seite. Ein Stück Corneliusstraße nach rechts und da war schon zur linken Hand der = wie ich ihn nenn, im Gegensatz zum ärmlichen ´Hintereingang´ zur Nikolausstraße hin, siehe Folge 123 = Vordereingang in die Antoniusstraße, unter dem Päpstlichen Wappen mit dem Sanct~Marcus~Löwerl [schau unsre Folge 98]. Das einstöckige schlichte kleine Haus, vor dem ich das vorige Mal auf die reife Lustarbeiterin auf den Elfchentraumpömps aufmerksam geworden war, ist in meiner Gehrichtung links im Mittelfeld der Gasse gestanden. Ich hab mich langsam diesem genähert, diskret [was auf dieser Strecke wohl net notwendig gewesen wär... aber einerseits war da meine Unerfahrenheit in dieser Umgebung, anderseits mein von meinem VATER ererbter wie auch gelernter Charakterzug, jede Frau als Dame zu behandeln... zumindest solang sie net mit dem glühenden Plätteisen wild auf mich einipfnachlt] nach rechts und nach links schauend, vorzüglich auf Beine und Schuhwerk der in den Portalen stehenden Sexmanagerinnen. Mein Schlendern und Guckn wurde beidseitig von leisen, auch eher diskreten Rufen begeleitet: "Komm doch mal her..." Und da war dann das gesuchte Haus... und dieselbe Lustarbeiterin, die mittelgroße, schlanke, reife Frau vom vorigen Mal, ist im Portal gestanden, auf den hyperaufregend schönen Nadlabsatzpömps... Ich bin stehngeblieben und hab sie angeschaut. "Komm doch näher", hat sie mich leis ermuntert, und ich bin ihrem Ruf gefolgt. "Schöne Schuhe hast Du", hab ich etwas unsicher gesagt. "Gefallen sie Dir? Komm herein, ich führ sie Dir vor", hat sie sehr freundlich entgegnet. Und eh es mir richtig bewußt wurde, was da geschieht, sind wir im Arbeitszimmer der Sexhelferin gestanden. "Ein schöner Mann", hat sie mein Ausschaun commentiert, "und einen Schnitt hat er!" Sie hat meine Kleidung gemeint, denn ich hab einen eleganten mittelgrauen Zweireiher mit Seidencrawatte getragen. [Wohlgemerkt: auf dem Weg vom Vordereingang bis zum Ziel hab ich auch die durchspazierende Kundschaft beobachtet... es war alles dabei: Gutaussehende sorgfältig gekleidete Herren, selbstbewußt weltmännisch schreitend; ganz und gar schiache ungustiöse Knülche in schleißigen Lederjacken, schwerfällig erplhaft watschelnd - und ein halbes Dutzend eher unauffällige Zwischenstufen, die die große Mehrheit gestellt haben.] "Du verstehst", hat sie weitergesprochen, "wir müssen erst das Geschäftliche regeln. So ist es üblich". Sie hat sicherlich gemerkt, daß ich völlig unerfahren war. "Ich heiße Rita. Trinken wir was zusammen." Ich hab eingewilligt, und sie hat dann den Betrag, zusammengesetzt aus Arbeitslohn, Zimmergöld und Preis für zwei Flaschen Bier, cassiert. Wir haben uns niedergesetzt und langsam unser Getränk consumiert. Nun hab ich mir Rita genauer angeschaut. Sie mochte circa fünfundvierzig sein, hatte eine gute, zarte Figur und ein nettes, sehr freundliches, verhaltene Heiterkeit ausstrahlendes Charaktergesicht. Ihre kleinen Hände waren gepflegt, mit langen, sorgfältig gefeilten Fingernägeln. "Du warst vor kurzem schon mal hier, ich erkenn Dich wieder", hat sie unerwartet festgehalten. "Net zu fassen...", hab ich etwas ungeschickt erwidert, "Du hast wohl ein Riesen=Gedächtnis!". "Kann sein...", hat Rita entgegnet, "aber es ist eher so, daß Du mir aufgefallen warst. Du warst mit Kollegen da, Ihr seid Studenten, denk ich. Und Du hast Dich abgehoben von Deinen Freuden... durch Deine Kleidung, Deine Bewegungen... und Du hast mir ein sehr nettes Lächeln zutelegraphiert... weißt Du, so in der cavalierhaften Art, die hier in dieser Straße nicht oft zu sehn ist. Fast nie, eigentlich... fast..."

Fortsetzung folgt.
10.08.2018 um 01:17 Uhr

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1616 Stimmen

Folge einhundertundfünfundzwanzig

"Du bis also wegen meiner Schuhe hereingekommen...", hat Rita dann von sich aus das Thema angeschnitten, auf das ich auch grad eingehn wollte. "Nicht nur... ich find Dich auch sonst nett", hab ich etwas verlegen erwidert, denn es war mit net bekannt, auf welche Art dieserorts conversatio geführt wird... ob denn hier eine Art Fachkinesisch oder Milieu=jargon vorherrscht und erwartet wird. {Es ist nun mal so: Bestimmte Ausdrücke und Redewendungen entstehn in speciellen Lebenslagen, im besonderen contextûs, mit einer situationseigentümlichen Function... denken wir etwa an die Sprechweise in der Kirche oder am Gerichtshof... respective an Abzählreime oder das berüchtigte Jägerlateinisch; mein berühmter Theologen~College Professor Hermann Gunkel hat diese Erscheinung als ´Sitz im Leben´ bezeichnet. Und: jemand, der die ortsspecifische Performanz net beherrscht, fühlt sich leicht déplaciert oder unwillkommen.} "Danke...", hat Rita leis entgegnet. "Aber nun... ja... ich hab Dir versprochen, daß ich Dir meine Schuhe vorführ." Sie hat ihren Sessel vom Tisch weggeschoben ohne aufzustehn, hat ihre schönen schlanken Beine übereinandergeschlagen und ihr nun schwebendes rechtes zartes Stöcklfüßchen aufregend erotisch gestreckt und hochgewölbt. "Verstandzerreißend schöne Schuhe!", hab ich begeistert gerufen, "und stehn Dir auch phantastisch gut!" "Danke", hat sich abermals gesagt, "Du bist nett. Ich mag diese Schuhe auch sehr gern, trag sie eigentlich nur zur Arbeit, denn in der Stadt auf dem Pflaster würden sie sich schnell abnutzen. Und da ist noch dieses blöde Kopfsteinzeug, womit unser Aachen vollgepflastert ist... müßte verboten sein. Du kannst leicht mit dem dünnen Stöckl in einer Fuge steckenbleiben, und der feine Lederbezug des Bleistiftabsatzes ist ruiniert. Ja, und noch etwas... zur Zeit sind solche Schuhe völlig aus der Mode... leider... und sind bei sogenannten anständigen Menschen verrufen: ´Stiletto=Pömps tragen nur Huren´. Ich trag in der Stadt Schuhe auf steilen Blockabsätzen. Denn flach kann ich nicht gehn. Aber sag mal... nicht, daß ich Dich langweil mit meinem Geplapper..." "Oh nein, Rita!", hab ich rasch geantwortet, "ich red sehr gern über schöne Schuhe". "Das hab ich gleich im Gefühl gehabt... weißt Du, in diesem Beruf wird man langsam zur Psychologin...", hat sie weitergesprochen, "aber zurück zu den Schuhen. Diese hier hab ich noch aus den frühen Sechzigerjahren, stellt Dir das mal vor... ich hab sie gehegt und gepflegt, damit sie ewig halten... denn wer weiß, wann es wieder solche zu kaufen gibt in den Geschäften. Wirklich blöd, dieses Modediktat. Irgendein Heiopei beschließt, daß solche Pömps auf dünnen, hohen Bleistiftabsätzen an Hurenfüße gehören und kréiert für die sogenannte Feine Dame diese häßlichen Plateuschuhe mit den klotzigen Blockabsätzen. Und alle machen gefügig mit, wie die Sklaven. Und nach zehn bis zwanzig Jahren ist die ganze Chose genau umgekehrt: dann trägt die Feine Dame die Bleistiftabsätze und die Hure die Plateaus." [Heiopei ist ein Oecher, das ist: AACHENer Wort mit einem weiten Bedeutungsfächer = von Bruder Lustig bis Dummkopf, ähnlich dem WIENer Wort Hallódri.] "Ja", hab ich bestätigt, "wirklich teppert mit diesen Modecaesaren; es steckt nur das Göld dahinter. Immer irgendetwas zu ´modern´ erklären, damit olle Leit die Kramuri kaufn". Bei den letzten Worten ist es mir bewußt geworden, daß ich, der ich inzwischen den Rheinländischen Zungenschlag recht passabel gemeistert hatte, plötzlich auf WIENerisch geschaltet hab... mutmaßlich vor wohliger Erregung. Rita hat das auf Anhieb registriert. "Du klingst aber nicht so wie ein Oecher... darf ich raten... Österreich..." Ich hab dies freudig bejaht. "Aaach jaa... der WIENer Charme! Den gibt´s also wirklich, wie ich merk", hat sie lächelnd festgehalten, "und wenn Du meine Schuhe so magst, darfst Du meine Füßchen liebkosen. Ist eigentlich unüblich bei uns... weißt Du, die gewohte Nummer halt... Geschlechtsverkehr und basta. Ganz mechanisch. Für beide. Für den Freier ist es Abreagieren, für mich eben Arbeit. Zärtlichkeit ist tabu. Hurenehre. So nennen wir das. Weißt Du... es ist ganz selten, daß uns jemand gefällt. Also... Du darfst. Bist halt die Ausnahme. Und darauf kannst Du Dir was einbilden", hat sie nioch lachend den Satz hinzugefügt. Sie hat mir ihr rechtes Bein entgegengeschwungen. Ich hab mich niedergekauert und ihr kleines schlankes Füßchen auf dem rasant aufregenden Nadlabsatzschucherl gestreichelt. Rita hatte keine Strümpfe an, ihre Haut hat sich glatt und frisch angefühlt, insonderheit die ganz besonders zarten Stellen seitlich links und rechts von ihrer Achillessehne. "Das ist ganz schön geil, wie Du das machst", hat sie angemerkt. Ich hab ihr den hypertraumhaften Schuh zärtlich abgestreift; ein gepflegtes, zierliches Füßchen ist sichtbar geworden, es hat nach Lavendelseife geduftet... ich hab es behutsam liebkost... ebenso das unbeschreiblich schöne filigranhafte Nadlabsatzjuwel... "Oooh... ich beneid Dich um diese Traumschuhe!", hab ich begeistert gerufen. "Trägst denn auch gern solche...", wollte Rita nun wissen. "Leidenschaftlich! Bin süchtig danach", hab ich erwidert. "Das versteh ich", hat sie geantwortet, "kann mir auch vorstellen, daß sie Dir gut stehn. Ich bin auch süchtig nach hohen Stöckelschuhen auf so dünnen Absätzen. Es ist ein total heißes Gefühl, darauf zu laufen. Selbsterotisierend, weißt Du." Ein Gedankenblitz ist durch mein Gehirn gehuscht... und ich mußte lachen. Dieses Wort, ´selbsterotisierend´, hab ich grad das zweite Mal in meinem Dasein gehört. Das erste Mal hingegen anno 1968, aus dem Mund meiner liebreizenden, grad fünfzehnjährigen kleinen Freundin Julia, die mit diesem Ausdruck, den ich als nahezu skandalös empfunden, ihre neuen, ersten eigenen Nadlabsätzträumchenpömps gewürdigt hatte [siehe Folge 79]. "Was lachst Du..." Das hat etwas rügend geklungen. Ich hab also Rita gegenüber meinen Heiterkeitsausbruch kurz begründet. Sie hat nun auch gelacht und den erhobenen Zeigefinger geschüttelt: "Ein kleiner Frauenliebling warst Du also... kann ich mir gut denken. Du hast irgendwas Anziehendes an Dir. Der Mann für fröhliche Stunden. Aber... als braven Ehemann kann ich mir Dich nicht vorstellen." Während dieser conversatio hab ich weiterhin Ritas Füßchen liebkost, den nackten rechten und den phantastisch aufregend bestöcklten linken. "Hast Du auch solche Schuhe...", wollte sie wissen. "Leider nein. In meiner Größe gibt es sie net zu kaufen. Das heißt... wie Du es auch gesagt hast: momentan gibt es diese traumhafte Form gar net zu kaufen", hab ich erwidert, "aber ich hab ein schickes Paar auf sehr hohen Keilabsätzen". "Wie sehen sie aus", wurde Rita neugierig. Ich hab um ein Stück Papier gebeten, einen Bleistift aus der Rocktasche geholt und schnell meine reizenden drei=zehenoffenen Sommerslings gezeichnet, meine Füße in weißen Strümpfen darauf mit wenigen Linien andeutend. "Sehr schick", hat Rita commentiert, "wirklich, sehr schick. Aber... verzeih... irgendwie nicht Dein Stil. Geschlossene spitze Pömps, solche, wie meine, die Klassiker, sind richtig für Dich". "Jaa", hab ich entgegnet, "aber ich bekomm keine..." "Hm...", wurde sie nachdenklich, "ich schau, ob ich was für Dich tun kann. Übrigens... Du kannst wunderbar zeichnen! Mach Dir was draus! Könntest Schuhe entwerfen für Modehäuser. Darf ich das behalten..." Sie hat meine Zeichnung zwischen den Fingern geschwenkt. "Selbstverständlich. Rita. Sehr gern." = "Du mußt nun gehn... die Zeit, weißt Du", hat sie plötzlich streng verlautbart; "Zeit ist Geld, wie es so schön heißt." Ich hab ihr etwas hastig den traumhaften, bezaubernd schönen rechten Nadlabsatzschuh an den filigranhaften, erregend hochgewölbten Fuß gestreift... und hab dabei vor Eile eine ruckartige Handbewegung gemacht. Rita hat sofort ermahnt: "Zärtlich, bitte...!". Ihrer Rüge folgend hab ich ihr den Elfchenschuh abermals langsam abgestreift und hab dann das zierliche, lavendelduftige Füßchen ganz=ganz behutsam ins himmlische Nadlabsatzjuwel gleiten lassen. "Jaaa...", hat sie meine Kunst gewürdigt, "so ist es richtig Genau so. Besuchst Du mich auch ein andermal..." "Ja, gern", hab ich freudig entgegnet. "Ich wart auf Dich... mach Dir einen Sonderpreis... soweit es geht", hat Rita die sessio geschlossen, "das nächste Mal darfst Du meine Füßchen küssen... so richtig an den Zehenansätzen... und... wenn Du magst, bring Deine hochhackigen Schuhe mit. Wir führen unsere Stöckl einander vor..."

Fortsetzung folgt.
30.08.2018 um 02:08 Uhr

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99 Stimmen

Benevolente Leser!

Bin jetzt wieder, für lange Zeit, in unsrer Alten VATERstadt WIEN.

Wennst ich rechnermäßig vorankomm, schreib i fröhlich weiter.

Heiter auf Nadlabsätzen

Löwe.
16.09.2018 um 00:50 Uhr

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99 Stimmen

Ist immer wieder heiter und unterhaltsam zu lesen, nicht zuletzt auch die kleinen Arabesken zu Aachen, das ich auch ganz gut kenne.
07.10.2018 um 15:20 Uhr

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88 Stimmen

Oh, das sind ja überaus erfreuliche Neuigkeiten!

Ich bin gespannt darauf, wie es weiter geht!
16.09.2018 um 03:25 Uhr

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66 Stimmen

Dank löwenherzlich für benevolente critique. Schreib morgen weiter.

Griaß aus WIEN.

L.
13.10.2018 um 03:05 Uhr

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1414 Stimmen

Folge einhundertundsechsundzwanzig

Ich hab fröhlich weiterstudiert auf der Universität... und bin mit den Collegen oft in das eine oder andere billige Studentenwirtshaus gegangen, auf dem Templergraben oder der Pontstraße. [Collegen... habe ich geschrieben... oft sag ich auch Cameraden. Viele Studenten reden hingegen von Commilitonen... ich bin auf distance zu diesem Ausdruck, weil ich ihn für widerspruchsträchtig und inconsequent halt. Das Wort heißt in der lateinischen Originalform commilito oder commiles, abgeleitet aus miles, gleich Soldat Sic!! Con=miles bedeutet also präcis: Mit=Soldat. Und grad in Deutschland, viel=viel mehr als im traditionsbewußten Österreich, ist die große Mehrheit der Studenten entschieden gegen alles Militärische. Wenn die jungen Herren Nachwuchsakademiker wüßten, daß commilito im ´antiken´ Roma = das nur für uns, die Nachwelt, als ´altertümlich´ gilt = Bezeichnung und Anrede für einen Legionärs=Cameraden war...] Hie und da hatten die Collegen ihre jeweiligen respective actuellen Freundinnen dabei... Es tut mir sehr leid, dies zu sagen als Cavalier alten Schlags... aber allesamt keine Schönheiten, einige von ihnen net einmal fröhlich und unterhaltsam... Und ihre Kleidung erst...! = Nun gewiß, ich bin da kein Maßstab... oder vielleicht vertret grad i c h die richtige Wertvorstellung (diese quaestio philosophica mögen wir jetzt net entscheiden...), zumal ich bereits als kleiner Bub von hocheleganten Damen geträumt hab, und dies nach wie vor tu. = Ihre Aufmachung also... Erst einmal: die urschiachsten Schnür=Flachstampfer an den Füßen. Weiters: abgewetzte Hosen, zerknitterte Pullover, schleißige Feldparkas. Und: ihre Herzensfreunde warn ebenso gewandet. [NATO=grüne Feldparkas, beim Militär ausgemustert und dann in second hand shops verscheppert... vielleicht nannten sich die Collegen wegen dieses buchstäblich uniformen Kleidungsstücks ´Commilitonen´...] Jene Nachwuchs=Mannsbilder hatten oft lange, ungepflegte Haare. Insgesamt eine Art unisex=Erscheinung... wir sind grad im Herbst 1976, und das war die Mode der jungen Leute. Was die Colleginnen angeht, ist es mir schwergefallen = ich bitt hierfür gebührend um Vergebung = sie als Damen, ich mein: D a m e n , zu sehn. Da fällt mit ein Witz ein aus jener Zeit. Zwei reife Herren promeniern sich im Stadtpark. Zwei junge Menschen, nebeneinander, bicikln an ihnen vorbei. Da sagt der eine Herr: "Schau mal, lieber Freund... wie sich diese modernen Leute kleiden... ganz und gar uniform... sind das da vor uns Männer oder Frauen..." "Das ist doch ganz klar!", erwidert der andre Herr, "ein nettes Pärchen... der linke ist der Mann, die rechte ist die Frau". "Ja...", so der erstere wieder, "aber woran siehst Du das..." "Na, an der Fahrrädern!", entgegnet der zweite. = Es war auch ganz=ganz selten, in der Stadt eine elegante Dame auf Nadlabsätzen zu sehn. So argst rar, daß ich jedes einzelne solch aesthetische Phaenomen im Gedächtnis behalten hab, über lange Jahrzehnte hinweg. Hier nur ein exemplum... Die stets belebte Einkaufsmeile Adalbertstraße vom Kaiserplatz aus in Richtung Altstadt langgehend bin ich mal auf dem Friedrich-Wilhelm-Platz nach rechts abgebogen, dort ist ein kurzer Arkadengang, da, wo mal das bekannte Feinkostfachgeschäft Kuckelkorn war. Eine aufregend elegante Dame ist mir entgegengekommen, in selbstbewußter, nahezu abweisender Kopfhaltung. Ihre schönen schlanken Beine im engen, wadenlangen Rock. An den schmalen Füßen hatte sie ein paar aufregende graue Stöcklschuhe, die sicherlich Sammlerwert hatten: äußerst spitz, auf ölfundhalb Centi steilen Nadlabsätzen in einer speciellen Form, das heißt weder geschweift noch sich nach unten verjüngend, vielmehr in der gesamten Länge stricknadldünn... aus den mittlern Fünfzigerjahren [nota bene, circa vierzig Jahre später, als ein Modeschöpfer sie recréiert hat, sind sie ´Brasil=Absätze´ genannt worden]. Die Schönheit, insgesamt eine Erscheinung, die jetzt mit dem Ausdruck´retro look´ beschrieben wird, ist nahzu geschwebt über dem Pflaster, mit einer eindrucksvollen Leichtigkeit, als hätt sie unsichtbare Flügerl an ihren Traumschuhen. = Ich selbst hatt immer noch keine Freundin... nun, meine Geschmacksrichtung war zu jener Zeit kaum zu befriedigen; eine zweite Astrid auszuforschen hätte ein Gendarmenregiment beschäftigen können. Aber... da war Rita in der Antoniusstraße; eine Professionelle, und wesentlich reifer als ich; gleichwohl nett und freundlich, zudem auf Traumnadlabsätzpömps.

Ich hab sie wieder besucht... wie besprochen, meine schicken keilabsätzigen Sommerschuhe in einem Stoffsackerl mitnehmend. Von der Corneliusstraße her bin ich in die verrufene Gasse eingebogen, die niedrige Häuserreihe entlang... und Rita ist im Portalrahmen ihres Dienstgebäudes gestanden. Sie hat mich schon auf Entfernung bemerkt, mir erst leicht zugenickt, dann zugelächelt. "Hereinspaziert", hat sie leis gesagt, "irgendwie hab ich geahnt, daß Du heute kommst. Wie ich seh, hast Du Deine hohen Schuhe dabei". "Woher weißt Du das, Rita..." "Nnna... was könnt denn sonst im Beutel sein... eine Schlange etwa?!" Ich war ihr dankbar dafür, daß sie sich unsres Vorhabens entsinnt hat, einander unsre steilhackigen Schuhe vorzuführn. Hätt sie es vergessen gehabt, wär ich sicherlich etwas verlegen gewesen, ihr meine superhochabsätzigen Sandalen, für einen Mann wohl eher ungewöhnlich, vorzuweisen. Ihre Ausdrucksweise hat mich jedoch seltsam berührt. "Schlange? Wie meinst Du das?" "Ach nix", hat Rita erwidert. "Nimm es nicht wörtlich. Ich hab nur gescherzt". Aaaber... wir Löwen sind neugierig, so hat mich das Thema erstmal net losgelassen. "Sag mal, Rita... gibt es Männer... oder heißt es Freier... die sowas mitbringen... oder was anderes, Abwegiges, Bedrohliches..." Meine Gastgeberin ist ernst geworden. "Jaa... gibt es. Ab und zu kommen Männer... sie sehn jämmerlich aus, untergebuttert und irgendwie... wie soll ich es nennen... chancenlos... und sie haben Kästen oder Schachteln dabei. Das verunsichert mich... auch die Kolleginnen... also... ich hab Angst vor solchen Männern. Was sie aber mitschleppen, weiß ich nicht. Meine Bedingung ist: das Paket bleibt geschlossen. Geld... und die übliche Nummer. Sonst ruf ich jemanden." Da war ich nun wieder aufklärungsbedürftig, denn etwas hatte mich beschäftigt. "Sag mal, Rita... wie ist es mit Euren macquereaus... ist das wirklich so wie im Kino oder in den Büchern... entschuldige, daß ich so neugierig bin... geht mich wohl nix an, oder..." "Schon gut. Wenn Du es wissen magst... Auch unüblich, hier über so was zu reden... aber wir sind fast Freunde. Nur sag erstmal: Woher kennst Du dieses Wort... macquereau... ein alter Fachausdruck aus Paris für... na ja, Du weißt schon. Es ist kaum noch gebräuchlich, gehört mehr in die Zwanzigerjahre; man hört es nur noch selten. Wo hast Du es denn gelernt..." "Von meinem VATER", hab ich erwidert. "Dein Vater? Er weiß sowas?" "Ja. Es ist absolut erstaunlich, was er alles weiß", hab ich freimütig erwidert. "Was ist Dein Vater für ein Mensch... jetzt darf ich auch neugierig sein, regelwidrig oder nicht." "Mein VATER ist ein sehr fröhlicher weltmännischer Gelehrter. Professor." "Soso", hat Rita kopfschüttelnd, aber verschmitzt lächelnd entgegnet, "Dein Alter Herr muß ein ganz schöner Filou sein. Stell Dich gut mit ihm... Du wirst noch viel von ihm lernen." "Das möcht ich auch", hab ich geantwortet, "wie verstehn uns gut, zumindest in den grundsätzlichen Dingen... und können viel zusammen lachen". "Das ist sehr gut, daß Ihr Euch versteht. Ist oft nicht so zwischen Vater und Sohn". "Ich weiß...", hab ich erwidert, "... aber wie ist es nun mit den berühmten macquereaus... ist es nicht... öööh... schwierig, daß da jemand herumcommandiert..." Ich hab mir kräftig Mühe gegeben, mich diskret und verletzungsfrei auszudrücken. Rita hat dies gemerkt und ist wieder ernst geworden. "Geht Dich eigentlich wirklich nichts an... aber... hm... Du brauchst hier einen Beschützer. Du kannst nie wissen, was für krankhafte Knilche hier aufkreuzen können. Kommt nicht oft vor... sehr selten eigentlich. Aber einer ist schon einer zuviel. Ich hab in den vielen Jahren nur ein paarmal sowas erlebt, dem HIMMEL sei Dank. Und da mußt Du Dich auf jemand verlassen können, mußt jemanden rufen können. Die macquereaus sind hier im Haus, in Bereitschaft. Ach je... meiner behandelt mich ganz gut, ist auch fair im Geschäftlichen. Es sind nicht alles brutale Frauenschläger, wie man das oft liest. Meiner ist nicht mehr der jüngste... und wir wollen beide bald aufhören mit diesem métier und gehn in eine andere Stadt, wo uns keiner kennt. Wir haben jetzt genug Geld. Und ich bin nun achtundvierzig. Es reicht." Ich hab ein verblüfftes Gesicht gemacht, net nur aus Höflichkeit: "Achtundvierzig... kaum zu fassen, Rita... so jung, wie Du ausschaust..." "Aaha... Dein WIENer Charme wieder. Ich bin achtundvierzig. Und Du?" "Dreiundzwanzig..." "Ach, so jung noch... siehst reifer aus. Dreiundzwanzig... das ist schön... wär ich auch wieder gern..." Die Frage ist mir auf der Zunge gelegen, ob Rita, wenn sie wieder so jung wär, ihr Dasein anders einrichten würd... hab sie aber net gestellt, ich denk, es wär arg unhöflich gewesen. "Vergiß wieder das ganze"; hat meine Gastgeberin mahnend weitergeredet, "so was Persönliches gehört sicher nicht hierher. Ich red mit niemand hierüber... weiß auch nicht, warum ich das bei Dir gemacht hab. Ich mag Dich irgendwie... Blödsinn, was?..." Sie hat gezwungen gelacht und dann ruhig hinzugefügt: "Aber jetzt zeig mir Deine Stöcklschuhe".

Fortsetzung folgt.
14.10.2018 um 04:25 Uhr

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77 Stimmen

In wenigen Tag', so dies der HERR erlaubt, geh i zaruck nach WIEN, wiada für lange Zeit. Vurher visitier i mei' Bua in Thüringen und mei' Frau im Hohen Norden. Aber dann... Drauß is's kühl, in mei' klaan'n Dienstwohnung is's schee warm... und da schreib i gern weiter. Stoff hab i no' lockerst für Hunderte von fröhlichen Folgen.

GESEGNETES FESTMONAT! Euer L.
18.12.2018 um 21:39 Uhr

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88 Stimmen

Alles Gute fürs Neue Jahr. Immer wieder amüsant, bei Ihnen hereinzuschauen. Da hat jemand offenbar auch Spaß an Formulierungen und Begriffen, die man sonst kaum noch hört. Worte wie "schleißig" (für "ungepflegt") und "maßen" (für "weil) z. B. habe ich erst einmal googeln müssen. Bin schon mal gespannt, wie der "Löwe" eines Tages seine "Löwin" kennenlernt, das kann ja auch keine Allerweltsfrau sein.
01.01.2019 um 15:19 Uhr

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Ehemalige

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EUCH SEHR FROHE WEIHNACHTEN, DAZU SEHR VIELE TRAUMNADELABSATZPÖMPS ALS WEIHNACHTS GESCHENKE. 

ALLES LIEBE, EURE MADAMSTILETO
23.12.2018 um 18:09 Uhr

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Ehemalige

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77 Stimmen

Euch einen wundervollen Guten Morgen, Ich wünsche Euch einen Guten Rutsch in das Neue Jahr 2019.

Alles Liebes
29.12.2018 um 09:27 Uhr

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88 Stimmen

Zum drittvorigen benevolenten Beitrag: ja, richtig, ich tendier als Schriftsteller zu Wortschöpfungen und Archaismen. Das "schleißig" ist ein Viennismus [WIENer Mundartwort], das "maßen" ist altmodisch, ich hatt´s erstmalig als studiosus philosophiae bei Professor Immanuel Kant bewußt gelesen. ~ Bin seit acht Tag´ in WIEN... und jetzt schreiben wir unsre Gschicht fröhlich weiter. Das Kennenlernen attractiver Löwinnen folgt vüü später. DANK für die guten Wünsche. Traumnadlabsätzpömps hab ich allerdings net als Festgaben bekommen... aber Bücher, Hochprocentiges... und eine schöne Fellmütze im Stil eines Russischen Grafen, die i nu im zapfnkühln WIEN sehr gut brauchen kann. Erbitt für meine wohlwollende Leserschaft ein GESEGNETES Jahr im HERRN.

L.
10.01.2019 um 01:22 Uhr

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88 Stimmen

Benevolente Leser!

Und gewiß auch Leserinnen...

es ist jetzt modern, beide Geschlechter zu nennen... und HÖFLICH sein woll´ma aa.

Ich schreib grad die näxte Folge... und muß sie dann auf correctura lesen. Hier in WIEN hab ich a so vüü fröhliches Gelöw in der Stadt... KUNSTausstellungen in Riesenmengen, Geselligkeit, K.u.K. Culinarik und auch die private Schreibtätigkeit, um die contactûs zu halten, daß ich kaum zum künstlerischen Arbeiten komm. Gleichwohl, ich mach Fortschritte.

GESEGNETES Jahr!

Löwe.
24.01.2019 um 03:39 Uhr

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99 Stimmen

Folge einhundertundsiebenundzwanzig

Ich habe nach dem Stoffsackerl gegriffen... mit leichter Erregung und auch ein kleinbissl verunsichert... wie würd Rita meine feschen hochhackigen Schuhe wohl commentiern... Aber sogleich war meine Aufregung geschwunden, zumal meine Gastgeberin die Schuhe von meiner Zeichnung, die sie behalten hatte, gekannt und daher genau gewußt hat [stöcklsüchtige Frauen haben ein ausgezeichnetes Gedächtnis für schöne Füßebekleidung], was sie nun erwartet. Hab mir die flachen Slippers abgestreift; da ich auf diese Action vorbereitet war, hatt ich daheim hauchdünne weiße Kniestrümpfe angezogen = und hab jetzt meine schlanken hellbestrumpften Füße in die wollweißen drei=zehenoffenen Sommerslings auf löwenfärbigen Dreizehner=Keilabsätzen gleiten lassen. Bin dann aufgestanden und hab Rita meine hochhackigen Schuhe mittels einiger beschwingter Schritte vorgeführt. "Sehr schick! Wirklich, sehr schick... Aber... es ist eben so, wie ich es Dir schon gesagt hab, als Du mir Deine Zeichnung geschenkt hast... ich hab sie übrigens sicher aufbewahrt... also... es ist nicht Dein Stil, das mit der Zehenfreiheit. Nun sicher, Du armer Kerl, geschlossene spitze bleistiftabsätzige Pömps bekommst Du nicht in Deiner Größe... nicht mal ich bekomm sie in meiner. Leider. Wirklich schade, diese doofe Mode. Also freust Dich, daß Du zumindest diese hast. Versteh ich. Aber... eines muß ich Dir lassen. Große Anerkennung! Du kannst darauf gehn als wärst Du auf hohen Absätzen zur Welt gekommen. Drezehn Centimeter, was? Ganz schön steil." "Ja...", hab ich erwidert, "aber Deine erst! Ölfeinhalb Centi auf Größe siebenunddreißig..." "Hoppla!", hat Rita dazwischengerufen, "Du hast aber ein perfectes Augenmaß! Stimmt genau!" "Also...", hab ich weitergeredet, im Kopf calcuierend, "das ist im Verhältnis etwa so, als würd ich auf Vierzehnern gehn. Weiß net, ob ich so hochhackig noch locker gehn könnt. Sicherlich nur ein Centi Differenz... aber in diesen Fersenhöhen sind schon ein paar Millimeter Unterschied fühlbar." Rita hat kennerisch gelächelt. "Ich seh, Du verstehst wirklich was von Stöcklschuhen. Hast aber recht... meine Absätze sind wirklich sehr hoch für meine kleinen Füßchen. Sagen manchmal die Kolleginnen auch... wie ich das denn aushalt abende= und nächtelang fast jeden Tag. Hier, die Gilla nebenan, sicherlich hast Du sie schon gesehn, die lange schlanke, klagt jeden Abend darüber, daß ihr die Füße weh tun auf solchen Schuhen, aber die Freier stehn eben drauf. Dabei hat sie Größe einundvierzig, und ihre Bleistiftabsätze sind genausohoch wie meine. Also müßte sie es leichter haben." "Auf Nadlabsätzen gut gehn zu können ist Begabungssache", hab ich erwidert. "So ist es!", hat Rita freudig bestätigt, "und eine große Freude ist es auch. Wie ich seh, haben wir die gleiche Vorliebe... und, wie Du sagst, die gleiche Begabung." Wir haben gelacht. Im kleinen, überfüllten Raum war kein großer Wandspiegel, sonst hätt ich angeregt, daß wir einander vor dem ´Glotzglas´ unsere hochhackigen Schuhe mittels eleganter Körperbewegungen vorführen. Auch ohne dies hätt ich mit Rita weiterconversiert über aufregende Stöcklschuhe, das Thema, das uns beide offensichtlich bewegt und erfreut hat... aber die zeitliche Grenze war wieder erreicht... ich mußte gehn.

Bin noch eine Weile umhergeschlendert, wie wir das in der Familie nennen: umhergelöwt in der spätnächtlichen, fast wie ausgestorben anmutenden Kaiserstadt. Hinaus aus der Animiergasse zur Corneliusstraße hin, dann Bädersteig, Dahmengraben, Holzgraben, diese Promenierstrecke voll eleganter und teurer Geschäfte... Hie und dort stehenbleibend, um die Auslagen von Schuheverkäufern zu schaun, aber es war nix Neues da, immer noch die klotzigen, langweiligen Plateausandalen. "Damit geht man, als hätte man Briquetten unter den Fußballen... und diese Treter sehn auch so aus", hatte einige Wochen zuvor eine fesche Dame, auch in Gegnerschaft zu solcher Füßebekleidung, diese seltsame Mode commentiert. Bin langsam und kommod weitergegangen, über schöne ´alte Zeiten´ in WIEN, der andern Kaiserstadt, sinnierend, bis zur kleinen gepflasterten, gegenüber der Einmündung in die Adalbertstraße leicht erhöht gelegenen Plattform, wo am Eck zur Ursulinerstraße das Klenkes=Denkmal steht, ein modernes Kunstwerk aus Bronze von Hubert Löneke, drei circa lebensgroße Menschen darstellend, die den kleinen Finger der rechten Hand zum Aachener Erkennungsgruß erheben. Und da hab ich unwillkürlich laut aufgelacht, denn es war mir etwas Erheiterndes eingefallen aus den Gymnasial=Primanerjahren, als ich ein Frischling in AACHEN gewesen war, noch weitgehend unerfahren in den Ur~Oecher Gepflogenheiten. Auch an jenem Tag war ich umhergelöwt im eleganten Stadtcentrum. {Diese Vorliebe hab ich sicherlich von meinem VATER geerbt; er, der stets elegante, fröhliche, gelehrte Grandseigneur, war ein passionierter Großstadtspaziergeher, er konnte Tage und Nächte durchpromeniern, ohne Müde oder gar gelangweilt zu werden, hie ins Caffeehaus, da ins Kino, dort in die Gastwirtschaft einkehrend... und es war immer eine Freude für mich, mitzulöwen... Bereits als Bub, sobald es mir meine Eltern erlaubt hatten, in den frühen Abendstunden ohne Begleitung aus dem Haus zu gehn, war ich leidenschaftlich gern umherpromeniert in der Großstadt... Nota bene, die Chronologie für einen Moment verlassend: auch grad zur Stund, wo ich dies schreib, bin ich hier in WIEN vom lang ausgedehnten fröhlichen Umhergelöw heimgekommen... Zurück zur Erzählung: Wo meine Erziehfreill'n gefragt hat, wo ich denn schon wieder hingeh, hab ich WIENerisch erwidert: "Gschlendan gehn". Herumschlendern also. Die alte Dame hatt diese meine Vorliebe fortan auch so genannt.} Nun, auf später Nacht im Centrum von AACHEN, vor dem Klenkes=Denkmal, lachend. {Der ´Klenkes´, sprich: Kleenkös, hat mit dem Wort ´klein´ nix zu tun, vielmehr mit ´klinken´... hierüber schreib ich ein andermal, denn die causa ist etwas verwickelt, ihre Darlegung würd jetzt vom momentanen Extrathema ablenken.} Ja, laut lachend über ein sprachliches Mißverständnis von dereinst. Ich war also anno dazumal, 1970, als Primaner umhergelöwt... und genau an jener Stelle, wo ich jetzt, Jahre später, nach dem Besuch bei der nadlabätzigen Rita, gestanden bin, war eine Menschenansammlung. Wißbegierig, wie wir Löwens nun amol sind, hab ich mich derselbigen angeschlossen. Herr Oberbürgermeister Hermann Heusch hatt grad eine Festrede geschwungen, etwas ernstlich, wie er stets war, aber geschliffen. Neben ihm ist was Hohes und Verhülltes gestanden. Nun war der Grund der Ansammlung klar... ein KUNSTwerk sollte eingeweiht werden. Das Stadtoberhaupt hat seine Ansprache geschlossen... und mit einer feierlichen Handbewegung die Stoffbahn langsam vom obiectum gezogen... und Hubert Lönekes Klenkes=Denkmal ist zum Vorschein gekommen... mit dessen Bedeutung ich aber nix anfangen konnt, war halt noch zu frisch in der Stadt. Plötzlich und unvermittelt hat jemand angeregt, die Oecher Stadthymne zu singen, die sofort von allen fröhlich angestimmt wurde. Liebe Leserschaft, ich muß jetzt den Text wiedergeben, sonst ist mein Lachgrund net verständlich.

"Vür sönd allemoele Öcher Jonge // Weä jet welt, deä ka jo komme // Heijerassassá, vallerallalá. Stecke en Jeweähre met ´ne Wißquaaß dra // Lade-ritschumdei, nojjene Paaß ereei, Lade-ritschum-ritschum-ritschum-ritschum-dei - juchei

// Lade-ritschum-dei, nojjene Paaß ereei, Lade-ritschum-ritschum-ritschum-ritschum-dei - juchei!!"

= Auch wenn jemand Rheinisch kann: Der Text ist scheinbar eine völlig sinnlose, jedweden Zusammenhangs entbehrende Aneinanderreihung von seltsamen Ausdrücken. Aber nur für den Ortsunkundigen, denn die Formeln haben alle etwas mit der Stadtgeschichte AACHENs zu tun; in einer der nächsten Folgen schreib ich was dazu, momentan würd das nur ablenken. Gleichwohl: die Silben jeweils nach "nojjene Paaß ereei" [bedeutet: in die Paßstraße hinein... gebogen, respective marschiert in der Carnevals=Colonne] haben tatsächlich keine konkrete Bedeutung, sind bloß stimmungsmalende Sing=interiectiones, wie hollari oder trallala. Und ich, klaaner ~ wenn auch langer ~ Primaner steh da und hör mir an, wie circa sechzig Menschen ohne Chormeister und mehrheitlich auch ohne musicalische Ausbildung, dies mir bis dahin absolute unbekannte Lied heiter aus den Hälsen schrein... Statt ritschum = jo, wos hääßt des denn aa = hab ich jeweils ´Schlittschuh´ verstanden... nun wohl, wenn eine freie Ansammlung von Menschen einfach drauflossingt, dann ist wohl keine textliche Sauberkeit zu erwarten... mal abgesehn davon, daß mir diese auch net viel geholfen hätt, lests doch no´amol die Zeilen durch, liebe Freunde... Wohl noch ganz WIENer, hatt ich an den Schlittschuhwalzer von Emil Waldteufel gedacht. Aber... es war Sommer!! Was zum Henker wollten all die Leut´ mit Schlittschuhen mitten im Sommer?? Und auch noch bei einer KUNSTwerkeinweihung... = Nun, das war meine allererste Erfahrung mit der Oecher Stadthymne... und dieser Schlittschuh statt ´ritschum´ geht mir seitdem net aus dem Kopf.

Fortsetzung folgt.
28.01.2019 um 05:03 Uhr

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33 Stimmen

Lieber Löwe, ich hoffe Sie haben das Schreiben noch nicht eingestellt. Aber es ist Karneval und da haben Sie bestimmt auch zu tun. Andererseits: wenn Sie jetzt in Wien sind - da habe ich Verständnis für die lange Pause. Ich glaube, wenn ich immer da lebte, käme ich zu gar nichts mehr, ich würde schlichtweg untergehen: Kaffeehäuser, Theater, Beisel... Die Stadt hat so eine etwas morbid-attraktive Atmosphäre, die für mich nicht ungefährlich wäre.
03.03.2019 um 15:38 Uhr

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44 Stimmen

Lieber, benevolenter Leser!

Dank löwenherzlich für die Zuschrift. Vom Jahrswexl bis in die erste Feberwoche war ich tatsächlich in WIEN, vierundhalber Wochn... und so dies der HERR erlaubt, geh ich in sieben Wochen wieder durtnhin für längere Zeit. Momentan bin ich in der Thüringischen Kleinstadt, die wir in unserm Buch diskretionswegn Günthersdorf nennen werden [kommt viel später], auch wegen des CARNEVALS, wo ich der ~ hoffentlich ~ immer fröhliche Sitzungspräsident bin. Wir haben guating gefeiert. = Die Kühle macht mich absolut ur~kamód, noch gemütlicher [in WIEN gmiadli´ respective in Bad AACHN jemötlesch bedeutet = auch = das gleiche wie laangsaam] als sunst. Werd´s a wengerl warm, schreib ich mit FREUDEN weiter, wennst es Eahna ebenso a FREID macht... zunäxt im Haus LÖWENBURG, dann in WIEN.

GESEGNETEN Frühling!

Ihr ergebener

Löwe.
12.03.2019 um 01:05 Uhr

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55 Stimmen

INTERMEZZO.

Sehr gern hab ich die würdigenden Worte über unser WIEN gelesen... Seit mei Bua, das ist mein Sohn, als Student einen selbständigen Haushalt führt, bin ich oft durtnsööbst... Im fertigen Jahr MMXVIII hab ich knapp sechs Monate in d´ schee Kaiserstadt gelebt und vüü~vüü KUNST gesehn... am 6. Mai und am 16. September hatt ich dies kurz gedanklich gestreift. So dies der HERR erlaubt, bin ich heut in siabn Wochn wiada durtn. Mei Bua ist grad in Bad AACHEN... er visitiert eine alte Freundin von m i r ... die schöne lange Rheinländerin Yvette; in unsern Folgen 87 wie 89 hatt ich die Dame kurz apostrophiert... Wiederlesen höflichst empfohlen, aa mir sööbst. Wir werden uns noch ausführlich mit ihr befassen, suo tempore. HIMMLISCHE Güte... Anfang näxtes Jahr wird sie... oooh... i tua mi´ schwar, des niederz´schrääbn... wird sie... sech... öööh... Aber eine Schönheit nach wia vur. Meine Damen Leserinnen, jetzt bekommts ka Wutanfall net. Mein VATER, der elegante Cavalier und steter Verehrer des Schönen Geschlechts, der im Krieg bei der vornehmen Cavallerie {ur~passend} gedient hatte, pflegte den sölbstverfaßten Zweizeiler zu recitiern:

A scheene Frau, a guat´s Pferd

Solln bleibn jung wie unbeschwert.

Jo... zauban müaßt mir kinna!! Nebenbei: Pferde und auch Hunderl konnten sich niemals mit mir anfreunden, obschon ich mir redlichste Mühe gegeben hatt. Aber... Zimmerlöwis! Wann und wo auch immer so´an freilaufender Liebling mich erblickt, kommt er zu mir... i kauer mich auf der Gassn erfreut nieder, und wir löweln vergnügt einige Minutn. Die kleinen Freundis spüren meine Zuneigung und erfühlen meine Löwigkeit. Einmal ist mir a Löwerl geschickt auf die linke Schulter ghupft und ist durtn verblieben mehrere hundert Meterl lang, während ich stadteinwärts gegangen bin. ~ Allora... zaubern... a wengerl kann i des. Mögen alle Schönen Damen auch in ihren reifern Jahrn attractiv bleiben. Zauberformel.

Griaß auf bischofsfärbigen spitzen Nadlabsätzpömps.

L.
13.03.2019 um 01:49 Uhr

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Folge einhundertundachtundzwanzig

Ab da hatt ich Rita jede Woche einmal visitiert auf ihrem Arbeitsplatz. Es war schön und aufregend, mit ihr freundschaftlich über nadlabsätzige Träumchenpömps zu reden... und ihre zierlichen, gepflegten Füßchen zu liebkosen. In der kleinen Stube war ein circa ein Meter siebzig hoher dunkelbrauner Kleiderkasten; wenn jemand das Zimmer betreten hat, ist jener sofort ins Blickfeld gelangt. Bei einem der nächsten nächtlichen Besuche bei Rita hab ich auf dem Flachdach des Kastens zwei Paar hochhackige schwarze Schuhe erblickt, die mit den steilen Absätzen zum Zuseher hin daselbst aufgestellt warn. Ich hab auf ein Paar zwölf Centi hohe, etwa vier Centi breite wildlederbespannte Blockabsätze und ein elegant geschweiftes extradünnes Paar zehneinhalb Centi lange rasant erregende glattlederbezogene Nadlabsätze geschaut... ersteres war mit Fesselriemchen bestückt, die an den Achillessehnen zu kreuzen warn, letzteres hatte schmale Fersenslings. Rita hat mein Interesse sogleich bemerkt. "Gefallen sie Dir..." "Ja, sicher", hab ich bekräftigt, "darf ich sie mir mal anguckn..." "Nur zu", hat mich Rita ermuntert, "so viel Vertrauen haben wir inzwischen zueinander". Ich hab zuerst das Paar auf den steilen Blockabsätzen in die Hände genommen: dreizehenfreie Wildledersandalen mit zwei Centi dicken Plateaus, also net meine Lieblingsform. "Sind das die Schuhe, von denen Du mal erzählt hast, daß Du sie in der Stadt trägst... als wir über das tepperte Modediktat und die lästigen Pflasterfugen geredet haben..." "Ja, genau. Hast Dir gut gemerkt. Wenn Du magst, führ ich sie Dir vor." "Darf ich sie Dir anziehn...", wollt ich nun wissen. "Ich bitte sogar drum", hat Rita komplicenhaft lächelnd entgegnet und sich niedergesetzt. Zärtlich hab ich ihr die verstandzerreißend schönen ziegelroten schwarz=nadlabsätzigen Pömps von den erotisch hochgewölbten kleinen Füßchen gestreift, diese dann in die zehenoffenen Sandalen gleiten lassen und die dünnen Riemerln an den hyperschlanken Fesseln festgespangelt. Rita ist aufgestanden und hat ein paar Schritte gemacht... mehr war in der winzigen Stube auch net ausführbar. "Ja... auch schick...", hab ich commentiert, "aber die aufregenden Bleistiftabsätzpömps stehn Dir viel besser. Plateaus sind net meine Sache... und diese Blockabsätze... sind zwar sehr hoch, aber... hm...". "Ich weiß", hat Rita erwidert, "auf diesen Schuhen hast ganz andere Beine. Aber in der Stadt sind sie praktischer". Ich bin wieder zum Kasten geschritten und hab das andere Paar in die Hände genommen. "Oooh... diese sind sehr schön!!" Tatsächlich... Überaus spitze, weit zehenansätzefrei décolletierte Schucherl mit offenen Seiten und Fersenslings, auf stricknadldünnen classischen Stiftabsätzen. "Jetzt kannst Du mir diese anziehn", hat mich Rita ermuntert, "ich denk, sie gefallen Dir besser". Sie hat die blockabsätzigen Sandalen ausgezogen und mir überreicht, ich hab sie auf das Kastendach zurückgestellt. Dann bin ich wieder in die Hocke gegangen und die traumhaften zarten Slings behutsam an die Elfenfüßchen meiner Gastgeberin gestreift. "Meisterhaft machst Du das mit Deinen schönen Händen... mit Deinen langen, schlanken Fingern", hat sie meine Griffe gewürdigt. Ich hab ihre aufregenden Stöcklfüßlis minutenlang zärtlich liebkost, die hochgewölbten Fußrücken, die freien Zehenansätze, die Seiten der schlanken Fersen zwischen Hacken=Decksohlen und Slingriemchen küssend und mit den Fingerspitzen streichelnd... Dann ist Rita aufgestanden und mir die rasanten nadlabsätzigen Schucherl vorgeführt, mit selbstbewußt erhobenem Kopf, in grader Körperhaltung. Ich war hingerissen... "Wo hast Du sie denn her... ich seh sie heut das erstemal." "Ich hab sie vorige Woche in Köln gekauft. Auf der Venloer Straße. Ganz weit draußen... wenn Du stadtauswärts gehst, rechte Seite. Wirklich ganz weit, wo Du denkst, daß da nix mehr ist. Ein Restpostenladen für Bekleidung aller Art. Und... jetzt halt Dich fest, mein Lieber!" Rita hat hier ein geheimnisvolles Gesicht geschnitten.... und ich wurde hellst aufmerksam. "Ja! Halt Dich fest! Das gleiche Paar gibt es auch in Groß. Hab sofort an Dich gedacht. Geh mal hin, vielleicht paßt Dir ein Paar. Aber beeil Dich, es sind Einzelpaare." Und nun mußt ich wieder gehn... Hab meine hochkeilabsätzigen Schuhe, die ich bei diesen Besuchen stets angehabt hab ~ zumal es mir schon immer eine wohlige Erregung bereitet hat, bei Gesprächen über Stöcklschuhe selbst steile Absätze zu tragen ~ gegen die unbequemen Flachlinge gewechselt und hab mich verabschiedet bis zur folgenden Woche.

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Zwei Tage später bin ich mit der Bahn nach Köln gegangen. Die Venloer Straße, die beim Friesenplatz anfängt, ist in der Tat sehr lang, mißt bis zur Stadtgrenze achteinhalb Kilometer. Hab mich zur Einmündung begeben... und bin marschiert und marschiert... Als ich gedacht hab, da komme wirklich nix mehr, hab ich den Laden gesichtet, auf einer dreistelligen Hausnummer. Ja... ich geh meilenweit für... [net Camel Filter, sondern......] Nadlabsätzpömps. Bin lässig in die Verkaufshalle hineingeschlendert, hab mir dies und jenes angeguckt... und dann Ausschau nach Stöcklschuhen gehalten. Und da warn sie... an der hintern Wand, in einer Reihe von Holzregalen, net nach Größe, vielmehr nach der Form geordnet. Eine kleine Ansammlung von = zu jener Zeit voll und ganz modefernen, gar häufig schlechtgeredeten = Nadlabsätzömps war auch da... und mein Löwenherz hat angefangen, freudig schnell zu schlagen!! Und da hab ich das schwarze Slingpömps~Modell, welches ich bei Rita gesehn hatte, erblickt... Es sind da sechs Paar in diversen Größen nebeneinander gestanden. Schnööölll! Nix wie hin!! Hab nach dem rechten Stöckl des offensichtlich längsten Paars gegriffen, auf die Sohlenunterseite geschaut... und hab den Freudenschrei unterdrücken müssen: Dreiundvierzig!! Dann auf das Preisschild... erfreulich billig. Und jetzt erst auf die Qualität... feine hochelegante Lederschuhe. Besonders schmal geschnitten und auch eine Nummer zu kurz, aber ich werd sie schon an meine Füße bekommen... wegen dieser Absätze... dieser hypertraumhaften classisch~rasant geschwungenen Bleistiftabsätze, extradünn und, zusammen mit den unter den Fersenslings sichtbaren Sohlenhinterkanten, ganze zwölf Centi hoch!! Und diese supraspitzen, sehr weit zehenansätzefrei décolletierten Vorderblätter! Rasch bin ich mit diesen Juwelen zur Cassa geeilt, hab bezahlt, bin mit der Tram zum Hauptbahnhof gegangen... und heim nach Bad AACHEN...!!

Fortsetzung folgt.
24.03.2019 um 05:42 Uhr

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